Roger McNamee, einst Facebook-Investor, ist mit dem Buch
"Die Facebook-Gefahr" zum Facebook-Kritiker geworden. Im Gespräch mit Monika Ermert von
heise.de fordert er ein Gesetz zum Verbot von Algorithmen, die Emotionen verstärken: "Das Grundproblem ist, dass das Geschäftsmodell auf die
Monopolisierung von Aufmerksamkeit gerichtet ist. Die Firmen setzen dazu Amplifizierungs-Algorithmen ein, um den Leuten genau die Inhalte zu präsentieren, mit denen sie sie am besten auf der Plattform festhalten können. Für die meisten Leute gilt, dass sie am ehesten dranbleiben,
wenn sie wütend sind oder Angst haben. Also bekommen wir Hate Speech, Desinformation und Verschwörungstheorien. Genau da muss die Regulierung ansetzen. (...) Wer
digitales Gift verbreitet, sollte ökonomisch genauso zur Verantwortung gezogen werden, wie derjenige, der chemische Gifte in Umlauf bringt."
Die Demokratieforscher
Christopher Walker,
Shanthi Kalathil und
Jessica Ludwig vom National Endowment for Democracy (NED) (einem einst von Ronald Reagan gegründeten Thinktank) warnen in der
FAZ vor "
wechselseitiger technologischer Abhängigkeit zwischen Demokratien und autoritären Regimen". Die Überwachungstechnologien in "scharfen Regimes" wie China und Russland könnten mit den Plattformen verschmelzen und auch die Demokratien unterhöhlen: "Im Kontext der neuen Technologien zielt scharfe Macht darauf ab, das Ökosystem, in dem
Informationen und Ideen zirkulieren, grundlegend zu verändern. Sollten die größten autoritären Staaten noch weiteren Einfluss auf die Plattformen gewinnen, über die Menschen in aller Welt Informationen erhalten und teilen, werden höchstwahrscheinlich noch weiterreichende Formen '
autoritärer Kuratierung' entstehen, wie man dies nennen könnte. Unter diesen Umständen wird man noch präzisere Algorithmen entwickeln, die sicherstellen, dass unerwünschte politische Inhalte vor den Augen der Nutzer verborgen bleiben." Den Artikel kann man im Original
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