Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

802 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 81

Magazinrundschau vom 05.03.2019 - New York Times

In einem Beitrag des aktuellen Hefts berichtet Russell Shorto, wie der holländische Kunsthändler Jan Six 2016 in einem Auktionskatalog von Christie's einen unbekannten Rembrandt entdeckte: "Das Gemälde stammte aus der Zeit zwischen 1633 und 1635. Den Hinweis gab der besondere Spitzenkragen, der in dieser Zeitspanne en vogue war und dann schnell aus dem Mode kam. Was Six besonders erregte, war, dass Christie's das Gemälde dem 'Kreis von Rembrandt' zurodnete, also einem Schüler. Das Problem war nur: 'Rembrandt war in den frühen 1630er Jahren noch nicht berühmt, also gab es keinen Kreis. Ich wusste sofort, dass Christie's einen Fehler gemacht hatte.' … Six faszinierte besonders die Spitze am Kragen. Spitze war im ganzen 17. Jahrhundert ein Statusträger, und Six glaubt, dass Rembrandt eine charakteristische Art und Weise hatte, Klöppelspitze darzustellen. Andere Künstler der Zeit malten die Feinheiten der Spitze in weißer Farbe auf den dunklen Grund der Jacke. Rembrandt machte das Gegenteil. Zuerst malte er die Jacke, dann setzte er den Kragen in Weiß darüber, dann benutzte er schwarze Farbe, um die durchbrochenen Stellen im Kragen zu imitieren. Wo andere Maler darauf achteten, sich wiederholende Muster in der Spitze zu schaffen, entwickelte Rembrandt ein Freestyle-Design. Für den Betrachter erscheint das Kragenmuster aus der Nähe wie ein hieroglyphisches Durcheinander, tritt er jedoch einen Schritt zurück, wird es kohärent. Six glaubt, dass es sich dabei um einen Aspekt von Rembrandts Genie handelt. 'Er erkannte, dass die gemalte Kopie eines repetitiven Musters, selbst wenn es dem Original nachempfunden war, künstlich aussah.'"

Außerdem: Jack Hitt ist der Masche einiger Celebrity-Wahrsager auf der Spur, die ihre Prophezeiungen aus den sozialen Medien klauen. Und David Marchese interviewt Michael J. Fox zum Thema Parkinson.

Magazinrundschau vom 26.02.2019 - New York Times

Für einen Beitrag der aktuellen Ausgabe schaut sich Charles Duhigg in seinem Bekanntenkreis um und stellt fest, dass die oberen Zehntausend zwar immer reicher und privilegierter werden, aber noch lange nicht glücklicher: "Sogar in einer Hochkonjunkturwirtschaft ist ein überraschender Teil der Amerikaner beruflich unglücklich. Mitte der 80er Jahre versicherten ca. 61 Prozent der Beschäftigten, mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden zu sein. Seitdem ist die Zahl deutlich zurückgegangen, sie liegt etwa bei der Hälfte. Der Tiefpunkt war 2010, als nur 43 Prozent der Arbeitnehmer zufrieden waren, so die Daten des Conference Board, einer gemeinnützigen Forschungsorganisation. Der Rest beteuerte, unglücklich zu sein oder bestenfalls neutral darüber zu denken, wie sie den Großteil ihrer Tage verbrachten. Selbst unter Facharbeitern wie Medizinern oder Juristen mit einem starken Selbstbild wurde ein Anstieg der Unzufriedenheit verzeichnet. Was sind die Gründe? Meine Gespräche und Nachforschungen ergaben, dass es mit politische Auseinandersetzungen, verstärktem Wettbewerb und der '7/24-Kultur' am Arbeitsplatz zu tun hat, aber auch mit etwas, das schwer zu erfassen ist, ein grundlegendes Gefühl, dass die Arbeit nicht die Mühe wert ist. Diese Welle der Unzufriedenheit ist besonders unverständlich, da Unternehmen heute Zugang zu jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung darüber haben, wie Arbeitsplätze besser zu gestalten sind … Finanzielle Sicherheit ist entscheidend, ebenso das Gefühl, dass der Job nicht plötzlich verschwindet. Interessant ist der Umstand, dass Extragehälter und zusätzliche Leistungen nicht unbedingt zur Mitarbeiterzufriedenheit beitragen, ist die finanzielle Grundversorgung erstmal gegeben. Viel wichtiger ist das Gefühl der Autonomie - die Möglichkeit, über die Arbeitszeit frei zu verfügen und auf die eigene Expertise zu vertrauen. Menschen wollen mit Menschen zusammenarbeiten, die sie respektieren und mit denen sie gern Zeit verbringen. Und schließlich brauchen sie das Gefühl, dass ihre Arbeit sinnvoll ist."

Außerdem: David Marchese interviewt den R&B Musiker John Legend zum Thema Politik und Moral in der Musik (Stichworte: R. Kelly, Donald Trump). Und Matthew Desmond erklärt, was 15 Dollar Mindestlohn alles bedeuten kann: mehr Schlaf, weniger Übergewicht, weniger Stress, Schutz vor ungewollter Schwangerschaft und Missbrauch.

Magazinrundschau vom 19.02.2019 - New York Times

Für einen Beitrag der aktuellen Ausgabe besucht Travis Jeppesen Pjöngjang und stellt fest, dass der Schwarzmarkt blüht und das traditionelle Klassensystem Nordkoreas sich aufzulösen beginnt: "Bei der Geburt erhält jeder nordkoreanische Bürger eine Klassifizierung, die vor ihm geheim gehalten wird. Dieses System nennt sich 'Songbun', es besteht aus drei Hauptkategorien - loyal, wankelmütig und feindlich - und 51 Unterkategorien, die als Qualifikanten dienen. Songbun ist wesentlich, was die Chancen eines Bürgers im Leben betrifft, und familienabhängig. Die Chancen hängen davon ab, was Eltern, Großeltern, Urgroßeltern in den Jahren der Gründung des Landes oder früher getan haben. Diejenigen, deren Ahnen vor der Befreiung 1945 mit Kim Il-sung in der Guerilla gegen die japanischen Besatzer gekämpft haben, stehen auf  der höchsten Stufe des Songbun. Sie nehmen heute die höchsten Ränge in der Regierung ein. Diejenigen, die als 'feindlich' eingestuft sind, können Nachkommen ehemaliger Grundbesitzer oder Kollaborateure sein, oder sie haben Verwandte in Südkorea oder sind Christen. Sie sind größtenteils in die gebirgigen, unwirtlichen Regionen des Landes verbannt, dürfen nicht nach Pjöngjang oder andere Großstädte einreisen und sind gezwungen, ein entbehrungsreiches Leben als Bauern oder Handwerker zu führen, fast ohne Chance auf Entwicklung. Auch wenn die meisten Nordkoreaner nicht genau wissen, auf welcher Stufe sie stehen, kann jeder von ihnen sie doch intuitiv erfassen, je nachdem, wo sie leben, wer ihre Vorfahren waren, wie ihre Möglichkeiten sich gestalten und wie hoch der Grad ihrer Diskriminierung ist. Songbun, obwohl ein Bestandteil des Polizeistaats, ist historisch an die traditionelle zentrale Planwirtschaft des Nordens gebunden. Es gibt Hinweise darauf, dass sich dieses politische Klassensystem mit der Entwicklung eines freien Marktes auflösen wird."

Außerdem schaut Clive Thompson zurück auf die gute alte Zeit der ersten Computer, als Frauen noch bis zu 35 Prozent der Programmierarbeit verrichteten: "Als Unternehmen in den fünfziger und sechziger Jahren begannen, für ihre Buchhaltung Software zu verwenden und die Zahl der Programmier-Jobs explodierte, waren Männer nicht besonders im Vorteil. Arbeitgeber bevorzugten logisch denkende Menschen, die gut in Mathematik waren und sorgfältig arbeiteten, also vor allem Frauen. Einige behaupteten, die üblicherweise Frauen vorbehaltenen Arbeiten wie Stricken und Weben offenbarten genau diese Voraussetzungen. Das Buch 'Your Career in Computers' von 1968 legte sogar nahe, dass Leute, die gern mit Kochbüchern kochten, gute Programmierer abgaben."

Magazinrundschau vom 12.02.2019 - New York Times

In einem Beitrag der aktuellen Ausgabe stellt Elisabeth Zerofsky den französischen "Pop-Historiker" Eric Zemmour vor, Zemmour ist Redakteur des Figaro und laut Zerofsky ein Motor des neuen französischen Konservatismus: "Zemmours Kritiker verbinden ihn oft mit dem National Front, aber er ist dem Bonapartismus treu. Seine Nostalgie bezieht sich nicht auf die trentes glorieuses zwischen Mitte der 40er und Mitte der 70er Jahre, als das Wachstum in Frankreich stark und die Zuwanderung begrenzt war, sondern eher auf die frühen 1800er Jahre. Nach Ansicht von Zemmour war Waterloo der Beginn des Niedergangs der Nation, die Niederlage von 1871 besiegelte Frankreichs Schicksal … Zemmours Beliebtheit ist untrennbar mit der Dynamik der französischen Medien verbunden, die sich von aggressiver Rhetorik unter Druck gesetzt sehen, Partei zu ergreifen, auch wenn dies das Misstrauen der Öffentlichkeit erregt. Sie veranstalten regelmäßig Debatten zwischen Zemmour und beispielsweise einem Historiker, der Archivrecherchen betreibt. Der Historiker kann mühelos nachweisen, dass Zemmours Interpretationen unvollständig, irreführend und verzerrt sind, doch wenn es darum geht, auf seine Argumente zu reagieren, insbesondere in Bezug auf die Einwanderung, fangen sie an zu stottern … Zemmour bekam Mitte November neues Futter für seinen Kampf mit 'linken Eliten', als die 'Gelbwesten' gegen die Steuererhöhung für Dieselkraftstoff demonstrierten. Präsident Macron hatte sie im Rahmen der französischen Klimapolitik angekündigt und die urbanen Liberalen damit in eine Zwickmühle manövriert. Normalerweise würden sie eine Bewegung der Arbeiterklasse gegen die Machtmechanismen unterstützen, aber die Gilets Jaunes protestierten auch gegen ein politisches Steckenpferd der Liberalen. Zemmour verpasste nicht die Gelegenheit, diesen Widerspruch zu unterstreichen und seine Gegner aufzuspießen. Er stellte fest, dass die Gilets Jaunes die französische Manifestation eines globalen Phänomens seien. 'Sie haben echte Franzosen, echte Italiener, echte Engländer, echte Amerikaner, die weit von den Zentren des Wohlstands in der Peripherie leben', sagte er in einem Interview für den Nachrichtensender BFMTV. 'Das ist das Herz dieser Debatte. Und im Namen des Umweltbewusstseins, einer Ideologie, die aus den Städten kommt, lassen wir die einzigen Menschen, die ihr Auto wirklich benötigen, für das teuerste Benzin bezahlen.'"

Außerdem: Sarah A. Topol erkundet die Hintergründe der Ermordung des ehemaligen Duma-Abgeordneten Denis Voronenkov, der Putin für die Annexion der Krim kritisierte und 2016 in die Ukraine flüchtete. Teju Cole erkennt die Fotokamera als weiterhin scharfe Waffe des Imperialismus. Und Daniel Duane berichtet von Surferinnen, die für Gleichberechtigung in ihrem Sport kämpfen.

Magazinrundschau vom 22.01.2019 - New York Times

Im Magazin berichtet Gideon Lewis-Kraus über die Arbeit mit prähistorischer DNA, was sie uns über die Vergangenheit sagen kann und was nicht: "Es herrscht Einigkeit darüber, dass die Geschichte in Afrika beginnt. Später, vor bis zu 100.000 Jahren, setzte sich die menschliche Geschichte auf den anderen Kontinenten fort. Nach Meinung des Genetikers David Reich hat das Studium alter DNA die Vermutungen über das, was dann geschah, widerlegt. Einer Prämisse zufolge haben sich Gruppen des frühen Menschen an bestimmten für sie passenden Orten niedergelassen. Dies ist nicht nur eine Lieblingstheorie der Prähistoriker, sondern auch die natürliche Art und Weise, wie der Mensch im Lauf der Jahrtausende seine Identität mit dem Ort seines Daseins zu verbinden suchte. Für die Ni-Vanuatu Ozeaniens etwa ist ihre Bindung zum Archipel selbstverständlich. Ihre mündlichen Überlieferungen führen ihren Ursprung auf ein nichtmenschliches Merkmal der Landschaft zurück, ihre ersten Vorfahren sind beispielsweise aus einem Stein oder einem Kokosbaum entstanden. Nicht-Indigene suchen die gleiche Verwurzelung bei biotechnologischen Diensten wie 23andMe (wo jedermann die Untersuchung seiner genetischen Informationen anfordern kann, d Red.), die ihnen erklären, dass sie 'Spanisch' oder 'Yoruba sind. Reich hingegen ist der Meinung, bewiesen zu haben, dass die Menschheitsgeschichte nicht von Stillstand und Reinheit geprägt ist, sondern von Bewegung und Kreuzung. Menschen, die heute an einem Ort leben, haben oft keine genetische Ähnlichkeit mit Menschen, die dort vor Tausenden von Jahren lebten, so dass die Vorstellung, etwas im Blut mache einen zu einem Spanier, absurd erscheint …Nach dem Aussterben der Neandertaler vor etwa 40.000 Jahren waren die archaischen menschlichen Populationen, Reich nennt etwa die alten Nordeurasier, völlig anders als die Populationen von heute."

Magazinrundschau vom 08.01.2019 - New York Times

Für die aktuelle Ausgabe des New York Times Magazines berichtet Hannah Dreier, wie die Trump-Regierung bei der Jagd nach Gangkriminellen unschuldige Highschool-Schüler kriminalisiert: "Seit Einführung der Operation Matador spielen Schulbeauftragte eine tragende Rolle bei der Inhaftierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Sie helfen der Polizei, Informationen in Schulen zu sammeln, ohne gegen den 'Family Educational Rights and Privacy Act' zu verstoßen, das Schulen verbietet, Schülerdaten an Regierungsbehörden weiterzugeben … In Bellport und Brentwood, Städten, in denen Schüler Gang-Morden der MS-13 zum Opfer fielen, waren die Schulen besonders hilfsbereit. Handlungen, die früher kaum der Rede wert waren, können heute zu einem Schulausschluss führen. Nach einer Polizeischulung im Jahr 2017 überprüfte ein stellvertretender Schulleiter der Bellport High School die Facebook-Seite eines 15-jährigen Schülers und sah die Zahl '503' auf einer Abbildung der salvadorianischen Flagge und dem Hut einer Videospiel-Figur. Man einigte sich darauf, dass das Bild mit MS-13 zusammenhing. Der Schüler wurde wegen 'störender Vorfälle' suspendiert, obwohl er beteuerte die Beiträge stammten aus seiner Mittelstufen-Zeit und hätten einfach für El Salvador gestanden."

Außerdem verrät die englische Schriftstellerin Rachel Cusk am Beispiel ihrer ländlichen Wohngegend, wie man Autofahrer lesen kann: "Die gewöhnlich sehr langsamen Fahrer können ihre Absichten und Ziele oft nicht effektiv kommunizieren. Sie bremsen ohne erkennbaren Grund auf offener Strecke oder bleiben einfach stehen, vermutlich ohne zu wissen, dass jemand hinter ihnen ist. Wenn sie blinken, tun sie es zu spät. Man muss herausfinden, was sie tun oder meinen zu tun, indem man ihr Fahrverhalten liest. Eine Person, die beispielsweise an jeder Kreuzung oder Nebenstraße langsamer wird, mag nach einer Abzweigung suchen. Andere bremsen unvermittelt, weil sie an einer Kneipe oder einem Geschäft vorbeikommen und erwägen hineinzugehen. Die übliche Autonomie des Autos, seine Hermetik, wird umgekehrt: Die Verantwortung des Fahrens, seine visuelle und mentale Herausforderung, wird auf diejenigen außerhalb des Wagens übertragen."

Magazinrundschau vom 02.01.2019 - New York Times

Für einen aktuellen Beitrag der New York Times ackert sich Max Fisher durch rund 1400 geleakte Seiten aus einer Gebrauchsanleitung für Facebook-Moderatoren, die das Unternehmen als Reaktion auf Vorwürfe aufsetzte, Misstrauen, Hass und Gewalt in der Welt zu schüren: "FB-Mitarbeiter, meist junge Ingenieure und Juristen, versuchen, hochkomplexe Sachverhalte in ein schlichtes Ja-oder-Nein-Schema zu fassen. Einen Großteil der eigentlichen Post-by-post-Moderation übergibt Facebook an Unternehmen, die überwiegend ungelernte Arbeitskräfte beschäftigen, viele davon aus Call-Centern. Diese Moderatoren, die sich oft auf Google Translate verlassen, haben nur wenige Sekunden Zeit, um sich an unzählige Regeln zu erinnern und sie auf Hunderte von Beiträgen anzuwenden, die jeden Tag auf ihren Bildschirmen landen. Wann ist ein Hinweis auf 'Dschihad' verboten? Wann ist ein weinendes Emoji eine Warnung? Die Moderatoren sind frustriert von Regeln, die nicht immer Sinn machen, und die sie mitunter dazu zwingen, Beiträge unangetastet zu lassen, die zu Gewalt führen könnten. 'Du fühlst dich, als hättest du jemanden getötet, weil du nicht gehandelt hast', erklärt ein anonymer Mitarbeiter. Facebook erklärt, es arbeite daran, die Plattform von gefährlichen Beiträgen zu säubern … Die neuen Richtlinien wirken nicht wie ein Handbuch zur Regulierung der Weltpolitik. Sie bestehen aus Dutzenden unorganisierter PowerPoint-Präsentationen und Excel-Tabellen mit bürokratischen Titeln wie 'Western Balkans Hate Orgs and Figures' … Die Richtlinien zur Identifizierung von Hassreden, ein berüchtigtes Problem bei Facebook, sind nichts weiter als ein Haufen von vor Fachjargon strotzender Gedankenblitze. Moderatoren müssen einen Beitrag in eine von drei Schweregraden einteilen und nach Kategorien Ausschau halten, wie 'entmenschlichende Vergleiche', darunter der Vergleich von Juden mit Ratten."

Und in einem Dossier des Magazins der Times über Menschen des Jahres 2018 porträtiert Matthew Desmond die im Kampf gegen Rassendiskriminierung engagierte Soziologin Devah Pager. Und Carlo Rotella erinnert an den Blues-Musiker Otis Rush.

Magazinrundschau vom 18.12.2018 - New York Times

Für das Magazin der New York Times besucht Jeffrey E. Stein den Jemen, wo die Saudis mit Hilfe von amerikanischer, französischer und britischer Logistik Luftangriffe fliegen. Was er dort sieht, ist nichts für schwache Nerven. Die wirtschaftspolitischen Hintergründe schildert er so: "Anfang Oktober dieses Jahres machten Nachrichten über das Verschwinden eines prominenten saudischen Dissidenten die Runde. Der Journalist Jamal Khashoggi, der das saudische Regime in der Washington Post kritisierte, besuchte das saudische Konsulat in Istanbul zu Recherchezwecken und tauchte nie wieder auf. Er wurde von saudischen Killern brutal ermordet und zerstückelt. Der amerikanische Geheimdienst beschuldigte den saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman, in das Attentat verwickelt zu sein. Khashoggis Tod vermochte, was tausende Tote im Jemen nicht vermochten: die Aufmerksamkeit auf das fragwürdige Verhältnis der USA zur saudischen Monarchie zu lenken. Am 28. November stimmte der Senat über eine Resolution zur Eröffnung der Debatte über die Beendigung der amerikanischen Rolle im Jemen ab und verabschiedete sie. Doch das Weiße Haus droht, jedes Gesetz mit einem Veto zu belegen, das die amerikanische Beteiligung am Konflikt aufhebt, und verteidigt die Beziehung zu Saudi-Arabien. Anfang November gab Präsident Trump eine offizielle Erklärung ab, in der er seine anhaltende Unterstützung der Saudis verteidigte. 'Nach meiner Reise nach Saudi-Arabien vergangenes Jahr stimmte das Königreich zu, 450 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten zu investieren', heißt es in der Erklärung. 'Von den 450 Milliarden werden 110 Milliarden für den Erwerb militärischer Ausrüstung von Boeing, Lockheed Martin, Raytheon und anderen großen US-Verteidigungsunternehmen ausgegeben.'"

Magazinrundschau vom 04.12.2018 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times befasst sich Brooke Jarvis mit dem Insektensterben. Was die Apokalypse der Käfer und ihrer Artgenossen für uns bedeutet, steht hier: "Der derzeitige weltweite Verlust biologischer Vielfalt wird als sechstes Aussterben bezeichnet. Das sechste Mal in der Weltgeschichte verschwindet eine große Anzahl von Arten in ungewöhnlich kurzer Zeit, diesmal nicht durch Asteroide oder eine Eiszeit, sondern durch den Menschen. Wenn wir über den Verlust der biologischen Vielfalt nachdenken, denken wir an die letzten weißen Nashörner, die von bewaffneten Wachen geschützt werden, an Eisbären auf schwindenden Eisschollen. Das Aussterben ist eine viszerale Tragödie, die allgemein begriffen wird: Es gibt kein Zurück mehr. Die Schuld, eine einzigartige Spezies verschwinden zu lassen, bleibt für immer. Doch das Aussterben ist nicht die einzige Tragödie. Was ist mit den Arten, die noch existieren, aber als Schatten dessen, was sie einst waren? In 'The Once and Future World' zitiert der Journalist J.B. MacKinnon Aufzeichnungen aus den letzten Jahrhunderten, die auf das eben Verlorene hinweisen: 'Im Nordatlantik hält ein Dorschschwarm ein großes Schiff fest; vor Sydney segelt ein Schiffskapitän durch Pottwalherden, so weit das Auge reicht; Pioniere im Pazifik beschweren sich bei den Behörden, dass Lachs droht, ihre Kanus zu kentern.' Es gab Berichte über Löwen in Südfrankreich, Walrosse an der Themsemündung, Vogelschwärme, die drei Tage brauchten, um über uns hinweg zu fliegen, bis zu hundert Blauwale auf einmal im Südlichen Ozean. 'Das sind keine Sensationen aus Urzeiten', schreibt MacKinnon. 'Wir reden über Dinge, die das menschliche Auge gesehen hat, die im menschlichen Gedächtnis bewahrt sind.' Was wir verlieren, ist nicht nur das Diverse in der Biodiversität, sondern auch den Bio-Teil, die Masse: das Leben in seiner schieren Menge. Während ich diesen Artikel schreibe, stellen Wissenschaftler fest, dass die größte Königspinguinkolonie der Welt in 35 Jahren um 88 Prozent geschrumpft ist, dass mehr als 97 Prozent des Roten Thuns, der einst im Meer lebte, verschwunden sind. Die Zahl der in Frankreich in einem Jahr verkauften Spielzeuge von Sophie, der Giraffe, ist neunmal so hoch wie die Zahl aller Giraffen, die noch in Afrika leben."

Magazinrundschau vom 27.11.2018 - New York Times

Das Magazin der New York Times bringt ein schockierendes Feature zum Thema Palmöl. Abraham Lustgarten zeichnet den Weg der Zerstörung nach: "Die meisten Plantagen um uns herum waren neu, ihre Entstehung eine direkte Folge politischer Entscheidungen auf der anderen Seite der Welt. Mitte der 2000er Jahre begannen westliche Nationen, angeführt von den USA, Umweltgesetze auszuarbeiten, die die Verwendung von Pflanzenöl in Kraftstoffen fördern, ein ehrgeiziger Schritt zur Verringerung des Kohlendioxidausstoßes und zur Eindämmung der globalen Erderwärmung. Diese Gesetze wurden jedoch auf Grundlage einer ungenauen Kalkulation der tatsächlichen Kosten für die Umwelt entworfen. Trotz aller Warnungen, diese Politik könnte das Gegenteil dessen bewirken, was sie eigentlich will, wurde sie dennoch umgesetzt. Eine Katastrophe mit globalen Folgen ist die Folge. Die tropischen Regenwälder Indonesiens, insbesondere die Moorgebiete von Borneo enthalten große Mengen an Kohlenstoff in ihren Bäumen und Böden. Das Roden und Verbrennen der Wälder für den Anbau von Ölpalmen hatte einen perversen Effekt: Es wurde mehr Kohlenstoff freigesetzt, viel mehr. Laut NASA führte die Zerstörung von Borneos Wäldern zum größten globalen Anstieg der Kohlenstoffemissionen seit zwei Jahrtausenden, eine Explosion, die Indonesien zur viertgrößten Emissionsquelle weltweit gemacht hat. Anstatt eine clevere technokratische Lösung zu finden, um den CO2-Fußabdruck der Amerikaner zu verringern, zündete der Gesetzgeber eine mächtige Karbonbombe, die mehr Kohlenstoff produzierte als der europäische Kontinent. Der beispiellose Palmölboom hat viele der größten Unternehmen der Region bereichert und ermutigt, ihre neu gewonnene Macht und ihren Reichtum zu nutzen, um Kritiker zu unterdrücken, Arbeiter auszubeuten und mehr Land für das Palmölgeschäft zu erwerben."