Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 33 von 33

Die Buchmacher vom 08.04.2002 - Börsenblatt

Ein heftiger Streit ist zwischen dem medizinischen Fachverlag Thieme und der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Sortimentsbuchhändler (AWS) ausgebrochen. Thieme hat ein neues Konditionenmodell eingeführt, das dem Buchhandel überhaupt nicht gefällt. "Nach dem neuen Thieme-Modell sind seit dem 1. April generell nur noch Bestellungen zum Festbezug möglich", erklärt das Börsenblatt. "Damit will der Verlag eine dauerhafte Senkung von Remissionen und Verwaltungskosten erreichen." Die Remissionsquote wurde auf drei Prozent festgelegt, eine Überschreitung führt zu Abzügen bei den Rabatten. Diese wurden neu strukturiert: Auf billige Bücher gibt es höhere Rabatte als auf teure. Wer anders als elektronisch bestellt, muss ebenfalls mit einer Rabattkürzung von zwei Prozent rechnen. Wie gesagt, der Buchhandel ist sauer. Der AWS-Vorsitzende Heinrich Riethmüller hat den Thieme Verlag in einem offenen Brief gebeten, die Einführung des Konditionenmodell zu verschieben und mit den Buchhändlern auf der Arbeitstagung der AWS zu sprechen. Thieme-Geschäftsführer Wolfgang Knüppe bietet in einer Reaktion zwar "direkten Austausch" an, signalisiert ansonsten jedoch kein Entgegenkommen. Brief und Reaktion finden Sie hier.

Es ist mal wieder von der "Konzentration auf das Kerngeschäft" die Rede, diesmal bei der Springer-Verlagsgruppe Ullstein Heyne List. Betroffen ist die Ratgebersparte, darunter die Verlage Südwest, Ludwig und Bucher. Das Börsenblatt fragte Verlagsgruppenchef Christian Strasser, ob er mit dieser Strategie nicht Random House folge. "Sicher nicht", so die Antwort. "Denn wir sperren unsere Ratgeberverlage ja nicht einfach zu." Und sonst so? "Ganz allgemein muss man abwarten, bis sich die Marktlage wieder beruhigt hat. Und ich hoffe sehr, dass wir in ein bis zwei Jahren unsere Titelzahl wieder steigern können." Random House hatte unlängst eine Konzentration auf das Kerngeschäft angekündigt und die Ratgeberverlage Falken und Mosaik geschlossen.

Und jetzt hat Random House den britischen Literaturverlag Harvill gekauft. Die Verlagsgruppe unterstreiche mit der Übernahme ihr erklärtes Ziel, weltweit ihre Kernkompetenzen zu stärken - dazu gehöre neben dem Sachbuch und dem Kinderbuch vor allem die Literatur, schreibt das Börsenblatt.

Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann ist optimistisch, dass sein Verband noch Veränderungen beim geplanten Buchpreisbindungsgesetz wird durchsetzen können. "Das, was dem von der Bundesregierung beschlossenen Entwurf zu einem guten Gesetz fehlt, lässt sich nach meinem Eindruck (...) im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens ohne weiteres noch ergänzen." Strittig sind vor allem Club- und andere Parallelausgaben (siehe oben).

Der bestsellernde Benediktiner-Pater Anselm Grün bekommt ein eigenes Hörbuch-Label: Anselm Grün Hören. Die ersten vier Titel wurden bereits aufgelegt, pro Halbjahr sollen drei dazukommen. Die "inszenierten Lesungen mit Musik richten sich an spirituell und religiös interessierte Menschen", schreibt das Börsenblatt. Im Vier-Türme-Verlag der Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach sind nach Angaben des Verlags mehr als 60 Titel von Anselm Grün erschienen; "sie sind in 25 Sprachen übersetzt und mehr als eine Million Mal verkauft worden."

Weitere Meldungen und Artikel: Buch.de hat das vergangenen Jahr mit roten Zahlen abgeschlossen. Die FAZ-Gruppe musste 2001 einen Umsatzrückgang hinnehmen. Ralf Schweikart stellt Erstlesereihen vor. Und Susanne Hilf erzählt vom Bonner Stadtentscheid für den Vorlesewettbewerb des Börsenvereins.

Die Buchmacher vom 01.04.2002 - Börsenblatt

Zwei Themen dominieren die neue Ausgabe des Börsenblatts: die Verärgerung des Sortiments über Sonderausgaben und Club-Premieren einerseits, die Leipziger Buchmesse andererseits. Wie schon der buchreport in seiner letzten express-Ausgabe (siehe unten ) widmet sich die BöBla-Konkurrenz dem Passus im Preisbindungsgesetz, der, so das BöBla, "für billigere Club-Ausgaben keinen zeitlichen Abstand und Ausstattungsunterschied zur Buchhandelsausgabe mehr vorsieht". Bestes Beipiel: die jüngste Grisham-"Premiere im Club", die seit Montag für Bertelsmann-Club-Kunden erhältlich ist (17,90 EUR) - erst im August folgt bei Lizenzgeber Heyne die Buchhandelsausgabe (21 EUR).

Über diesen Fall streiten, auf der Plattform des BöBla, der Tübinger Buchhändler Heinrich Riethmüller und Ullstein-Heyne-List-Geschäftsführer Christian Strasser. In einem Brief schreibt der Buchhändler erzürnt: "Wir lassen uns nicht zum Opfer eines Machtkampfes zwischen Club und Weltbild machen, bei dem Sie geschickt Ihre Interessen ausspielen, sondern wir wissen uns zu wehren. Wir werden den neuen Grisham bei Ihnen nicht einkaufen, unsere geplante Sommer-Prospektbeilage für Ihre Verlagsgruppe stornieren und bei aller Wertschätzung Ihren Vertreter nicht mehr empfangen." Strasser entgegnet ebenfalls in einem Brief: "Bei der Lizenz, die Heyne an den Club gab, handelt es sich nicht um einen 'klassischen' Spannungsroman von John Grisham. Vielmehr sind es in Buchform veröffentlichte autobiografische Jugenderinnerungen des Autors". Die hohen Lizenzgebühren seien über den normalen Verkauf der Buchhandelsausgabe nicht einzuspielen. "Deshalb", so Strasser, "haben wir uns (...) entschieden, das Angebot des Clubs anzunehmen."

Der Rest der Ausgabe ist nahezu komplett auf die Messe ausgerichtet, die mit 77000 Besuchern einen Besucherrekord verzeichnen kann (Plus 18 Prozent). Ein Potpourri an Stimmen hat die Redaktion zusammen getragen: BöBla-Chefredakteur Hendrik Markgraf schätzt in einem Stimmungsbericht die "Begegnungen mit der ungeahnten Art" auf der Leipziger Messe, die eine "Gegenwelt zur gewöhnlichen Betriebsamkeit der Branche" darstelle. Noch nicht profiliert habe sich hingegen die Messe als "Drehscheibe zwischen Ost und West". Auch Messe-Chef Werner M. Dornscheidt zeigt sich zufrieden und ist optimistisch, dass die Messe in zwei bis drei Jahren, besonders durch den Zuwachs an Einzelausstellern, schwarze Zahlen schreibt. Maro-Verleger Benno Käsmayr lobt den "immateriellen Transfer durch vielfältige Gespräche", Joachim Unseld hingegen auch die handfesten Geschäfte, die sich in Leipzig machen ließen. Lutz Kettmann (Rowohlt) nimmt sogar die Buchpreisgala in Schutz - "wir müssen an das Publikum denken".

Hymnisch auch die Artikel zum Comic-Schwerpunkt der Messe (besonders angesagt: Manga-Comics), zum Gemeinschaftsstand des Arbeitskreises kleinerer und unabhängiger Verlage (AkV) ("Wir haben viel gelacht", AkV-Sprecher Thomas Bleicher), zur Antiquariatsmesse (20 Prozent mehr Besucher gegenüber 2001) und zur Veranstaltungsreihe "Leipzig liest" ("Das sind Verrückte hier", Verleger Jochen Jung): Mit 1200 Autoren und 1000 Veranstaltungen sei das Vorjahr noch überboten worden. Messe, Messe, Messe: "Csch" berichtet, dass das Online-Meldesystem des VLB auf der Messe in einer ersten Version vorgestellt wurde. Volker Bode hat vom Steffen Kopetzky abgerungen, dass dieser manchmal 30-stündige Schreibtouren unternehme. Holger Heimann hat mit Butt-Besitzer Per Olov Enquist gesprochen, der meint, dass auf der Frankfurter Messe "kein Platz für den Autor" ist - anders als in Leipzig.

Preise, Preise, Preise: Im BöBla-Dokumentationsteil sind Wulf Kirstens Laudatio auf Ludvik Kundera (Anerkennungspreis des Leipziger Buchpreises (!)) sowie dessen Erwiderung am Rednerpult, Grass' Laudatio auf Christa Wolf sowie Wolfgang Thierses Laudatio auf Bora Cosic (Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung) plus dessen Dankesrede nachzulesen. Weitere Meldungen: Das börsennotierte Medienunternehmen Dino entertainment hat 2001 erneut hohe Verluste gemacht (Umsatz-Minus: 4,6 Millionen Euro auf 31,1 Millionen Euro) - auf nicht planbare Faktoren wie die allgemeine Konjunkturschwäche oder tiefgreifende Veränderungen im Fernsehgeschäft führt das Unternehmen das Ergebnis zurück. Demgegenüber verzeichnet Bertelsmann einen satten Überschuss: in sechs Monaten einen Umsatz von 9,7 Milliarden Euro. (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen: 1,7 Milliarden Euro)

Die Buchmacher vom 01.04.2002 - Börsenblatt

Mit einem versöhnlichen Artikel hat Nils Kahlefendt ein Desaster beschrieben: die TV-Gala zum erstmals verliehenen Deutschen Bücherpreis, die von nahezu allen deutschen Feuilletons vernichtend besprochen worden ist. Statt sich kritisch ins Getümmel aus Pleiten, Pech und Pannen zu stürzen, bleibt Kahlefendt - was bleibt ihm übrig, schließlich war der Börsenverein Mit-Veranstalter - brav an der Oberfläche: "alle, wirklich: alle" hätten ins Leipziger Congress Centrum gewollt, steigt Kahlefendt ein und beschreibt in der Folge wie ein Chronist den Ablauf der Sendung. Erst gegen Ende seines Texts findet er deutlichere Worte: "Die Vermählung von E und U muss im Land der Dichter und Denker nicht zwangsläufig im Harakiri enden; eine Herausforderung bleibt sie allemal."

Auch Kahlefendts Artikel zum Eröffnungsvortrag der Leipziger Messe ist durchweg wohl gestimmt. Im Gewandhaus, Ort der Auftaktzeremonie, hätten sich die frohen Botschaften gehäuft: Die Bundesregierung hatte soeben das Buchpreisbindungsgesetz verabschiedet und der Bertelsmann Club zugesagt, drei weitere Jahre "Leipzig liest" zu sponsorn. Anschließend habe Börsenvereinsvorstzeher Dieter Schormann an den Gemeinschaftsgeist der Buchhändler und Verleger und Schriftsteller György Konrad an die Literatur als das lesende Europa zusammenführende Instanz appelliert.

In einer Verlautbarung begrüßt der Börsenverein, dass die Europäische Kommission das gegen den Börsenverein und sowie einige Verlage (etwa die Verlagsgruppe Random House) eingeleitete Bußgeldverfahren einstellen wird. Das Verfahren war eingeleitet worden, nachdem die österreichische Buchhandelskette Libro im Juli 2000 begonnen hatte, deutsche Bestseller über das Internet weit unter dem gebundenen Preis an deutsche Kunden zu verkaufen, und eine Reihe deutscher Verlage daraufhin die Belieferung von Libro einstellte. Die Kommission sieht darin nachträglich keinen Verstoß gegen das Wettbewerbsgesetz.

Weitere Artikel: Holger Ehling berichtet von der London Book Fair, die nicht mehr im Zeichen der Krise gestanden habe: Die amerikanischen Verlage seien erschienen, der Rechtehandel habe zugelegt und die Besucher seien auch zahlreich gewesen. Hörbücher führen letztlich doch zur Literatur hin, ist das Fazit von "csch", die eine Börsenblatt-Diskussion zum Thema Hörbuch auf der Buchmesse besucht hat. Der Aufbau-Verlag, wird außerdem gemeldet, hat im zweiten Halbjahr 2001 rote Zahlen geschrieben (Minus 1 Mio.) - Verleger Bernd F. Lunkewitz reagiert, indem er die Zahl der Novitäten reduziert. Der Maro-Verlag wurde mit dem Kurt-Wolff-Preis 2002 ausgezeichnet. Frederking & Thaler haben mit der Verlagsgruppe Droemer Weltbild einen neuen Partner gefunden, der den Vertrieb übernehmen soll. Und der neue Grass entwickelt sich zum Exportschlager - in 33 Länder ist der Titel schon verkauft worden.

Die Buchmacher vom 01.04.2002 - Börsenblatt

In einem Kommentar über die Umstrukturierungen bei Random House schreibt Hendrik Markgraf: "Vor einem Jahr noch propagierte Olson, gerade frisch im Amt, die Marktführerschaft bei den Ratgebern. Der Versuch zu diversifizieren, der mit dem Kauf von Falken begonnen wurde, ist jedoch fehlgeschlagen. Falken und Mosaik gibt es nicht mehr. Eine Konsequenz daraus ist die neue Führungsmannschaft, der der langjährige Marketing- und Vertriebschef Volker Neumann nicht mehr angehört. Dass es Neumann getroffen hat, hat in der Branche, für deren Belange er sich stets stark gemacht hat, Erstaunen und Bedauern ausgelöst." Unterdessen hat Random-House-Chef Peter Olson seine zehn Prozent Renditeziel bekräftigt (mehr zu Random House weiter oben und weiter unten).

Nach dem Haffmans Verlag hat auch der Haffmans Sachbuchverlag (an dem der Haffmans Verlag zwei Drittel hielt) Konkurs angemeldet. Gerd Haffmans hat derweil einen neuen Job gefunden: Er soll Herausgeber eines neuen literarischen Programms bei Zweitausendeins werden. Ein Vertrag sei noch nicht unterschrieben, man sei sich aber einig, erfuhr das Börsenblatt. "Die Titel erscheinen unter dem Label 'Gerd Haffmans bei Zweitausendeins', ein Reihencharakter soll jedoch nicht entstehen."

In der Gewinnzone ist die Leipziger Buchmesse "frühestens ab 2004", sagt Messechef Werner M Dornscheidt. Mehr über die Buchmesse findet sich in der Online-Ausgabe des Börsenblattes.

Das Bundeskabinett hat das neue Preisbindungsgesetz beschlossen, meldet das Börsenblatt. Und der Börsenverein ist natürlich noch nicht ganz zufrieden.

Stefan Hauck stellt den Deutschen Jugendliteraturpreis vor. Die Nominierungen wurden in Leipzig verkündet, verliehen wird der Preis in einem halben Jahr auf der Frankfurter Buchmesse. Mehr Informationen über den Jugendliteraturpreis gibt es hier.

Weitere Meldungen: Bertelsmann kauft keine weiteren RTL-Aktien. Die Zeitschrift Literaturen beliefert Libri.de künftig mit Inhalten. Regine Meyer-Arlt berichtet von der CeBIT. Die Veranstalter der lit.Cologne freuten sich über 34.000 Besucher. Hendrik Markgraf porträtiert die in China geborene und seit 1986 in Deutschland lebende Autorin und Fotografin Xiao Hui Wang. Und Andrea Rinnert hat das Buch "Die Freundinnen der Bücher. Buchhändlerinnen" gelesen und für gut befunden.

Die Buchmacher vom 18.03.2002 - Börsenblatt

Unter dem Label Spiegel@Klett produzieren der Spiegel und der Klett Verlag künftig "Magazine zu gesellschaftspolitischen und literarischen Themen für den Unterricht". Die ersten Hefte erscheinen im Mai, die ersten Themen sind "Gentechnik, Terrorismus sowie Leben und Werk des Schriftstellers Jurek Becker". Ziel des Kooperationsprojektes ist es, erfuhr das Börsenblatt vom Spiegel, "junge Leser für das Nachrichtenmagazin zu gewinnen."

Bei der Verleihung des Deutschen Bücherpreises erhält Joanne K. Rowling den Publikumspreis. Das gab der Börsenverein unlängst auf einer Pressekonferenz bekannt. Auch der Perlentaucher war dabei. Hier mehr dazu.

Weitere Meldungen und Artikel: Die Verlagsgruppe Random House entlässt sechs der insgesamt 15 Mitarbeiter ihres Luchterhand Literaturverlages. Bei der Umsatzentwicklung im Buchhandel will es nicht so recht klappen: minus zwei Prozent. Die Zeitschrift Via medici hat ihr Online-Angebot erweitert (allerdings nur für die Abonnenten). Auch Belgien bekommt ein Preisbindungsgesetz. Ralf Jaeckel stellt neue Wirtschaftsbücher vor. Und Alfred Grosser hat einen Nachruf auf Marion Gräfin Dönhoff geschrieben (Grosser hatte auch 1971 die Laudatio gehalten, als Dönhoff der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde).

In der Beilage Buchhandelsgeschichte schreibt Marco Schickling über "Hermann Hesses Literaturkritik für 'Bonniers Litterära Magasin'", Oliver Duntze über die "Frankfurter und Leipziger Messkataloge als buchgeschichtliche Quellen", Wolfgang Tripmacker über die Börsenvereins-Ortsgruppe Potsdam und Hansjürgen Koschwitz über die Entstehungsgeschichte des Wortes "Zeitschrift" (der Begriff war dem Deutschen laut Koschwitz bis Ende des 18. Jahrhunderts fremd; einen ersten Beleg fand Koschwitz allerdings schon für das Jahr 1751).

Die Buchmacher vom 18.03.2002 - Börsenblatt

Studierende bekommen die Bücher ihrer Profs künftig nicht mehr billiger. Mit dem geplanten Preisbindungsgesetz werden Hörerscheinverkäufe ab dem 1. Oktober voraussichtlich nicht mehr zulässig sein, schreibt das Börsenblatt. Das Gesetz soll noch in dieser Legislaturperiode in Kraft treten. Das Börsenblatt rät den Hochschullehrern, die Novelle zu nutzen: "Der bevorstehende Wegfall der Hörerscheinnachlässe kann von den Dozenten im Sommersemester als zusätzliches Argument für den Kauf ihrer Bücher eingesetzt werden."

Der Übersetzer Frank Heibert plädiert für eine bessere Lektoratsarbeit. Lektoren hätten heute einfach zu wenig Zeit und sollten sich öfter fortbilden: "Der Arbeitsbereich book management, also das Akquirieren, Verhandeln und marktgerechte Platzieren eine Buchs, nimmt immer mehr Raum ein, lässt immer weniger Zeit für den eigentlichen Schwerpunkt des Berufsbilds, nämlich die Arbeit am Text. Dazu kommen das Postenkarussell und der Umstand, dass zunehmend junge Lektoren mit wenig Vorbereitung und unter großem Erfolgsdruck eingestellt werden. (...) Texte, die nicht richtig gut übersetzt worden sind, haben etwas merkwürdig Stumpfes, Mattes, Graues, und sie veralten auch schneller."

80 Prozent der Verlagshäuser folgen der neuen Rechtschreibung, 50 Prozent richten sich ausschließlich nach den neuen Regeln. Von den Leserbriefschreibern folgen 50 Prozent der neuen Schreibung. Dies ergab ein Bericht der zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtsschreibung, der offiziell noch vertraulich ist, aus dem Tageszeitungen allerdings bereits von einiger Zeit ausführlich zitierten.

In Großbritannien hat der Online-Buchhandel im vergangenen Jahr nur schwach zugelegt: 5,3 Prozent der verkauften Bücher wurden über das Internet bestellt, das sind 0,3 Prozent mehr als im Jahr 2000. Die großen Buch-Ketten verkauften 42,2 Prozent der Bücher (2000: 40,5 Prozent). In den unabhängigen Buchhandlungen wurden nur 17 Prozent verkauft (2000: 17,1 Prozent).

Weitere Meldungen und Artikel: Die CeBIT hatte einen Ausstellerrückgang zu verzeichnen. Die schwedische Regierung hat einen Astrid-Lindgren-Preis für Kinderliteratur gestiftet (am 8. März 2003 soll der Preis erstmals verliehen werden). Am 23. März wird in Leipzig die Stiftung des Zentrums für Bucherhaltung gegründet. Und Leo Domzalski schreibt einen Nachruf auf den aufgelösten Werner Classen Verlag.

Die Buchmacher vom 11.03.2002 - Börsenblatt

In Leipzig wird nicht nur der Deutsche Bücherpreis vergeben. Auch bei der Verleihung des Leipziger Buchpreises treten prominente Redner auf: Wolfgang Thierse hält die Laudatio auf den serbischen Schriftsteller Bora Cosic (der den Hauptpreis erhält), der Weimarer Lyriker Wulf Kirsten lobt seinen tschechischen Kollegen Ludvik Kundera (der den Anerkennungspreis erhält).

Bücher, die keiner braucht, nennt man Geschenkbücher. Der Markt für diese Bücher floriert, schreibt Heike Oelsner, Marketingleiterin bei ars edition, einem der "klassischen Geschenkbuchverlage in Deutschland". "Geschenkbücher werden häufig spontan gekauft. Denn anders als die Belletristik nutzen sie die Sprache der Bilder - und bleiben damit unverfänglich. Zusätzlich vermitteln sie eine klare Botschaft, die der Schenkende selbst wohl nicht treffender formulieren könnte." Als Beispiele für Geschenkbücher zeigt das Börsenblatt die Titel "Nimm dir Zeit zum Leben" und "Weisheiten aus China". Genaueres hätte man allerdings gern über die Zielgruppe gewusst: Die liegt irgendwo auf einer Sinuskurve zwischen konservativ und trendorientiert, populär und elitär. "Wer zunächst vertraute Alltagsprodukte wie Schokolade, Zeitschriften oder gar Seidenstrumpfhosen in diese Milieu-Welten einzuordnen versucht, verschafft sich ein sicheres Gespür für jedes Milieu". Aha.

Amazon.de hat einen eigenen Bereich für englischsprachige Bücher eingerichtet: amazon.de/englishbooks. "Die mehr als 700.000 Titel sind nach Rubriken wie 'Computers & Internet', 'Business & Investing' oder 'Mystery &Thrillers' geordnet", meldet das Börsenblatt.

Das Börsenblatt stellt eine Studie des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse über den Online-Buchhandel vor. Die Studie ist nicht mehr ganz neu; die Befragungen wurden im Jahr 2000 durchgeführt, die Ergebnisse bereits Ende vergangenen Jahres publiziert. "Die befragten Experten teilen die Einschätzung, dass der E-Commerce mit Büchern gewisse Wachstumschancen hat und den Anteil des Direktvertriebs erhöhen wird. Sie schließen jedoch aus, dass das Buchgeschäft im Internet den stationären Buchhandel ernsthaft bedroht. Stattdessen werde sich die Multichannel-Strategie weiter durchsetzen; der Buchshop im Internet verändert sich hin zum Medienkaufhaus."

Drei Bücher sind in der Kategorie "Ratgeber" für den Deutschen Bücherpreis nominiert: "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" von Allan & Barbara Pease, "Unser Kochbuch" von Alfred Biolek und Eckart Witzigmann sowie das Buch "Der Erziehungsnotstand" von den Erziehungs-Experten (sie sind Eltern) Petra Gerster und ihrem Mann Christian Nürnberger (der allerdings in Ermangelung eines bekannten Gesichtes nicht klug vom Cover guckt). Interessanter als diese Nominierungen ist die Jury: Darin sitzen der BuchMarkt-Chefreporter Gerhard Beckmann, die spät berufene Hamburger Kultursenatorin Dana "Ich sehe mich nicht als Lückenbüßerin" Horakova, Elmar Krekeler vom Feuilleton der Welt, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, die Literaturen-Chefredakteurin Sigrid Löffler, der Börsenblatt-Chefredakteur Hendrik Markgraf, Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann und Brigitte-Redakteurin Franziska Wolffheim.

Weitere Beiträge: Der Beltz Verlag übernimmt das in Berlin geführte Pädagogik-Programm des Hermann Luchterhand Verlages. Ab dem 26. März können Verlage neue Titel auch online beim VLB anmelden. Der französische Medienkonzern Vivendi Universal hat im vergangenen Jahr einen Rekordverlust verzeichnet. Beim britischen Medienkonzern Pearson ging der Umsatz hoch und der Gewinn runter. Irina Schultz schreibt über den Strukturwandel bei Fachinformationsverlagen am Beispiel des einzigen deutschen Fachverlages für Untertage-Steinkohlebergbau, des Verlags Glückauf Essen. Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, spricht über "Toleranz - Vielfalt, Identität, Anerkennung", das Jahresmotto seiner Bank für 2002. Ein Team hat bei Ausschreibungen für Schulbücher bessere Karten. Noch mehr Events zum Welttag des Buches. Und schließlich druckt das Börsenblatt eine Büttenrede des Kabarettisten Richard Rogler.

Dieses Börsenblatt hat einen thematischen Schwerpunkt: "Gesund & Fit".

Die Buchmacher vom 11.03.2002 - Börsenblatt

Der Börsenverein freut sich über das große Medienecho im Vorfeld der Bücherpreis-Verleihung. Vorsteher Dieter Schormann freut sich außerdem, dass 17 der 21 nominierten Autoren bereits ihre Zusage gegeben haben, zur Preisverleihung am 21. März nach Leipzig zu kommen. Die Show wird unter dem Titel "Schwarz auf Weiß" ab 22.05 Uhr im MDR übertragen. Frank Elstner moderiert, Nana Mouskouri, die Prinzen und City singen, Heiner Geißler, Paul Spiegel, Nena und Mutter Beimer halten Laudationes.

Inter Nationes hat ein Übersetzungs-Förderprogramm für die in islamischen Ländern gesprochenen Sprachen Arabisch, Farsi und Bahasa Indonesia aufgelegt. Es soll aus Mitteln des Anti-Terror-Programms finanziert werden. Von nun an heißt es also: Rauchen für die Weltliteratur.

Die Stiftung Buchkunst hat die "schönsten Bücher aus aller Welt" gekürt, meldet das Börsenblatt. Die "Goldene Letter" geht an "Washi - Tradition und Kunst des Japanpapiers" von Mariko Takagi, Silber erhält "Die Bibliothek von Babel", Bronze wurde dem "JVA Protokoll" zugesprochen. Ein Ehrendiplom geht an "Der Hardrock-Himmel", ein Band mit Kurzgeschichten von T.C. Boyle, erschienen in der Büchergilde Gutenberg. Die Bücher werden auf der Leipziger Buchmesse ausgestellt (Halle 3.C 501) und prämiert.

Die Buchmesse. Erwartet werden mehr als 1.900 Aussteller, gesprochen werden soll über Europa und Südosteuropa, versteigert wird eine echte Nasenschere von Manfred Krug. Und Denis Scheck spricht "mit prominenten Akteuren und kritischen Beobachtern des televisionären Reigens" über das Thema "Bücherflimmern - Literatur im Fernsehen". Zum zweiten Mal hat die Messe den Schwerpunkt Comics, der Arbeitskreis für Jugendliteratur veranstaltet ein Symposium unter dem Titel "Zwischen Kult und Kultur - Jugendszene und Literatur". Dies nur eine kleine Auswahl der Hinweise, die Nils Kahlefendt zusammengetragen hat. Mehr zum Rahmenprogramm der Buchmesse gibt es hier, das erneut sehr umfangreiche Programm von "Leipzig liest" finden Sie hier, einen weiteren Artikel von Nils Kahlefendt (zu "Leipzig liest") hier.

Weitere Beiträge: Das Börsenblatt meldet zwei neue TV-Formate für Bücher: "Seitenweise Wirtschaft" auf Bloomberg TV und die aspekte-Reihe "Das Literarische Quartal" (ZDF). Der Börsenverein hat einen Runden Tisch zur Pisa-Studie einberufen. Buch.de will vom Neuen an den geregelten Markt wechseln. Die Gremien des Börsenvereins begrüßen den Entwurf für ein Preisbindungsgesetz. Eine Checkliste benennt Stärken und Schwächen des Streitobjektes VLB. Droemer Weltbild hat sich die Buchrechte am Label "Kika" (Kinderkanal) gesichert. Weitere Beiträge befassen sich mit der Strukturreform des Börsenvereins.