TikTok ist das erste soziale Medium, das sich erfolgreich gegen amerikanische Plattformen behauptet hat. Wenn Trump TikTok verbietet, verstärkt das eine Tendenz, das Internet in
nationale Blasen aufzuteilen,
warnt Aline Blankertz, die in der Stiftung Stiftung Neue Verantwortung zum Thema Plattformökonomie arbeitet, im Gespräch mit Svenja Bergt von der
taz: "Wenn das Internet zunehmen regional aufgebaut ist, erschwert das dreierlei: erstens die Vernetzung von Menschen aus
unterschiedlichen Regionen, was ja auch einer der Grundwerte des Internets ist. Zweitens und mit der Vernetzung verbunden: die
Kommunikation. Wenn es in jedem Land einen anderen dominanten Messenger-Dienst gibt, bekommt grenzüberschreitende Kommunikation höhere Hürden. Und drittens
die Information. Wer etwa Nachrichten aus einem anderen Land sucht, muss dann wissen, welche Suchmaschine oder welches Nachrichtenportal es dort gibt."
Auch James Ball
fürchtet im
Guardian eine
Balkanisierung des Internets, wenn Trump TikTok verbietet oder einen Verkauf an Microsoft erzwingt: TikTok habe keineswegs die strategische Dimension für China wie etwa
Huawei. Und "eine Firma nur wegen ihrer Nationalität anzugreifen, wäre eine
existenzielle Bedrohung für das Netz, wie wir es kennen". Und schließlich: "Wenn die USA es zum Grundsatz machen, dass jedes Land seine eigenen Online-Unternehmen haben und die internationale Interaktion einschränken sollte, sind es zweifellos auch die USA, die
am meisten zu verlieren haben. Sie würden weltweit
riesige Einnahmen (und damit Steuereinnahmen) verlieren, ihre Softpower im Online-Bereich erheblich schmälern und ihren immer noch riesigen Vorteil bei der Online-Überwachung schmälern."
In der
NZZ sieht der Historiker Niall Ferguson dagegen einige gute Gründe, warum Trump mit seinem
Verbot von Tiktok ausnahmsweise mal richtig liegt. Schließlich würden alle Daten der User an die chinesische Regierung weitergeleitet. Wer genauer wissen will, was das bedeutet (oder tatsächlich glaubt, das sei auch nicht schlimmer als wenn die Daten in den USA landen), sollte "The Panopticon Is Already Here" lesen,
Ross Andersens Aufsatz im neuen Atlantic, empfiehlt er. "Andersen drückt es so aus: 'In nächster Zukunft könnte jede Person, die [in China] einen öffentlichen Bereich betritt, sofort
von einer KI identifiziert werden, die sie mit einem Ozean persönlicher Daten abgleicht, darunter ihre
gesamte Textkommunikation und das Schema der
Proteinstruktur, die ihr Körper aufweist. Bald werden Algorithmen imstande sein, Datenpunkte aus einer Vielzahl von Quellen zu verknüpfen - Reiseberichte, Freunde und Geschäftspartner, Lesegewohnheiten, Einkaufsverhalten - und so
politischen Widerstand vorherzusagen, ehe er sich manifestiert.'" Diese Technologie übernehmen wollen laut Andersen "
Bolivien, Ecuador, Äthiopien, Kenya, Malaysia, Mauritius, die Mongolei, Serbien, Sambia, Simbabwe, Sri Lanka, Uganda und
Venezuela".
Oder ärgert sich Trump tatsächlich nur über die Komikerin
Sarah Cooper, die ihn auf TikTok so erfolgreich parodiert?
Außerdem: Im
Observer verweist Mark Townsend auf eine Studie, die behauptet, dass
Facebook-Algorithmen Holocaust-Leugnung bestärken.