
Wie konnte Amerika nur so ein
unglückliches Land werden,
fragt die Schriftstellerin
Marilynne Robinson in einem großen Abgesang auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Löhne sinken, die staatlichen Schulen und Universitäten verlieren an Unterstützung, die Lebenserwartung für Weiße sinkt. Immer weniger Amerikaner glauben noch, dass es ihren Kindern besser gehen wird, kaum jemand glaubt noch an die amerikanischen Ideale: "Das Coronavirus kann sich möglicherweise abschwächen, vielleicht kann es behandelt werden. Aber ein
Niedergang an Hoffnung und Sinn ist eine Krise der Zivilisation, die Nachdenken erfordert und eine eingehende Sorge um das Wohl der gesamten Gesellschaft und ihren Platz in der Welt... Die Vereinigten Staaten zogen Millionen von Einwanderern an. Sie schufen großartige Städte und Institutionen wie auch eine unverwechselbare Kultur, die in der ganzen Welt Einfluss genoss. Bis vor kurzem brachten sie gerechte, anständige Regierungen hervor, die einigermaßen plausibel den Idealen einer Demokratie gerecht wurden. Das ist die bescheidene Beschreibung jener Energien, die Generationen bewegt haben.
Optimismus ist immer die oberste Rechtfertigung der eigenen Existenz. Er scheint naiv, bis er nicht mehr da ist. Der Glaube, dass die Dinge besser werden, und die Erwartung, dass sie es sollten, schaffen aber erst den
gesellschaftlichen Nährboden, auf dem Fortschritt entsteht."
Ein Grund könnte die miserable Ernährung sein. "
Hoch stapeln und billig verkaufen", lautet die Devise der amerikanischen Nahrungsmittelindustrie, doch in der Coronakrise
offenbaren Michael Pollan nicht nur zusammenbrechende Lieferketten, massenhafte Erkrankungen in den Schlachthöfen und kilometerlange Autoschlagen vor Essenstafeln die Mängel der Branche. Verheerend sei auch eine industrielle Landwirtschaft, die vor allem auf dem Anbau von Mais und Soja beruht: "Was wir anbauen, ist nicht unbedingt Essen, sondern Futter für Tiere oder Grundstoffe, die zu Fastfood, Snacks und Limonaden verarbeitet werden können, fruktosehaltiger Maissirup. Während einige Bereiche der Landwirtschaft während der Pandemie ums Überleben kämpfen, werden die
Mais- und Sojaernten vermutlich mehr oder weniger unbeschadet bleiben. Das liegt daran, dass sie wenig Arbeitskraft benötigen, meist nur einen einzigen Farmer auf einem Traktor, der allein Hunderte von Hektar ernten kann. Solche Nahrung wird als letzte aus den Supermärkten verschwinden. Leider macht uns dieses Essen (ebenso wie viel Fleisch und wenig Obst und Gemüse)
anfällig für Fettleibigkeit und
chronische Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes Typ 2. Aufgrund dieser Risikofaktoren wird ein mit Covid-19 infizierter Mensch sehr wahrscheinlich mit einem schweren Krankheitsverlauf im Krankenhaus enden. Das Center für Disease Control and Prevention berichtet, dass 49 Prozent aller im Krankenhaus Behandelten unter Bluthochdruck litten,
48 Prozent waren übergewichtig und 28 Prozent hatten Diabetes."
Angesichts einer weiteren drohenden Krise
empfiehlt Francesca Mari
Aaron Glantz' "Report "Homewreckers", der rekonstruiert, wie die Politik nach der Finanzkrise die Banken rettete, aber
Millionen von Hausbesitzern in den Ruin trieb, deren Immobilien sich dann Investoren unter den Nagel reißen konnten: "Diese Politik verschafften Unternehmen nicht nur die finanziellen Anreize für
Zwangsvollstreckungen, sondern ermöglichte auch einen riesigen und anhaltenden Wohlstandstransfer von Hauseigentümern zu privaten Investoren, wobei Tausende von Eigenheimen in Mietobjekte verwandelt wurden, die über dem Marktwert vermietet werden."