Tomas Avenarius blickt in der
SZ zurück auf die Laufbahn des getöteten Hamas-Führers
Yahya Sinwar, eines Mannes, der sein ganzes Leben lang Tod und Schrecken verbreitete. Vor einigen Jahren, erinnert Avenarius, sagte Sinwar folgenden Satz: "Wir sind bereit zu sterben. Und Zehntausende sind bereit, es mit uns zu tun." Seine Prophezeiung hat sich erfüllt, so Avenarius, er hat sich und auch die Bevölkerung des Gaza-Streifens in den Tod geführt: "Nun, mehr als ein Jahr nach dem 7. Oktober und nach dem Tod von 42 000 Gaza-Palästinensern, hat der für all das Verantwortliche mit seinem Leben den Preis bezahlt. Der Tod von Zivilisten spielte in den Kalkulationen Sinwars dabei wohl ebenso wenig eine Rolle wie sein eigenes Leben: Bei Islamisten-Figuren wie dem Hamas-Chef gehört der gewaltsame eigene Tod für die Sache als
Erfüllung der Mission dazu und ist anscheinend sinnstiftend."
In den Sozialen Netzwerken wird Sinwar von vielen derweil als Held gefeiert. In der
Welt ist der Schriftsteller
Ferdinand von Schirach fassungslos darüber, wie in den Sozialen Medien auch die offensichtlichsten Wahrheiten verdreht werden können und denkt zurück an die Hamas-Attentate: "Zu den Massakern am 7. Oktober 2023 in Israel gibt es über 1500 Zeugenaussagen, über 60.000 Videos - unter anderem aus den beschlagnahmten Körperkameras der Terroristen - und zahllose Fotos der Morde, Folterungen und Vergewaltigungen. Trotzdem glauben
über 90 Prozent der Palästinenser im Gazastreifen und Westjordanland, die Hamas habe in Israel
keine Gräueltaten verübt. Twitter, TikTok und Telegram werden mit Terrorpropaganda, Falschinformationen und Antisemitismus überschwemmt."
Der Tod des Hamas-Führers muss der Anlass für einen "Wendepunkt" sein, fordert Dunja Ramadan bei
Spiegel Online: "Die Monster der einen sind die Märtyrer der anderen: Dieser Kreislauf muss endlich durchbrochen werden. Die Zukunft der beiden Völker ist zum Scheitern verurteilt, wenn man sein Gegenüber
systematisch entmenschlicht. Denn ein Großteil der Zivilisten in der Region will in Frieden und Freiheit leben. Eins haben die vergangenen Jahrzehnte gezeigt: Wenn dieser Krieg weitergehen sollte, wenn nun nicht ein Geiseldeal und eine Waffenruhe, danach der aufrichtige Versuch einer Aussöhnung und Friedenslösung folgen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis aus den Trümmern von Gaza eine neue brutale und hasserfüllte Generation entwächst. Und bis es den nächsten Yahya Sinwar geben wird."
Der Vorsitzende der israelischen Demokraten
Yair Golan befürwortet im
FAS-Interview mit Alexander Haneke und Christian Meier das militärische Vorgehen der israelischen Regierung im Libanon und auch in Gaza, fordert aber einen konkreten Plan für die Zukunft: "Wir kämpfen in einer der am dichtesten besiedelten Gegenden der Welt. Das ist sehr hart, kompliziert und gefährlich. Sie haben das bestausgebaute Untergrundnetzwerk der Welt. Sie zahlen den Preis dafür, dass sie
alle Ressourcen in die militärische Infrastruktur gesteckt haben statt in eine gesunde Zivilgesellschaft. Das ist der Teil, den ich nicht verstehe an der internationalen Kritik. Was ich aber verstehe, ist die Frage nach einer Zukunftsperspektive. Und da muss ich meine Regierung scharf kritisieren. Die Tötung von Hamas-Chef Yahya Sinwar ist eine Gelegenheit, die Freilassung der Geiseln zu erreichen und dadurch den Krieg im Gazastreifen zu beenden und den
Wiederaufbauprozess einzuleiten, der dringend nötig ist. Die Regierung hat aber keinerlei Absicht, zu sagen: 'Wir haben es geschafft - wer stärkt jetzt moderate Elemente, wer übernimmt Verantwortung?' Sie sagt überhaupt nichts. Und das allein aus politischen und persönlichen Erwägungen Netanjahus."
Jeden Tag gibt es neue Nachrichten von
Gewaltverbrechen an Frauen, der Fall Gisèle Pélicot (
Unser Resümee) ist ein besonders schockierendes, aber nur eines von unzähligen Beispielen. Die Politik in Frankreich blieb bisher weitgehend untätig, wenn es um konkrete Maßnahmen zum Schutz von Frauen geht. Carolina Schwarz
schaut sich in der
taz an, wie es in Deutschland aussieht: Nicht viel besser. Zwar wurden in der
Istanbul-Konvention von 2011 konkrete Maßnahmen beschlossen, erinnert Schwarz, fragt man aber beim Bundesfamilienministerium nach "verweist eine Sprecherin immer wieder auf das geplante Gewaltschutzgesetz. Damit gäbe es in Deutschland erstmals einen Rechtsanspruch auf Beratung und Schutz bei geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt. Das Gesetz ist tatsächlich ein wichtiges Vorhaben, das die Bundesregierung seit Jahren ankündigt. Zuletzt haben in der Sache Verbände, Initiativen und Prominente mit einem Brandbrief Druck gemacht, doch es lässt weiter auf sich warten. Ein Referentenentwurf liegt zwar vor, doch es laufen laut einer Sprecherin noch 'regierungsinterne Abstimmungen'. Die Umsetzung in dieser Legislaturperiode sei das Ziel. Der Gesellschaft bleibt nur die Hoffnung, dass das gelingt. Denn ob das Gesetz auch nach der nächsten Wahl käme, bleibt zweifelhaft. Momentan ist die CDU stärkste Kraft in den Umfragen und ihr Kanzlerkandidat Friedrich Merz, der 1997
gegen Vergewaltigung in der Ehe als eigenen Straftatbestand stimmte, nicht gerade als Feminist bekannt."
Ist der "
American Dream" tot? Ciani-Sophia Hoeder findet auf
Zeit Online: Er hat noch eine Chance verdient. Es kommt nur auf die Interpretation an: "Donald Trump kann den American Dream genauso verkörpern wie Kamala Harris, wie King oder Carnegie - sie stehen und standen nur für verschiedene Interpretationen desselben Mythos. Schon 2012 betonte die selbst in einer Mittelstandsfamilie aufgewachsene Kamala Harris, damals noch Attorney General in Kalifornien, auf der Democratic National Convention, dass der American Dream
allen gehören solle. Im Wahlkampf um die Präsidentschaft spricht sie inzwischen von einem erneuerten American Dream mit konkreten Maßnahmen, wie bezahlbarem Wohnraum, damit die Menschen wieder eine Chance hätten, diesen Traum überhaupt zu leben. 'You know, gone is the day of everyone thinking they could actually live the American dream', sagte Harris in einem Interview mit dem Fernsehsender MSNBC im September."