Im Kino

Unsere aktuellen Filmkritiken erscheinen zweimal die Woche.
Stichwort: Amerikanischer Film - 273 Artikel - Seite 11 von 23

Auf Kollision

Im Kino 24.03.2022 Michael Bays "Ambulance" rast über die Straßen von LA und gewährt keine Pause: Alles ist Textur, Licht oder Bewegung. Die Kamera tänzelt nicht, sie stürzt Häuserschluchten hinab, wird an eine Drohne gebunden und ins Chaos geworfen, von der Fliehkraft mitgerissen und unter Blech begraben. Ganz anders Zaida Bergroths Biopic über die finnische Künstlerin und Mumin-Erfinderin Tove Jansson: eine klassische Künstlerlegende, in der zwar viel getanzt wird, aber sonst wenig Bewegung ist. Von Stefanie Diekmann, Karsten Munt

Allein in der Welt

Im Kino 20.02.2022 David Blue Garcias "Texas Chainsaw Massacre" kümmert sich nicht um frühere Remakes, Prequels und Reboots, sondern fängt einfach blutfrisch von vorne an: Diesmal mit einer Gruppe Influencer, die im texanischen Hinterland ein Startup-Paradies gründen wollen und dafür die Landlady von Leatherface auf die Straße setzen. Die Folgen kann man in Hi-End-Gloss bewundern. Josephine Deckers "Über mir der Himmel" ist eine Coming-of-Age-Geschichte, deren sinnliche Freiheit überwältigt: Hier ist alles Bewegung, Licht, Musik, Text, Körper. Von Lukas Foerster, Thomas Groh

Chronik einer Doppelbewegung

Im Kino 26.01.2022 Paul Thomas Anderson driftet in "Licorice Pizza" über die Beziehung zwischen einem 15jährigen Schauspieler und einer 25jährigen Fotografin im Los Angeles der Siebziger durch die verschiedenen Zustände des Verliebtseins: Generöse Jungsfantasie, Sittenbild einer Kulturindustrie im Umbruch - und ein exquisiter Straßenköter von einem Film. Wen Shipei tastet sich in seinem stylishen Neo Noir "Are You Lonesome Tonight?" durch atmende Räume, schummrige Bars und eine von Einzelgängern bevölkerte Welt. Von Lukas Foerster, Michael Kienzl

Wahrgenommene Transgressionen

Im Kino 01.12.2021 Definitiv ist "House of Gucci" kein Film über eine Modemarke. Von Anfang an geht Ridley Scott davon aus, dass wir eh wissen, worum es geht. Sinn des Ganzen ist weniger denn je, was erzählt wird, als vielmehr: der Exzess, die Ereignishaftigkeit. / Wie Straub/Huillet mit Splatter und Digitalfiltern nagt Paul Verhoevens "Benedetta" an unseren tradierten Bildern von Kultur, unseren Ikonen, unserem Heiland. Ein bittertraurig vom Ende her gedachtes Alterswerk. Von Katrin Doerksen, André Malberg

Beschwörung von Leid und Trauma

Im Kino 17.11.2021 Kelly Reichardt zeigt in "First Cow", wie man mit Tieren lebt und sich mit Freundschaften gegen die Grausamkeit des kapitalistischen Wettbewerbs stemmt. Schade nur, dass sie im Korsett der ewig verfälschenden Dramaturgien hängen bleibt, weil sie sich zu sehr fürs Erzählen interessiert. Gil Kenan lässt einen "Jungen namens Weihnacht" zwischen dem faschistischen Reich der Vernunft und dem Reich des Glaubens, der Besserung und Wahrheit  pendeln.
Von Patrick Holzapfel, Robert Wagner

Künstler des Krieges

Im Kino 20.10.2021 David Gordon Greens "Halloween Kills" ist emanzipatorisch, ohne die ansteckende Boshaftigkeit älterer Halloween-Filme zu verlieren, ja, noch blutrünstiger und sadistischer als diese.  Die konsequente Anwendung eines "colorblind storytelling" lässt Heinz Emigholz' "The Last City" nicht nur zu einer formal radikalen Einübung in Traumlogik werden, sondern auch zur ziemlich zynischen Parodie auf jedes Konzept von Identitätspolitik. Von Rajko Burchardt, Jochen Werner
1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12