Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.05.2023 - Kunst

Man weiß gar nicht, was man zitieren soll, so spannend ist das Gespräch, das Sophie Jung in der taz mit den KünstlerInnen Silvina Der Meguerditchian, Viron Erol Vert und Pinar Öğrenci über die Kunst in der Türkei führt, über die harten Repressionen und die Zerstörung alter Stadtviertel durch Investoren. Meguerditchian etwa erinnert immer wieder an den inhaftierten Mäzen Osman Kavala, dessen Kunsthaus Depo kritischer Kunst Raum gab. Vert erzählt dagegen von einem aufschlussreichen Moment: "2013 nahm ich an einer Parallelausstellung zur Istanbul Biennale teil und wollte meine Arbeit im Garten einer griechisch-orthodoxen Kirche zeigen. Aber aus Furcht vor Repressalien wurde mir abgesagt und ich installierte sie dann als eines von wenigen Kunstwerken während der Biennale in einem (halb-)öffentlichen Raum auf dem Schulhof des Zografiyon Gymnasiums in Galata. Ich glaube, die Politik hatte, wie viele Menschen außerhalb der Kunstszene, bis 2013 nicht verstanden, was es bedeutet, wenn Kunst an einem öffentlichen Ort stattfindet, dass sie ihn verändern kann. Jetzt reagieren die Leute harsch."

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Dringend empfiehlt Julia Hubernagel in der taz auch die erste große Ausstellung zu ukrainischer Kunst in Deutschland im Dresdner Albertinum, die Dystopisches, Widerständiges und Feinfühliges von 1912 bis heute versammele: "Das seltsamste Bild der Ausstellung ist auch das einzige, das nicht genau datierbar ist. Vermutlich 1986 oder -87 aquarellierte der Gründer der Odessaer Konzeptualisten Serhiy Anufrijew einen 'Agenten' auf Stoff, auf allen drei Plätzen eines Treppchens gleichzeitig sitzend. Mit einem spitzbübischen Lächeln wringt er Wolken aus. Obwohl Anufrijew seinen Agenten nur wenige Jahre in die Zukunft versetzt - mit 1998 ist das Bild signiert - lässt er ihn unwissentlich in einer neuen Weltordnung auferstehen. In den 90er Jahren schlüpft aus der zerspringenden Hülle der Sowjetunion das neue Russland."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.05.2023 - Kunst

Fra Angelico: Der heilige Franziskus vor dem Sultan, 1429. Lindenau-Museum

Noch nie ist ihr Franz von Assisi so nahe gekommen wie in der National Gallery in London, staunt Guardian-Kritikerin Laura Cumming. Und sie stellt fest: Franziskus ist ein Heiliger für alle Jahreszeiten, für die Renaissance-Künstler war er Pionier, für die Barockmaler ein Mystiker, für die Romantiker Inspiration und für die Gegenwart ein Rebell: "Seine Herzlichkeit ist überall spürbar: In seinem liebevollen Gesicht, das auf den neugeborenen Christus in der Krippe von Josefa de Óbidos herabblickt (der Name des in Spanien geborenen portugiesischen Malers aus dem 17. Jahrhundert ist mir neu). In der Umarmung, die er dem gekreuzigten Christus in einem kolossalen Murillo-Gemälde entgegenbringt, und in der bescheidenen Darstellung der Armen durch den mexikanischen Wandmaler José Clemente Orozco. In den Szenen der Begegnungen des Heiligen mit Päpsten und Sultanen ist sie ebenfalls zu sehen. Eines der größten Werke hier ist auch das kleinste: ein winziger Fra Angelico, auf dem der redselig offenherzige Franziskus, der sich in der Hoffnung, den Sultan al-Kamil zu bekehren, nach Ägypten begeben hat und dort eine wohlwollende Anhörung erfährt. Hat es jemals ein besseres Gemälde eines skeptischen, wenn auch gnädigen Publikums gegeben?"

Besprochen werden außerdem die Ausstellung zu Vittore Carpaccio in Venedigs Dogenpalast (FAZ), Mona Kuhns Fotografien in einem Bildband und im Kunsthaus Göttingen (FAZ), eine Ausstellung zu Caspar David Friedrich im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt (die FR-Kritiker Andreas Hartmann in höchsten Tönen preist), die Schau "All Systems Fail" der Starkünstlerin Sarah Morris in den Hamburger Deichtorhallen (die SZ-Kritiker Till Briegleb eher dem Glamourösen als dem Kritischen verbunden sieht).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.05.2023 - Kunst

Still aus Alicja Rogalskas "Sister Flats II"

Tagelang könnte taz-Kritikerin Sophie Jung mit der Kunstschau "RuhrDing" durch die Städte des Ruhrgebiets schlendern, die ihr die Realität von Mühlheim, Gelsenkirchen, Witten oder Essen ganz ohne "nostalgische Runtergebrochenheit" erfahrbar macht. Aber sie blickt auch, neu auf die Tabula-rasa-Moderne der sechziger Jahre zum Beispiel in Essen-Steele: "Den damals entstandenen Betongroßstrukturen mit Parkplatz, Ladenzeile und abgetreppten Wohnebenen fielen ganze Straßenzüge aus der Gründerzeit zum Opfer. Eine solch radikale Stadtsanierung wie in Essen-Steele hat es im Ruhrgebiet seither nicht gegeben. In einer dieser 70er-Jahre-Wohnungen hat Alicja Rogalska nun ein Interieur eingerichtet. Man steht in dem schönen, durchlichteten Apartment, das ja mit seiner Entstehungsgeschichte geradezu verdammt ist, und wird beim Blick auf Rogalskas Zimmerpflanzen, Kaffeemaschine oder Bügelbrett auf eine Leerstelle aufmerksam. Denn bei all den Planungen und Fehlplanungen für die Stadt bleibt die weibliche Perspektive aus. Jede Entscheidung zum Stadtumbau in Essen-Steele sei nur von Männern getroffen worden, erzählt eine örtliche Architektin in Rogalskas Film 'Sister Flats II', der in der Wohnung auf einem der Flatscreens abläuft."

Weiteres: In der taz porträtiert Ingo Arend recht zärtlich den Maler Timur Celik, der 1992 als "wilder Sozialist und Hippie" aus Istanbeul nach Berlin kam. Im Tagesspiegel freut sich Nikolaus Bernau über die Wiedereröffnung der Kunsthalle Rostock, auch wenn er nicht mit allen Sanierungsentscheidungen einverstanden ist. In der FAZ bespricht Tilman Spreckelsen die Ausstellung "Schätze aus Usbekistan" im Neuen Museum in Berlin.
Stichwörter: Ruhrgebiet, RuhrDing, Usbekistan

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.05.2023 - Kunst

Bild: "Quiet Juggernaut". Life in West America. Bild: Roope Rainisto

Harald Staun (FAS) muss genau hinschauen bei den Bildern (hier zu sehen) von Roope Rainisto, die der finnische Künstler mit Hilfe eines KI-Generators erzeugt hat, die aber auf den ersten Blick an amerikanische Fotografen aus den Siebzigern wie Stephen Shore oder Robert Frank erinnern: Zunächst "wirken sie wie perfekte Imitationen, wie bisher unveröffentlichte Fotos, an denen man sofort die charakteristische Ikonographie erkennt: das Licht, die Körnung, die Gleichzeitigkeit von Glamour und Tristesse. Bis man, mal früher, mal später, die kleinen Fehler bemerkt, die mittlerweile wiederum als eindeutiges Merkmal aktueller KI-Bilder vertraut sind: dritte Arme und doppelte Köpfe, Schriftzüge aus Phantasiebuchstaben einer nicht existenten Sprache, in der Luft schwebende Objekte und andere physikalische Abnormitäten. Die Faszination, die von diesen Bildern ausgeht, hängt aber noch mit einer anderen Qualität zusammen, mit einem seltsamen Verdacht. Irgendwo in der neuartigen Weirdness, die sie umgibt, scheint sich ein dunkles Geheimnis offenbaren zu wollen, ein kollektives Unbewusstes, die Träume und die Traumata unter den trivialen Oberflächen. Es kommt einem so vor, als würde dem American Dream, den die Bilder repräsentieren, ein Virus innewohnen, der sie von innen zersetzt."

Außerdem: In der FAZ empfiehlt Stefan Trinks einen Besuch in der nach sieben Jahren Restaurierung wieder eröffneten Staatsgalerie im Aschaffenburger Schloss Johannisburg. Ebenfalls in der FAZ gratuliert Trinks dem Lichtmagier James Turrell zum Achtzigsten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.05.2023 - Kunst

Erasmus Francisci: Der Wunder-reiche Uberzug unserer Nider-Welt. Staatsbibliothek zu Berlin


Bildnisse der Weltraumvorstellungen der frühen Neuzeit lernt Gunda Bartels in der Ausstellung "Ufo 1665. Die Luftschlacht von Stralsund" in der Berliner Kunstbibliothek kennen. Über Flugblätter und Kupferstiche werden ihr unheimliche Phänomene wie die titelgebende Luftschlacht präsentiert, erzählt sie im Tagesspiegel . "Aus Vogelschwärmen am Himmel formieren sich Kriegsschiffe, die sich heftige Kämpfe liefern. An Deck wimmeln gespenstische Gestalten. Es ist ein bizarrer Anblick, den sechs Fischer am 8. April 1665 um 14 Uhr beim Heringsfang vor Stralsund erleben. Und als gegen Abend auch noch eine fliegende Scheibe über dem Turm der Kirche Sankt Nikolai erscheint und die Fischer, allesamt respektable Stralsunder Bürger, anderntags über Unwohlsein klagen, ist die Mediensensation perfekt. ... Die Bereitschaft, den Menschen als unerklärlich geltende Phänomene für göttliche Warnzeichen zu halten, war bis weit in das 17. Jahrhundert hinein allgegenwärtig. 'Man lebte permanent in apokalyptischer Paranoia', sagt [Kurator] Moritz Wullen und beschreibt den Himmel in der Wahrnehmung jener Zeit als 'Screen, über den Gott mit der Menschheit kommuniziert'."

Weiteres: Die Welt hat ihr Gespräch mit Katharina Grosse online nachgereicht. Besprochen werden die Ausstellung "1923. Die Gesichter einer Zeit" in der Hamburger Kunsthalle (Tsp), die Ausstellung "Chemistry and Physics in the Household" des israelischen Künstlers Itamar Gov in der Berliner Zilberman-Galerie (Tsp)  und die Ausstellungen von Elisabeth Wild im Wiener Mumok sowie die ihrer Tochter Vivian Suter in der Wiener Secession (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.05.2023 - Kunst

"Radix", 2021, Marco Schuler. Bild: Marco Schuler

In monopol ist Katharina Cichosch entzückt von den "liebenswert geheimnisvollen Wesen", denen sie in Marco Schulers Ausstellung "Go!Go!Go!" in der Kunsthalle Darmstadt begegnet: "Im großen Raum wartet so eine ganze Armada reizender Entitäten in fabelhaften Farbräumen auf; Gespenster, Aliens, Tiere, Fratzen, Pilzhüte oder Quallen mit Füßen, Märchenfiguren und Fabelwesen, manche menschlicher als andere, die aus Dachluken schauen, sich zur Cheerleader-Pyramide formieren oder vor neonfarbig illuminierten Schlössern marschieren … Viele blicken geradezu schmerzvoll aufgeschlossen in die Welt (in anderen Kontexten wurde dafür das Wort 'verstrahlt' erfunden). Alles, was wir unseren Mitmenschen so andichten und auf sie projizieren, es scheint sich in Schulers Figurencast zu manifestieren."

Andreas Müller-Pohle, ZKM


Freddy Langer stellt in der FAZ den Fotokünstler Andreas Müller-Pohle vor, dessen Archiv das ZKM Karlsruhe gerade erworben hat: "Sein Programm nannte er 'Visualismus' und seine radikalste Serie 'Transformance'. Dafür nahm er zehntausend Fotos auf, ohne je durch den Sucher der Kamera zu blicken oder den Apparat auch nur ruhig zu halten. So entstanden verwischte Weltfetzen, in denen nur hin und wieder Andeutungen eines Möbelstücks oder einer Person zu erahnen sind, stattdessen aber die Dynamik des Aufnahmeprozesses in kontrastarme Schlieren gerann." Das theoretische Gerüst für sein Werk fand Müller-Pohle in den Schriften Vilém Flussers, mit dem ihn zeitlebens eine tiefe Freundschaft verband, so Langer: "Was sich in seinem Archiv befand, war deshalb nicht weniger als ein Gesamtpaket der Auseinandersetzungen mit den Möglichkeiten des technischen Bildmediums - bis hin zur Grundlage für eine Philosophie der Fotografie."

Weitere Artikel: In der monopol gibt Frédéric Bußman einen Ausblick auf seine Vorhaben als neuer Leiter der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe. Ebenfalls in monopol löst Alicja Schindler das Rätsel um die seltsamen Instagram-Posts der im Moment geschlossenen Berlinischen Galerie: Urheber ist der Meme-Künstler Cem A., der mit seiner Aktion "Thank you for your understanding" auf das Prekariat vieler Künstler hinweisen, aber auch Institutionskritik betreiben will. Man hat nun herausgefunden, vor welcher Landschaft die "Mona Lisa" gemalt wurde, verkündet der Standard: Forscher haben im Hintergrund von Leonardo Da Vincis Werk die Romito-Brücke in der toskanischen Provinz Arezzo identifiziert.

Besprochen werden die Ausstellung "Caspar David Friedrich und die Vorboten der Romantik" im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt (FAZ), die Ausstellung "Oskar Kokoschka. A rebel from Vienna" im Guggenheim-Museum Bilbao (Standard) und die Vermeer-Ausstellung im Rijksmuseum in Amsterdam (tsp) (die Ausstellung ist ausverkauft, die Werke können jedoch online besichtigt werden).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.05.2023 - Kunst

In der FAZ freut sich die Bild-Designerin Sabine Paries über die neuen Möglichkeiten der KI-generierten Fotografie: "Das, was wir in der KI-Bildgestaltung sehen, ist eine Weiterentwicklung in fraglos völlig anderen Dimensionen, aber eine Fortführung im Bestreben nach Perfektion." Im Welt-Interview hatte gestern der Künstler Boris Eldagsen, der mit seinem Bild beim Sony Award den Trubel ausgelöst hatte, berichtet, dass die Foto-Branche geradezu in Schockstarre verfallen sind über die Möglichkeit der Promptografie, also durch Text-Befehle Bilder zu erzeugen: "Generierte Bilder kosten nicht nur weniger, es gibt auch keine juristischen Probleme mit Persönlichkeits- und Urheberrechten." 

Besprochen wird die Ausstellung "Indigo Waves and Other Stories" im Gropius Bau und im Savvy Contemporary in Berlin (mit der Kuratorenteam Natasha Ginwala und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung auffallend vorsichtig und "ästhetisch leise" den Blick weg von Europa und hin zum "Afrasischen Meer" dezentriert, wie taz-Kritikerin Amelie Sittenauer bemerkt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.05.2023 - Kunst

Juan Muñoz: "Alles, was ich sehe, wird mich überleben", Ausstellungansicht. Foto: Sala Alcala

In der FAZ freut sich Carlota Brandis, dass Spanien mit gleich mehreren Ausstellungen - die erste in der Sala Alcala in Madrid - den Bildhauer Juan Muñoz ehrt. In Muñoz, der vor Franco nach Frankreich geflohen war, entdeckt sie den Künstler als Erzähler: "Er löste sich von der vorherrschenden bildenden Kunst, indem er die vom Barock geprägte figurative Bildhauerkunst zurückbrachte. Muñoz' neuartiger, sensibler Realismus in der menschlichen Figur ließ seine Installationen in der neoexpressiven und von Provokationen beherrschten Kunstepoche herausstechen. Die von ihm erzeugte Spannung zwischen Fiktion und Realität, zwischen Kunstobjekt und Betrachter hinterfragte den Status quo. Noch zu Lebzeiten wurden dem Maler und Bildhauer Schauen in Europa und Amerika gewidmet."

Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Fire" im Fotografie Forum Frankfurt (FR) und eine Werkschau des ostdeutschen Fotografen Manfred Paul im Berliner Haus am Kleistpark (Tsp)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.04.2023 - Kunst

"Kommerzielle Galerien leisten, was Museen und Ausstellungshallen oft nicht mehr können oder wollen, weil die Mittel fehlen und manchmal auch der Mut", bemerkt Peter Richter in der SZ nach seinem Besuch beim wenig marktgängigen Berliner Gallery Weekend, das ihm wie eine "Art Documenta" erscheint: "Die Arbeit, die Hito Steyerl aus Protest gegen die antisemitischen Ausfälle auf der vergangenen Documenta in Kassel zurückgezogen hat, ist jetzt in veränderter Form bei Esther Schipper zu sehen. Virtuelle Höhlenwanderungen auf Riesen-Screens, Bewegungssensoren, Pflanzen in Glasballons, Steinfindlinge, Filmisches über John Maynard Keynes, über Bitcoins aus Käse sowie Schafhirten, die sich als Wölfe verkleiden, und das meist in Computerspiel-Ästhetik: Noch bevor man sich über das Inhaltliche überhaupt Gedanken machen kann, wird man von dem schieren Aufwand fast erschlagen. Dabei sind nur die Glasballons mit den Pflanzen verkäuflich, und der Erlös geht an Erdbebenopfer in der Türkei." Für den Tagesspiegel streift Michaela Nolte über die Messe Paper Positions. Das Monopol Magazin hat zwölf Highlights zum Gallery Weekend zusammengestellt.

Außerdem: Der Tsp berichtet von der Enthüllung von Markus Lüpertz' 14-teiligem Keramik-Zyklus in der Karlsruher U-Bahn. Besprochen werden Birgit Schulz' Dokumentarfilm über Helge Achenbach (FAZ) und die Ausstellung "Futurails. Wege und Irrwege auf Schienen" im DB-Museum Nürnberg (FAZ)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.04.2023 - Kunst

Nicole Eisenman: The Triumph of Poverty. Bild: ICA Philadelphia.

Offenbar ist der Gegenwart nur mit "Perversion" beizukommen, lernt Catrin Lorch bei Nicole Eisenman, der das  Münchner Museum Brandhorst , derzeit die Ausstellung "What happened" ausrichtet. Mit "monumentaler, fieser Virtuosität" beeindrucken sie etwa Eisenmans Arbeiten über den Zustand der amerikanische Gesellschaft: "Ein fast akademischer Wirbel in Blau legt sich um das Bild vom Limonadenstand, dem klassischen Self-Made-Mythos. Nur sind es keine Engel oder Blumen, sondern eine Gruppe Pfadfinderinnen, die sich gelb leuchtenden Urin abzapfen und in den jungen Wirtschaftskreislauf einspeisen." Auch die Verweise auf Meister wie Tintoretto oder Breughel erkennt Lorch: "Auf 'The Triumph of Poverty', entstanden im Jahr 2009, hängt eine überladene Familienkutsche im Straßengraben vor verlassenen Holzhäusern fest. Davor steht ein Banker mit heruntergelassenen Hosen, er schleift noch einen zwergenkleinen Aufmarsch hinter sich her, unübersehbar Breughels 'Blindensturz' spiegelnd."

Außerdem: Für die FR resümiert Lisa Berins einen Vortrag des israelischen Soziologen Natan Sznaider im Rahmen der "Hearing"-Reihe des Lehr- und Forschungszentrums "Erziehung nach Auschwitz" und der Jüdischen Akademie an der Frankfurter Goethe Universität. Der Debatte um die documenta 15 mangelte es an der Fähigkeit der Ambiguitätstoleranz, sagt er, hält dann aber fest: "Gegen politischen Aktivismus kann man nicht diskutieren."

Besprochen werden die Ausstellungen "Natur. Und wir?" im Stapferhaus Lenzburg, die Ausstellung "Re-Orientations" im Kunsthaus Zürich (Tsp).