In
Belarus führt die Regierung von einen
systematischen Feldzug gegen Journalisten,
berichtet Felix Ackermann in der
NZZ. Die Demonstrationen werden in den offiziellen Medien unterschlagen, kritische Journalisten wie
Ruslan Kulewitsch oder
Alexandra Dynko verhaftet und gefoltert, Internetportale blockiert. "Obwohl Ruslan Kulewitsch und Alexandra Dynko gerade erst von staatlichen Stellen verfolgt wurden, ist 2020
ein Höhepunkt ihres Berufslebens. Beide werden auf der Straße von Fremden angesprochen, die ihnen für ihre Arbeit danken. Noch nie waren
freie Informationen so wichtig für die Fähigkeit der weißrussischen Gesellschaft, sich selbst jenseits der offiziellen Machtvertikale zu organisieren. Dazu beigetragen hat das
soziale Netzwerk Telegram, das so programmiert ist, dass es
nicht blockiert werden kann. Die Informationen werden direkt zwischen den Endgeräten der Nutzer ausgetauscht, ohne über zentrale Server zu gehen. Das ermöglicht Journalisten, aber auch jedem anderen Bürger des Landes, über die Situation vor der eigenen Haustür zu berichten und die so generierte Nachricht an ein breites Publikum zu senden."
Mark Zuckerbergs
Facebook wurde viel kritisiert, weil es Donald Trump und seine Anhänger unterstütze (siehe
9punkt vom Samstag). Die
Republikaner sehen das ganz anders, berichtet Michael Moorstedt in der
SZ: "Aktueller Anlass ist eine Geschichte in der
New York Post, in der die
Ukraine-
Geschäfte des Sohnes des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden einmal mehr ausgebreitet wurden. Der Text warf allerdings mehr
Fragen nach seiner Seriosität und der Herkunft seiner Fakten auf als nach tatsächlichen Unregelmäßigkeiten des demokratischen Lagers. Überraschend schnell
beschränkten Twitter und Facebook deshalb die Verbreitung des Artikels. Und noch viel schneller beschwerten sich mächtige Republikaner daraufhin über die
vermeintliche Zensur und vermuteten eine Parteilichkeit der digitalen Plattformen zugunsten der Demokraten." Laut Moorstedt ist das vollkommener Unsinn: "In einer nicht enden wollenden Strähne liegt Donald Trump selbst auf den
ersten Plätzen der zehn erfolgreichsten Links bei Facebook."
Heike Buchter ist da auf
Zeit online sehr viel kritischer: "Die Vorgänge um die
angeblichen Biden-
E-
Mails zeigen wieder einmal deutlich, wie die Giganten der sozialen Medien
de facto zu Schiedsrichtern in der öffentlichen Diskussion geworden sind. ... Vor dem Aufstieg der sozialen Medien hätten
konkurrierende Medien und Journalisten die Berichte der New York Post auf Schwachstellen abgeklopft. Sie hätten eigene Quellen befragt, hätten weitere Informationen gesucht. Aus eigenem Interesse, um im Wettbewerb vorn zu liegen. Doch dieser Prozess
braucht Zeit. Der Fall Hunter Biden zeigt einmal mehr: Wenn es um Aufmerksamkeit, Geschwindigkeit und Reichweite geht, haben Twitter, Facebook und Co. die
traditionellen Medien längst abgehängt."
Außerdem: Ohnmächtig und ideenlos hat Europa zugesehen, wie zuerst in Amerika und später in China die
Herrschaft über unsere Daten übernommen wurde. Jetzt fordert die Städteplanerin
Francesca Bria im Gespräch mit Niklas Maak von der
FAZ: "Die EU könnte sagen: Die Daten, die in Europa generiert werden von unseren Bürgern, sind
ein öffentliches Gut, das kann man nicht stehlen, und wenn ihr einige davon nutzen wollt, müsst ihr uns bezahlen."