Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 17.05.2016 - New York Times

Das aktuelle Magazin der NY Times geht den Errungenschaften der jüngeren Krebsforschung nach. Der Arzt und Schriftsteller Siddhartha Mukherjee erklärt, wie sich die Onkologie langsam von standardisierten Verfahren verabschiedet: "Onkologen müssen ihr ganzes Wissen, ihren Scharfsinn und ihre Vorstellungskraft aufbringen, um individualisierte Therapien zu entwickeln. Jeder Krebspatient wird zum exklusiven Fall. Giftige Zellkiller werden von delikaten Molekülen abgelöst, die Zellvorgänge aktivieren oder deaktivieren, das Zellwachstum beeinflussen, die immunologische Reaktion be- oder entschleunigen oder die Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr steuern können. Das Medikament wird mehr und mehr zum Präzisionsinstrument, das bestimmte Schalter in der Krebszelle umlegt. Die Gesetzmäßigkeiten der Krebstherapie werden neu erfunden. Für den behandelnden Arzt kann das recht unangenehm sein. Er agiert im freien Fall. Die Anforderung ist größer, die Erfolge überraschender, jedes Scheitern persönlicher. Früher konnte ich dem Patienten die Schuld geben, wenn er auf eine Therapie nicht ansprach. Heute bin ich es, der scheitert, wenn es mir nicht gelingt, das richtige Medikament auszuwählen. All das birgt jedoch auch ein Versprechen für den Patienten. Wir behandeln den Krebs nicht mehr mit kruden Standards, die ihn als uniformen Gegner betrachten. Stattdessen versuchen wir, die Persönlichkeit und das Temperament der individuellen Krankheit zu erkennen."

Außerdem: Melanie Thernstrom erzählt von den Qualen und den Überraschungen im Umgang mit Krebs bei einem Kind. Sam Apple berichtet von der alten Idee, Tumore auszuhungern, und ihrer Wiederbelebung. Und Gareth Cook widmet sich Krebspatienten, die auf bestimmte Medikamente ansprechen, obwohl diese bei den meisten anderen völlig wirkungslos sind.

Magazinrundschau vom 03.05.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times dreht sich alles ums Geld. Andrew Ross Sorkin erkundet die Amtszeit Obamas hinsichtlich ihrer ökonomischen Erfolge und der Frage, warum das so wenig anerkannt wird: "Obama erklärte mir das Problem des politischen Kapitals. Seine Bemühungen um die Umgestaltung der amerikanischen Wirtschaft nach der Krise 2008 wurden seiner Meinung nach von allen Seiten attackiert und unterschätzt … Trotz seines erfolgreichen Krisenmanagements in den letzten sieben Jahren, blieben viele Menschen auf der Strecke. Obama versteht jetzt, dass sein wirtschaftliches Erbe nicht nur nach Maßgabe dessen beurteilt werden wird, was er erreicht hat, sondern auch danach, wie seine Ergebnisse im Verhältnis zu einer Ära aussehen, in der die Mittelschicht prosperierte, einer Ära, die vielleicht kein Präsident angesichts der Veränderungen in der globalen Wirtschaft je wieder zurückbringen kann."

Außerdem: Annie Lowrey fragt, warum es so schwierig geworden ist, Jobs in der Verwaltung zu finden. Adam Davidson klagt über zerplatzte Mittelschichtsträume in Massachusetts. Und Wesley Morris zeigt, wie sich wirtschaftliche und soziale Veränderungen in amerikanischen Sitcoms widerspiegeln.

Magazinrundschau vom 26.04.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times erklärt Dan Kois das Glück der Isländer mit ihren geothermisch gespeisten Warmwasser-Pools. Auf die Art kennt jeder Isländer von Kind auf männliche und weibliche Körper in allen Verfallsstadien, und es bietet sich Gelegenheit zu gelassener Kommunikation: "Die öffentlichen Badeanstalten sind das kommunale Herz des Landes, heilige Orte, deren Zugänglichkeit für alle eine Art Grundrecht darstellt. Familien, Teenager und alte Menschen treffen sich zu Klatsch und Tratsch, sommers wie winters … Für mich hatte es etwas Beruhigendes all die anderen nahezu nackten Körper zu sehen, die ganz normalen Menschen gehörten, keinen Models … Darüber hinaus bietet die Nacktheit die Möglichkeit, den eigenen Körper besser zu verstehen, seine Reaktionen und Bedürfnisse. Obgleich der Pool ein soziales Gebilde ist, kultiviert er auch die Innerlichkeit. Frauen, heißt es, suchen hier eher die Einsamkeit. Oder den aquatischen Tagtraum: den Kopf gegen die Poolwand gelehnt, Augen geschlossen, leise das Lächeln lächelnd, das du aufsetzt, wenn du hierherkommst, um allein zu sein."

Magazinrundschau vom 12.04.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der NY Times beschreibt James Angelos Orte wie das oberbayrische Siegsdorf als Zünglein an der Waage zwischen Willkommenskultur und einem erstarkenden Nationalismus in Deutschland: "Deutschland kämpft mit seiner Selbstverwandlung weg von einer Republik des geteilten Blutes zu einer der geteilten Ideale. Im politischen Spektrum herrscht Einigkeit, dass deutsche Werte angesichts rascher sozialer Veränderungen propagiert werden sollen. Worum es sich dabei genau handelt, ist allerdings nicht eindeutig. Es geht um Leitkultur, also Werte jenseits der bloßen Rechtsordnung. Konservative nennen es die jüdisch-christliche Kultur und fordern, dass Immigranten sie annehmen. Linke Politiker dagegen finden, dass ein ehemaliges Nazi-Land derartige Forderungen lieber nicht stellen sollte … Ob Deutschland die Flüchtlingsfrage erfolgreich beantwortet oder in Angst und Nationalismus erstarrt, hängt davon ab, wie Gemeinden wie Siegsdorf die Herausforderung meistern. Wie ganz Bayern, so ist auch Siegsdorf sehr traditionsbewusst. Die entscheidende Frage ist nun, ob Einheimische und Asylsuchende gemeinsam ein neues Traditionsbewusstsein definieren können."

Außerdem: Michael Sokolove stellt den erfolgreichen Broadway-Produzenten Jeffrey Seller vor. Und Benoit Denizet-Lewis lernt eine Aktivistengruppe kennen, die in Los Angeles versucht, Vorurteile gegen Transgender auszumerzen - als Klinkenputzer.

Magazinrundschau vom 29.03.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times wirft Geoff Manaugh einen Blick in die Zukunft der Polizeiarbeit in unseren Städten und geht mit der Los Angeles Police in die Luft: "In den Hochhausschluchten von New York oder Chicago ist Luftüberwachung unmöglich. In L. A. dagegen muss man in die Luft gehen, um das ganze Bild zu bekommen. Die Vernetzung der Wohngegenden untereinander und der jeweils beste Weg durch sie hindurch sind nur volumetrisch zu erfassen. Auf die Art suchen Kriminelle neue Fluchtwege. So wurde die Gegend um den Flughafen zum gut frequentierten Zufluchtsort für Kriminelle, die mit dem Auto unterwegs sind, weil Polizeihubschrauber aus Sicherheitsgründen hier nicht operieren dürfen … Nach Thomas Morus ist eine gut strukturierte Metropole die Voraussetzung für jede Art von visionärer Stadtpolitik. Die Luftdivision hat sich diesen Grundsatz zu eigen gemacht, indem sie die bestehende Ordnung der Straßen, Blocks und nummerierten Häuser von L. A. zu verstehen und in ihre Arbeit einzubeziehen sucht. Doch wenn das Versprechen der Luftüberwachung bedeutet, die Stadt lesbarer zu machen, Verbrechen besser zu verstehen, so lautet die darin mitschwingende Versuchung, noch einen Schritt weiter zu gehen und zukünftige Ereignisse vorauszusehen."

Außerdem: Jeremiah Sullivan erkundet die Geschichte afro-amerikanischer Theaterarbeit am Broadway. Und Genevieve Field geht den moralischen Implikationen des Wunsches einiger Eltern nach, ihre behinderten Kinder am Erwachsenwerden zu hindern.

Magazinrundschau vom 22.03.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times erkundet Kim Tingley die alten, instrumentlosen Navigationskünste der Segler in der Republik Marshallinseln: "Bis in die 1960er Jahre waren westliche Wissenschaftler der Meinung, dass indigene Navigationsmethoden mittels Sternen, Sonne, Wind und Wellen nicht akkurat genug wären und die Boote der Einheimischen auch nicht seetüchtig genug, um die teilweise winzigen Inseln mit Vorsatz zu erreichen. Archäologische Funde, DNA und nachgestellte Reisen haben allerdings inzwischen bewiesen, dass diese Pazifik-Inseln vorsätzlich von den Nachfahren früher Seefahrer vor rund 2000 Jahren besiedelt wurden. Die Geografie des Archipels, die die Wellennavigation ermöglichte, machte diese ebenso lebensnotwendig als einziges Mittel, an Nahrung und andere Güter zu gelangen, Kriege zu führen oder nicht verwandte Sexualpartner zu treffen. Die Stammesführer bedrohten jeden mit dem Tod, der das Navigationswissen ohne Erlaubnis weitergeben wollte … Wellennavigation heißt die Kunst, mittels Gefühl und Sicht Wellenmuster zu erkennen. Kleinste Unterschiede in einer Wasserbewegung ausmachen zu können, die für den Laien wie eine Umdrehung in der Waschmaschine aussieht, erlaubt es, einem 'ri-meto', also einem Seemann der Marshall-Inseln, festzustellen, wo der nächste Grund liegt und wie weit entfernt er ist, lange bevor er sichtbar wird."

Außerdem: Guy Lawson rekapituliert die fast zufällige Nordpolexpedition eines Versicherungskaufmanns und Arztes. Leanne Shapton berichtet von Überbleibseln der Nordwestpassage durch Sir John Franklin, die Stück für Stück in der kanadischen Tundra wieder auftauchen. Samanth Subramanian erzählt die Geschichte eines britischen Spions, der in Tibet hängenblieb. Und Robert Kolker folgt dem norwegischen Nationalhelden Jan Baalsrud auf seiner unglaublichen Flucht vor den Deutschen 1943 durch die wilde Fjordlandschaft Nordnorwegens.

Magazinrundschau vom 01.03.2016 - New York Times

Das aktuelle Magazin der New York Times widmet sich der Frage, wie wir heute arbeiten. Charles Duhigg beschreibt Googles Projekt Aristoteles, die Suche nach dem perfekten Mitarbeiterteam: "Ein Ergebnis der Studie ist, dass niemand eine Maschine sein möchte, sondern sein Privatleben mitnimmt. Um bei der Arbeit präsent zu sein und uns psychologisch wohlzufühlen, müssen wir sichergehen können, dass wir im Team auch Schwächen teilen können, ohne Diskriminieruung zu fürchten. Wir können nicht nur effizient sein, sondern müssen auch Defizite ansprechen dürfen. Und wir wollen Gehör finden. Wir wollen, dass Arbeit mehr ist als nur Mühe … Es ist paradox, dass Googles intensive Datenanalyse zu den gleichen Ergebnissen führt, die gute Manager immer schon beherzigt haben: In jedem guten Team hören die Mitglieder einander zu und verhalten sich einfühlsam gegenüber den Gefühlen und Bedürfnissen der anderen … Googles Projekt erinnert daran, dass bei Optimierungsversuchen oft vergessen wird, wie wichtig für den Erfolg Erfahrungen sind, emotionaler Austausch, komplizierte Gespräche und Diskussionen darüber, wer wir sein wollen und wie wir uns in der Gruppe fühlen. Dergleichen lässt sich kaum optimieren."

Außerdem im Dossier: Susan Dominus hinterfragt die Gleichgewichtung von Arbeit und Freizeit. Virginia Heffernan wägt die Vor- und Nachteile von Meetings ab. Julian Faulhaber prüft den Nutzen flexibler Büroarchitektur. Und Brian Finke hat Menschen beim Essen am Schreibtisch fotografiert.

Magazinrundschau vom 23.02.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times berichtet Saki Knafo über Edwin Raymond, einem engagierten farbigen Beamten der New Yorker Polizei, der wegen der Verletzung von Diskriminierungsgesetzen gegen seine eigene Behörde klagt und daraufhin auf Eis gelegt wurde. Als Beweismittel dienen ihm versteckte Gesprächsmitschnitte: "Gleich im ersten Mittschnitt wird er gewarnt. Ein Leutnant konfrontiert ihn mit seiner relativ geringen Festnahmequote. Er drückt seine Sympathie mit ihm aus, gibt aber zu bedenken, wie wichtig die Quote ist. Raymond fordert sein Gegenüber heraus. 'Das sind Menschenleben, kein Spiel', sagt er. Auch als seine Einsatzorte und Berufsaussichten immer schlechter werden, ist er sicher, dass er im Recht ist. Er nimmt immer weniger Festnahmen vor, und die Zahl der Verbrechen in seinem Bezirk sinkt. Raymond denkt, wenn er aufsteigt, wird man ihm Recht geben. Er versucht sich um einen höheren Posten zu bewerben … Wenn der Fall Raymond gegen die Stadt New York weitergeht, werden die Mitschnitte wohl berücksichtigt werden. Es könnte Jahre dauern, aber Raymond will nicht aufgeben."

Außerdem: Mattathias Schwartz stellt eine Doku vor, die sich der Rolle bezahlter Quellen bei der nachrichtendienstlichen Terrorbekämpfung widmet. Ian Urbina verfolgt Fischwilderer vor Palau. Susan Burton porträtiert die Romanschriftstellerin Dana Spiotta. Und William Grimes schreibt den Nachruf auf Harper Lee.

Magazinrundschau vom 16.02.2016 - New York Times

Jonah Weiner freut sich über einen neuen Pee-wee-Herman-Film, dem ersten seit 28 Jahren. Weiner erläutert, was die von Paul Reubens erfundene Figur nach wie vor subversiv macht: "Reubens war seiner Zeit weit voraus, was Identitätsfragen betrifft, in heutiger Comedy das beherrschende Thema, nur dass Reubens sich ihnen ganz anders näherte. Geschlechternormen werden in heutigen Formaten, wie 'Broad City' oder 'Transparent' explizit angegangen, während Reubens' in seiner Kinderserie 'Playhouse' eine implizite Sabotage betrieb. Weil die radikaleren Elemente in einer gut gelaunten, quietschbunten Atmosphäre aufgehoben waren, konnte die Serie sowohl von Kennern konsumiert werden, als auch von Spießern und natürlich von deren Kindern, die Reubens still und heimlich zu wahren Freigeistern erzog."

Außerdem: Daniel Bergner schildert den Fall des Entwicklungshelfers Warren Weinstein, der in Pakistan erst entführt und dann in einem US-Drohneneinsatz getötet wurde. Und Rachel Kaadzi Ghansah erklärt, wo Chirlane McCray, die Frau des New Yorker Bürgermeisters, bei ihrem sozialen Engagement an Grenzen stößt.
Stichwörter: Spießer, Comedy, Sabotage

Magazinrundschau vom 09.02.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times untersucht Parul Sehgal das Phänomen kollektiven Gedächtnisverlustes, genauer das vorsätzliche Ausblenden ganzer sozialer Gruppierungen im öffentlichen Diskurs, Frauen, Minoritäten, sozial Schwache. Eine Machtdemonstration: "Mit der jüngsten Inflation solcher Auslöschungsversuche geht auch der Versuch der Korrektur einher. Versuche, der betroffenen Gruppierungen, die Verdrängung zu hierarchisieren. Wer hat wen ausgestochen und zum Verstummen gebracht? Wer zieht jetzt alle Aufmerksamkeit auf sich? Solche Scharmützel können recht kleinlich werden, aber sie zeigen auch, wie sehr wir von sich ständig wandelnden Machtbeziehungen abhängen. Unsere Identitäten und Privilegien sind niemals statisch, sondern zutiefst kontextabhängig. Wir, die wir ausgeblendet und stillgestellt wurden, können jederzeit andere ausblenden und stillstellen."

Weitere Artikel: Vinson Cunningham porträtiert den Lektor Chris Jackson, der in einem Buchmarkt, in dem gerade mal 4 Prozent der Angestellten Schwarze sind, eine schwarze Literaturbewegung aufbaut. Cecilia Kang beschreibt den Kampf um Netzneutralität. An vorderster Front: Jonathan Sallet, Chefjurist der bundesstaatlichen Behörde für Kommunikation. Touré analysiert Kanye Wests Tweets und stellt fest: ganz schön spätpubertär, der Junge. Und Helen Macdonald begegnet einer fremden Intelligenz, einem wilden Keiler: "Von einer nicht-menschlichen Seele erfasst zu werden, bringt dich dazu, die Grenzen deiner selbst zu bedenken. Der Blick des Keilers machte mir klar, wie wenig ich über dieses Tier wusste. Gesicht an Schnauze überlegte ich, was ein Keiler eigentlich war und was ich wohl für ihn."

In der Sunday Book Review bespricht Adam Haslett Darryl Pinckneys Roman "Black Deutschland", John Reed stellt Michael Peppiatts Erinnerungen an Francis Bacon vor. Interessant klingen auch Laura Secors Buch "Children of Paradise: The Struggle for the Soul of Iran" (Kritik), das von Yunte Huang herausgegebene "Big Red Book of Modern Chinese Literature" (Kritik) und Chris Jennings' Band "Paradise Now: The Story of American Utopianism" (Kritik).