Magazinrundschau - Archiv

Elet es Irodalom

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Magazinrundschau vom 09.09.2014 - Elet es Irodalom

Die Mediensoziologin Mária Vásárhelyi denkt in einem umfassenden Aufsatz über die Medienfreiheit in Ungarn nach, die aufgrund verflochtener Eigentümerstrukturen und politischer Interessen erodiert: "In den Regierungsparteien nahestehenden Medien gibt es seit 2010 einen enormen Zuwachs von Werbeaufträgen staatlicher Institutionen. Aber auch private Firmen, die eine gute Beziehung zur Regierung anstreben, sparen nicht mit Aufträgen. In zahlreichen Fällen platzieren Privatunternehmen Werbung in diesen Medien, obwohl sie ausschließlich an staatlichen Infrastrukturprojekten beteiligt sind und so keinerlei Marktinteressen haben, für Unsummen ihre Tätigkeit in den von Privatpersonen konsumierten Medien zu bewerben. Diese Praktik entwickelte sich bereits nach der Wende, (…) seit 1990 verteilten sich die Werbeeinnahmen nach der jeweiligen politischen Richtung unter den gerade bevorzugten Organen." (Mehr dazu auch in der New York Times)

Magazinrundschau vom 04.08.2014 - Elet es Irodalom

Der Philosoph Mihály Szilágyi-Gál zeichnet nach, wie das Internet auch die Gattung der Kritik verändert hat, sieht jedoch keinen Anlass zur Sorge: "Wir haben keinen überzeugenden Grund zu denken, dass die Verbreitung von Online-Medien und die Erosion der klassischen Formen der Kritik als Genre, die fachliche und allgemeine Rolle der Kritik in der Streitkultur untergraben werden ... Kritik als Haltung zu etwas ist immer mehr als reine Profession. Eine Bemerkung, die Annahme oder Ablehnung eines Textes kann nie Monopol eines Berufsstands sein. Gefallen und Übereinstimmung entstehen letztendlich aus der Autonomie einer individuellen Antwort, und dafür bietet das Internet mit seinen hektischen Oberflächen einen breiteren Raum, als die klassischen Foren der Fachmeinungen."
Stichwörter: Monopole, Streitkultur

Magazinrundschau vom 15.07.2014 - Elet es Irodalom

Benedek Várkonyi unterhält sich mit dem Schriftsteller László Krasznahorkai über dessen Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Béla Tarr. Krasznahorkais Romane dienten den Filmen Tarrs als Vorlage - oder gewissermaßen, wie der Autor erzählt: "Das, was ich sehe, ging nie in einen Film über. (...) Es sind die Visionen von Béla Tarr. Ich gebe zu, dass in diesen Filmen, angefangen vom Titel, über die Protagonisten und den Beziehungen zwischen ihnen wirklich alles aus meinen Bücher stammt. Doch dafür, was der Zuschauer im Kino sieht, war ich lediglich eine Inspirationsquelle. Tarr wollte eine visuelle Welt erschaffen und tat dies seit 1985 ausschließlich durch meine Bücher. Doch ich fühlte überhaupt nicht, dass 'Satanstango' adaptiert werden sollte, warum auch?"

Magazinrundschau vom 30.05.2014 - Elet es Irodalom

Seit Monaten wird in Ungarn heftig über das in Budapest entstehende Denkmal für die NS-Besatzungszeit debattiert. Ungarn, so lautet die Kritik, werde auf dem von der Orbán-Regierung geplanten Monument als reines Opfer dargestellt, obwohl die damalige Regierung um Miklós Horthy eng mit den Nazis kollaborierte. Auf der kürzlich von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA) veranstalteten Konferenz "Historische Erinnerung und Geschichtswissenschaft" hielt der Kunsthistoriker Ernö Marosi einen Vortrag über das Denkmal, den Élet és Irodalom abdruckt: "Hier, bei der Sitzung der Abteilung für Philosophie und Geschichte, wäre die logische und zu klärende Frage, ob es eine atonale Geschichtsschreibung gibt, etwas, das in der Kunstgeschichte der Zwölftontechnik oder der Serialität gleichkommt. Es ist ersichtlich, dass wir erst bei der Festlegung der Ausgangsfragen sind, von deren Stellung und Diskussion uns nicht zuletzt die von Adorno als Barbarei bezeichnete Verdinglichung abhält. Der Historikerstreit ist bei uns ausgeblieben. Wenn er stattgefunden hätte, müssten wir heute nicht mit ernster Miene eine an sich banale und kleinliche Angelegenheit verhandeln, sondern wussten diese an ihrem natürlichen Platz: in der Reihe der schamhaften, weil unkultivierten Hässlichkeiten."

Magazinrundschau vom 25.04.2014 - Elet es Irodalom

Dániel Bodnár, der Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Tat und Verteidigung (Tett és Védelem Alapítvány), plädiert in einem Gastbeitrag für eine verschärfte und effektivere Sanktionierung von Hassreden, etwa Volksverhetzung oder die Leugnung des Holocausts: "Die Leidenschaft ist abgeklungen, Aussagen haben ihr Gewicht verloren, die Glaubwürdigkeit der Sprache ist fraglich geworden, das Versagen des öffentlich gesprochenen Wortes konstatieren wir mit einem müden Lächeln. Niemand will mehr kämpfen... Der Drang zum Ausgleich der negativen Sprache durch positive bleibt aus. Das viel besagte demokratische Immunsystem der Gesellschaft liegt auf dem Sterbebett. Das Prinzip, nach dem die "unbeschränkte Meinungsfreiheit Selbstkorrektur bringt", hat versagt."

Magazinrundschau vom 11.04.2014 - Elet es Irodalom

András Újlaki, der Sekretär der Stiftung für benachteiligte Kinder, berichtet im Interview mit Eszter Rádai über einen Kurswechsel in der Romastrategie in Ungarn: "Das Zigeunerghetto wird nicht aufgelöst, sondern mit Komfort ausgestattet, die Schule wird nicht integriert, stattdessen wird eine Sonderschule eröffnet, und um die Arbeitsplätze in der Wettbewerbssphäre müssen wir uns auch keine Sorgen machen, denn die Zigeuner verrichten Arbeit innerhalb der Beschaffungsmaßnahmen. Es bleibt nur die Frage, ob die EU uns das abkauft, wenn wir statt einer inklusiv-integrierenden Politik, die von ihr großzügig finanziert wird, die Struktur der Segregation stabilisieren."
Stichwörter: Roma, Segregation, Ungarn, Zigeuner

Magazinrundschau vom 21.03.2014 - Elet es Irodalom

Der Publizist Sándor Révész kritisiert die bisher vorgestellten Narrative des von der jüdischen Gemeinde angeregten Museums Haus des Zusammenlebens, welches anstelle der von der Regierung geplanten Holocaustgedenkstätte Haus der Schicksale entstehen soll. Ersteres Haus soll die Geschichte des fruchtbaren Zusammenlebens zwischen Juden und Ungarn zeigen. Das hat seine Kehrseite, befürchtet Révész: "Als wäre der Holocaust nicht besonders tragisch gewesen, weil nach Herkunft, in industriellem Ausmaß Menschen überhaupt, sondern weil kultivierte, schöpferische ungarische Menschen vernichtet wurden. Wenn es eine schwere Sünde ist, jene zu vernichten, die uns national und kulturell näher stehen oder geistig mehr Potential haben, dann folgt daraus unabweisbar, dass es eine weniger schwere Sünde ist die "anderen" zu vernichten. (...) Das wäre die schlimmste Botschaft."

Magazinrundschau vom 14.03.2014 - Elet es Irodalom

Anfang April wählt Ungarn ein neues Parlament. Laut Umfragen gibt es einen beträchtlichen Anteil von Wahlberechtigten, die sich nicht entscheiden können oder wollen, die Wahlbeteiligung droht auf ein historisches Tief zu fallen. Der Publizist László Szále sucht nach den Gründen für die Wahlmüdigkeit und plädiert angesichts der Spaltung des Landes für eine große Koalition. "Wenn der gesellschaftliche Frieden und die Kooperation für die Zukunft des Landes so wichtig sind, dann muss die politische Klasse den ersten Schritt tun. Sie verursachte den Riss am Anfang der Neunzigerjahre, sie muss auf dem Weg der Versöhnung und der Bereitschaft zur Kooperation mit gutem Beispiel vorangehen... Hinter den Fronten scheint das Prinzip "eine Hand wäscht die andere" gut zu funktionieren. Welch seltsames Paradox: das Sprichwort bedeutet die gegenseitige Erlaubnis von Sünde, wenn wir es aber wortwörtlich nehmen, könnte man denken, dass unser Land nach so vielem Händewaschen das Land der sauberen Hände ist."

Magazinrundschau vom 07.03.2014 - Elet es Irodalom

Antal Siba empört sich über die Passivität von Ministerpräsident Viktor Orbán und die Berichterstattung der ungarischen öffentlich-rechtlichen Medien zu dem Konflikt in der Ukraine: "Die Ereignisse treiben den Ministerpräsidenten: Er sieht auch, dass auf Menschen geschossen wird, doch wirklich etwas dagegen tun kann er nicht. Einerseits, weil er vor kurzem noch Janukowitsch als Sicherheitsgarant der Region lobte, andererseits, weil er mit Putin auskommen muss. Eine große Wahl hat er also nicht. (…) "In Kiew schießen Heckenschützen auf Angehörige der Sicherheitskräfte. Die Sicherheitsorgane begannen mit dem Aufspüren und der Liquidierung der Terroristen", ist indessen im öffentlich-rechtlichen Radio in der Sendung "Zuhause in der Welt" zu hören, eine Lüge, die wahrscheinlich nur im osteuropäischen Maßstab messbar ist."

Die Nachricht über den Freitod des Dichters, Schriftstellers und Hochschullehrers Szilárd Borbély (mehr hier) erschütterte vergangene Woche die ungarische Öffentlichkeit. Der Autor Péter Nádas würdigt ihn in seinem Nachruf als "einen analytischen Geist, einen im Sein reisenden Menschenwissenschaftler, irgendwo im Schnittpunkt zwischen den Geisteswissenschaften, der Sprachwissenschaft und den Sozialwissenschaften".

Magazinrundschau vom 21.02.2014 - Elet es Irodalom

Der in den USA lebende Architekt András Körner veröffentlichte bereits mehrere Bände über das Leben der Juden in Ungarn. Über sein neues Buch mit dem Titel "Hogyan éltek? A magyar zsidók élete 1867-1940" ("Wie lebten sie? Das Leben der ungarischen Juden 1867-1940", Corvina, Budapest, 2013, 229 Seiten) berichtet Tamás Schüttler. "In Folge der Erinnerungslücke wissen die heute lebenden Generationen mehr über die Vernichtung der ungarischen Juden als über ihr einstiges Leben, über ihre Rolle in der ungarischen Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, über die Eigenheiten ihrer Traditionsbewahrung und ihre schnelle Assimilierung. András Körner zeigt mit Hilfe seiner Familienfotosammlung und unterschiedlichen, das jüdische Leben dokumentierenden Archiven, wie die überaus vielfältige ungarisch-jüdische Gesellschaft lebte. (...) So wird das Buch nebenbei zu einer gesellschafts- und bildungshistorischen Studie."
Stichwörter: Jüdisches Leben