Scharf antwortet Thomas E. Schmidt in der
Zeit auf
Omri Boehm (
Unser Resümee), der vergangene Woche ebenda, so Schmidt, "bestimmte, wer in Sachen Antisemitismus und Documenta mitreden darf, welches Argument das richtige,
welcher Universalismus universal, welcher nur partikulär sei. Er möchte der deutschen Gesellschaft weiterhin die
BDS-
Position verordnen, mithilfe strenger Debattenregie." Aber die deutsche Gesellschaft ließ sich auch von den Documenta-Machern nicht infiltrieren, fährt Schmidt fort und hält fest: "Der
Antisemitismus, ob biodeutsch-rechts oder postkolonial-links, also israelbezogen, bleibt
anstößig. Die deutsche Gesellschaft stellte klar, dass er auch nicht durch Kunst und durch feine oder unfeine Theorieoperationen zu differenzieren sei. Niemand hat das Recht auf
ein bisschen Judenhass: Es bleibt immer Hass, Wille zur Vernichtung. Dies festzuhalten ist eine Frage des Humanen inmitten einer Welt zorniger Geschichtserzählungen - und das gilt in Kassel genauso wie in Jakarta. Den Willen zur Vernichtung von Völkern und ihren Staaten nicht hinzunehmen muss Sache einer wachen Gesellschaft sein: Sie muss den
Revisionismus von BDS genauso ächten wie denjenigen Putins in der Ukraine. Darauf beruht das Universelle von Moralität."
So
woke sei sie ja gar nicht, versichert die neue Antidiskriminierungsbeauftragte
Ferda Ataman im
Zeit-Interview mit Paul Middelhoff und Nina Monecke, in dem sie auch erklärt, weshalb sie im Vorfeld all ihre Tweets löschte: "Ich finde, das private Twitter-Profil einer Publizistin passt nicht zu einer designierten Antidiskriminierungsbeauftragten des Bundes, deshalb habe ich einfach alle Tweets gelöscht. Ich wundere mich auch ein bisschen, dass das so eine Empörung hervorgerufen hat, denn erstens ist das
alles noch in Internet-
Archiven zu finden. Und zweitens bin ich nicht die Einzige, die ihre Tweets gelöscht hat. Der
Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt zum Beispiel hat das auch getan, aber ihn hat dafür niemand kritisiert."
Außerdem: In der
Zeit erkennt der Literaturwissenschaftler Toni Tholen bei der Lektüre von
Karl Ove Knausgards Essay über Hitler, dass der Typus des "
Fascho-
Patriarchen" in
Wladimir Putin bis in die Gegenwart überdauert. Ebenfalls in der Zeit probiert Michael Thumann russische Imitate, die in Russland nach dem Rückzug westlicher Firmen auf den Markt kam. Bei so manchem Burger und Cola-Imitat bekommt er das "Würgen".