Magazinrundschau - Archiv

The New York Review of Books

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Magazinrundschau vom 11.04.2006 - New York Review of Books

Werden die Demokraten die nächsten Präsidentschaftswahlen im Internet gewinnen? Der Publizist Bill McKibben ist da sehr optimistisch und verweist auf das extrem erfolgreiche Weblog DailyKos, das täglich eine halbe Million Besucher anzieht, welche die Demokraten fit für die Wahlen machen wollen. Betrieben wird es von Markos Moulitsas Zuniga, der die Wahlkampagne für den Präsidentschaftskandidaten Howard Dean vor dessen Niederlage gegen den demokratischen Konkurrenten John Kerry mitorganisierte. Bei DaliyKos haben sich inzwischen regelrechte virtuelle Projektgruppen gebildet, erzählt McKibben: "Bei näherem Hinsehen entpuppt sich Kos' Website als eine Art wachsender Schwarm der Kommunikation, als kollektive Intelligenz. Mit beeindruckenden Ergebnissen: Ein Autor mit dem Pseudonym 'Jerome a Paris' brachte Dutzende anderer, an Energiepolitik interessierte Kumpane dazu, einen Energieplan zu schreiben, den ich wesentlich verständlicher und ideenreicher finde als alles, was die Think Tanks so produziert haben. Er wurde von Tausenden von Besuchern gelesen und überarbeitet und wird als ein nützliches Modell dienen, falls die Demokraten die Kongresswahlen gewinnen und wieder stärker in die Gesetzgebung eingreifen können."

Weitere Artikel: Christopher de Bellaigue schreibt über den Iran und die Bombe. John Gray bespricht einige Bücher zum Begriff der Globalisierung. Henry Siegman analysiert die Folgen des Wahlsiegs der Hamas in Palästina. Und Charles Simic liest einen Band mit nachgelassenen Gedichten von Elizabeth Bishop.

Magazinrundschau vom 28.03.2006 - New York Review of Books

Robert Hughes singt eine Hymne auf Rembrandt, vor dem man einfach auf die Knie gehen muss, wie Hughes so erklärt: "Es gibt einige große Künstler, deren Werke wir sozusagen von außen bewundern. Sie erregen kein Gefühl der Empathie, zumindest auf keine persönliche Weise... Aber dann gibt es Künstler, deren Arbeit nicht so ist. Sie erkennen menschliche Unvollkommenheit und Sterblichkeit an. Und sie erkennen sie nicht nur an, sondern die Herrlichkeit eben darin, und machen sie zum eigentlichen Subjekt ihrer Kunst. Denn wenn Menschen perfekt wären, geistig, physisch, moralisch, spirituell - wofür bräuchten sie dann überhaupt die Kunst? Ganz sicher fühlte sich Rembrandt van Rijn nicht verpflichtet, seine menschlichen Sujets nobel darzustellen, geschweige denn perfekt. Deshalb ist er, wenn auch selbst nicht immer Realist, der oberste Gott des Realismus - nach Caravaggio."

Shakespeare-Biograf Stephen Greenblatt stellt zwei neue Bücher über Christopher Marlowe vor, David Riggs' "The World of Christopher Marlowe" und Park Honans "Christopher Marlowe: Poet and Spy", die er zwar beide gern gelesen hat, die aber nicht viel Neues über Marlowes rätselhaftes Leben und Sterben bieten. Nach Greenblatt wollte Elizabeth I. nicht unbedingt einen Verschwörer liquidieren, sondern einen Mann zum Verstummen bringen, der "einem Verlangen, das allen Hierarchien spottete und Konsequenzen nicht beachtete, eine leidenschaftliche und erschütternde Stimme gab".

Weitere Artikel: Garry Wills liest bewegt die Erinnerungen des Martin-Luther-King-Vertrauten Taylor Branch an die Jahre der Bürgerrechtsbewegung "At Canaan's Edge". Joyce Carol Oates bespricht Jay McInerneys neuen Roman "The Good Life", der ihr erstaunlich grüblerisch, drogenfrei und apolitisch erschien. Prächtig amüsiert hat sich Ian Buruma mit dem "R. Crumb Handbook", das Peter Poplaski zusammen mit Robert Crumb selbst herausgeben hat. Orville Schell schildert, wie gefährlich und wie irrsinnig es ist, als Journalist im Irak zu arbeiten.

Magazinrundschau vom 07.03.2006 - New York Review of Books

Der britische Schriftsteller und bekennende Zocker Al Alvarez zollt dem besten und gerissensten Poker-Spieler aller Zeiten seinen Tribut, Stuey Ungar, genannt "The Kid", dessen Biografie "One of a Kind" Nolan Dalla and Peter Alson jetzt vorgelegt haben: "Die andere Profis waren oft ebenso charmant wie bewandert im Kartenspiel. Einmal fragte ich einen von ihnen, warum chancenlose Amateure eigentlich mit ihm spielen wollen. 'Ich lasse die Leute denken, dass es Klasse hat zu verlieren', sagte er. 'Es bedeutet, dass sie entweder sehr reich sind oder dass sie sich selbst gut im Griff haben. Stuey, immer von Schlägern umgeben, hatte keinen Charme. 'Er war als Sieger unausstehlich und als Verlierer armselig', schreiben seine Biografen... Sein Ziel war nicht, Geld zu gewinnen, sondern Menschen zu zerstören und der Beste zu sein." (Hier ein Bild von Ungar - der Mann rechts - vor seinem dritten 1 Million Dollar Gewinn in Las Vegas.)

Weitere Artikel: Tony Judt findet zwar John Lewis Gaddis' Geschichte "The Cold War" viel zu triumphalistisch, gut gefallen haben ihm aber die Passagen, in denen Gaddis Washingtons jahrzehntelangen Kampf um Glaubwürdigkeit beschreibt: "Wie die Sowjets davon überzeugen, dass wir tatsächlich für einige Teile Europas oder Asiens einen Krieg anfangen würden? Und wie gleichzeitig behaupten, dass wir dies nicht tun wollen?" Paul Krugman und Robin Wells zeichnen en detail das Elend des amerikanischen Gesundheitssystems nach. Der amerikanische Jurist Ronald Dworkin stellt klar, dass "in einer Demokratie niemand, so mächtig oder machtlos er auch immer sei, das Recht hat, nicht beleidigt zu werden", dass dies aber nicht heiße, dass jeder die Mohammed-Karikaturen in der Zeitung sehen dürfe. Besprochen werden zudem neue Bücher über Insekten und anderes krabbelndes Kleintier.

Magazinrundschau vom 21.02.2006 - New York Review of Books

Als Lytton Strachey 1932 starb, waren die meisten seiner Bloomsbury-Freunde überzeugt, dass seine Briefe nicht veröffentlicht werden könnten: "Sie waren zu freizügig, zu boshaft und befassten sich zu sehr mit strafbarer Sodomie", erzählt der Schriftsteller Alan Hollinghurst. Nun hat Paul Levy sie herausgegeben ("The Letters of Lytton Strachey"), doch die Euphorie des Rezensenten hält sich in Grenzen: "Obwohl die Briefe oft interessant sind, manchmal lustig, und tatsächlich voller Bosheit, Offenheit und Sodomie sind, gibt es in der ersten Hälfte des Buches eine gewisse Undurchsichtigkeit, einen Hauch von Frustration und eine Unentschlossenheit, die sich dem Leser durch eine ganze Menge Geschwätz, ausweichendem Gerede und Gebrabbel mitteilt."

"Wie schnell ein Sieg die besten Pläne verderben kann!", analysiert das Autorenduo Hussein Agha und Robert Malley den Wahlsieg der Hamas in Palästina. "Die Führer der Hamas hatten gehofft, sich weiter hinter der Fatah und der Autonomiebehörde (PA) verstecken zu können, nun stehen sie an vorderster Front. Die Last, die die anderen tragen sollten, liegt nun auf ihren Schultern. In den Tagen nach der Wahl, hörte sich die Hamas plötzlich viel bescheidener und zurückhaltender an ... Der Erdrutschsieg der Hamas hat ihre Freiheit viel mehr eingeschränkt als jede Niederlage."

Weiteres: Max Rodenbeck hat sich die Übersetzungen von Osama bin Ladens Videobotschaften durchgelesen (Bruce Lawrence: "Messages to the World") und stellt fest: "Während bin Laden weiterhin sein muslimisches Publikum manipuliert und in die Irre führt, haben es die Amerikaner weder geschafft, ihn wirkungsvoll zu unterminieren noch selbst überzeugend zur muslimischen Öffentlichkeit zu sprechen." David Cole stellt das Buch "The Next Attack" vor, in dem Daniel Benjamin and Steven Simon der Bush-Regierung vorwerfen, sie habe sich so darauf gestürzt hat, einen offensiven Krieg gegen den Terror zu führen, dass sie die "weniger glamouröse" Aufgabe vernachlässigt habe, die USA gegen künftige Angriffe zu schützen. Peter W. Galbraith bespricht Paul Bremers Bilanz als amerikanischer Prokunsul "My Year in Iraq".

Magazinrundschau vom 07.02.2006 - New York Review of Books

Der irische Schriftsteller John Banville preist den Dichter Philip Larkin, auch wenn dessen Ansichten über "Rasse und Klasse" in ihrer "Heftigkeit und Bösartigkeit haarsträubend" gewesen seien. Banville versucht sich an einer Verteidigung: "Man könnte sagen, dass Larkin ein Opfer dessen wurde, was unsere Lehrer-Priester 'schlechten Umgang' zu nennen pflegten. Richard Bradford hat gezeigt, dass alle Hinweise darauf, dass Larkin ein frauenhassender, intoleranter Rassist war, in den Briefen an Colin Gunner und Kingsley Amis zu finden sind."

J.M. Coetzee bespricht Gabriel Garcia Marquez' Roman "Memoria de mis putas tristes", der jetzt als "Memories of My Melancholy Whores" auf Englisch erschienen ist. Er hält den Roman zwar nicht für besonders stark, aber seine Stoßrichtung für mutig: "Im Namen eines alten Mannes zu sprechen, der sich nach minderjährigen Mädchen sehnt, die Pädophilie sprechen zu lassen, oder zumindest zu zeigen, dass Pädophilie nicht unbedingt eine Sackgasse für den Liebenden und die Geliebte ist."

Weiteres: Charles Rosen widmet sich ausführlichst Richard Taruskins sechsbändiger "Oxford History of Western Music". Daniel Mendelsohn besteht darauf, Ang Lees "Brokeback Mountain" als einen Film über eine schwule Liebe zu sehen, und nicht als universell gültige Liebesgeschichte. Denn kein Heteropaar erfahre derart desaströse Konsequenzen "erotischer Selbstunterdrückung und sozialer Intoleranz". Mit wachsendem Horror liest Thomas Powers James Risens Bilanz der Geheimdienstarbeit vor dem Irakkrieg "State of War". Und Ronald Dworkin kommentiert säuerlich die Bestätigung von Samuel Alito zum Obersten Richter der USA durch den Senat: "Wenn er seine wahren Meinungen darüber offengelegt hätte, welche Rechte die Verfassung schützt, wäre er wahrscheinlich abgelehnt worden."

Magazinrundschau vom 24.01.2006 - New York Review of Books

"In Darfur findet ein Genozid in Zeitlupe statt", ruft Nicholas D. Kristof mit einem eindringlichen Bericht aus dem Südwesten des Sudans in Erinnerung: "Ich dachte, ich hätte in meinem bisherigen journalistischen Leben das ganze Spektrum des Horrors gesehen: von Babys, die an Malaria sterben, über chinesische Truppen, die Studenten erschießen, bis zu indonesischen Mobs, die Menschen köpfen. Aber nichts hatte mich auf Darfur vorbereitet, wo systematisch gemordet, vergewaltigt und verstümmelt wird, einzig und allein weil das Opfer einem bestimmten Stamm angehört."

Der Osteuropa-Historiker Timothy Garton Ash versucht abzuschätzen, was Polen unter den Kaczynski-Zwillingen zu erwarten hat: "Ein Problem der Kaczynskis und ihrer politischen Verbündeten ist, dass sie trotz der Behauptung, ein neuer Besen zu sein, von Anfang an Teil des diskreditierten politischen Systems der dritten Republik waren. Und ihre Herrschaft hatte einen schlechten Start, mit gescheiterten, unwillig geführten Koalitionsgesprächen, die genau das würdelose Geschacher um Posten und Privilegien demonstrierten, das die Kaczynskis hinter sich lassen wollten. In der Presse erscheinen bereits erste Berichte über Korruptionsskandale innerhalb ihrer Entourage." Doch, meint Garton Ash auch, dies sei kein Grund, in Panik zu geraten. "Selbst wenn die Kaczynski-Zwillinge alles schlecht machten, sind die Unabhängigkeit, die politische Freiheit und die Sicherheit in Polen in keiner größeren Gefahr mehr als in Italien und Spanien. Junge Polen spüren das instinktiv, weshalb sie ins Ausland gehen oder mit einer Mischung aus Protesten und Enterich-Witze reagieren."

Weiteres: John Leonard findet Rick Moodys neuen Roman "The Diviners" lustiger als seine Vorgänger, aber auch gefälliger: "Die Marx-Brothers treffen Thomas Pynchon." Gary Wills stellt Jimmy Carters Buch "Our Endangered Values" vor, in dem der Ex-Präsident, selbst erklärtermaßen ein wiedergeborener Baptist, gegen "Rigidität, Selbstgerechtigkeit und Zwanghaftigkeit" seiner Glaubensgenossen zu Felde zieht. Und Alison Lurie untersucht C.S. Lewis' "The Chronicles of Narnia". In einem offenen Brief an den Kongress protestieren eine Reihe von Juristen, darunter Richard Epstein und Ronald Dworkin, gegen die von Präsident George Bush verteidigte Praxis der NSA, amerikanische Staatsbürger abzuhören: "Einer der grundlegenden Züge einer konstitutionellen Demokratie ist, dass es einem Präsidenten oder jedem anderen freisteht, Gesetze ändern zu wollen. Aber es steht außer Frage, dass in einer solchen Demokratie ein Präsident nicht einfach hinter verschlossenen Türen das Strafrecht verletzen kann, weil es ihm unnötig oder unpraktisch erscheint."

Magazinrundschau vom 27.12.2005 - New York Review of Books

Hellauf begeistert berichtet Ian Buruma von David Margolicks Buch "Beyond Glory" ("Max Schmeling und Joe Louis"), das von den Boxkämpfen zwischen Joe Louis und Max Schmeling erzählt, und zwar so lebendig, dass selbst Buruma noch die süße Rache schmeckte, die Harlem 1937 empfunden haben muss, als der "Braune Bomber" den "Übermenschen" besiegte: "Joe Louis hatte seinem Trainer gesagt, er würde nicht mehr als eine Runde brauchen, um sich an Schmeling zu rächen. Er hielt sein Wort. Der Kampf dauerte kaum mehr als zwei Minuten. In Hemingways Worten: 'Der Neger holte aus, schlug, holte aus und schlug auf ihn ein, als wäre er ein großer Sandsack.' Er traf ihn überall, sein Gesicht, seinen Kiefer, seinen Kopf, seinen Körper. Später sagte Louis: 'Ich dachte immer nur, na, wie fühlt sich das an, Mister Herrenrasse?' Und als Schmeling auf seine Knie sank, nicht in der Lage wieder aufzustehen, und der Ringrichter Louis zum Sieger erklärte, rief der Reporter Arno Helmiss nur 'Unmöglich' und Tallulah Bankhead sprang auf, drehte sich zu den Schmeling-Fans und schrie: 'Ich hab's euch doch gesagt, ihr Hurensöhne!'"

Stephen Kinzer berichtet von einer Reise nach Diyarbakir im kurdischen Teil der Türkei. Völlig verwandelt fand er die Region, die jahrzehntelang unter harscher Militärherrschaft stand: "Nirgendwo waren Soldaten oder gepanzerte Fahrzeuge zu sehen. Die Polizisten hielten sich im Hintergrund. Noch wichtiger: die Leute sagten, was sie wollten."

Weiteres: "2005 war das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen", hält Bill McKibben fest, der in der Klima-Erwärmung "die größte Herausforderung sieht, der die Erde je gegenüberstand, vergleichbar nur mit der nuklearen Bedrohung in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts". John Gray diskutiert zwei neue Bücher von Robert Kaplan ("Imperial Grunts") und Michael Mandelbaum ("The Case for Goliath"), die sich beide mit der "neuen Realität des amerikanischen Imperiums" auseinandersetzen. Besprochen werden die Ausstellung "Russia!" im Guggenheim Museum New York und der Band "The World on Sunday" mit Zeichnungen aus Joseph Pulitzers Zeitungen.

Magazinrundschau vom 06.12.2005 - New York Review of Books

Martin Filler begutachtet die neuesten Bauten von Santiago Calatrava in Valencia (mehr) und Milwaukee (mehr) und siedelt den katalanischen Architekten auf halbem Weg zwischen Walt Disney und Frank Gehry an. "In diesen Tagen werden die beiden Architekten oft in einem Atemzug genannt. Sie haben um die gleichen Jobs konkurriert (Gehry verlor den Auftrag für das Milwaukee Art Museum an Calatrava) und werden dies ohne Zweifel weiter tun. Viele sehen Ähnlichkeiten in den herabschießenden Linien und den schwellenden Bäuchen ihrer Architektur. Aber es gibt mehr bemerkenswerte Unterschiede, angefangen dabei, wie Calatravas geschäftige, aber im Grunde offensichtliche Bauten auf einen Blick verstanden werden können (was manche Leute beruhigend finden) , wohingegen Gehrys komplexe und doppelbödige Kompositionen mehr Zeit verlangen, um begriffen zu werden."

Weiteres: Michael Massing setzt seine Erforschung der Funktionstüchtigkeit amerikanischer Medien fort und stößt dabei auf "strukturelle Probleme, die die Presse davon abhalten, ihrer Verantwortung nachzukommen und als Zeuge für Ungerechtigkeit zu dienen, als Wachhund gegen die Mächtigen". Christopher Jencks bedankt sich noch einmal bei Bill Clinton dafür, die Zahl der Sozialhilfe-Empfänger von 4,8 auf 2,2 Millionen Familien gesenkt zu haben. Joseph Lelyveld liest die Erinnerungen "For God and Country" des Westpoint-Absolventen und Captain James Yee, der zehn Monate lang als muslimischer Kaplan in Guantanamo diente, um dann selbst inhaftiert zu werden.

Besprochen werden auch William T. Vollmanns Band mit Kurzgeschichten über Russland und Deutschland während des Zweiten Weltkriegs, "Europe Central" (mehr), und Ken Emersons Buch "Always Magic in the Air", das von den Anfängen des Pops im New Yorker Brill Building erzählt, allerdings ohne Krawalle und Orgien: "Hier geht es nicht um die Dionysischen Exzesse, sondern den adrenalin-getriebenen Rhythmus des Arbeitslebens."

Magazinrundschau vom 22.11.2005 - New York Review of Books

Es gab Zeiten, klagt Michael Massing, da zwangen die Washington Post und die New York Times die Regierung in die Knie, heute werden sie von Washington eingeschüchtert. Radio- und Fernsehstationen senden Berichte, die von den Republikanern in Auftrag gegeben wurden. Gleichzeitig sorgt Washington dafür, dass immer mehr Dokumente als geheim eingestuft werden. "Doch die Kampagne gegen die Presse ist nur zum Teil das Ergebnis eines feindlichen Weißen Hauses. Die Bemühungen der Regierung wurden unterstützt durch eine disziplinierte und gut organisierte Nachrichten- und Meinungskampagne, die von Konservativen und der christlichen Rechte gesteuert wird. Dieses bestens finanzierte Netzwerk schließt Newsletter, Think Tanks und Talk Radio ebenso ein wie Kabelfernseh-Nachrichten und das Internet. Oft in Kooperation mit dem Weißen Haus haben diese Stellen eine systematische Kampagne gegen das lanciert, was sie abschätzig als 'MSM' bezeichnen: mainstream media."

William Dalrymple hat im pakistanischen Akora Khattack die Madrassa Haqqania besucht, die wohl radikalste Religionsschule, die unter anderem Talibans wie Mullah Omar herangezüchtet hat. Dort traf Dalrymple den recht vollmundigen Chef der Madrassa, Maulana Sami ul-Haq: "Ich sagte, dass man es der Haqqania ja nicht unbedingt anmerkt, dass Präsident Musharraf angekündigt hatte, Zentren des Radikalimus zu schließen. Samis Gesicht hellte sich auf: 'Das ist doch nur für amerikanischen Gebrauch', lachte er. 'Das sind Statements für die Zeitungen. Nichts ist passiert.' Also fragte ich, 'Sie finden die Lage im Moment nicht schwierig?' 'Wir sind in einer guten, starken Position', antwortete Sami. 'Bush hat die gesamte islamische Welt aufgeweckt. Wir sind ihm dankbar.'"

Weiteres: John Updike schreibt über eine Ausstellung mit Zeichnungen von Vincent Van Gogh im New Yorker Metropolitan Museum. Andre Aciman prüft Lydia Davis' neue Übersetzung von Marcel Prousts "Du cote de chez Swann". Caroline Moorehead beschäftigt sich anhand neuer Bücher mit Kindersoldaten in Sierra Leone, Liberia und dem Sudan.

Magazinrundschau vom 01.11.2005 - New York Review of Books

Peter Canby reist durch die arktischen Gebiete im Norden Alaskas, durch die North Slope. Hier liegen die großen nationalen Ölreserven, die die amerikanische Regierung zum Entsetzen von Umweltschützern jetzt erschließen möchte. Denn die North Slope ist Inuit-Gebiet und eines der grandiosesten Wildreservate der Welt: "Unter der vierundzwanzig Stunden scheinenden Sonne schmolz der Schnee von den Bergwänden, und Wasser floss aus der Tundra. Die Karibu-Herden kehrten aus den Wälden von ihren Wintergründen zurück, dicht gefolgt von jagenden Wölfen und Bären. Die Erde um uns stand in Flammen, überwuchert von Feuerkraut, wilden Lupinen und Rhododendron."

Weiteres: Robert Skidelsky stellt zwei Bücher vor, die sich mit der kommenden Supermacht China befassen: Clyde Prestowitz' "Three Billion New Capitalists" und Ted C. Fishmans "China, Inc.". Beide beschreiben ausführlich, wie China den Westen verändern wird, für Skidelsky bleibt jedoch die Frage, ob es der Westen auch schaffen wird, China zu beeinflussen. Daniel Mendelsohn feiert Bennett Millers Film "Capote", der klarmache, warum Truman Capote den Erfolg von "In Cold Blood" nicht verkraften konnte: Das Buch wurde zum Bestseller, weil seine Protagonisten, die Mörder Perry Smith und Dick Hickock, hingerichtet wurden. Außerdem besprochen werden J.M. Coetzees neuer Roman "Slow Man" ("Zeitlupe") (der laut John Lanchester von seinen Lesern "scharfes Nachdenken" verlangt) und Ira Katznelsons Studie über die Geschichte der Ungleichheit in den USA "When Affirmative Action Was White".