9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Geschichte

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.06.2023 - Geschichte

In den Kontext der DDR-Beschönigung und einer wie nie blühenden AfD fällt der siebzigste Jahrestag des 17. Juni, an den Anne Rabe ("Die Möglichkeit von Glück") in der Welt erinnert. Protestiert wurde damals nicht nur gegen Normerhöhungen, betont sie, sondern auch gegen stalinistischen Terror. Sie erzählt die Geschichte einer Gruppe von Jugendlichen aus Werder bei Potsdam, die sich 1952 der FDJ verweigerte und die Kontakt zu antikommunistischen Gruppen im Westen aufnahm. "Auf eine erste Verhaftungswelle, auf nächtliche Verhöre, denen sie, von denen einige noch Teenager waren, kaum standhielten, folgte eine zweite und schließlich eine Reihe von Urteilen. 24 junge Menschen wurden 1952 vor ein sowjetisches Militärgericht gestellt und sieben von ihnen zum Tode verurteilt. Für die Verteilung von Flugblättern. Ohne ihre Familien darüber zu informieren, setzte man sie in einen Zug nach Moskau, wo sie per Genickschuss hingerichtet wurden. Erst nach dem Ende der DDR erfuhren die Angehörigen, was passiert war." Etwa tausend solcher Todesurteile, so Rabe, seien bis 1953 vollstreckt worden.

Zwei Artikel in der FAZ greifen den polnischen Streit um die polnische Rolle während des von Deutschen verübten Holocaust auf. Am Deutschen Historischen Institut in Warschau gab es während eines Vortrags des Historikers Jan Grabowski einen Eklat, schreibt Felix Ackermann, bis vor kurzem Leiter des Instituts. Ein rechtsextremer Abgeordneter des Sejm erzwang durch Zerstörung von Mikro und Lautsprechern den Abbruch der Veranstaltung, in der Grabowski über "Das (wachsende) polnische Problem mit dem Holocaust" reden wollte. Maciej Górny thematisiert in einem zweiten Artikel die Drohungen gegen unabhängige Medien und Wissenschaftler nach einem Interview mit der Holocaust-Forscherin Barbara Engelking (unsere Resümees): "Die Sprache, der sich die Kritiker Barbara Engelkings bedienten, die Parallelen zur antisemitischen Hetze des Jahres 1968 aufweist, ist die Blüte der Geschichtspolitik der polnischen Rechten. Dass die aggressiven Reaktionen zudem durch eine Äußerung zu polnischen Juden hervorgerufen wurden, bestätigt den Eindruck. Das mithilfe dieser Sprache gezeichnete Geschichtsbild ist nationalistisch, feierlich und exaltiert. Begleitet wird es von antiintellektuellen Motiven, die typisch für den Populismus sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.06.2023 - Geschichte

Martin Doerry, ehemals stellvertretender Chefredakteur des Spiegel, lässt für die Zeit das 16-bändige Editionsprojekt "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" Revue passieren, das jetzt abgeschlossen ist. Das monumentale Projekt wurde unter anderem von Götz Aly mit betreut, der Perlentaucher hat im Lauf der Jahre aus einigen Bänden "vorgeblättert". "Das gewählte Verfahren, die streng chronologisch geordnete Präsentation der Dokumente, verzichtet auf eine Bewertung des Materials", erläutert Doerry. "Die Herausgeber aller Bände beschränken sich jeweils auf eine längere Einleitung und eine beeindruckende Zahl von Anmerkungen zu den historischen Texten. Und so liest sich die Edition wie ein gigantisches Tagebuch voller Hass und Brutalität, Zerstörungswahn und ideologischem Fanatismus, aber auch voller Ängste und enttäuschter Hoffnungen. Jede Leserin, jeder Leser wird hier in ein Wechselbad der Emotionen geschickt, wird Zeuge von Niedertracht und Hilflosigkeit, Verachtung und Verzweiflung. Wer sich darauf einlässt, größere Teile der Edition am Stück zu lesen, wird unweigerlich bedrückt und belastet." Allen Rechten und Linken, die die Erinnerung an den Holocaust heute als leeres Ritual verspotten, empfiehlt Doerry diese Lektüre.

In der NZZ blickt der Sozialwissenschaftler Matthias Messmer zurück auf die Anfänge des Konflikts zwischen China und Taiwan: "Wie bei jedem Konflikt begann auch dieser im Kleinen: Mao Zedong, ein Bauernsohn und Kommunist, hasste Chiang Kai-shek, den Nachfolger des modernen Staatsgründers Sun Yat-sen und Führer der chinesischen Nationalpartei (Kuomintang), aus tiefstem Herzen. Und umgekehrt. Der offene Bürgerkrieg in den vierziger Jahren war die logische Folge. In diesem siegte 1949 bekanntlich Mao, und Chiang musste sich mit seinen Truppen wohl oder übel - aber bis zu seinem Tod 1975 stur an der Vision von der Rückeroberung des Festlands festhaltend - nach Taiwan zurückziehen. Wohlgemerkt auf eine Insel, die bis kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts nur eine sehr geringe Wertschätzung durch die Kaiserdynastie der Mandschu erfahren hatte - und erst nach der fünfzigjährigen Kolonialherrschaft der Japaner (1895-1945) von China als begehrenswertes Territorium entdeckt wurde. Bis zu jenem Zeitpunkt war Taiwan lediglich für Han-Chinesen aus den südlichen Provinzen Fujian und Guangdong (meist Hakka- oder Hoklo-Abkömmlinge) von Interesse. Diese hofften, auf der ursprünglich von austronesischen Ureinwohnern bewohnten Insel ein besseres Leben als in ihrer eigenen Heimat zu haben."

Im mit fünfzehn Minuten Lesezeit angegebenen Welt-Gespräch mit Jan Grossarth erklärt der Historiker Ewald Frie, dessen aktuelles Buch "Ein Hof und elf Geschwister. Der stille Abschied vom bäuerlichen Leben in Deutschland" für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert ist, wann die bäuerliche Zeit in Deutschland zu Ende ging: "Die Brüche begannen schon im 19. Jahrhundert mit der Verstädterung und Industrialisierung. Aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg löst sich die bäuerliche Sozialwelt auf: Der Bullenball im November, die monatlichen Zuchtviehmärkte, die Heiratsstrategien: Bauernsöhne heiraten Bauerntöchter, um die Zukunft des Hofes zu sichern. (…) Die 1950er Jahren wirken im Rückblick wie ein letztes Aufblühen, ein 'Indian Summer' der alten agrarischen Epoche. Aber all das fällt in den 1960er Jahren auseinander. (…) Das Wirtschaftswunder bringt neue, attraktivere Betätigungsmöglichkeiten. Vor allem die kleineren Bauern entscheiden sich für andere Berufe. Um einen Lebensstandard zu halten, der der außerbäuerlichen Welt vergleichbar ist, wird immer mehr Land, werden immer mehr Tiere benötigt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.05.2023 - Geschichte

Der Osteuropahistoriker Robert Kindler erinnert in der FAZ an den "Ascharschylyq", die von Stalin ausgelöste Hungerkatastrophe in Kasachstan, der noch vor dem Holodomor in der Ukraine anderthalb Millionen Menschen zum Opfer fielen. In Kasachstan wird der Katastrophe am 31. Mai gedacht. Allerdings gibt es nach wie vor Streitfragen. Unstrittig sei Stalins Verantwortung, schreibt Kindler. Aber das offizielle Kasachstan meide den Begriff "Genozid": "Eine solche Sichtweise ist .. höchst umstritten; einerseits lehnen namhafte kasachische Historiker sie ab, und andererseits zeichnet sich keine ernsthafte politische Initiative ab, den Hunger als Völkermord zu benennen. Für diese Zurückhaltung gibt es aus Sicht der kasachischen Führung gute Gründe: Es ist keineswegs ausgemacht, ob und wie weit sich das zentralasiatische Land aus dem russischen Einflussbereich lösen wird."

Wir befinden uns in einer neuen Phase des Ost-West-Konflikts, aber von einem "Kalten Krieg 2.0" kann nicht die Rede sein, schreibt der Historiker Bernd Stöver in der Welt: "Der 'alte' Kalte Krieg begann nach einer durch Strategiedebatten gekennzeichneten Formierungsphase mit quasi-offiziellen Kriegserklärungen. Sie sind im jetzigen Konflikt zwischen Russland und Ukraine bzw. 'dem Westen' nicht nur nicht vorhanden, sondern werden geradezu peinlichst vermieden. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ist aus Putins Sicht nur eine 'militärische Spezialoperation', auch wenn seit Februar 2022 zunehmend 'die Nato' rhetorisch als Gegner in den Mittelpunkt rückt. Im vergangenen Kalten Krieg war konstituierend, dass sich an seinem Beginn und im folgenden grundsätzlichen Konflikt zunächst zwei nuklear hochgerüstete 'Supermächte' gegenüberstanden, die sich durch unvereinbare, absolut gesetzte Ideologien mit globalem Anspruch und ihre unbestreitbare Hegemonie in den jeweiligen Bündnisblöcken auszeichneten. Alle drei Bedingungen sind im aktuellen Konflikt nicht gegeben, auch wenn Russland versucht, diesen Anschein zu erwecken. Von einem Atomkriegsszenario, das den Vergleich mit dem Kalten Krieg standhält, ist die Welt bisher weit entfernt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.05.2023 - Geschichte

In der taz unterhält sich Sophia Zessnik mit dem Historiker Peter Frankopan über die Bedeutung des Klimas für die Weltgeschichte. So bringt Frankopan etwa den Untergang des Römischen Reichs mit einer gravierenden Abkühlung in Zusammenhang, oder ökologische Probleme mit Pogromen gegen Minderheiten: "In Zeiten von Nahrungsmittelknappheit und hohen Preisen werden leider immer wieder Sündenböcke gesucht. Das können wir aktuell auch wieder beobachten. Historisch lässt sich da ein Muster erkennen. Es zeigt etwa, dass, wenn die Vegetationsperiode im vorangegangenen Fünfjahreszeitraum ungewöhnlich kühl ausfiel, die Wahrscheinlichkeit gewalttätiger antisemitischer Übergriffe deutlich anstieg. Es gibt inzwischen zahlreiche Daten aus europäischen Ländern und Städten, die diesen Zusammenhang ab den 1090er Jahre dokumentieren. In anderen Teilen der Welt war das nicht anders. Dort traf es dann jeweils andere Minderheiten. 1321 in Ägypten waren es Christen, die man zu Sündenböcken machte. Zusammenfassen könnte man es so: Je schlechter die Witterung, umso mehr wurden Minderheiten Ziel von Angriffen."

Weiteres: In de FR erinnert Christian Thomas an den berüchtigten Mongolensturm vor achthundert Jahren, dem auch die Kiewer Rus zum Opfer fiel: "Aus der Perspektive eines Zeitgenossen hieß es: 'Alles geriet in Verwirrung.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.05.2023 - Geschichte

"Willkommen im Europa der Gegenaufklärung, acht Jahrzehnte nach dem Holocaust", kommentiert der Historiker Norbert Frei in der SZ mit Blick auf den Fall der Holocaust-Forscherin Barbara Engelking, die in einem Interview zum 80. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto kritisierte, dass die Mehrheit der Polen während der Verfolgung der Juden weggeschaut habe und dafür von obersten Regierungsvertretern Polens scharf kritisiert wurde. Immerhin: "Erfreulicherweise stießen die Drohungen aus den Reihen der PiS, die damit wohl auch schon Punkte für die Parlamentswahl im Herbst sammeln will, sofort auf Protest. Mehrere Tausend polnische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Disziplinen haben sich mit ihrer Kollegin solidarisiert und verweisen auf die in der Verfassung garantierte Freiheit der Forschung; angesichts der radikalen Attacken aus der Regierung sei es Zeit für Einigkeit, 'unabhängig von allen sonstigen Differenzen'."
Stichwörter: Polen, Holocaust, Engel, Frei, Norbert

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.05.2023 - Geschichte

Andrea Böhm kommt in der Zeit auf  die eher unrühmliche Einigung der deutschen und der namibischen Regierungen zum Völkermord an den Herero und Nama zurück, die vor allem bei Nachfahren der Herero und Nama auf scharfe Ablehnung stößt. Die Bundesregierung legt in dem Text der Einigung Wert auf Formulierungen, die das Prinzip der "Intertemporalität" berücksichtigen, erläutert Böhm: "Demnach muss über Rechtsfragen nach den Normen und Gesetzen geurteilt werden, die in der jeweiligen Zeit gültig waren. Grundsätzlich ist das eine sinnvolle Regel. Was aber, wenn diese Normen und Gesetze rassistisch, menschenverachtend oder völkerrechtswidrig waren?" In anderen Kontexten, werde aber durchaus angenommen, "dass im Fall von 'Kernverbrechen' wie Völkermord oder Sklaverei spätere Entwicklungen des Rechts berücksichtigt werden müssen. Deutsche Gerichte sind dieser Auslegung beim Umgang mit Gräueltaten der NS-Zeit und Unrecht des DDR-Regimes wiederholt gefolgt. Nicht aber im Fall des Völkermords an den Ovaherero und Nama. Deutschland glaube offenbar bis heute, 'dass sich seine Gewalt nicht gegen Menschen gerichtet hat', sagt Kambanda Veii von der 'Ovaherero/Ovambanderu Genocide Foundation' (OGF), eine der namibischen Vorkämpferinnen für Aufarbeitung und Reparationen. In den Augen der deutschen Völkerrechtlerin Karina Theurer reproduziert die Bundesregierung mit ihrer Haltung 'den Rassismus, der damals die koloniale Gewalt rechtfertigen sollte.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.05.2023 - Geschichte

Die Schweizer Bundesregierung hat bekannt gegeben, dass in Bern ein Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und des Holocaust errichtet werden soll. Das erste dieser Art, das zudem grenzüberschreitend bis ins österreichische Vorarlberg konzipiert werden soll. "Warum erst jetzt?", fragt Catrin Kahlweit in der SZ: "Bereits im Sommer 1938, nach dem sogenannten Anschluss, begann die Schweiz die Grenzen abzuriegeln, im Sommer 1942 verschärften die Behörden die Einreisebestimmungen noch einmal drastisch - für Juden. Deserteure, entwichene Kriegsgefangene und andere Militärpersonen sowie politische Flüchtlinge seien, hieß es in einem entsprechenden Erlass, nicht zwingend zurückzuweisen. Aber: 'Flüchtlinge nur aus Rassegründen, z.B. Juden, gelten nicht als politische Flüchtlinge.' (…) Wie viele Flüchtlinge in jenen Jahren die Grenze im oder am Rheintal überwinden konnten, wie viele abgewiesen, festgesetzt, nach Überwindung der Grenze zurückgeschickt, getötet wurden, ist trotz intensiver Forschung nicht klar. Klar ist, dass auch in der Schweiz die antisemitische Hetze zunahm, eine 'Überfremdung und ganz besonders eine Verjudung' des Landes verhindert, 'jüdische Einflüsse und Machenschaften' unterbunden, 'ausländische Massenemigration' in die Schweiz gestoppt werden sollten."

Das von der polnischen PiS-Regierung vorgeschlagene "Holocaust-Gesetz" wurde nach Protesten zurückgezogen, antisemitische Vorfälle, Verleugnungen und Zensur sind dennoch an der Tagesordnung, schreibt der Publizist Martin Pollack in der NZZ mit Blick auf den Fall der Holocaust-Forscherin Barbara Engelking, die in einem Interview zum 80. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto kritisierte, dass die Mehrheit der Polen während der Verfolgung der Juden weggeschaut habe. Eine Hasskampagne folgte, ausgelöst von obersten Regierungsvertretern Polens, so Pollack weiter: "Der Versuch, die Hoheit über die Geschichtsdeutung zu erlangen und kritische Stimmen mundtot zu machen, erweist sich als wichtiges Instrument in dieser Auseinandersetzung, die zunehmend das Ausmaß eines veritablen Kulturkampfes anzunehmen droht. Dazu gehört das häufig verwendete Bild vom ständig an den Rand gedrängten Polen, das sich von den Knien erheben müsse, um die ihm zustehende führende Rolle in Europa einnehmen zu können. Anklänge daran fanden sich in der Aussage des Verteidigungsministers, Polen wolle in den nächsten zwei Jahren die stärkste Armee Europas aufbauen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.05.2023 - Geschichte

Die SZ publiziert die Rede, die der Historiker Volker Weiß beim Gedenkakt zum 175. Jahrestag der Nationalversammlung am 18. Mai im Jüdischen Museum Frankfurt gehalten hat. Er erinnerte daran, dass die Paulskirche als Erinnerungsort "keineswegs so eindeutig bestimmt ist, wie es die Erinnerungskultur gerne hätte". Darauf hatte schon zum hundertsten Jahrestag der aus dem Exil zurückgekehrte Dramatiker Fritz von Unruh hingewiesen: "Der überzeugte Pazifist machte 1948 die Kriegspublizistik Ernst Jüngers dafür verantwortlich, dass die Jugend nach dem Ersten Weltkrieg zu Militarismus und Revanchismus erzogen worden war. 1982 bekam Jünger den Goethe-Preises in der Paulskirche verliehen. Ironie der Geschichte ist auch, dass der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der seit 1951 in der Paulskirche verliehen wird, auf eine Initiative des Dichters Hans Schwarz zurückgeht. Schwarz war Verwalter des publizistischen Erbes Arthur Moeller van den Brucks. Er hatte in den Dreißigern dessen radikal nationalistische Schriften kommentiert herausgegeben und 1934 das nationalsozialistische Moeller van den Bruck-Archiv gegründet. In Unruhs Rede wurde Moeller van den Bruck, der 1923 mit seinem Buch 'Das Dritte Reich' ein weltanschauliches Gerüst zur Zerstörung der Weimarer Republik geschaffen hatte, zu den Kündern der Barbarei gezählt."

In der Welt erinnert der Historiker Alfred Schlicht an den Kampf von Osmanen und Portugiesen im 16. Jahrhundert um Äthiopien.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.05.2023 - Geschichte

Sandra Kegel kommt in der FAZ auf die Feierlichkeiten in der Paulskirche zum Gedenken an 1848 zurück und erinnert daran, dass damals auch die erste Frauenbewegung in Deutschland entstand - obwohl die Frauen auch von den Parlamentariern der Paulskirche nach Kräften ausgeschlossen wurden: "Maßlos enttäuscht waren sie darüber, dass Menschenrechte in den deutschen Staaten noch immer nur mit Männerrechten gleichgesetzt wurden, während in Frankreich eine Olympe de Gouges bereits 1791 ihre Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin veröffentlicht hatte und volle Gleichberechtigung forderte. Das griff Amalie Struve in ihrem Kampf gegen weibliche Rechtlosigkeit auf, da ihr zufolge mit der Gleichstellung von Frauen und Männern nur erreicht werden solle, 'dass ein ewiges Menschenrecht, welches Jahrtausende hindurch mit Füßen getreten wurde, endlich zur Wahrheit werde'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.05.2023 - Geschichte

Vor 175 Jahren bildete sich in der Frankfurter Paulskirche das erste das erste deutsche Parlament - überall erinnern in diesen Tagen Artikel an dieses Ereignis. Kann es sein, dass die deutschen Parlamentarier zuerst eine Bahnsteigkarte ziehen wollten? So klingt es im FAZ-Leitartikel von Peter Sturm: "Die Absicht, den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zum 'Kaiser der Deutschen' zu wählen, misslang gründlich. Der Monarch sah nämlich nicht ein, dass er sich vom Volk bestätigen lassen solle. Er und maßgebliche Vertreter seines und anderer Staaten hingen noch der These an, Herrscher seien von Gott höchstselbst auf ihre Throne berufen worden und deshalb auch nur durch diesen wieder abzuberufen. Die Zeit, die die Parlamentarier für die Verfassungsberatungen brauchten, nutzte die Gegenseite, um ihre Schockstarre abzuschütteln. Die Herrscher schlugen, am Ende auch militärisch, zurück und beendeten das demokratische Experiment."

Über den Zustand der jetzigen deutschen Demokratie sagte auch die Feierstunde in der Paulskirche etwas, über die Matthias Alexander im FAZ-Feuilleton berichtet (mach acht auf die Bemerkung in Klammern): "Sieben Politiker haben sich auf die Rednerliste für die Feierstunde setzen lassen. Um die Liste hat es während der Vorbereitung ein ziemliches Gerangel gegeben, sodass man sich im Zeitgeist maximaler Partizipation kurzerhand entschloss, alle zum Zuge kommen zu lassen (die vier Vertreter der Exekutive haben gegenüber drei Parlamentariern die Oberhand)." War aber nicht so schlimm, das ganze fand in einer nur "zu zwei Dritteln gefüllten Paulskirche" statt.