Beinahe wöchentlich meldet das Börsenblatt, dass die Vorbereitungen zum Start der
Branchenplattform "
Volltextsuche Online" (der Buchmessegänger erinnert sich vielleicht an die albernen
wandelnden Hostessen-Leuchttürme, die Werbung für vto gemacht haben - weil die Plattform eben das "Leuchtturmprojekt" des
Börsenvereins ist) fast abgeschlossen sind - diesmal mit der Schlagzeile "Countdown läuft". Der geneigte Leser erinnert sich vielleicht daran, dass der Börsenverein im Mai unter der Überschrift "'Volltextsuche online' startet ab sofort" die Kooperation mit der Holtzbrinck-Tochter
HGV bekannt gegeben hat (
hier die Mitteilung). Und dass Vorsteher
Gottfried Honnefelder damals sagte: "Wir gehen davon aus, dass die notwendigen finanziellen und technischen Details
sehr kurzfristig mit dem Dienstleister geklärt werden können." Geschlagene sechs Monate später erfährt der Leser nun, dass "letzte Details zur Vertragsunterzeichnung" noch geklärt werden müssen. Freilich schweigt sich das Börsenblatt über Details der Verzögerung aus, meldet stattdessen jedoch, dass die Verlage
11000 Titel für vto "
angekündigt" hätten - was immer "angekündigt" heißen mag.
Auf die Frage,
wie die Buchhändler von vto profitieren können, entwirft der Sortimenter
Manfred Keiper das Szenario, dass er für den Kunden einzelne Kapitel zusammenstellt und "
Print-on-Demand" druckt. Demgegenüber bleibt Buchhändlerkollege
Manfred Queißer skeptisch - man könne dadurch nur mehr Kompetenz erwerben, um mit dem Kunden "
auf Augenhöhe" zu kommunizieren".
Passend zum Thema "Der Faktor Zeit im Börsenverein": Im Editorial fordert Börsenblatt-Chef
Torsten Casimir mit einigen argumentatorischen Umwegen und vorsichtigen Volten eine "
schnelle, gründliche Gremienarbeit" im
Börsenverein. Und begründet dies mit seinen
Eindrücken bei der Sitzungswoche rund um die
Abgeordnetenversammlung- im Speziellen mit dem "Überdruss an Palaver" und der zunehmenden "Müdigkeit, produktiv zu streiten" die in den Gremien zu spüren gewesen seien.
Im
Kommentar spricht sich der
FAZ-Kritiker
Wolfgang Schneider für das Medium
Hörbuch aus. Pro Tag lausche er rund eine Stunde dem gesprochenen Wort, so etwa beim "Bügeln mit '
Wallensteins Tod'". Das Medium bringe einen
Zeitgewinn, weil man sich in Werke vertiefe, "für die sonst eben keine Zeit wäre."
Ein Lichtblick für die
Serie zur Zukunft des Lesens: Im Interview mit Sabine Cronau berichtet der Schriftdesigner
Erik Spiekermann von seiner
Krankheit Typomanie, die unheilbar, aber nicht tödlich sei - er könne einen Text nur lesen, wenn er wüsste, in welcher Schrift er gesetzt ist. Im Urlaub am Meer sei es eine
gute Therapie, "mal ganz
unscharf gucken zu können". Die Verlage erhalten für ihre Schriftenwahl größtenteils Lob vom Designer, nur die
Taschenbuchverlage seien gut beraten, sich für wiederkehrende Reihen eine "
vernünftige Typografie" zuzulegen.
Weitere Themen:
Nach einem jetzt rechtskräftigen Urteil des
Landgericht Darmstadt kann ein
Flatrate-Kunde von seinem Provider die
Löschung seiner Nutzungsdaten (z.B. IP-Adressen) fordern - dadurch wird Verlagen und Musiklabels jedoch die Möglichkeit genommen,
Urheberrechtsverstöße im Internet zu verfolgen. Sabrina Gab und Stefan Hauck
fassen den
Machtkampf bei Suhrkamp anschaulich zusammen. Stefan Hauck interviewt
Marianne Rübelmann, die die Geschäftsführung beim
Beltz Verlag von ihrem Vater
Manfred Beltz Rübelmann übernommen hat. Im "Menschen"-Ressort porträtiert Wolfgang Schneider den Ex-Lehrer und Werbetexter
Martin Kluger, dem mit dem Roman "
Die Gehilfin" der Durchbruch als Schriftsteller gelungen sei. Den "Fragebogen" hat der Dichter
Uwe Kolbe ausgefüllt.