Tahar Ben Jelloun

Das Schweigen des Lichts

Roman
Cover: Das Schweigen des Lichts
Berlin Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783827004277
Gebunden, 252 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Christiane Kayser. Ben Jellouns Roman basiert auf dem Zeugnis eines Überlebenden von Tazmamart. Dieses geheime Straflager im Mittleren Atlas von Marokko war 1973 eigens für die Teilnehmer an dem gescheiterten Putsch gegen Hassan II. am 10. Juli 1971 konstruiert worden. 1991 wurde das Lager auf internationalen Druck geschlossen, planiert und mit Palmen bepflanzt. Ein Mann erzählt. Er heißt Salim und hat am gescheiterten Putschversuch gegen König Hassan II. teilgenommen. Er war zwanzig, Soldat und seinen Offizieren blind gefolgt. Er wurde interniert im geheimen Straflager Tazmamart, im Süden Marokkos, verurteilt zu einem langsamen Sterben in Kälte, Schmutz und Angst. Im Gefängnis herrscht ewige Nacht, kein Licht dringt in die fensterlosen, unterirdisch gelegenen, nur 1,50 m hohen Zellen ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.08.2002

Ein umstrittenes Buch ist dieser Roman, der auf den Erinnerungen eines Überlebenden des marokkanischen Straflagers Tazmamart basiert und auch der Rezensent Tomas Fitze hat große Probleme damit. Das liegt nicht an der stilistischen und erzählerischen Leistung des Autoren, obwohl einige Details nach Fitze auch hier nicht stimmen. Vielmehr hat der Rezensent Probleme mit der Rolle, die der Autor Tahar Ben Jelloun in diesem Buch einnimmt. Fitze wirft dem Autor vor, dass er die tragische Geschichte des Überlebenden Aziz Binebine vereinnahmt (auch die öffentliche Diskussion um das Buch ging in die Richtung, dass der Autor sich mit diesem Buch unredlich bereichert hat) und nach eigenem Gusto missbraucht. Zum Beispiel "entpolitisiert er die Gefangenen", was auch damit nicht entschuldbar sei, dass es dem Autor offensichtlich "gar nicht um Politik, sondern um existenzielle Extremerfahrungen" geht. Richtiggehenden Widerwillen löst dieses Buch bei Fitze aus: "Es ist der hohle Ton, die rhetorische Aufgeblasenheit, die das Buch unerträglich macht, die Aussagen, die Ben Jelloun ... im Namen der Gefangenen macht". Auch stört den Rezensenten, dass der Berlin-Verlag gar nichts über die Zusammenhänge dieses Straflagers erläutert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.02.2002

Großen Eindruck hat dieser Roman bei der Rezensentin Verena Auffermann hinterlassen. Der in Frankreich lebende marokkanische Autor Tahar Ben Jelloun beschreibt darin die Erfahrungen eines ehemaligen Putschisten, der jahrelang im berüchtigten Wüstengefängnis Tazmamart interniert war. Auffermann nennt diese "Beschreibung eines unglaublichen Überlebens" ein "furchtbares und ein romantisches Buch". In Frankreich hat der Roman eine heftige Diskussion ausgelöst, berichtet die Rezensentin. Dort wurde dem Autor vorgeworfen, dass er sich an der Leidensgeschichte seines Protagonisten bereichere, aber dieser Logik will sich die Rezensentin nicht anschließen. In ihren Augen "müssen Geschichten wie diese aufgeschrieben werden".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2001

Von unvorstellbarer Grausamkeit müssen die Qualen gewesen sein, die ein Trupp von Offizierskadetten wegen ihres Putsches gegen den im Juli 1999 verstorbenen König von Marokko im eigens zu ihrer Bestrafung errichteten Kerker "Tazmamart" erleiden mussten. Dies geht sowohl aus Ahmed Marzoukis eher dokumentarisch aufgebauten Bericht "Tazmamart, Cellule 10, 2000 bei Editions Paris-Méditerranée erschienen, als auch aus Tahar Ben Jellouns literarischer Verarbeitung des Stoffes unter dem Titel "Das Schweigen des Lichts" hervor. Zunächst zweifelt Angela Schader daran, ob ein derartiger Stoff überhaupt "literaturfähig" sei, kommt jedoch schließlich zu einem positiven Ergebnis und entwickelt im Verlauf ihrer Rezension überwiegend die Überschneidungen in der Bearbeitung des Themas. Schader hebt sowohl für Jellouns Roman als auch für Marzoukis Bericht die Überlebensstrategien der Häftlinge hervor, die achtzehn Jahre lang in dunklen, engen, kalten Gefängnissen bei kärglichster Nahrung in ihren eigenen Exkrementen dahin vegetieren mussten. Es war der Rückzug in die Welt des Geistes, der Phantasie, der Spiritualität, der Überleben möglich gemacht hat, entnimmt die Rezensentin beiden Werken, und dies sowohl für den Phantasiebegabten selbst als auch für die "noch schlimmer zugerichteten Kameraden", denen durch die Kraft der Erzählungen "eine Art Lebenshilfe" gespendet wurde.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.11.2001

Leben ohne Licht: Reiner Wandler stellt einen empfehlenswerten Roman vor, der vom Leben marokkanischer Gefangener im Knast erzählt. Ein Gefängnis ohne ein Fenster - König Hassan II. bestrafte 58 Soldaten, die ein Attentat auf ihn versuchten, besonders hart. Dies berichte der Autor auf Grundlage von Gesprächen mit einem der Inhaftierten. Nur die Hälfte von ihnen sei noch am Leben gewesen, als das Gefängnis "auf internationalen Druck" 1991 geöffnet wurde, schreibt der Rezensent. Überlebt hätten die Gefangenen nur, weil sie es verstanden hätten, "völlig abzustumpfen und ... dabei die Würde nicht zu verlieren". Wandler äußert sich zwar zufrieden, weist in seiner Besprechung trotzdem auf Kritik hin, die an diesem Roman in Marokko geäußert worden sei: Der Autor lebe "auf Kosten des Leids" anderer, habe es dort geheißen. Mittlerweile gebe es auch "authentische Autobiografien" Überlebender dieser Todeszelle.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.09.2001

Alexandra Kedvec hat gegenüber dem marokkanischen Schriftsteller Tahar Ben Jelloun, der seit 1971 in Frankreich lebt, einige Vorbehalte. Zu lange wusste der Autor über die entsetzliche Haft von 58 Militärs, die nach einem Putschversuch gegen König Hassan II. Anfang der siebziger Jahre aus Rachsucht des Herrschers in das berühmt-berüchtigte Sonderlager Tazmamart gesteckt wurden und dort "schlimmer als Ratten" 18 Jahre in völliger Dunkelheit verbrachten, Bescheid. Und nun, da die Verbrechen von Tazmamart in aller Munde, selbst in dem des marokkanischen Königs Mohammed VI. sind, hat auch Jelloun den "Mut", darüber zu schreiben, beschwert sich die Rezensentin. Den Roman, der auf der authentischen Geschichte des Überlebenden Aziz Binebine basiert, hält Kedvec trotzdem für ein gutes Werk, das von Christiane Kayser auch noch schlüssig ins Deutsche übersetzt worden sei, abgesehen von dem Titel, der "peinlich" falsch vom Französischen Original "Cette aveuglante absence de lumière" übertragen worden sei.