
Unsere
Muttersprache formt unser Denken. Der
Linguist Guy Deutscher erklärt das im
Magazine etwas genauer:
Guugu Yimithirr, eine Sprache australischer Aborigines, kennt beispielsweise die Wörter "links", "rechts", "vorne" und "hinten" nicht. Sie benutzen keine egozentrischen Koordinaten, um einen Standort zu beschreiben, sondern geografische. "Rutsch ein Stück nach rechts" heißt "
Rutsch nach Osten". Unnötig zu sagen, dass ihr Orientierungssinn fantastisch ist. Noch beeindruckender aber ist Deutschers Beispiel für die Sprache der
Matses-Indianer in Peru. Wer in dieser Sprache über eine Tatsache berichtet, muss zwangsläufig immer genau sagen, woher er das weiß. "Man kann nicht einfach wie im Englischen sagen, 'hier ist ein Tier vorbeigelaufen'. Man muss mit unterschiedlichen verbalen Formen genau beschreiben, ob man das Beschriebene direkt miterlebt hat (man sah das Tier vorbeilaufen), es schlussfolgert (zum Beispiel aus Fußabdrücken), es vermutet (weil hier um diese Tageszeit immer Tiere vorbeilaufen) oder es von jemandem gehört hat. Wenn eine Aussage aufgrund inkorrekter 'Offensichtlichkeit' getroffen wird, wird sie als
Lüge angesehen. Wenn man zum Beispiel einen Matses-Mann fragt, wieviele Frauen er hat, wird er bis zu dem Moment, in dem er seine Frauen tatsächlich sieht, in der Vergangenheitsform antworten und etwas sagen wie 'Als ich
das letzte mal nachgesehen habe, waren es zwei'." Klingt, als würden die Matses akkurate Journalisten abgeben!
Die großartige
Shirley Jackson (1919-1965) wurde in die "Library of America" aufgenommen. Joyce Carol Oates hat die
Auswahl für den Band getroffen. Terrence Rafferty
würdigt in der Book Review noch einmal Jacksons Werk, das mit "
Schauergeschichten" nur sehr unzureichend beschrieben ist. (Vielleicht ein Anlass für
Diogenes, die längst vergriffenen deutschen Übersetzungen wieder aufzulegen?) Jacksons Kurzgeschichte "The Lottery", die 1948 gut
dreihundert empörter Leserbriefe an den New Yorker und Aboabbestellungen nach sich zog - es geht um eine
Steinigung! - kann man hier
gelesen von A.M. Homes hören. Die englische Wikipedia bietet eine
ganz gute Zusammenfassung der Reaktionen. Aber bitte - erst selber lesen oder hören!
Besprochen werden weiter
Milan Kunderas Essayband "Une Rencontre" (anders als
Alain Finkielkraut vor gut einem Jahr
im Nouvel Obs erwähnt John Simon in diesem Zusammenhang die
Kundera-Affäre mit keinem Wort) und
Jonathan Franzens neuer Roman "Freedom" (
nach Michiko Kakutani ist Sam Tanenhaus
der zweite Rezensent, der das Buch in der Times in den Himmel lobt, was die Bestsellerautorinnen
Jodi Picoult und
Jennifer Weiner zum Anlass nahmen, der NYT vorzuwerfen, sie feiere nur
weiße, männliche Mittelklasseautoren. Alle Links zum Streit hat Heather Horn für
The Atlantic gesammelt.)