
Ein Dialog zwischen
Russland und der Ukraine ist unbedingt nötig, um die andauernde Krise zwischen den beiden Ländern zu beenden. Voraussetzung ist allerdings, dass Russland die Ukraine als eigenen Staat wirklich anerkennt,
meint die in Wien lehrende ukrainische Politikwissenschaftlerin
Tatiana Zhurzhenko. "Die Hauptfrage dabei ist, ob sich in Russland eine
Gruppe für Versöhnung etablieren kann. Das kann nur geschehen, wenn der gegenwärtige imperialistisch-nationalistische Konsens über die Ukraine zerbricht. Ein Dialog mit russischen Liberalen wäre möglich, selbst wenn Ukrainer und Russen ihre jüngste Geschichte völlig unterschiedlich sehen. Aber zu allererst hängt die Zukunft der ukrainisch-russischen Beziehung davon ab, wie sich Europa verhält. Ein geschwächtes,
egoistisches Europa, das seine Werte verrät, wird Putins Regime stärken und die ukrainische Gesellschaft in den ethnischen Nationalismus stoßen, der dann die einzige Option bleibt."
In einem Artikel, der vor dem niederländischen Referendum geschrieben wurde,
warnt der Historiker
Timothy Snyder: "Was wie eine lokale niederländische Frage aussieht, hat jetzt allgemeine Bedeutung. 'Nein' zu wählen würde bedeuten, die russischen Anstrengungen,
die EU von innen zu destabilisieren, zu billigen und die Weiterführung der russischen Kriege in der europäischen Nachbarschaft zu unterstützen. Die niederländischen Bürger haben Glück, weil sie immer noch
an den Wahlurnen für europäische Freiheiten stimmen können, statt ihr Leben dafür auf den Straßen riskieren zu müssen. Möge das so bleiben."