Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.02.2023 - Kunst

Niki de Saint Phalle, King-Kong, 1962, Schießbild. Albin Dahlström / Moderna Museet, © 2022 Niki Charitable Art Foundation, All rights reserved / ADAGP, Paris


Wem die Kunst Niki de Saint Phalles zu bunt und poppig ist, dem empfiehlt FAZ-Kritiker Stefan Trinks einen zweiten Blick auf ihr Werk, den man derzeit in der Frankfurter Schirn werfen kann. Zwischen all den fröhlichen Nanas erkennt er dann vielleicht auch die "Bildsprache des Ruinösen" in ihrem Werk, die sie mit einigen Nachkriegskünstlern teilte: "Während sie erkennbar manches in ihren frühen Bildern vom Tachismus eines Paul Klee oder von Jean Dubuffet entlehnt (etwa die Assemblage 'Stones', eingegipste Kieselsteine und Tonfragmente oder 'Zerbrochene Teller' von 1958, das wie Spoerri ein Jahr später Fragmentiertes als 'Tafel-Bild' festklebt), sind die meisten Bildfindungen dieser Jahre aus einem Grund ureigen: weil sie zugleich von ihrem persönlichen Leiden wie auch dem der Welt erzählen. Prägend für diese Idee des Einbettens in Trümmerfonds war wohl eine erste Europareise der in den USA Aufgewachsenen 1948 mit den noch allenthalben sichtbaren Ruinen und Wunden des Kriegs. So zeugt das Gipsrelief 'Green Sky' mit einem eingebackenen Spiegel auch nicht von Narzissmus, sondern stellt eine Parallele zu Beuys dar, der in die Nachkriegs-Bronzetür des Kölner Doms seinen Rasierspiegel eingoss."

Auch Lisa Berins freut sich in der FR, dass die Schirn Niki de Saint Phalle "als eine Hauptvertreterin der europäischen Pop-Art [würdigt], als Mitbegründerin des Happenings, als politisch Denkende und als eine der ersten Frauen, die sich im männlich dominierten Kunstbusiness durchsetzte".

Kiki Kogelnik, Robots, 1966-1967. Kiki Kogelnik Foundation © Kiki Kogelnik Foundation.


Eine Schwester im Geiste Saint Phalles kann man im Kunstforum Wien kennenlernen, das Kiki Kogelnik eine große Retrospektive widmet und die sich ebenfalls in den sechziger Jahren in einer männerdominierten Kunstwelt durchsetzte. "Die Inszenierung als Fashion- und Party-Girl verstellte allerdings zunehmend ihre Kunst", erzählt im Standard Katharina Rustler. "In der Wiener Szene galt sie als Spaßmacherin und wurde lange Zeit nicht ernst genommen." Dabei "beschäftigte sich Kogelnik Mitte der 1960er-Jahre mit zukunftsweisenden Themen wie Raumfahrt, Robotik und medizinischen Neuerungen. Rund 20 Jahre vor dem aktuell gefeierten 'A Cyborg Manifesto' der Theoretikerin Donna Haraway vermischte Kogelnik in akribischen Zeichnungen bereits Mensch und Maschine. In ihrem 1963 entstandenen Gemälde 'Fly Me to the Moon' griff sie die Mondlandung voraus, ihre Bombenhülsen-Skulpturen waren kritische und zugleich ironische Kriegsrelikte. Zum anderen begeistern ihre Werke mit einer bunt-quietschigen Ästhetik und schlagen mit den darin präsenten, später meist weiblichen Körpern deutlich feministische Töne an."

Weitere Artikel: Acht Schweizer Museen haben Raubkunst aus dem Königtum Benin in Nigeria in ihren Archiven gefunden, meldet Philipp Meier in der NZZ und denken nun darüber nach, was damit zu tun sei. In Sankt Petersburg wurde eine Schau mit Anti-Kriegsbildern der 77 Jahre alten Künstlerin Jelena Ossiopwa geschlossen, meldet die FAZ: Die Staatsanwaltschaft überprüfe eine Anzeigen wegen "Diskreditierung der Streitkräfte Russlands". Nach einem Gerichtsurteil wird die Tate Modern wohl ihre Aussichtsplattform schließen müssen, um die Privatsphäre der Bewohner eines benachbarten Glasturms zu schützen, meldet die FAZ.

Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Junge Wilde - Expressive Malerei im Berlin der achtziger Jahre" im Barlach Kunstmuseum Wedel (taz), die Ausstellung "Monet - Mitchell. Dialogue and Retrospective" in der Pariser Fondation Louis Vuitton (taz), die Ausstellung "Klimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse..." im Belvedere Wien (Standard), eine Ausstellung von 120 grafische Arbeiten Aldo Rossis im Berliner Museum für Architekturzeichnungen (Tsp), die Collagen von Miriam Tölke in der Berliner Fotografie-Galerie Johanna Breede (Tsp) und zwei Berliner Ausstellungen anlässlich des 70. Geburtstags von Martin Kippenberger (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.02.2023 - Kunst

Joan Miró: "Verbrannte Leinwand 2", 1973. © Successió Miró / ProLitteris


"Das ist Action-Painting à la Jackson Pollock. Oder aber fernöstliche Kalligrafie, wie sie die Zenmeister Chinas und Japans praktizierten. Man reibt sich die Augen und fragt: Was ist mit diesem Künstler in seinen späteren Jahren bloß geschehen?" So beginnt in der NZZ Philipp Meiers begeisterte Rezension der Joan-Miró-Ausstellung im Berner Zentrum Paul Klee. Die Ausstellung ist dem späten Miro gewidmet, der sich mit 63 Jahren in Palma de Mallorca niederließ und dort nochmal ganz neu anfing: "Ein textiles Beispiel in Bern zeigt, wie Miró Wege jenseits der klassischen Malerei zu beschreiten begann. Er verwendete grobes Gewebe, brannte Löcher hinein, hinterlegte Stoff, bemalte einzelne Partien und entdeckte vor allem auch in der Zerstörung einen produktiven Weg neuer Bildfindungen. Er traktierte Leinwände mit den Füßen, bespritzte sie mit Benzin und zündete sie an, so dass große Löcher mit ihren Durchblicken Teil der Komposition wurden. Das Feuer hatte Miró bereits bei der Herstellung von Keramik schätzen gelernt. Er wusste, dass er hier die volle Kontrolle zugunsten der Naturgewalt aufgeben musste. Das gefiel ihm."

Weitere Artikel: Ingeborg Ruthe gratuliert in der Berliner Zeitung der albanischen Künstlerin Majla Zeneli zum Perthen-Preis, der von der Berlinischen Galerie verliehen wird. Moritz von Uslar besucht für die Zeit in der Berliner Akademie der Künste die Ausstellung der Fotografin Nan Goldin, die nächsten Monat in Berlin mit dem Käthe-Kollwitz-Preis ausgezeichnet wird.

Besprochen werden eine Ausstellung der ukrainischen Bildhauerin Zhanna Kadyrova im Kunstverein Hannover (Tsp), Anett Stuths Naturfotografien im Haus am Kleistpark in Berlin (BlZ), die Ausstellung "Paris Magnetique 1905-1940" im Jüdischen Museum (taz), die Ausstellung "Adolf Luther - Licht. Werk und Sammlung" im Museum unter Tage in Bochum (FAZ) und Pepe Danquarts Dokumentarfilm über den Maler Daniel Richter (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.02.2023 - Kunst

Poppiger Feminismus der 70er Jahre: Kiki Kogelniks "Superserpent", 1974. Bild: Kunstforum Wien

Im Standard freut sich Katharina Rustler über die Wiederentdeckung der Künstlerin Kiki Kogelnik, die hinter ihrer eigenen Kunstmarke ein wenig verblasst war. Denn das Werk der 1935 geborenen Künstlerin reicht von abstrakte Malerei über poppige Skulpturen bis zu Performances, betont Rustler: "Zum einen beschäftigte sich Kogelnik Mitte der 1960er-Jahre mit zukunftsweisenden Themen wie Raumfahrt, Robotik und medizinischen Neuerungen. Rund 20 Jahre vor dem aktuell gefeierten A Cyborg Manifesto der Theoretikerin Donna Haraway vermischte Kogelnik in akribischen Zeichnungen bereits Mensch und Maschine. In ihrem 1963 entstandenen Gemälde Fly Me to the Moon griff sie die Mondlandung voraus, ihre Bombenhülsen-Skulpturen waren kritische und zugleich ironische Kriegsrelikte. Zum anderen begeistern ihre Werke mit einer bunt-quietschigen Ästhetik und schlagen mit den darin präsenten, später meist weiblichen Körpern deutlich feministische Töne an."

Hunter Biden bleibt eine tragische gestalt der amerikanischer Politik. Die Republikaner fordern seinen Galeristen auf, die Namen der Sammler preiszugeben, die Unsummen für Hunter Bidens Bilder ausgeben, wie Ingeborg Ruthe in der FR erzählt. Sie vermuten dahinter Einfluss-Erschleichung: "Man könnte die Gebilde in den Farbtupfen als Chimären oder Gewächse deuten. Oft verbläst der Maler mit einem Strohhalm mehrere Schichten verdünnter Tinte, so dass die Wirkung wie bei pointillistischen Bildern der Spätimpressionisten ist. So entstehen stark farbige, surreale, oft psychedelische Abstraktionen. 'Authentizität' eines Lebens aus der Tiefe wieder nach oben, so Hunters Galerist und Förderer. Für den US-Kritikerpapst Jerry Saltz hingegen ist es 'Zombiekunst'. Hunter solle seine Kunst doch an gemeinnützige Organisationen geben. Das ist Öl ins Feuer der Republikaner."

Weiteres: In der FAZ meldet Marc Zitzmann, dass Madonnas "Diana und Endymion" offenbar doch nicht das von der Stadt Amiens vermisste Gemälde ist (unser Resümee).

Besprochen werden die Ausstellung "Which Side Are You On" der Malerin Rajkamal Kahlon in der Wiener Kunsthalle (juvenil, aber subversiv findet taz-Kritikerin Leonie Huber den Witz, mit dem Kahlon Illustration britischer Kolonialgeschichte verarbeite) und Ugo Rondinones Schau "When the sun goes down and the moon comes up" im Musée d'art et d'histoire in Genf (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.01.2023 - Kunst

Abgefangen!  Zhanna Kadyrova: "Russian Rocket", 2022. Bild: Kunstverein hannover

In der taz stellt Bettina Maria Brosowsky die ukrainische Bildhauerin Zhanna Kadyrova vor, deren Werk der Kunstverein Hannover in der Ausstellung "Täglich Brot" zeigt: "Aber solche Kunst reicht Zhanna Kadyrova schon länger nicht mehr, ihre Mittel wurden härter, aggressiver, auf die Lebenswirklichkeit der Ukraine reagierend. Für ihre flächigen Keramikarbeiten 'Shots' greift sie seit 2014 zur Kalaschnikow, erzeugt so Verletzungen in perfekten quadratischen oder runden Primärgeometrien - sicherlich auch eine Kritik an der unzureichenden Kraft der Kunst, Ausnahmezustände wie einen Krieg zu reflektieren. Ihre fünfteilige Komposition 'Harmless War', in einer früheren Version noch im Außenraum vor dem Universalmuseum Joanneum Graz zu sehen, ist aus Blechen gefertigt, die im Kriegsgeschehen von Gewehrsalven perforiert wurden. Zhanna Kadyrova bändigte sie ästhetisch zu weiß lackierten, stereometrischen Grundkörpern wie Würfel, Kugel oder Pyramide, ihr unmittelbarer Schrecken ist unter der harmlosen Oberfläche aber nach wie vor präsent."

Christian Meier nimmt in der Welt noch einmal den Rechtsstreit zwischen Zeit und dem Galeristen Johann König unter die Lupe. Das Hamburger Oberlandesgericht hat die Berichterstattung der Zeit, die König sexuelles Fehlverhalten vorwarf, im Großen und Ganzen für zulässig erklärt, doch Meier will ihr das nicht als Sieg durchgehen lassen: Die Verdächtigungen seien journalistisch nicht sorgfältig belegt und zu auffällig seien mittlerweile die Lücken in dem nach wie vor online stehenden Artikel.

Besprochen werden die sehenswerte Ausstellung "Paris Magnétique" im Jüdischen Museum, die jüdische Künstler zusammenführt, die aus dem zaristischen Russland nach Paris emigriert waren, darunter bekannte  Größen wie Chagall und Modigliani, aber auch unbekanntere wie Chana Orloff, Jacques Lipchitz (SZ) und eine Schau des Amsterdamer Malers Karel Appel in der Berliner Galerie Max Hetzler (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.01.2023 - Kunst

In der FAZ berichtet Ulf von Rauchhaupt von einem spektakulären Fund in Ägypten: In Saqqara, südlich der großen Pyramiden von Giseh, wurde ein nicht-königliches, aber auch nicht-ausgeraubtes Grab aus dem Alten Reich entdeckt, das auf 2500 bis 2200 vor unserer Zeit datiert ist, mit Mumie und ausgiebigen Wandmalereien: "Die Mumie ist von Kopf bis zu den Knien mit Blattgold umhüllt. Darunter scheint der Körper des Heqa-Shepes allerdings schon ziemlich zerfallen, wie eine Aufnahme ägyptischer Reporter nahelegt. Darauf sind auch Schmuckketten zu erkennen, mit denen der Leichnam angetan war, sowie zu seiner Linken ein goldumhüllter Stab."

Besprochen werden die Ausstellung "Paris magnétique 1905 - 1940" im Jüdischen Museum in Paris (Tsp) und die Skulpturen der Bildhauerin Leiko Ikemura im Berliner Georg-Kolbe-Museum (BlZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.01.2023 - Kunst

Erwin Blumenfeld, Gitans. Saintes-Maries-de-la-Mer, 1928. © The Estate of Erwin Blumenfeld 2022


Andreas Platthaus verneigt sich in der FAZ vor der Kunst des Fotografen Erwin Blumenfeld, der mit seiner Familie über Frankreich und Nordafrika vor den Nazis floh, um schließlich in New York zu landen, wo er als Modefotograf eine glänzende Karriere machte. Die Ausstellung "Les Tribulations d'Erwin Blumenfeld" im Pariser Museum für Kunst und Geschichte des Judentums konzentriert sich allerdings mehr auf den "Dokumentaristen Blumenfeld, der während aller persönlichen Irrwege immer die Kamera auch auf sich und die Seinen richtete... Und es gibt gänzlich unbekannte Bilderserien zu sehen, die neues Licht auf Blumenfelds fotografisches und ethnographisches Interesse werfen: Aufnahmen von Roma in Südfrankreich, die dort bereits 1928 entstanden und noch Jahre später im Amsterdamer Atelier als Studiositzungen fortgeführt wurden, und Fotos von Tanzzeremonien in den Indianerreservaten von New Mexico, wohin er 1947 gereist war. Das Interesse des Heimatvertriebenen an den Heimatlosen und Heimatreduzierten ist bewegend."

Weiteres: In der taz unterhält sich Andreas Fanizadeh mit dem Maler Daniel Richter über Pepe Danquarts Richter-Doku, Richters Musiklabel Buback und die Bedeutung von Collage-, Grafik- und Druckarbeiten in seinem Werk. In Paris besucht Boris Pofalla für die Welt den Künstler Cyprien Gaillard. Besprochen werden außerdem Leiko Ikemuras Skulpturen-Ausstellung "Witty witches" im Berliner Atelierhaus von Georg Kolbe (Tsp), die Ausstellung "Kyiv Emerging" in der Kommunalen Galerie Berlin (Tsp), die Richard-Avedon-Ausstellung "Murals" im Metropolitan Museum of Art in New York (SZ) und die Ausstellung "Pompeji und Herculaneum - Leben und Sterben unter dem Vulkan" im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.01.2023 - Kunst

Rudolf Levy, Blick auf den Pont Marie, 1910. Lehmbruck Museum, Duisburg, Foto: Bernd Kirtz 


Andreas Kilb hat für die FAZ die Ausstellung "Paris Magnétique - 1905-1940" im Jüdischen Museum Berlin besucht, die das Schicksal der - zumeist osteuropäischen - jüdischen Künstler nachzeichnet, die vor dem Ersten Weltkrieg nach Paris zum Malen kamen: "Ihr Recht, in Paris zu leben und arbeiten, wurde vielfach bestritten, am nachdrücklichsten in einem Artikel in der Zeitschrift Mercure de France, der die in ihm gestellte Frage, ob es 'eine jüdische Kunst' gebe, zwar bejahte, jener Kunst aber zugleich jede ästhetische Qualität absprach. Gegen diese neue Form antisemitischer Demagogie wandte sich der Kritiker André Warnod in einem Aufsatz, in dem er die jüdischstämmigen gezielt neben die nichtjüdischen ausländischen Künstler in Frankreich stellte - also Jules Pascin neben Picasso, Marcoussis neben Juan Gris, Ossip Zadkine und Jacques Lipchitz neben Galanis und van Kees van Dongen. Sie alle fasste er unter einen Begriff, der zuvor für die französische Spitzenmalerei der Spätgotik geprägt worden war: die 'École de Paris'."

Besprochen wird außerdem eine Ausstellung mit Wim-Wenders-Stills in der Berliner Galerie Bastian (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.01.2023 - Kunst

In der Zeit verabschieden der Philosoph Markus Gabriel und der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich ohne viel Federlesens die Autonomie der Kunst, mit der es vorbei sei, gerade weil Kunst immer wichtiger werde: "Je mächtiger die Kunst wird, desto mehr muss sie sich anpassen" und "den jeweiligen Höflichkeitsregeln folgen", verkündet Ullrich. "Denn sie will ja ein Teil der Gesellschaft sein und keine Außenseiterposition einnehmen. Und anders als im Museum oder im Konzertsaal geht es jetzt nicht mehr darum, das Werk andächtig zu rezipieren. Viel wichtiger wird die Teilhabe, und es geht, wie gesagt, um Identifikation. Besonders ausgeprägt ist das etwa bei aktivistischer Kunst: Da stehe ich nicht als Betrachter am Rand, sondern bringe mich ein, weil die Kunst einem politischen Zweck folgt, den ich richtig und gut finde." Gabriel findet hingegen, die Kunst sei eigentlich immer noch frei, nur "moralisch verwerflich" dürfe sie nicht sein.

Mit einer Sonderausstellung, die mehr als hundert Quadrate von Josef Albers zeigt, feiert das gleichnamige Museum in Bottrop die Eröffnung seines Erweiterungsbaus und treibt Patrick Bahners (FAZ) fast ins Delirium: "Die optischen Effekte sind oft beschrieben worden, und bei jeder Begegnung mit einem Gemälde aus der Serie können sie von Neuem begeistern. Die Flächen drängen hinaus über die Umrisskonstruktion, überschwemmen oder unterlaufen die Linien, verschmelzen mit den Nachbarflächen, um wieder auseinanderzutreten, aber nicht fein säuberlich, sondern in Bewegungen eines Vor und Zurück wie Auf und Ab, die instabile Übergangszonen des Aufleuchtens und Abklingens von Mischtönen erzeugen und im Auge Flecken hinterlassen. Das sind Wirkungen der Farbe".

Weitere Artikel: Felix Lill erzählt in der Berliner Zeitung von seiner Führung durch das Nationale Palastmuseum in Taipeh. In der SZ berichtet Isabel Pfaff von zwei Dauerleihgaben, die aus dem Kunsthaus in Zürich verschwunden sind.

Besprochen werden eine Ausstellung der "exakten Malerei" Michael Bettes in der Berliner Galerie Luzán (Tsp), die Ausstellung zum Ukrainekrieg "Früchte des Zorns" im Berliner Haus am Lützowplatz (taz) sowie die Ausstellungen "Wonderwalls" im NRW-Forum Düsseldorf und "Susanna" im Wallraf-Richartz-Museum Köln (die SZ-Kritiker Alexander Menden für ihre Niedrigschwelligkeit lobt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.01.2023 - Kunst

Goyas "Herzogin von Alba", 1797. Bild: Hispanic Society of America, New York


Das Museum der Hispanic Society in New York beherbergt mit Werken von El Greco, Zurbarán, Velázquez und Goya die größte Sammlung spanischer Kunst außerhalb Spaniens. Während fälliger Renovierungsarbeiten nimmt das Museum Quartier in London, und im Observer nutzt Laura Cumming die Gelegenheit, Goyas Porträt der "Herzogin von Alba" von 1797 zu bewundern: "Es zeigt eine kämpferische, intelligente Frau, die in knisternde schwarze Spitze gekleidet in einer romantischen Landschaft steht. Ihre Augen blitzen, ihre Schärpe leuchtet scharlachrot, das Gelb und Gold ihres Mieders schimmert wie Flammen durch die Spitze. Die Herzogin von Alba ist ebenso schön wie hochmütig. Mit einer Hand an der Hüfte deutet sie mit der anderen auf einige Worte, die in den Sand unter ihren Füßen geschrieben sind. Solo Goya - Nur Goya. Ist es ein Liebesschwur oder eine Aufforderung, als ob der Künstler vor ihr niederknien sollte? Er stellt sich und uns auf Augenhöhe mit ihren vergoldeten Pantoffeln. Die Herzogin war seine Gönnerin und Freundin, und vielleicht noch mehr."

Besprochen werden eine Ausstellung mit Fernseh-Bildern des Malers Matthias Groebels im Kunstverein Düsseldorf (deren Mattscheiben-Ästhetik FAZ-Kritiker Georg Imdahl wirklich fasziniert) und eine Ausstellung des Malers Michael Bette in der Berliner Galerie Luzan (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.01.2023 - Kunst

Jérôme-Martin Langlois' Gemälde "Diana und Endymion", 1822
Amiens wird 2028 Kulturhauptstadt Europas, die Bürgermeisterin der nordfranzösischen Stadt möchte sich dafür gern von Madonna Jérôme-Martin Langlois' Gemälde "Diana und Endymion" ausleihen. Das Bild galt seit dem Ersten Weltkrieg als verschollen - bis Paris Match die Popdiva in ihrer Villa fotografierte, wie Philip Meier in der NZZ erzählt: "Das Bild passt zu Madonna: Im Format pompös, ist es auch nahe am Kitsch. Vor allem aber stellt es eine Huldigung der Macht weiblicher Erotik dar. Dabei ist nicht einmal sicher, ob es sich bei dem Werk in Madonnas Besitz um das Original handelt. Das vom Auktionshaus Sotheby's seinerzeit angebotene Bild soll ohne Signatur und Datum gewesen sein - und offenbar auch um ein paar Zentimeter kleiner als die Leinwand von Jérôme-Martin Langlois. Für eine Kopie wäre der von Madonna seinerzeit bezahlte Preis allerdings ziemlich hoch. Immerhin soll sie 1,3 Millionen Dollar investiert haben. Wie aber wäre das Original nach Amerika gelangt? Boten die Wirren des Ersten Weltkriegs Gelegenheit für einen Kunstraub? Die Bürgermeisterin von Amiens will die Rechtmäßigkeit der Besitzverhältnisse nicht anzweifeln."
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