
Der
britische Kunstmarkt ist etlichen peinlichen Fälschungen aufgesessen, etliche Werke stammen aus der Sammlung des Franzosen
Giuliano Ruffini, der etwa einen unechten
Lucas Cranach an den Fürsten von Liechtenstein verhökerte, wie Samanth Subramanian in einer spannenden Geschichte über Kunstdetektive
erzählt: "Am meisten irritierte an den mutmaßlichen Fälschungen, die Ruffini verkaufte, wie viel Leute auf sie reingefallen sind. Die National Gallery in London stellte ein kleines Ölgemälde aus, das man für ein Werk des Künstlers
Orazio Gentileschi aus dem 16. Jahrhundert hielt - ein kampfesmüder David, auf einem strahlend blauen Stück Himmel aus Lapislazuli. Das Porträt eines Edelmanns vor schlammigem Hintergrund wurde 2011 von Sotheby's an einem privaten Sammler als ein
Frans Hals verkauft; der Käufer zahlte 8,5 Millionen Pfund. Sotheby's verkaufte auch ein Ölgemälde mit dem Heiligen Hieronymus,
Parmigiano zugeschrieben, in einer Auktion 2012 für 842.500 Dollar. Auf Vorsicht bedacht gab der Katalog nur an, dass das Werk aus dem Umkreis von Parmigiano stammte - womit gesagt wird, dass es von einem Künstler stammt, der von Parmigiano beeinflusst war, oder von einem seiner Schüler. Aber der Katalog zitierte auch einige Experten, die glaubten, es stamme von Parmigiano selbst. Die Arbeiten waren voll von einschlägigen, kleinster Details. Auf Hieronymus' Arm zum Beispiel erschienen Dutzende von
leichten horizontalen Rissen, die hin und wieder von einem kräftigeren vertikalen Bruch gekreuzt wurden. Auf französischen Leinwänden aus dem 18. Jahrhundert breiten sich die Risse in der Farbe
wie ein Spinnennetz aus; auf flämischen Stoffen wie Baumrinde. Bei italienischen Gemälden der Renaissance ähnelt das Muster unsauberem Mauerwerk. Auf dem Heiligen Hieronymus passten die Risse perfekt. Professor David Ekserdjian, einer der wenigen Kunsthistoriker, die den Parmigiano anzweifelte, sagte, er habe einfach nicht das
Kribbeln des Wiedererkennens gespürt, das Fachleute für sich als besondere Gabe reklamieren: Die Intimität mit einem Künstler, die sie mit der Fähigkeit vergleichen, in einer großen Menge einen Freund zu erkennen. 'Aber offen gestanden habe ich nicht auf das Bild geblickt und gesagt: Oh, das ist eine Fälschung.'"