Zwei Themen dominieren die neue Ausgabe des Börsenblatts: die
Verärgerung des Sortiments über
Sonderausgaben und
Club-Premieren einerseits, die
Leipziger Buchmesse andererseits. Wie schon der
buchreport in seiner letzten
express-Ausgabe (siehe unten )
widmet sich die BöBla-Konkurrenz dem
Passus im Preisbindungsgesetz, der, so das BöBla, "für billigere
Club-Ausgaben keinen zeitlichen
Abstand und
Ausstattungsunterschied zur
Buchhandelsausgabe mehr vorsieht". Bestes Beipiel: die jüngste
Grisham-"Premiere im Club", die seit Montag für Bertelsmann-Club-Kunden erhältlich ist (17,90 EUR) - erst im August folgt bei Lizenzgeber Heyne die Buchhandelsausgabe (21 EUR).
Über diesen Fall streiten, auf der
Plattform des BöBla, der Tübinger
Buchhändler Heinrich Riethmüller und
Ullstein-Heyne-List-Geschäftsführer Christian Strasser. In einem Brief schreibt der
Buchhändler erzürnt: "Wir lassen uns
nicht zum
Opfer eines Machtkampfes zwischen Club und Weltbild machen, bei dem Sie geschickt Ihre Interessen ausspielen, sondern wir
wissen uns zu wehren. Wir werden den
neuen Grisham bei Ihnen
nicht einkaufen, unsere geplante Sommer-Prospektbeilage für Ihre Verlagsgruppe stornieren und bei aller Wertschätzung Ihren
Vertreter nicht mehr empfangen."
Strasser entgegnet ebenfalls in einem Brief: "Bei der Lizenz, die Heyne an den Club gab, handelt es sich
nicht um einen
'klassischen' Spannungsroman von John Grisham. Vielmehr sind es in Buchform veröffentlichte
autobiografische Jugenderinnerungen des Autors". Die
hohen Lizenzgebühren seien über den normalen Verkauf der Buchhandelsausgabe nicht einzuspielen. "Deshalb", so Strasser, "haben wir uns (...) entschieden, das
Angebot des Clubs anzunehmen."
Der Rest der Ausgabe ist nahezu komplett auf die
Messe ausgerichtet, die mit 77000 Besuchern einen
Besucherrekord verzeichnen kann (Plus 18 Prozent). Ein Potpourri an Stimmen hat die Redaktion zusammen getragen: BöBla-Chefredakteur Hendrik Markgraf schätzt in einem Stimmungsbericht die "
Begegnungen mit der ungeahnten Art" auf der Leipziger Messe, die eine "
Gegenwelt zur gewöhnlichen Betriebsamkeit der Branche" darstelle. Noch nicht profiliert habe sich hingegen die Messe als "Drehscheibe zwischen Ost und West". Auch
Messe-Chef Werner M. Dornscheidt zeigt sich zufrieden und ist optimistisch, dass die Messe in zwei bis drei Jahren, besonders durch den Zuwachs an Einzelausstellern,
schwarze Zahlen schreibt.
Maro-Verleger Benno Käsmayr lobt den "
immateriellen Transfer durch vielfältige Gespräche",
Joachim Unseld hingegen auch die
handfesten Geschäfte, die sich in Leipzig machen ließen.
Lutz Kettmann (Rowohlt) nimmt sogar die
Buchpreisgala in Schutz - "wir müssen an das Publikum denken".
Hymnisch auch die Artikel zum
Comic-Schwerpunkt der Messe (besonders angesagt: Manga-Comics), zum
Gemeinschaftsstand des Arbeitskreises kleinerer und unabhängiger Verlage (
AkV) ("Wir haben viel gelacht", AkV-Sprecher Thomas Bleicher), zur
Antiquariatsmesse (20 Prozent mehr Besucher gegenüber 2001) und zur Veranstaltungsreihe "
Leipzig liest" ("Das sind Verrückte hier", Verleger Jochen Jung): Mit 1200 Autoren und 1000 Veranstaltungen sei das Vorjahr noch überboten worden. Messe, Messe, Messe: "Csch" berichtet, dass das
Online-Meldesystem des
VLB auf der Messe in einer ersten Version vorgestellt wurde. Volker Bode hat vom
Steffen Kopetzky abgerungen, dass dieser manchmal
30-stündige Schreibtouren unternehme. Holger Heimann hat mit Butt-Besitzer
Per Olov Enquist gesprochen, der meint, dass auf der
Frankfurter Messe "
kein Platz für den Autor" ist - anders als in Leipzig.
Preise, Preise, Preise: Im BöBla-Dokumentationsteil sind
Wulf Kirstens Laudatio auf Ludvik Kundera (Anerkennungspreis des Leipziger Buchpreises (!)) sowie dessen Erwiderung am Rednerpult,
Grass' Laudatio auf
Christa Wolf sowie
Wolfgang Thierses Laudatio auf
Bora Cosic (Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung) plus dessen Dankesrede nachzulesen. Weitere Meldungen: Das börsennotierte Medienunternehmen
Dino entertainment hat 2001 erneut
hohe Verluste gemacht (Umsatz-Minus: 4,6 Millionen Euro auf 31,1 Millionen Euro) - auf
nicht planbare Faktoren wie die allgemeine Konjunkturschwäche oder tiefgreifende Veränderungen im Fernsehgeschäft führt das Unternehmen das Ergebnis zurück. Demgegenüber verzeichnet
Bertelsmann einen satten
Überschuss: in sechs Monaten einen Umsatz von
9,7 Milliarden Euro. (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen: 1,7 Milliarden Euro)