Magazinrundschau - Archiv

Africa is a Country

39 Presseschau-Absätze - Seite 4 von 4

Magazinrundschau vom 27.04.2021 - Africa is a Country

Nach dem Ende der Apartheid ist der ANC mit vielen Versprechungen für alle Südafrikaner angetreten. Und was ist davon geblieben? Nicht viel, meint Russell Grinker in einer ausführlicheren Analyse. Trotzdem stimmen die Südafrikaner immer wieder für den ANC: "Wie die demütigen Bittsteller des Mittelalters sind viele unserer Leute auf einen Zustand moderner Leibeigenschaft reduziert worden, zu verarmten Bittstellern der Machthaber. Die einst kämpferischen südafrikanischen Massen der 1970er und 1980er Jahre sind zunehmend zu einer Armee von arbeitslosen Bettlern geworden, die verzweifelt bei jedem Wetter Schlange stehen, auf die zufällige Chance hin, dass sie die peinlichen R350 ($25) Sozialhilfe der Regierung erhalten (eingeführt während der COVID-19 Pandemie-Sperre). (Laut einer Studie sind über 60 Prozent der Südafrikaner nach COVID-19 auf Sozialhilfe angewiesen.)" Verantwortlich für diesen Zustand macht Grinker auch die Zersplitterung der Linken, die sich zerstritten hat oder korrumpieren lassen, weshalb Arbeitskampf heute oft in schlichte Zerstörungswut münde: "Der Klassenkampf ist in der Schwebe. 'Politik' ist nichts mehr als ein Konflikt zwischen den Parteieliten geworden. Ein Amalgam aus populistischen Politikern und Unternehmern bildet den Kern des politischen Establishments. Der kontinuierliche Prozess der Verschiebung von Ausrichtungen zwischen konkurrierenden Gruppen von Politikern zeigt, dass die heftigen Kämpfe innerhalb des ANC keinerlei ideologische Bedeutung haben, selbst wenn sie in radikal klingende Sprache gekleidet sind ... Die Massen werden nur als Zuschauer wahrgenommen, die als Bühnenarmee in den Schlachten der Fraktionseliten eingesetzt werden."

Magazinrundschau vom 30.03.2021 - Africa is a Country

In Tansania starb kürzlich Präsident John Pombe Magufuli, vermutlich an Corona, dessen Existenz er abstritt. Viel Trauer um ihn scheint es nicht zu geben, nach hoffnungsvollem Anfang entwickelte er sich zu einem kleinkarierten Fremdenfeind mit diktatorischen Anflügen, meint der kenianische Autor Rasna Warah, der dennoch mit Achtung auf die Nachbarn blickt: "Wenn ein Tansanier im Raum ist, fühlen sich Kenianer ein wenig unwohl, schämen sich sogar, weil wir wissen, dass Tansania im Gegensatz zu Kenia von einer Ideologie zusammengehalten wird, die sich nicht um die primitive Anhäufung von Reichtum und Individualismus dreht, und auch weil wir nie einen visionären Führer wie Julius Nyerere hatten. Er wurde liebevoll 'Mwalimu' genannt (was in Kisuaheli Lehrer bedeutet) und sagte einmal: 'Wir, das Volk von Tanganjika [wie Tansania vor der Vereinigung mit Sansibar im Jahr 1964 hieß], würden gerne eine Kerze anzünden und sie auf den Gipfel des Kilimandscharo stellen, damit sie über unsere Grenzen hinaus leuchtet und Hoffnung gibt, wo Verzweiflung war, Liebe, wo Hass war, und Würde, wo es vorher nur Demütigung gab.' Während Nyereres afrikanisches sozialistisches Experiment Ujamaa in Tansania wirtschaftlich weitgehend gescheitert ist, hinterließ es ein psychologisches und soziales Vermächtnis der Brüderlichkeit und Einheit unter den Menschen." Nachfolgerin von Magufuli ist übrigens Vizepräsidentin Samia Suluhu Hassan, "das erste weibliche Staatsoberhaupt in Ostafrika und potenzielles Rollenmodell für aufstrebende Politikerinnen in der Region".

Rassismus gibt's auch in Tunesien, erzählt Fatima-Ezzahra Bendami, doch wird er ignoriert von den "weißen Arabern" und einem Staat, der lieber nach Norden schaut. "'In Tunesien wird von Schwarzen nicht erwartet, dass sie eine Ausbildung machen, gut gekleidet sind oder ein Auto haben', sagt Saadia Mosbah, Leiterin von M'nemty (Facebook-Seite), einer tunesischen Antirassismus-Vereinigung. 'Es ist in Ordnung, wenn sie in einem Café kellnern oder kleine Jobs machen wie Schuhe putzen oder als Portier arbeiten, aber in dem Moment, in dem sie einen Abschluss haben, einen professionellen Job wollen oder ein höheres Studium anstreben, ist es wirklich ein Problem.' Es ist dieser heftige, aber schrecklich alltägliche Rassismus, den Anis Chouchène auszupacken und zu erklären versucht. Er ist Dichter und Sänger, kennt also die Macht der Worte. 'Worte haben eine größere Wirkung als Waffen', sagt er. 'Wörter wie Kahlouch (dunkel gegerbt), degla (Dattel), oussif (Sklave), kahla (schwarz)... Ich wehre mich nicht, wenn man mich so beschimpft.' Manchmal tut es noch mehr weh, etwa wenn die Leute annehmen, er sei ein Ausländer und vor ihm Arabisch sprechen, weil sie denken, er würde es nicht verstehen."

Magazinrundschau vom 09.03.2021 - Africa is a Country

Im September 2020 wurden in Mali vier Anti-Sklaverei-Aktivisten ermordet. Im Westen Malis, muss man dazu wissen, gibt es noch eine Form der Erbsklaverei: Wessen Vorfahren Sklaven waren, der ist auch selbst Sklave, erklären die Wissenschaftler Bakary Camara, Leah Durst-Lee, Lotte Pelckmans und Marie Rodet, die eine Studie zu dem Thema planen, in einem mit vielen Links unterlegten Artikel. "Auch heute noch schließen Armut und Diskriminierung Malier mit zugeschriebenem 'Sklavenstatus' von sozialer Mobilität aus, wie die Benbere-Blog-Kampagne #MaliSansEsclaves deutlich macht. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart haben einige Opfer der auf Abstammung basierenden Sklaverei in der Migration einen Weg gefunden, der Sklaverei zu entkommen. Aber ob sie nun in Frankreich oder in Mali leben, als Einwanderer der ersten, zweiten oder dritten Generation, transnational auferlegte soziale 'Embargos' werden genutzt, um diejenigen zu bestrafen, die versuchen, die soziale Ordnung zu verändern. Wenn beispielsweise Jugendliche in der Diaspora außerhalb der 'richtigen' sozialen Gruppe heiraten wollen, können ihre Verwandten in der Heimat für eine solche Übertretung hart bestraft werden. Sklaverei ist im postkolonialen Mali nie kriminalisiert worden. ... Viele Beamte behaupten, die Opfer seien keine 'Sklaven', sondern Teilnehmer an 'traditionellen' Praktiken."

Weiteres: William Shoki weist auf die Reihe "Afrikanischer Feminismus im Dialog" und weitere Videos zum Thema hin.

Magazinrundschau vom 16.02.2021 - Africa is a Country

In einem anekdotenreichen Beitrag erzählt Rasna Warah von den Einflüssen des Hindi-Kinos auf die urbane Kultur der siebziger in Ostafrika: Die große Community von Einwanderern - in Ostafrika nannte man sie "Asians" - brachte auch ihr Kino mit in die Städte: "Indische Filme waren und sind für Ostafrikas indische Community die vorrangige Quelle, um Wissen über die indische Kultur zu erlangen. Die frühen indischen Migranten hatten wenig Kontakt mit ihrem Herkunftsland, da Reisen nach Hause nicht nur teuer waren, sondern auch, weil die Schiffsreise von Mombasa nach Bombay oder Karatschi Wochen dauerte. ... Die Kinos in Nairobi waren immer gefüllt, vor allem am Wochenende, wenn die indischen Familien ins kuppelartige Shan in Ngaga strömten, oder ins Liberty in Pangani oder in das Odeon oder das Embassy im Stadtzentrum. ... Aber für die indischen Jugendlichen von Nairobi war das Belle Vue-Autokino auf Mombasa Road der Ort, wo man Sonntagabends einfach gesehen werden musste. Die jungen Inder gaben dort mit ihren Autos beziehungsweise mit denen ihrer Väter an und die jungen Frauen kleideten sich nach der jüngsten Mode, alles in der Hoffnung auf einen Flirt. Man teilte Essen miteinander oder kochte es manchmal sogar direkt auf den sanft abschüssigen Parkplätzen. ... Das Hindi-Kino fand nicht nur in Kenia Anklang, sondern auch im benachbarten Sansibar, wo das urbane Nachtleben von Hindi-Filmen bestimmt war. So manch ein Taraab-Song entsprang direkt einem Hindi-Film. Anders als Filme aus dem Westen (englische Filme, wie man sie hier nannte) entsprachen Filme aus Indien mit ihrem Fokus auf Werte wie Bescheidenheit, Respekt vor den Alten und Moral eher den Vorlieben der Swahili."

Magazinrundschau vom 24.11.2020 - Africa is a Country

Äthiopien droht erneut in Bürgerkrieg zu versinken. Da ist dieser Artikel Pflichtlektüre für alle Auslandsredakteure deutscher und internationaler Zeitungen! Geduldig erzählt Solen Feyissa die äußerst komplexe Geschichte Äthiopiens als eine Geschichte der Narrative über die äthiopische Nation. Zunächst legt er dar, wie alt diese Geschichte ist, denn das Königreich Äthiopien bezog sich auf uralte Texte, die eine Abstammung des Landes von König Salomon behaupteten. Die äthiopisch orthodoxe Kirche ist ebenfalls äußerst wichtig für das Narrativ von äthiopischer Einheit. Aber Äthiopien zerfällt zugleich in viele unterschiedliche Ethnien. Zwei historische Kontrahenten benennt Feyissa, den Kaiser und Modernisierer Menelik und den Revolutionär Walleligne Mekonnen. Der eine steht für den Pan-Äthiopismus, der andere für den Ethno-Nationalismus. Beide Narrative sind nach wie vor in Äthiopien sehr stark. Von den Ethnonationalisten wird die Politik von Premier Abiy Ahmed misstrauisch beäugt, besonders von den Tigray, aber auch von den Oromo im Süden. Hinzu kommt nun die neue Situation, in der sich alle Parteien über soziale Medien äußern. Wie gefährlich die Spaltung zwischen den beiden Lagern ist, zeige die Reaktion auf die Ermordung des Oromo-Sängers Hachalu Hundessa im Juni 2020 (mehr hier): "Dieser Vorfall belegt ihre Tendenz, jedes Ereignis in der Weise zu interpretieren, dass ihr eigenes Narrativ unterstützt wird. Wie es im Post-Truth-Zeitalter der sozialen Medien leider üblich wurde, scheint jede der Eliten ihren eigenen Wahrheitsfilter zu benutzen, ganz gleich, wie die Fakten vor Ort aussehen. So dass direkt nach Hachalus Tod die Eliten beider Lager sofort in die sozialen Medien gingen, um ohne Beweise zu spekulieren, wer den Sänger erschossen haben könnte."

Magazinrundschau vom 27.10.2020 - Africa is a Country

Die kenianische Journalistin Rasna Warah erklärt in einer scharfen, aber sehr gut belegten Polemik, warum der Friedensnobelpreis für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen nicht nur völlig überflüssig (warum jemand für den Job auszeichnen, für den er prächtig bezahlt wird), sondern geradezu ein Skandal ist. Denn Hilfsprogramme wie das der UN-Organisation verzerren den lokalen Markt, zerstören lokale Solidaritätstraditionen, führen zu Korruption und verlängern das Leben autoritärer Regimes, schreibt Warah und zitiert sehr viele kritische Stimmen und Autoren, um ihre These zu untermauern. Und außerdem "sollten wir eines klarstellen - Ernährungshilfe ist Big Business und extrem profitabel für die Spender… Nach dem geltenden US-Gesetz zum Beispiel muss so gut wie sämtliche Nahrungshilfe der Vereinigten Staaten (im Wert von Milliarden von Dollars) in den Vereinigten Staaten gekauft und mindestens die Hälfte muss in Schiffen unter amerikanischer Flagge transportiert werden. Der größte Teil dieser Nahrungshilfe ist amerikanische Überproduktion, die die Amerikaner nicht auf dem heimischen Markt verbrauchen können. Nach dem 'Food for Peace"-Programm ist es der amerikanischen Regierung gestattet, amerikanische Überschussproduktion zu verkaufen oder spenden, um Hunger in anderen Ländern zu lindern. Hungersnöte in anderen Ländern sind daher sehr profitabel für die US-Regierung und für hoch subventionierte amerikanische Bauern, die von den Rohstoffpreisgarantien der Bundesregierung profitieren." Die Europäische Union gibt auf der Seite ihrer Hilfsprogramme übrigens an, notleidenden Bevölkerungen, wenn möglich, mit Geld zu helfen.

Magazinrundschau vom 13.10.2020 - Africa is a Country

Zachary Mondesire unterhält sich mit Bentley Brown über dessen neuen Film "Revolution from Afar" (Trailer), der das Verhältnis der in Amerika, Britannien, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder benachbarten afrikanischen Staaten lebenden sudanesischstämmigen Künstlern zu ihrer Heimat oder der ihrer Vorfahren auslotet, besonders zu einer Zeit, als die Sudanesen 2019 den Diktator Omar al-Baschir aus dem Amt kickten, dessen islamistische Politik Tausende das Leben kostete. Da viele nicht im Sudan geboren wurden, gelten sie dort oft nicht als "echte" Sudanesen. Dass sie Kinder mehrerer Kulturen sind, wird im Sudan so skeptisch gesehen wie in Amerika, den Emiraten oder sonstwo auf der Welt: "Während der Revolution traf ich nur mit der sudanesischen Diaspora in den USA, im Vereinigten Königreich und in Saudi-Arabien zusammen, so dass meine Stichprobengröße etwas begrenzt ist. Ich erinnere mich, wie sudanesische Menschen auf einer Straße voller sudanesischer Restaurants in Dschidda, Saudi-Arabien, auf mich zukamen, mich nach meinem Film fragten und ihre Unterstützung für die Revolution bekundeten. Mehrere sudanesische Freunde in Saudi-Arabien, aber auch Freunde anderer Nationalitäten, darunter Saudis, nutzten die Proteste im Sudan, um über Themen zu sprechen, die sie sonst gemieden hatten. Auch ich hatte das getan. Ich erkannte, dass viele der Kritikpunkte, die gegen Baschirs Parteivorgebracht wurden - wie die Reduzierung eines extrem vielfältigen Sudans auf eine einzige 'arabisch-islamische' Identität sowie der Ausschluss ethnischer und religiöser Minderheiten vom nationalen Diskurs - auch tabu gewesen waren, als ich in Saudi-Arabien Filme drehte. Andererseits ist ein anderer Freund von mir, mit sudanesischem Hintergrund, aber saudischer Staatsbürgerschaft, der einzige, an den ich mich erinnern kann, der sich vehement gegen die Revolution ausgesprach. Ich erinnere mich lebhaft daran, wie sprachlos wir waren, als er beim Shrimpsessen erzählte, wie 'dumm' die Sudanesen seien, weil sie sich am Aufstand beteiligt hätten, und dass er sich in letzter Zeit eher als Saudi identifiziere. Dieser letzte Punkt ist besonders interessant, denn auch Saudi-Arabien ist ungeheuer vielfältig, und doch werden die Menschen im Allgemeinen mit einer Nationalität bezeichnet, und diese Nationalität wird fast immer bei der Geburt bestimmt. Diskussionen über hybride Identitäten werden nicht wirklich beleuchtet, und manchmal wird auf sie herabgeblickt, wie im Fall von tarsh al-bahar, 'vom Meer Erbrochenes', ein abwertender Spitzname für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Dschidda, die seit Jahrhunderten in dieses Gebiet eingewandert sind."

Außerdem: Patrick Gathara fordert eine Reform des Strafsystems oder gleich eine Abschaffung der Gefängnisse in Kenia.

Magazinrundschau vom 06.10.2020 - Africa is a Country

Die Oromo sind die größte Volksgruppe in Äthiopien. Viele Oromo leben auch in Kenia. Dalle Abraham ist ein Oromo-Autor, der in Marsalit, Kenia, lebt, wo die Kultur der Oromo anders ist als in Äthiopien. So kann er mit einer gewissen Distanz von den Widrigkeiten erzählen, die seinem Volk in den letzten Jahrzehnten zugestoßen sind. Obwohl mit Abiy Ahmed ein Oromo Premierminister von Äthiopien wurde, halten die Verfolgungen an, erzählt Abraham. Besonders gespannt ist die Lage nach dem Mord an dem äußerst populären Sänger Hachalu Hundessa (Haacaaluu Hundeessaa). Abrahams Artikel liest sich teilweise wie ein Klagelied. Deutlich wird die Bedeutung der Musik für die Kommunikation und ethnische Selbstdefinition: "Rufe nach Unabhängigkeit haben eine Befreiungsromantik, die für Sympathisanten stets einladend ist. Nirgends ist der Ruf der Oromo nach Befreiung und der Grund für diesen Ruf und der Status dieses Rufs so ausgesprochen wie in der Musik der Oromo. Die Oromo-Lieder, denen wir in Moyale, Marsabit, Isiolo und Nairobi zuhören, waren aus dem Befreiungskampf entstanden. Sie sprachen von Leid und riefen zu Widerstand auf. Durch die Lieder wurden der Aufruhr und das Leiden der Oromo zu uns nach Kenia getragen. Aber in Kenia schienen wir vor all dem wegzulaufen, und wir lernten nicht, von der Ungerechtigkeit zu sprechen, die uns verfolgte… Der Vogel im Käfig singt besser von der Freiheit."

Hier ein Lied von Hachalu Hundessa:

Magazinrundschau vom 04.08.2020 - Africa is a Country

In Afrika entstehen seit einiger Zeit nagelneu Privatstädte: Eko Atlantic in Lagos, Tatu City in Nairobi, Hope City in Accra oder Cité le Fleuve in Kinshasa, erzählt Katie Jane Fernelius in einer Reportage. Schicke Glasbauten, die alle Probleme der alten übervölkerten Großstädte lösen sollen: die ökonomischen wie klimatischen und Wohnungsprobleme. Selbst arme Bewohner, die in diese gated communities niemals hineingelassen würden, sehen sie oft als Fortschritt. "In einem Aufsatz über urbane Phantasien analysiert Vanessa Watson, Professorin für Stadtplanung, einige dieser neuen Stadtprojekte. Was sie gemeinsam haben, ist ihre schiere Größe. Im Einklang damit neigen diese Städte dazu, einen nicht näher spezifizierten Plan für die Verwaltung zu teilen, wobei sie demokratische Prozesse in ihrer Entwicklung vernachlässigen und ihre Schöpfer stattdessen Listen von Unternehmen des privaten Sektors, die für ihre Gründung verantwortlich sind, herunterrasseln. ... Aber Eko Atlantic ist mehr als nur ein auffälliges Projekt für die Reichen, Eko Atlantic ist eine konkrete Offshore-Bilanz. Die Idee, Lagos zum Dubai Afrikas zu machen, erhält neue Bedeutung im Lichte des Dubai-Berichts von Matthew Page, der auf Daten über den Kauf von Luxusimmobilien in den Vereinigten Arabischen Emiraten basiert, in denen über 800 Immobilien gefunden wurden, die 'politisch exponierten Personen' Nigerias (d.h. Politikern) gehören. Wie Page schreibt, 'könnte ein unbekannter, vielleicht beträchtlicher Teil der über 400 Millionen Dollar, die sie zum Kauf von Immobilien in Dubai verwendet haben, Teil eines Flusses illegaler Finanzströme aus Nigeria sein, die der Think Tank Global Financial Integrity konservativ auf insgesamt 178 Milliarden Dollar von 2004 bis 2013 geschätzt hat'. Eko Atlantic positioniert sich möglicherweise nicht nur in ästhetischer Hinsicht als das Dubai Afrikas, sondern auch dadurch, dass es nachahmt, wie Dubai mit riesigen Geldtransfers umgeht: mit wenig Beaufsichtigung und Straffreiheit. Wenn man das Beste annimmt, ist Eko Atlantic ein großartiger Ort, um Steuern oder Finanzvorschriften zu umgehen; im schlimmsten Fall ist die Privatstadt ein perfekter Ort, um unrechtmäßig erworbenes Geld zu parken. Privatstädte wie Eko Atlantic befreien sich von einem konkreten politischen Kontext, indem sie weniger einem Nationalstaat angehören als vielmehr zu einem Stadtstaat für sich selbst werden."

Außerdem: "Men Lebsa Neber" ist Amharisch und heißt: was sie trug. Es ist auch der Titel einer Ausstellung in Äthiopien, die die Kleider von Vergewaltigungsopfern zeigt, erzählt Seble Samuel. Zahra Moloo bespricht Janet McIntoshs Buch "Unsettled: Denial and Belonging Among White Kenyans".