
Die Philosophin
Martha Nussbaum stellt eine Reihe neuer Bücher vor, die uns lehren, die eigene Ignoranz gegenüber der Tierwelt zu überdenken. Nicht nur Menschenaffen, auch andere Säugetiere und sogar Vögel besitzen komplexe Intelligenz, kommunizieren und interagieren, beeherrschen kulturelles Lernen und sie empfinden Angst, Trauer oder Neid.
Carl Safina ("Becoming Wild), Frans De Waal ("Mama's Last Hug") oder
Janet Mann ("Deep Thinkers") fordern uns auf, meint Nussbaum,
kognitive Vorurteile zu überwinden: "Ein Hindernis ist auch, was man als den
falschen Reiz der Sprache bezeichnen könnte, der Glaube, dass Menschen die einzigen Lebewesen mit Sprache sind und dass diese uns vom Rest des zu Empfindungen fähigen Lebens trennt. Dies ist ein gleich doppelter Fehlschluss. Zum einen überhöht er die Zentralität der Sprache im menschlichen Leben. Auch wenn uns Schriftsteller etwas anderes erzählen, leben wir den Großteil unseren täglichen Gedankenlebens nicht in Worten.
Wir denken in Bildern oder Tönen, und wenn wir in Sprache denken, dann in verkürzten Fragmenten, nicht in der Prosa eines Henry James. Zu anderen übersieht er den immensen Reichtum jenes Systems, mit dem Tiere kommunizieren und das wir bisher noch kaum verstehen. Aber zumindest beginnen wir zu begreifen, wie unglaublich schön und komplex
Walgesänge sind, dass sich im
vokalen Repertoire von Meisen syntaktische Kombinationen finden, und dass
Delfine mit ihrem charakteristischen Pfeiftönen uns in Individualität und Einzigartigkeit der Stimme weit übertreffen."
Eigentlich
setzt der chilenisch-amerikanische Autor
Ariel Dorfman große Hoffnungen in den demokratischen
Aufbruch in Chile und den Konvent, der dem Land eine neue Verfassung geben soll, um die alte noch von Augusto Pinochet eingeführte zu ersetzen. Aber jetzt dringt Dorfman darauf, jetzt nicht vom Kurs abzukommen: "Der Konvent ergeht sich in Streitgkeiten. Eine laute Gruppe radikaler Delegierte besteht auf einer Reihe von Maximalforderungen - sie will den Präsidenten, den Kongress und die Gerichte durch eine vage definierte Nationalversammlung ersetzen - als wäre das Chile das
revolutionäre Russland von 1917. Wenn die Delegierten in den grundlegendsten Reformen keinen Konsens erreichen, werden sie den Gegnern der neuen Verfassung Munition für die Abstimmung im Herbst liefern. Der Konvent versagt allerdings auch darin, seine
bisher beträchtlichen Fortschritte zu vermitteln, immerhin hat er bereits mehr als tausend Änderungsvorschläge für die Magna Charta abgearbeitet. Das wird verschlimmert durch eine konzertierte
Kampagne der Feindseligkeit von Rechtsaußen. Man stelle sich nur vor, die Väter der amerikanischen Verfassung hätten 1787 in Philadelphia ihre Gedanken im Angesicht permanenter und
ätzender Desinformation auf Facebook und Twitter entwickeln müssen."