"In
Darfur findet ein
Genozid in Zeitlupe statt",
ruft Nicholas D. Kristof mit einem eindringlichen Bericht aus dem Südwesten des Sudans in Erinnerung: "Ich dachte, ich hätte in meinem bisherigen journalistischen Leben das ganze Spektrum des Horrors gesehen: von Babys, die an Malaria sterben, über chinesische Truppen, die Studenten erschießen, bis zu indonesischen Mobs, die Menschen köpfen. Aber nichts hatte mich auf Darfur vorbereitet, wo systematisch
gemordet, vergewaltigt und verstümmelt wird, einzig und allein weil das Opfer einem bestimmten Stamm angehört."
Der
Osteuropa-Historiker Timothy Garton Ash versucht abzuschätzen, was Polen unter den
Kaczynski-Zwillingen zu erwarten hat: "Ein Problem der Kaczynskis und ihrer politischen Verbündeten ist, dass sie trotz der Behauptung, ein
neuer Besen zu sein, von Anfang an Teil des diskreditierten politischen Systems der dritten Republik waren. Und ihre Herrschaft hatte einen schlechten Start, mit gescheiterten, unwillig geführten Koalitionsgesprächen, die genau das
würdelose Geschacher um Posten und Privilegien demonstrierten, das die Kaczynskis hinter sich lassen wollten. In der Presse erscheinen bereits erste Berichte über Korruptionsskandale innerhalb ihrer Entourage." Doch, meint Garton Ash auch, dies sei kein Grund, in Panik zu geraten. "Selbst wenn die Kaczynski-Zwillinge alles schlecht machten, sind die Unabhängigkeit, die politische Freiheit und die Sicherheit in Polen in keiner größeren Gefahr mehr als in Italien und Spanien. Junge Polen spüren das instinktiv, weshalb sie ins Ausland gehen oder mit einer Mischung aus Protesten und
Enterich-Witze reagieren."
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findet Rick Moodys neuen Roman
"The Diviners" lustiger als seine Vorgänger, aber auch gefälliger: "Die
Marx-Brothers treffen Thomas Pynchon." Gary Wills
stellt Jimmy Carters Buch "Our Endangered Values" vor, in dem der Ex-Präsident, selbst erklärtermaßen ein wiedergeborener Baptist, gegen "Rigidität, Selbstgerechtigkeit und Zwanghaftigkeit" seiner Glaubensgenossen zu Felde zieht. Und Alison Lurie untersucht
C.S. Lewis' "The Chronicles of Narnia". In einem
offenen Brief an den Kongress protestieren eine Reihe von Juristen, darunter
Richard Epstein und
Ronald Dworkin, gegen die von Präsident George Bush verteidigte Praxis der NSA, amerikanische Staatsbürger
abzuhören: "Einer der grundlegenden Züge einer konstitutionellen Demokratie ist, dass es einem Präsidenten oder jedem anderen freisteht, Gesetze ändern zu wollen. Aber es steht außer Frage, dass in einer solchen Demokratie ein Präsident nicht einfach
hinter verschlossenen Türen das Strafrecht verletzen kann, weil es ihm unnötig oder unpraktisch erscheint."