
Die saudische Filmemacherin
Haifaa al-Mansour hatte es - trotz prinzlichem Sponsor - nicht leicht,
ihren Film "Wadjda" (ab 5. September
in Deutschland) zu drehen, denn in Saudiarabien dürfen Frauen und Männer nicht zusammenarbeiten. Also musste sie ihre
Regieanweisungen über Walkie-Talkie aus einem Wohnwagen heraus an die Crew geben,
erzählt Toby Lichtig, der das Ergebnis dennoch ganz hervorragend fand. Al-Mansour erzählt die Geschichte der aufmüpfigen zehnjährigen Wajda, die auf
ein Fahrrad spart, obwohl das ja für Mädchen nichts sein soll. Gleichzeitig ist es auch eine Geschichte ihrer Mutter, die unter Druck steht, weil sie
keinen Sohn bekommt. Die Schwiegermutter möchte deshalb, dass ihr Sohn eine Zweitfrau nimmt. "Wadjdas Mutter ist stoisch und unglücklich. 'Ich bin das Original', sagt sie ihrem Mann am Telefon, 'warum suchst du eine Imitation?' Der Ton ist jovial, die Unterströmung herzzerbrechend. Es ist diese Kombination, die dem Film seinen Biss gibt. Wir bleiben fokussiert auf Wadjda, die
Misere der Mutter entfaltet sich nur allmählich, in flüchtigen Blicken, aus der Perspektive der Tochter. Aber die Konsequenzen eines Lebens hinter verschlossenen Türen für Frauen, die keine Wahl haben, hängen schwer über Wadjda und verleihen ihrem symbolischen Wunsch nach eine Fahrrad zusätzliche Dringlichkeit."
Erinnert sich noch jemand an den Film "Birdy"?
Alan Parker 1984, die Geschichte eines jungen Vietnam-Veteranen, der in der Psychiatrie hockt und sich für einen
Vogel hält? Mit Matthew Modine und Nicolas Cage? (Hier eine
Auffrischung). Den Roman für die Filmvorlage hat
William Wharton geschrieben, der im wirklichen Leben Albert William Du Aime hieß und von 1925 bis 2008 lebte. Wharton hatte als 18- oder 19-jähriger Soldat im Zweiten Weltkrieg gekämpft und darüber 1982 den Roman "A Midnight Clear" geschrieben. Es geht,
schreibt ein sehr anerkennender D. J. Taylor, um einen Trupp Soldaten, die
1944 in einem Schloss in den
Ardennen hocken. Clevere Collegeboys, die sich die Zeit unter anderem damit vertreiben, Kreuzworträtsel auszutüfteln, die die
NYT blass aussehen lassen, und ihre Vorgesetzten zu bekriegen. Dann fällt ihnen auf, dass auf dem französischen Kirchturm
ein Hahn sitzt statt eines Kreuzes: "Wir sind überzeugt, die
dreckigen gottlosen Nazis haben das getan", zitiert Taylor die Jungs, die sich sofort daran machen, diese Untat zu korrigieren. (Auf Deutsch gibt's den Roman unter dem Titel "Die Nacht in den Ardennen" tatsächlich auch, antiquarisch.)
Außerdem: Andrew McCulloch
liest angesichts der jüngsten globalen Krise mit Vergnügen
Hans Magnus Enzensbergers Gedicht "Kurze Geschichte der Bourgeoisie" (in der englischen Übersetzung von Alasdair King, hier - unter der Version in Esperanto - auch
auf Deutsch zu lesen). Und Louise Fabiani
empfiehlt Kristin Johnsons Buch über den
Insektenkundler Karl Jordan und seine Zeit, "
Ordering Life. Karl Jordan and the naturalist tradition".