Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 09.08.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times dokumentiert Luke Dittrich den Fall des Patienten Henry Molaison, der nach einer Epilepsie-Operation am Gehirn, durchgeführt von Dittrichs Großvater, an einem Totalverlust des Gedächtnisses litt. Ebenso interessant wie der exzeptionelle medizinische Fall ist für Dittrich der Kampf der Neurowissenschaftler um Molaisons medizinisches Vermächtnis. Am Ende wurden die wichtigen Daten der Untersuchungen sowie Tausende Scheiben von Molaisons Gehirn einfach geschreddert: "Man kann sich einen Moment in der Zukunft vorstellen, da ein brillanter Wissenschaftler einen der Gehirnschnitte anschaut und sich an dem wunderbaren und mysteriösen Objekt erfreut, das er in Händen hält, ohne daran zu denken, wer es einmal angefertigt oder verwaltet hat. Dieser Wissenschaftler würde tiefer in dem Archiv graben, würde auf die unangetastete konservierte Hirnmasse stoßen und vielleicht etwas finden, eine Anomalie, die niemand vor ihm entdeckt hat, etwas, das ihn auf eine neue Idee bringen würde darüber, wie unser Gedächtnis funktioniert. Idealerweise würde dieser hypothetische Forscher nicht nur das Archiv über Molaisons Gehirn untersuchen, sondern alle Daten, die zu Molaisons Fall gesammelt wurden, als er noch lebte, die Ergebnisse experimenteller und beobachtender Arbeit, die stattfand, nachdem Molaison den OP meines Großvaters verlassen hatte."

Außerdem: Molly Young porträtiert den Schauspieler Jonah Hill. Und Jennifer Percy begleitet einen Mann, der fünf Jahre nach einem Tsunami an den Küsten Japans noch immer nach seiner Frau taucht.

Magazinrundschau vom 02.08.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times dreht sich alles um Olympia. Oder auch darum, wie man es vermeidet. Carly Carioli erzählt, wie es Bostons Bürger geschafft haben, dass ihre Stadt sich nicht um die Spiele bewirbt: "Olympia gilt als Goldmedaille für die besten Städte der Welt, eine Chance, sich der Welt in allem Glanz zu präsentieren und Kasse zu machen: Hunderte Millionen aus dem Ticketverkauf, Milliarden an Langzeitinvestitionen. Aber Olympia bedeutet auch Risiko-Investment. Eine Olympia-Stadt verpflichtet sich, dem Olympischen Komitee finanzwirtschaftliche und ordnungspolitische Macht einzuräumen und einzuspringen, wenn das Budget platzt … Nahezu ohne Geld nahm es ein Team aus drei ehrenamtlichen Helfern der Initiative No Boston Olympics mit der mächtigen Koalition aus Geschäftsleuten, Philanthropen, Politikern und Sportler-Legenden auf und zeigte die schädlichen Effekte der Spiele für die Gastgeberstädte auf. Sie warnten die beteiligten staatlichen Juristen davor, haftbar gemacht zu werden für jegliche Fehlplanung der Olympischen Organisatoren und erklärten den lokalen Geschäftsleuten, dass die Spiele mitnichten den Tourismus ankurbeln oder für Wachstum sorgen. Je mehr das 'No Boston Olympics'-Komitee die Menschen daran erinnerte, dass die Stadt und ihre Bürger das ganze finanzielle Risiko trugen, desto mehr schwand die Unterstützung für die Bewerbung."

Außerdem: John Branch berichtet von der katastrophalen Umweltverschmutzung in der Bucht von Rio, gegen die auch Olympia nichts wird ausrichten können. Michael Sokolove stellt uns die amerikanische Schwimmerin Katie Ledecky vor, deren schöner Rücken das Cover ziert und die diesen Sommer alle Rekorde brechen wird.

Magazinrundschau vom 26.07.2016 - New York Times

Gideon Lewis-Kraus sieht eine Chance für einen neuen "New Deal", und die Visionärin, die ihn durchsetzen soll, ist für ihn ausgerechnet Hillary Clinton. Hoffnung gibt ihm ein Treffen mit Felicia Joy Wong vom Roosevelt Institute, einem Thinktank, dessen Chefökonom Joseph Stiglitz ist und der eine von Occupy inspirierte Politik bei den Demokraten durchsetzen will: "Ein großer Teil der Linken, inklusive des großen Blocks, der sich in den Primaries gegen Clinton wandte und lieber Bernie Sanders' Ruf nach 'Revolution' folgte, findet, dass sich Wong und ihre Verbündeten Illusionen machen, wenn sie glauben, dass die Demokratische Partei ihr Papier 'Rewriting the Rules' umsetzen könnte. Aber die Sanders- und Trump-Aufstände zeigen ja eine Lust auf einen ökonomischen Populismus, die niemand vorausgeahnt hat. Nun wetten das Roosevelt-Institut und andere linke Gruppen darauf, dass ein Mandat für einen ökonomischen Wandel bereits besteht und dass es von einer Frau ausgeübt werden kann, die ohnehin immer schon so gut wie Kandidatin war. Wong selbst glaubt, dass die Finanzkrise die amerikanische Wirtschaftspolitik vielleicht für Jahrzehnte von Grund auf destabilisiert hat und dass das Jahr 2016 den Wendepunkt für einen Neuanfang markieren könnte."

In einem zweiten Artikel nimmt Lewis-Kraus die politischen Fantasien des Silicon-Valley-Tycoons Peter Thiel auseinander.

Magazinrundschau vom 19.07.2016 - New York Times

Chuck Close, Self-Portrait I, 2014Chuck Close, Self-Portrait I, 2014
Im aktuellen Magazin der New York Times zeichnet Wil S. Hylton den Weg des legendären Porträt-Künstlers Chuck Close nach und stellt eine radikale Veränderung in dessen neueren Arbeiten fest: "Weg waren die Streiche und Wirbel, die sonst die Quadrate des zugrundeliegenden Gitternetzes ausfüllten. Stattdessen hatte Close jede Zelle mit ein, zwei Farben ausgefüllt, ein Effekt wie bei Commodore-64-Grafik. Die Farben selbst waren grell, leuchtendes Pink oder Blau, während Chucks Gesicht im Porträt gespalten erschien, gefasst in unterschiedlichen Schattierungen. Links wirkte die Haut pfirsichfarben, das Hemd dunkelrot und der Hintergrund minzgrün, rechts war die Haut pink, das Hemd saphirfarben und der Hintergrund orange. Ein meergrüner Klecks zierte den Nacken und zog sich bis zur Nase, oberhalb des Ohres war radioaktives Gelb, die Nase schrillblau. Wie ich so erstaunt vor dem Bild stand kam Close in seinem Rollstuhl aus dem Lift gefahren. Er trug eine riesige türkise Brille, einen dunkelblauen Arbeitskittel und weiße Stützsocken. Er grinste und zeigte auf die Leinwand: 'Wie sieht das aus? Wie ein Fresko?'"

Außerdem: Mitch Moxley berichtet über den Erfolg des amerikanischen Schauspielers Jonathan Kos-Read in Chinas Kino. Robert Draper fragt sich, ob die republikanische Mehrheit im Senat Trump überleben kann. Und in der Bücherabteilung bespricht Michiko Kakutani Dave Eggers' neuen, in Alaska spielenden Roman "Heroes of the Frontier".

Magazinrundschau vom 12.07.2016 - New York Times

Das ist mal was Praktisches! Im aktuellen Magazin der New York Times erklärt Taffy Brodesser-Akner, wie wir endlich unsere Bude aufgeräumt kriegen: Einfach Marie Kondos Buch "The Life-Changing Magic of Tidying Up" lesen oder einen ihrer Workshops besuchen: "Die Teilnehmer bekommen ein Bändsel mit ihren persönlichen Daten und der Option 'Aufräumen erledigt!' oder 'Aufräumen nicht erledigt!' Um erfolgreich zu sein, muss man Kondos Methode folgen. Sie beinhaltet den 'Einmal-im-Leben-Aufräum-Marathon', bei dem fünf Kategorien von Besitz aufgestellt werden: Kleidung, Bücher, Papiere, Verschiedenes und Sentimentales, also Fotos und dergleichen. Dann wird untersucht, wie groß die jeweilige Menge ist. Dann wird jedes Teil in die Hand genommen, um zu entscheiden, ob Freude damit verbunden ist. Wenn ja, darf es bleiben. Wenn nicht, wird es großzügig verabschiedet, tatsächlich mit wohlmeinenden Worten! Das ist der schwerste Moment. Kondo wird oft falsch verstanden, als würde sie wollen, dass wir nichts besitzen. Doch das ist falsch. Wir sollen besitzen, so viel wir wollen, es muss uns nur glücklich machen."

Außerdem: Jon Gertner berichtet aus Tangier Island, Virginia, wo den Bewohnern das Wasser bald bis zur Kinnkante steht. Sollte die Regierung solche vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Orte retten oder nicht? Und Ryan Gabrielson und Topher Sanders beklagen, dass die Drogentests der Polizei nicht verlässlich sind und reihenweise Unschuldige in den Knast bringen.
Stichwörter: Island, Kleidung

Magazinrundschau vom 05.07.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times erzählt Ruth Padawer die unglaubliche Geschichte der indischen Sprinterin Dutee Chand, die für ihr Land in Rio starten wird, zuvor allerdings einen "Geschlechts-Test" über sich ergehen lassen musste, weil die olympische Nomenklatura annahm, Chand sei mehr Mann als Frau: "Kein Gremium hat je so beharrlich versucht, zu entscheiden, wer als Frau, wer als Mann durchgeht, wie der Weltleichtathletikverband und das Olympische Komitee. Diese beiden einflussreichen Organisationen betreiben seit einem halben Jahrhundert Gender-Abgrenzung, bei der es darum ging, als Frauen maskierte männliche Athleten zu entlarven, etwas, das nicht ein einziges Mal gelang. Sämtliche Athleten, die man 'fasste', waren intersexuelle Frauen. Die Behandlung von Athletinnen und intersexuellen Frauen hat eine lange, schäbige Tradition. Jahrhundertelang war Sport eine männliche Domäne, eine Arena, in der es galt, Maskulinität zu kultivieren und zu beweisen. Sport gab dem Mann die physische und psychische Stärke, die Männlichkeit verlangte. Als Frauen im späten 19. Jahrhundert begannen, männliche Disziplinen wie Sport, Erziehung und bezahlte Arbeit für sich zu beanspruchen, wurden große Teile der Bevölkerung extrem nervös. Wenn der Platz der Frau in der Gesellschaft veränderbar war, waren es die Rolle des Mannes und seine Stärke ja eventuell auch."

Außerdem: Michael Kaplan teilt die neuesten (legalen) Tricks cleverer Casino-Spieler. Maggie Jones berichtet über die forensische Arbeit in den Massengräbern von Guatemala. Und im Interview erklärt der erste nicht-weiße schwule Kongressabgeordnete Mark Takano, was die gay community von Jane Austen lernen kann.

Magazinrundschau vom 21.06.2016 - New York Times

Von außen nimmt die Netflix-Erfolgsgeschichte oft den Anschein einer großen Erlösungsfantasie samt Erfolgsabonnement. Aus Joe Noceras sehr instruktiver Reportage geht allerdings hervor, welchen mühsamen, von unwägbaren Marktinteressen determinierten Weg Netflix hinter sich gebracht hat. Vor allem aber zeigt sich: Netflix wurde insbesondere von den Contentanbietern lange Zeit enorm unterschätzt - was den Kampf um interessante Lizenzen in Zukunft schwieriger gestalten dürfte: "Dass Netflix die neue Internet-TV-Welt entscheidend mitgeprägt hat, heißt nicht, dass es sie auch auf alle Zeit dominiert. Hulu oder andere, kleinere Firmen wie Vimeo lizensieren und produzieren Shows. Auch die Sender, die Netflix lange als Verbündeten sahen, schlagen zurück und entwickeln eigene Streaming-Apps. Time Warner erwägt, Netflix seine Shows vorzuenthalten. Im Augenblick macht Netflix Miese, gegen Time Warner oder 21st Century Fox sehen seine Umsätze bescheiden aus. Außerdem bleibt der Streaming-Dienst abhängig von den Sendern, die ihrerseits fürchten, Netflix könnte ihr Geschäftsmodell bedrohen, so wie das Internet die Zeitungen und die Musikindustrie unterminiert hat. Jetzt, da so viele in der Unterhaltungsindustrie es als existenzielle Bedrohung wahrnehmen, stellt sich die Frage, ob Netflix in seiner eigenen Welt überleben kann und ob höhere Abonnentenbeiträge und Kosteneinsparungen beim Content eine dauerhafte Lösung sein können."

Außerdem: Greg Howard macht sich Gedanken über das Märchen der Rassenüberlegenheit. Moises Velasquez-Manoff berichtet, wie ein Patienten-Netzwerk versucht, sich durch Selbstinfizierung mit Darmwürmern selbst zu heilen. Und Charles Homans erklärt den "active shooter" zum allgegenwärtigen Phänomen unserer Zeit.

Magazinrundschau vom 14.06.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times geht Robert F. Worth militär-medizinischen Entdeckungen nach, die nahelegen, dass die mittelbare Einwirkung von Detonationan auf den menschlichen Körper nicht nur psychische, sondern auch physisch sichtbare traumatische Verletzungen im Gehirn hinterlässt: "Der Effekt auf den Körper ist hoch komplex. Menschen, die eine Explosion aus der Nähe miterlebt haben, beschreiben es als eine den ganzen Körper betreffende überwältigende Erfahrung, die mit nichts vergleichbar ist. Viele Soldaten erinnern sich nicht an den Moment; er löst sich auf in einem Lichtblitz, dem ohrenbetäubenden Lärm oder der Bewusstlosigkeit. Die sich erinnern, berichten von einem gleichzeitigen Stoßen und Quetschen, dem Gefühl einer alles umfassenden, intensiven Gewaltsamkeit, als würde jemand mit einem Dutzend Hämmer auf einen einschlagen … In den betroffenen Gehirnen fanden die Mediziner an Stellen zwischen der grauen und der weißen Masse Vernarbungen, dort, wo Funktionen des Schlafes und der Wahrnehmung beheimatet sind."

Außerdem: Nikole Hannah-Jones schreibt über ihre Erfahrungen mit Segregation an New Yorks Schulen. Emily Bazelon berichtet über den Ausgang eines Vergewaltigungsprozesses in Kalifornien und dessen gesellschaftliche Implikationen. Und der Fotograf Luca Locatelli dokumentiert die Anziehungskraft Mekkas und das Treiben am zentralen Wallfahrtsort des Islams.

Magazinrundschau vom 07.06.2016 - New York Times

Das aktuelle Magazin der New York Times geht in die Luft über New York. Michael Kimmelman macht sich Gedanken über New Yorks neu enstehende Skyline und ihre sozio-kulturelle Symbolik: "Irgendwann löste die schiere Höhe eines Gebäudes die Nachbarschaft als Status-Indikator ab, weil Baubestimmungen den Wolkenkratzer-Bau in neue Zonen vorstoßen ließen, wo etwa das Geld vom Central Park ins Spiel kam, und weil chinesische Kupferminen-Milliardäre und russische Oligarchen sowieso nicht vorhatten, in ihren Wohnungen zu wohnen, sondern sie nur als Investment betrachteten. Auf jeden Fall war keiner von ihnen sonderlich scharf auf Nachbarn. Sie wollten die tolle Aussicht, sonst nichts. Die Bauträger bewarben solche Gebäude als eine Art Landsitz, wo keiner fürchten musste, im Haus auf jemand zu treffen, der nicht für das Haus arbeitete, und das Restaurant im Haus nur für die Bewohner da war, sodass Essen gehen nicht unbedingt bedeutete, außer Haus zu gehen. Viele New Yorker, denen die Steuererleichterungen für die Wolkenkratzer-Potentaten gegen den Strich gehen, sehen sich selbst in dem langen Schatten der neuen Türme: Doch ist das nicht ganz fair den Großen gegenüber. Manche mögen ihre schiere Größe fürchten, doch eine Handvoll Wohnungen in überwiegend gewerblichen Gegenden in Midtown oder nahe der Wall Street haben nichts mit Gentrifizierung zu tun. Und schließlich mag auch ein bisschen Xenophobie bei der Wut auf 'die da oben' eine Rolle spielen."

Außerdem: Jon Ronson besucht Leute, die ganz oben wohnen und arbeiten. Helen McDonald betreibt Birdwatch aus dem Penthouse. Und Jack Davison hat die Arbeiter fotografiert, die New York bauen und mit dem Wind kämpfen.

Magazinrundschau vom 24.05.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times begibt sich Robert Draper auf die Zielgerade mit dem Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Zu erfahren ist, wie Trump sein Verhältnis zum afro-amerikanischen Teil der Bevölkerung sieht (großartig, sie arbeiten für mich!) oder zur weißen Arbeiterklasse: "Obgleich Trumps politischer Reifeprozess ganz und gar nicht linear verläuft, scheint er langsam zu erkennen, was seine Kandidatur für seine Wähler bedeutet. Auch wenn er behauptet, für alle attraktiv zu sein, sieht er, dass es vor allem die von Obama vernachlässigte weiße Arbeiterschaft ist, die ihn stützt. Dementsprechend fügt er in seine Reden wirtschaftliche Zahlen ein, die den Kollaps des lokalen Produktionssektors während der letzten zwei Jahrzehnte belegen sollen. Wo immer die Leute ihre Arbeit verloren haben, kann Trump auf Wähler hoffen. 'Das sind großartige Leute, die Hilfe brauchen, nicht Hoffnung', erklärt er."

Außerdem: Kein Mensch hört mehr Rockmusik. Welche Band wird wohl spätere Generationen lehren, was es damit auf sich hatte, fragt sich Chuck Klosterman. Die Beatles? Elvis? Dylan? Die Stones? Chuck Berry? Matthieu Aikins untersucht die katastrophale Bombardierung eines Krankenhauses in Kundus vergangenen Oktober durch das US-Militär. Und Sam Sifton bittet zu Tisch mit dem aus Israel stammenden britischen Starkoch Jotam Ottolenghi.