Im Kino
Eiertanz im Brutnest
Die Filmkolumne. Von Kamil Moll
01.07.2025. Einen durchaus sehenswerten Blockbuster, der sich auf seine Steven-Spielberg-DNA besinnt, schraubt Gareth Edwards mit "Jurassic World: Rebirth" zusammen. Der neue, genmutierte Supersaurier D-Rex schaut trotzdem aus wie ein Horrorpenis.
Die beste Pointe schenkt sich Gareth Edwards' "Jurassic World Rebirth" gleich zu Beginn: Mitten in Downtown Manhattan lümmelt ein aus dem Zoo entflohener Dinosaurier unter der Brücke und lässt sich mit unverbrüchlichem Phlegma nur mühsam von einer Kohorte aus Polizei und Feuerwehr in Bewegung versetzen. Der rege Autoverkehr fließt derweil unbeeindruckt um das wuchtige Tier herum: Inmitten von akuteren Klimaveränderungen und Pandemiewellen hat das Interesse der Menschheit an den wiederbelebten Dinosauriern längst nachgelassen. "That's cold", sagt die von Scarlett Johansson mit einnehmender Verve gespielte Zora, als sie konspirativ zu Martin (Rupert Friend), dem Vertreter einer pharmazeutischen Entwicklungsfirma, ins Auto steigt. Sogar für New Yorker Verhältnisse.
Das Interesse, das der Film im Weiteren wieder zu entfachen sich bemüht, ist, daran lässt der Drehbuchschreiber David Koepp kaum Zweifel, nicht nur eines an vom Aussterben bedrohten Urzeittieren; sondern auch eines an jener Form von tricktechnisch kreativem, spektakelzentriertem Blockbuster-Kino, für das Steven Spielbergs "Jurassic Park" einstmals eine Blaupause bot, die seitdem kaum je wieder erreicht wurde. Dass Koepp, der einst das Skript für das Original sowie dessen (nicht minder sehenswerte) erste Fortsetzung "The Lost World" schrieb, rund drei Jahrzehnte später wieder für das Franchise verpflichtet wurde, scheint kein Zufall: Dem zuletzt von mitunter grässlichem CGI unterfütterten Overload der "Jurassic World"-Reihe setzt "Rebirth" eine (gleichwohl mit 134 Minuten auch nicht besonders kurz geratene) Beschränkung aufs Wesentliche entgegen.
Schnell und umstandslos wird das Setting des Films etabliert: In einer tropischen Zone um den Äquator, die den klimatischen Bedingungen vor 60 Millionen Jahren zumindest ähnelt, residieren die letzten Vertreter der im Labor wiederbelebten Dinosaurier. In ihrer DNA, so vermutet das kaum vertrauenserweckende Pharmaunternehmen ParkerGenix, schlummert ein Wirkstoff, der synthetisiert und in Medikamentenform gebracht, ein probates Mittel gegen menschliche Herzerkrankungen abgeben könnte. Martin, ein Repräsentant der Firma, weiß, dass das Zusammenstellen eines Forschungsteams eine Frage von Geldsummen und Eitelkeit ist: Zora ist als Expertin für verdeckte Operationen eine Art moderne Söldnerin, die gebucht werden kann. Bei einem im prähistorischen Museum beschäftigten Paläontologen (Jonathan Bailey) hingegen reicht bereits eine weniger kostenintensive Argumentation: "Bis du einen Dinosaurier in der freien Wildbahn gesehen hast, bist du nur jemand, der gerne in den Zoo geht", lockt ihn Martin.

Jeweils die DNA-Proben eines Dinosauriers zu Wasser, aus der Luft und zu Boden soll das Team gewinnen - eine Volte, die offensichtlich darauf abzielt, den Zuschauern gut austarierte, abwechslungsreiche Attraktionen zu bieten. Der Film sucht nicht nur wieder stärker die Nähe zum originalen "Jurassic Park", sondern verweist auch auf weitere gewichtige Stützpfeiler von Spielbergs Kino: Den Kampf gegen den aquatischen Mosasaurus bewältigt der Bootskapitän Kincaid (herzig als entspannter Seebär: Mahershala Ali) in guter Kenntnis der Überlebensstrategien aus "Jaws". Der Eiertanz im Brutnest des fliegenden Quetzalcoatlus verweist wiederum kaum verhohlen auf die genialischen Parkour-Setpieces von "Indiana Jones and the Temple of Doom".
Als Mischung aus klassischem Abenteuerfilm und kreatürlichem Horror ohne weiterführende Franchise-Allüren ist "Jurassic World Rebirth" ein funktionstüchtiger Blockbuster, den Gareth Edwards mit einer soliden handwerklichen Sorgfalt inszeniert hat, die nur bisweilen ihre arg retro-gesättigte Ableitung erkennen lässt. Wie bei allen Fortsetzungen der Reihe ist gleichwohl zweifelhaft, ob die neuen Dino-Kreationen kanonisch werden können: Insbesondere der genmutierte D-Rex, im Vorfeld ausdauernd als Herzstück des Films beworben, gemahnt in seiner Physiognomie eher an einen von HR Giger designten Penis, denn an eine Urzeitechse und bietet einen lediglich unzulänglichen Ersatz für den rüde zum Cameo-Auftritt abgeschobenen Tyrannosaurus Rex.
Kamil Moll
Jurassic World: Rebirth - USA 2025 - Regie: Gareth Edwards - Darsteller: Scarlett Johansson, Jonathan Bailey, Rupert Friend, Mahershala Ali, Ed Skrein - Laufzeit: 134 Minuten.
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