Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 7 von 33

Die Buchmacher vom 15.01.2007 - Börsenblatt

Die Börsenvereinstochter Factoring Gesellschaft Media (kauft Forderungen an, zahlt sie sofort aus und übernimmt das Ausfallrisiko; Tochter der Buchhändler-Abrechnungs-Gesellschaft BAG) ist durch die Pleite der Billigbuchhändler Zanolli mit in den Abgrund gerissen worden und soll nun durch ein Darlehen der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels in Höhe von 3 Millionen Euro gerettet werden. Freilich schlägt Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir im Editorial einen moderaten Ton an - die Finanzspritze komme der gesamten Branche zugute, die nun eingefädelte Kooperation von BAG und MVB sei naheliegend, man habe in der Krise die Chance erkannt. Erst zum Ende seines Kommentars spricht Casimir endlich Klartext: Wie konnte es zum "Beinahe-Desaster" kommen? "Man staunt schon, wie Beteiligte noch um fünf vor zwölf durch Rosarotbrillen schauen und eine Eins-a-Abwicklung des Zanolli-Zusammenbruchs haben in Aussicht stellen können. War hier eine Allianz der Träumer am Werk? Waltete Optimismus ohne gute Gründe?" Auch der zweiseitige Artikel von Christina Schulte schont die Verbandsschwester nicht. (Nach Drucklegung der Ausgabe sind übrigens die beiden verantwortlichen BAG-Geschäftsführer Klaus Jost und Knut Milbredt zurückgetreten - sie waren es, die monatelang die Folgen der Zanolli-Pleite heruntergespielt hatten. Hier der Artikel)

Unter der Überschrift "Belohnen und Bestrafen" spricht sich der Unternehmensberater Felix Krohn für ein faires Konditionensystem aus. "Die Verlage sollten sich deshalb besser heute als morgen von überzogenen Forderungen der Händler abkehren und damit beginnen, ihre Konditionensysteme zur Verhaltenssteuerung zu nutzen. Erwünschte oder unerwünschte Verhaltensweisen können so durch weitere Rabatte belohnt oder geringere Nachlässe sanktioniert werden" (hier der Artikel).

Volkhard Bode bemängelt, dass Touristikverlage zwar vom Trend hin zu Navigationsgeräten profitieren, das Geschäft jedoch am Buchhandel vorbei geht. Abhilfe soll der "Personal Travel Assistent" von Merian leisten, eine Art Tom-Tom für die Jackentasche. Beim Vertrieb werde Merian neue Wege gehen, weil das Gerät und die Software vorwiegend über den Buchhandel vertrieben werden.

Weitere Themen: Der Klett-Unternehmensbereich Lernen und Wissen wird von Stuttgart nach Augsburg verlagert; am neuen Standort sollen die Aktivitäten besonders im Bereich Elektronisches Publizieren ausgebaut werden. Christina Schulte interviewt Dietmar Olschewski, zuständig für das Büchersortiment bei Karstadt kompakt. Volkhard Bode porträtiert Ulrich Daniels, Chef der 2005 unter das Dach von Weltbild gezogenen 50 Wohlthat'sche-Discounter - die Kette will sich künftig auf bessere Lagen konzentrieren. Stefan Hauck hat den Marburger Buchhändler Rudolph Braun-Elwert besucht, der sein ganzes Geld auf Europas Straßen lässt (als passionierter Motorrad-Fahrer, hier der Artikel). Den Fragebogen hat Schriftsteller Heinz Janisch ausgefüllt (und ein schönes Lebensmotto aufgeschrieben: "Du sei wie Du, immer", Celan).
Stichwörter: Optimismus

Die Buchmacher vom 08.01.2007 - Börsenblatt

Im Editorial macht sich Börsenblatt-Chef Torsten Casimir Gedanken über Wachstumsmöglichkeiten der großen Buchhandels-Player. Die würden über neue Wege des Buches zum Leser und über neue Orte des Kontaktes zum Buch nachdenken. Auf der Vertikalen sei Bertelsmann mit Random House (Produktion), VVA (Distribution) und dem Club (Konsumtion) ein Vorbild, nach dem möglicherweise Thalia demnächst in die Produktion von Büchern einsteigen könnte.

Anlässlich der Übernahme von Buch & Kunst durch Thalia legt Stefan Hauck eine intereressante Analyse zur Konzentration im Buchhandel vor (hier der Artikel). Thalia habe den Vorsprung der DBH (u.a. Hugendubel, Weltbild) auf 61 Millionen Euro Umsatz verkürzen können. Jetzt sei die "Zeit der Quantensprünge" für die Großen erst einmal beendet. In einem eingeblockten Artikel weist Christina Schulte die Erosion der Mitte im Buchhandel nach - kleine und große Buchhändler teilten den Markt zunehmend unter sich auf, während mittelständische Unternehmen von der Bildfläche verschwänden (ergo: geschluckt werden).

In einem Neujahrsgruß (eigenartig im Layout: mit handschriftlicher An- und Abrede) stellt Börsenvereins-Chef Gottfried Honnefelder die wichtigsten Fragen für das neue Jahr - es geht um die Aushöhlung der Preisbindung, Konflikte zwischen den Sparten im Verband, die Gefahren der Konzentration -, um am Schluss für die kommenden Jahre einen "radikalen Wandel des Buches" einzufordern (was damit gemeint ist, bleibt offen).

Mit einer Glosse antizipiert Joseph von Westfalen die neuen Branchen-Aufreger des Jahres 2007. Dazu könnte ein vom Iran finanzierter und mit drei Millionen Euro dotierter europäischer Literaturpreis ("endlich mal in eine anständige Altbauwohnung ziehen", freut sich der ausgezeichnete Autor) gehören. Oder die Autobiografie eines vermeintlichen Frauenverstehers und Kämpfers gegen die Ausbeutung in der Dritten Welt, der darin - als Parallele zur Grass-Debatte - enthülle, sich als Sextourist an asiatischen Stränden herumgetrieben zu haben.

Weitere Themen: Autor bai berichtet von den Planungen bei otto.de, das Sortiment um Bücher zu erweitern (möglicherweise mit dem Bertelsmann Club als Partner). Volkhard Bode erläutert an den Beispielen Juris und Stiftung Warentest, wie Fachverlage Geschäftsmodelle für den Breitenmarkt entwickeln. Thomas Blume schildert die Strategien der Krimiverlage Grafit, Argument und Pulp Master. Im "Menschen"-Ressort porträtiert Andreas Trojan den Chef der österreichischen Filialkette Morawa Gerald Schantin. Den "Fragebogen" hat Ulla Meinecke ausgefüllt.
Stichwörter: Ausbeutung, Troja, Bait, Hugendubel, Pulp

Die Buchmacher vom 25.12.2006 - Börsenblatt

Der Handel mit gebrauchten Büchern treibt so seltsame Blüten, dass "die geheiligte Preisbindung mal wieder der Lächerlichkeit ausgesetzt ist". Zu diesem Fazit kommt Rainer Moritz in seinem Gast-Kommentar. Wenige Wochen nach Erscheinen von Büchern wie Orhan Pamuks "Istanbul" würden die Bücher bei amazon.de oder zvab.com weit unter dem vorgeschriebenen Preis verkauft. Bei seinen Recherchen hat Moritz vor ein paar Jahren eine FAZ-Rezensentin aufgespürt, die "lästig gewordene Besprechungsexemplare schnurstracks auf den Ebay-Marktplatz trug." In ihrem Artikel zum Thema Gebrauchtbuch berichtet Sabine Schwietert, dass die Preisbindungstreuhänder derzeit 40 Abmahnverfahren gegen Amazon-Marketplace-Anbieter führten, gegen 30 Händler seien Klageschriften in Vorbereitung.

In einem schönen Essay begründet Felicitas Hoppe, warum sie sich beim Schreiben eines literarischen Textes nicht dafür interessiert, für wen sie ihn schreibt. Man schreibe, lautet ihr Fazit, um die Begegnungen mit dem Leser zu vermeiden. "Denn das Buch, eine der großartigsten menschlichen Erfindungen, ist ja nichts anderes als die Möglichkeit, mithilfe von größtmöglicher Distanz eine größtmögliche Nähe herzustellen."

In seinem Kurzkommentar greift Michael Roesler-Graichen die Gerüchte auf, dass sich Bertelsmann wieder im Wissenschafts- und Schulbuchsegment engagieren will - angeblich komme sogar ein Einstige beim kanadischen Informationsdienstleister Thomson, der sich gerade vom deutschen Markt zurückgezogen hat. "Wäre nicht ein Rückkauf der runderneuerten Fachverlagsgruppe Springer Science + Business Media viel intelligenter", fragt der Börsenblatt-Redakteur. Dies wäre wiederum eine Rolle rückwärts, denn erst im April 2003 verkauften die Gütersloher BertelsmannSpringer an die britischen Finanzinvestoren Cinven und Candover.

Weitere Themen: Der Börsenverein will einen neuen Kriterienkatalog für Gutscheinaktionen erarbeiten. Stein des Anstoßes ist u.a. eine Amazon-Kreditkarte, die mit 20 Euro Startbudget lockt. Im Interview mit Holger Heimann zieht der scheidende Ullstein-Verleger Viktor Niemann eine Bilanz seiner Leistungen.

Die Buchmacher vom 17.12.2006 - Börsenblatt

Über das "böse Wort Konzentration" - das Leitmotiv des aktuellen Börsenblatt - sinniert Chefredakteur Torsten Casimir im Editorial: Die vor zwei Jahren knapp an der Insolvenz vorbeigeschrammte Buchhandlung Schmorl & von Seefeld sei, unter das Dach von Hugendubel und Weltbild geschlüpft, inzwischen so wieder vital, dass sie expandieren könne - gemeint ist eine Neueröffnung in einem ECE-Center in Hannover. Dort mache sie wiederum der DBH-Schwester Weiland Konkurrenz. Auch bei Random House lieferten sich die Verlage einen Wettbewerb. Moral der Geschicht': "Konzentration ist nicht das Ende der bunten Buchhandelswelt." Klug sei, wer nach Allianzen suche, ohne sich selbst aufzugeben.

Der Gondrom-Verlag entfernt sich vom Kerngeschäft (Produktion von Modernem Antiquariat) und will sich künftig als Publikumsverlag präsentieren. Im Interview erklärt Redaktionsleiter Patrick Grootveldt, dass der Verlag für den Bereich MA keine Zukunft mehr sehe. "Die Grenzen zwischen dem ,besseren MA' und den günstigeren Linien der Publikumsverlage verwischen immer mehr."

Weitere Themen: Im Kommentar spricht sich der Verleger Jochen Jung dafür aus, "so zu tun, als seien die Bücher vom Himmel gefallen" - also die Lebensgeschichten der Autoren auszublenden. (Warum dieses Thema virulent ist? Welche Vorteile im Non-Biografismus liegen? Vielleicht erfährt der Leser mehr nach einer E-Mail an office@jungundjung.at?) Holger Ehling hat für das Börsenblatt die Buchmesse in Guadalajara besucht und stellt den lateinamerikanischen Buchmarkt vor. Michael Roesler-Graichen unterhält sich mit vier Verlegern über die Neuausrichtung der UTB-Kooperation. Im "Menschen"-Ressort stellt Stephan Eppinger den Ex-Ikea-Manager und jetzigen Moses-Verleger Gert Herterich vor, der Pastasaucen liebt und lange Strandurlaube hasst.

Die Buchmacher vom 11.12.2006 - Börsenblatt

Ca y'est - es ist vollbracht, feiert Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir im Editorial die (monatelang verzögerte) Unterzeichnung des Vertrags zwischen der Börsenvereinstochter MVB und dem Holtzbrinck-Spross HGV zur Kooperation beim Verbandsprojekt Volltextsuche Online (VTO). Der Startschuss für VTO sei wohl erst im Rückblick - aus dem Jahr 2015 - als "wichtiger Schritt ins digitale Zeitalter des Buchhandels" erkennbar. Erstaunlich unkritisch auch das Interview mit MVB-Chef Ronald Schild, der die späte Unterzeichnung der Verträge schwammig begründet: "Das Qualitätsargument wog schwerer als das Zeitargument." In der Folge erfährt der Leser, dass die Titel ab Mitte Februar auf die Volltextsuche Online-Plattform aufgespielt werden, dass ganze 20 Verlage ihr Engagement vertraglich zugesichert und immerhin 160 Verlage den "Letter of Intent" unterzeichnet hätten (mehr zur Verspätung im Buchmacher-Archiv).

Anders als der buchreport mit seiner vorweihnachtlichen Materialschlacht feiert das Börsenblatt das Weihnachtsgeschäft kurz und knapp (und ein bisschen uninspiriert) ab: Der HDE wasserstandmeldet, dass flache Fernsehgeräte gut laufen, Redakteurin Christina Schulte schlägt dem Buchhändler vor, den Kunden das ganze Jahr über zum Kauf zu animieren, und am Telefon berichten fünf Buchändler von ihren unterschiedliuchen Eindrücken zum Kauf-Fest.

Von einem interessanten Streit um Buchrechte zwischen englischen und amerikanischen Verlagen berichtet Eckart Baier. Dabei wehren sich die US-Verlage dagegen, dass sich die Engländer die exklusiven Exportrechte für englischsprachige Bücher ins Commonwealth in der Regel vertraglich zusichern lassen. Besonders der Zugang zum indischen Buchmarkt liege den Amerikanern am Herzen. "Es tobt ein wahrer Krieg um die Aufteilung der Welt", kommentiert Doris Janhsen (Pendo) das Lizenz-Geschachere. Peter S. Fritz, Literaturagent aus Zürich, spricht sich für offene Märkte aus - der indische Leser solle entscheiden, ob er zur englischen oder amerikanischen Ausgabe greife.

Weitere Themen: Rückendeckung erhält Ulla Unseld-Berkewicz von 25 Suhrkamp-Autoren (darunter Adolf Muschg, Volker Braun und Thomas Meinecke), die in einer gemeinsamen Erklärung betonen, dass sie sich bei Suhrkamp "wohl" fühlten - zur Erinnerung: Vor drei Jahren war es Muschg, der wegen der Absetzung des damaligen Verlagsleiters Günter Berg zusammen mit Enzensberger & Co. den Stiftungsrat verließ (hier der FAZ-Bericht). Torsten Casimir berichtet von der VVA-Verlagstagung, wo der Chef der Arvato-Tochter, Stephan Schierke, zum Philosophieren (besonders über den Buchhandels-Kunden) eingeladen habe. Streng nach der neuen Börsenblatt-Strategie, mehr Bilder zu wagen, stellen die acht Juroren der "Schönste Bücher"-Jury (Stiftung Buchkunst) mit eigentümlichen Gesten ihren jeweiligen Favoriten vor. Im "Menschen"-Ressort porträtiert Andreas Trojan die Random-House-Programmmacherin Regina Kammerer.

Die Buchmacher vom 04.12.2006 - Börsenblatt

Während buchreport mehr Service im Buchhandel anmahnt, kritisiert das Börsenblatt die fehlende Zahlenaffinität der Buchhändler. Im Editorial erklärt Chefredakteur Torsten Casimir, dass BWL sexy geworden sei, ohne Zahlen gehe gar nichts mehr. Der Mittelstand anderer Branchen habe das "womöglich schon besser verstanden als der Buchhandel" - der sich nicht wundern müsse, beim Banker mangels betriebswirtschaftlichen Wissens keinen Kredit rausleiern zu können. Aber auch der Buchhandel werde begreifen - "da ist der Markt ein gnadenloser Pädagoge". In der Analyse der jüngsten Bankenstudie schreibt Christina Schulte, dass nur ein Drittel der Buchhändler weiß, welche Faktoren bei einem Kreditgespräch für eine gute Ratingnote den Ausschlag geben.

Im Kommentar kritisiert der Buchhändler Folkert Roggenkamp, dass Buchhändler die Schnellschiene (schnellere Lieferung der Verlagsauslieferungen) vor Weihnachten nur per Fax und Telefon, nicht jedoch elektronisch per DFÜ-Bestellung in Anspruch nehmen können. Also müsse mit Hochdruck an der EDV-Optimierung gearbeitet werden.

Wöchentlich legt das Börsenblatt zum Thema Suhrkamp-Machtkampf nach. Für diese Ausgabe hat Holger Heimann ein hübsches Porträt vom neuen Gesellschafter Claus Grossner geschrieben. "Man ist machtlos gegen diesen ungeheuer egozentrischen Mann", kapituliert der Autor schon nach wenigen Minuten in der Villa des Hamburgers. Grossner im Schnellurchlauf: Auf dem Papier 65 Jahre alt, physisch erst 42, Bett braucht er nicht, kann überall schlafen, hat schon größere Schlachten geschlagen als die gegen die Suhrkamp-Verlegerin, arbeitet 18 Stunden am Tag, "ohne privates Familiensystem".

Weitere Themen: Holger Ehling referiert die Neuerungen bei der London Book Fair (klarere Messestruktur, neues Leitsystem, größeres kuliarisches Angebot). Christina Schulte fasst die Ergebnisse des Buchmarkt-Forums (ja, eine Veranstaltung des Wettbewerbers) zusammen, das sich mit neuen Verkaufsstrategien beschäftigt hat. Fazit: Verlage setzten immer stärker aufs Endkundenmarketing, um den Leser zu erreichen. Frank Magdans untersucht digitale Übersetzungshelfer, die nur in wenigen Fällen Stze fehlerfrei von einer in die andere Sprache übertragen könnten.
Stichwörter: Buchmarkt, Suhrkamp Verlag, Folk

Die Buchmacher vom 27.11.2006 - Börsenblatt

Börsenblatt-Redakteur Holger Heimann gibt ein Update zur Suhrkamp-Fehde (hier der Artikel). Auffällig sei, dass die Autoren schwiegen - sich also weder kritisch noch solidarisch zu ihrem Verlag äußerten. Demgegenüber berichtet Claus Grossner (neben Hans Barlach neuer Anteilseigner) von mehreren Suhrkamp-Autoren, die ihm zum Einstieg gratuliert hätten. Ulla Unseld-Berkewicz befinde sich in einer "grausamen Einsamkeit", sie sei als Geschäftsführerin überfordert und solle zurücktreten. Die Verlegerin will offenbar Strafanzeige gegen Grossner stellen, weil dieser ihr vorgeworfen habe, Verlagsvermögen zu veruntreuen. Im Kommentar greift Heimann die eigentümliche Ausstrahlung des Verlags auf, die dazu führe, dass selbst ein bloßer Wechsel im Lektorat Analysen zur Zukunft des Verlags nach sich ziehe. Dass das Geschick des Verlags als öffentliche Angelegenheit verhandelt werde, könne man als Fluch oder Segen betrachten, lautet das magere Fazit von Heimann.

Mit ein bisschen essayistischer Untermalung von Robert Musil appelliert Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir an den Möglichkeitssinn und dessen "Schwester", die Entscheidungsfreude, des Buchhändlers. Was Casimir meint: Die Sortimenter sollen sich Gedanken machen, wie sie ihr Warenangebot ergänzen können - um nützliche Geschäfte a la PBS (Papier, Büro- und Schreibwaren), die das wirtschaftliche Überleben zu sichern helfen. In ihrer Analyse zum PBS-Markt gelangt Tamara Weise zum Fazit, dass PBS besonders auf einem stagnierenden Buchmarkt an Reiz gewinne.

Im Interview mit dem Börsenblatt deutet die neue Ullstein-Verlegerin Siv Bublitz vorsichtig neue Koordinaten für den Kurs nach dem Abschied von Viktor Niemann an: Bei Claassen sollen mehr deutsche Autoren erscheinen, außerdem soll bei Ullstein die unterhaltende Belletristik einen größeren Raum erhalten.

Weitere Themen: Osiander (13 Filialen in Süddeutschland) plant für 2006 einen zweistelligen Umsatzzuwachs auf rund 35 bis 36 Mio Euro ein. Ein Dussmann-Sprecher hat die Gerüchte, Martina Tittel sei wegen ihrer ablehnenden Haltung gegenüber verlängerten Öffnungszeiten gegangen (worden), dementiert. Reader's Digest (Umsatz: 1,87 Mrd Euro) wird von einem Konsortium unter Führung der Beteiligungsgesellschaft Ripplewood Holdings übernommen. Thomas Blume stellt interessante Musikbücher vor. Ein BWL'er an der Spitze eines archäologischen Verlags - im "Menschen"-Ressort porträtiert Adrienne Braun den Theiss-Geschäftsführer Christian Rieker. Den Fragebogen hat der Autor Thomas Lehr ausgefüllt (Lebensmotto: "Carpe Diem. Ich bin Präsentist").

Die Buchmacher vom 20.11.2006 - Börsenblatt

Beinahe wöchentlich meldet das Börsenblatt, dass die Vorbereitungen zum Start der Branchenplattform "Volltextsuche Online" (der Buchmessegänger erinnert sich vielleicht an die albernen wandelnden Hostessen-Leuchttürme, die Werbung für vto gemacht haben - weil die Plattform eben das "Leuchtturmprojekt" des Börsenvereins ist) fast abgeschlossen sind - diesmal mit der Schlagzeile "Countdown läuft". Der geneigte Leser erinnert sich vielleicht daran, dass der Börsenverein im Mai unter der Überschrift "'Volltextsuche online' startet ab sofort" die Kooperation mit der Holtzbrinck-Tochter HGV bekannt gegeben hat (hier die Mitteilung). Und dass Vorsteher Gottfried Honnefelder damals sagte: "Wir gehen davon aus, dass die notwendigen finanziellen und technischen Details sehr kurzfristig mit dem Dienstleister geklärt werden können." Geschlagene sechs Monate später erfährt der Leser nun, dass "letzte Details zur Vertragsunterzeichnung" noch geklärt werden müssen. Freilich schweigt sich das Börsenblatt über Details der Verzögerung aus, meldet stattdessen jedoch, dass die Verlage 11000 Titel für vto "angekündigt" hätten - was immer "angekündigt" heißen mag.

Auf die Frage, wie die Buchhändler von vto profitieren können, entwirft der Sortimenter Manfred Keiper das Szenario, dass er für den Kunden einzelne Kapitel zusammenstellt und "Print-on-Demand" druckt. Demgegenüber bleibt Buchhändlerkollege Manfred Queißer skeptisch - man könne dadurch nur mehr Kompetenz erwerben, um mit dem Kunden "auf Augenhöhe" zu kommunizieren".

Passend zum Thema "Der Faktor Zeit im Börsenverein": Im Editorial fordert Börsenblatt-Chef Torsten Casimir mit einigen argumentatorischen Umwegen und vorsichtigen Volten eine "schnelle, gründliche Gremienarbeit" im Börsenverein. Und begründet dies mit seinen Eindrücken bei der Sitzungswoche rund um die Abgeordnetenversammlung- im Speziellen mit dem "Überdruss an Palaver" und der zunehmenden "Müdigkeit, produktiv zu streiten" die in den Gremien zu spüren gewesen seien.

Im Kommentar spricht sich der FAZ-Kritiker Wolfgang Schneider für das Medium Hörbuch aus. Pro Tag lausche er rund eine Stunde dem gesprochenen Wort, so etwa beim "Bügeln mit 'Wallensteins Tod'". Das Medium bringe einen Zeitgewinn, weil man sich in Werke vertiefe, "für die sonst eben keine Zeit wäre."

Ein Lichtblick für die Serie zur Zukunft des Lesens: Im Interview mit Sabine Cronau berichtet der Schriftdesigner Erik Spiekermann von seiner Krankheit Typomanie, die unheilbar, aber nicht tödlich sei - er könne einen Text nur lesen, wenn er wüsste, in welcher Schrift er gesetzt ist. Im Urlaub am Meer sei es eine gute Therapie, "mal ganz unscharf gucken zu können". Die Verlage erhalten für ihre Schriftenwahl größtenteils Lob vom Designer, nur die Taschenbuchverlage seien gut beraten, sich für wiederkehrende Reihen eine "vernünftige Typografie" zuzulegen.

Weitere Themen:

Nach einem jetzt rechtskräftigen Urteil des Landgericht Darmstadt kann ein Flatrate-Kunde von seinem Provider die Löschung seiner Nutzungsdaten (z.B. IP-Adressen) fordern - dadurch wird Verlagen und Musiklabels jedoch die Möglichkeit genommen, Urheberrechtsverstöße im Internet zu verfolgen. Sabrina Gab und Stefan Hauck fassen den Machtkampf bei Suhrkamp anschaulich zusammen. Stefan Hauck interviewt Marianne Rübelmann, die die Geschäftsführung beim Beltz Verlag von ihrem Vater Manfred Beltz Rübelmann übernommen hat. Im "Menschen"-Ressort porträtiert Wolfgang Schneider den Ex-Lehrer und Werbetexter Martin Kluger, dem mit dem Roman "Die Gehilfin" der Durchbruch als Schriftsteller gelungen sei. Den "Fragebogen" hat der Dichter Uwe Kolbe ausgefüllt.

Die Buchmacher vom 13.11.2006 - Börsenblatt



Das Bundeskartellamt hat dem Börsenverein einen Korb gegeben: Auf Anregung des Sortimenterausschusses sollten die Kartellwächter Konkretisierungen des Preisbindungsgesetzes (besonders die Festlegung einer Höchstrabattgrenze von 50 Prozent, die beim Konditionenpoker zwischen Filialisten und Verlagen offenbar oft überschritten wird) ihr "D'accord" erteilen. Der "verbleibende Restwettbewerb" der Buchhändler auf der Nachfrageseite sei "besonders schützenswert", begründeten die Beamten ihre Absage. "Umso dringlicher wird eine spartenübergfreifende Einigkeit in Fragen einer - sagen wir es mit leichtem Pathos: Branchenethik", wünscht sich Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir im Editorial.

Am Round Table des Börsenblatts auf der Buchmesse haben sich Online- und Offline-Bücherexperten über die Zukunft von Fachinformationen unterhalten. Fazit: Der Sortimenter wird zum Händler von Inhalten, sein Arbeitsplatz wird zunehmend der Computer. Buchhändlerin Barbara Mahlke rechnet damit, dass sich die heutigen Fachbuchhandlungen innerhalb von fünf Jahren zu Lounges entwickeln werden, wo die Kunden in Ruhe in Büchern blättern und in Online-Datenbanken stöbern können.

Ebenfalls unter dem Thema Fachinformationen analysieren Eckart Baier und Michael Roesler-Graichen das Geschäft der Verlage auf dem Bildungsmarkt. Anlass ist der Verkauf der Bildungssparte durch den US-Fachverlagsriesen Thomson Corporation. Auch Wolters Kluwer hat die Abtrennung des Bildungszweigs als strategische Option verkündet.

Für die Serie zur Zukunft des Lesens hat Eckart Baier mit Jürgen von der Lippe gesprochen - dabei aber blöderweise die Frage nach der Perspektive der alten Kulturtechnik im 21. Jahrhundert vergessen. Dafür erfährt der Leser, dass der Showmaster Martin Walser als großen Stilisten verehrt und dass Comedians wie Atze Schröder, Wigald Boning oder Bernhard Hoecker "fanatische Buchleser" sind (fragt sich nur von welchen Büchern).


Weitere Themen: Der Tübinger Philosoph Otfried Höffe kritisiert die geplante Urheberrechtsnovelle, die das geistige Eigentum der Autoren verletze. Unter der Überschrift "Himmlische Geschichten" bietet das Börsenblatt zwölf Christbaumkugeln mit den strahlenden Gesichtern der Börsenblatt-Redaktion zum Ausschneiden, auf Pappe Ziehen und Aufhängen an (weit gefehlt - nach einem erneuten Studium des eigenwillig gestalteten Artikels wird klar, dass die Redakteure nur Büchertipps fürs Fest abgeben). Im "Menschen"-Ressort stellt Volkard Bode den Berliner Buchhändler und Verleger Wieland Giebel (Buchhandlung Berlin Story, Berlin Story Verlag) vor. Der Schwerpunkt des Heftes widmet sich der Sparte Recht, Wirtschaft, Steuern. Darin beschreibt unter anderem Christina Schulte den Wandel des RWS-Buchhandels "vom klassischen Fachbuchanbieter zum modernen Mediendienstleister".

Die Buchmacher vom 04.11.2006 - Börsenblatt

Selten hat sich der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis, bislang mit einem Kommentar im Branchenblatt Börsenblatt zu Wort gemeldet. Diesmal geht es um das wichtigste Gesetz der Branche, die Preisbindung (Hintergrund sind die jünsten Verstöße des ADAC Verlags mit Brockhaus sowie von Libro in Österreich). Skipis macht sich Sorgen, dass solche Verstöße im politischen Raum "als Zeichen minderer Wertschätzung des Kulturgutes Buch durch uns selbst gewertet werden." So riskiere die Branche den Status einer besonderen Handelsbranche (hier der Artikel).

Passend zum Kommentar horcht Sabine Cronau auf das Echo in der Branche zu den jüngsten Preisbindungsverstößen, mit denen ADAC und Brockhaus die Grenzen des Preisbindungsgesetzes ausgelotet haben (ein Duden-Paket wurde für ADAC-Mitglieder für 39,90 Euro verkauft, unter dem Ladenpreis). Er sei entsetzt, "dass immer wieder große, starke Unternehmen ohne Not zündeln", sagt der Verleger Christoph Links. Rowohlt-Geschäftsführer Lutz Kettmann: "Es ist wie mit der Schwangerschaft: Ein bisschen schwanger gibt es nicht." Die Preisbindungstreuhänder beschäftigen sich derzeit besonders mit Mängelexemplaren, die eigentlich keine sind und im Internet und in Supermärkten verhökert werden.

In der Serie zur Zukunft des Lesens erklärt der Hirnforscher Thomas Münte im Gespräch mit Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir, was zwischen der Sinneswahrnehmung auf der Retina und dem Sinnesverstehen passiert. Interessant dabei: Leser aus den neuen Bundesländern schnitten bei Lesetests besser ab als die Wessis.

Weitere Artikel: Pia Preuß zeigt Perspektiven, wie sich Kind und Beruf in der Buchbranche verbinden lassen - bei Fischer beispielsweise mit einer verlagseigenen Krabbelstube. Im Menschen-Ressort stellt Andreas Trojan Michael Lemling, den neuen Geschäftsführer der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl vor, dem die Provokation und das Widerständige liege. Ursula Escherig porträtiert den bekannten Übersetzer Frank Heibert, der einen Roman ("Kombizangen", Hoffmann & Campe) geschrieben hat. Den Fragenbogen hat diesmal Rene Kohl von der Versandbuchhandlung Kohlibri ausgefüllt. Der Stroemfeld Verlag will die Kafka-Ausgabe auch ohne Fördermittel von der DFG fortführen. In der Schweiz hat die Wirtschaftskommission des Nationalrats eine Fortsetzung der Arbeit an einem Buchpreisbindungsgesetz beschlossen.