9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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1332 Presseschau-Absätze - Seite 15 von 134

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.12.2022 - Internet

Die mutwillige Zerstörung Twitters, der wichtigsten Plattform der internationalen Öffentlichkeit, durch ihren Besitzer Elon Musk schreitet voran, berichtet eine Reportergruppe im Guardian: "Die Konten von Tech-Journalisten bei CNN, der Washington Post, Mashable und der New York Times wurden am Donnerstagabend kurz nacheinander gesperrt. Alle hatten kürzlich Artikel über Musks Sperrung eines Twitter-Accounts veröffentlicht, der öffentlich zugängliche Daten über die Bewegungen seines Privatjets geteilt hatte. Jeder dieser Artikel hatte die Spannung zwischen Musks erklärtem Engagement für die 'freie Meinungsäußerung' und seiner Entscheidung, einen Account zu sperren, der ihm persönlich missfiel, hervorgehoben."

Musk hat die Journalisten Matt Taibbi, Bari Weiss und den Autor Michael Shellenberger beauftragt, die sogenannten "Twitter-Files" auszuwerten, berichtet indes Lucien Sherrer in der NZZ. Denn "Musk ist überzeugt, dass Twitter den öffentlichen Diskurs in den letzten Jahren manipuliert und zensuriert hat - zugunsten der Demokraten." Ergebnisse haben die drei bereits präsentiert: "Matt Taibbi sagte in einem Podcast, das Ausmaß der Kontrolle über jeden einzelnen Account habe ihn und seine Kollegen schockiert: Twitter tausche Unmengen Daten aus mit staatlichen Behörden wie dem Federal Bureau of Investigation (FBI). Diese würden die Daten mit Bemerkungen versehen und zurückschicken. In internen Twitter-Berichten heiße es dann, das FBI habe dies und das markiert, und man diskutiere darüber, ob ein Konto gesperrt oder mit einem 'Shadow-Ban' belegt werden solle."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.12.2022 - Internet

Was Lars Weisbrod in der Zeit über die Twitter-Alternative Mastodon schreibt, klingt wirklich irre aufregend: "Hier geht es zu wie auf Twitter, bloß langsamer und langweiliger. Und vielleicht ist schon das ein Indiz dafür, dass Mastodon wirkt. Dass sich hier tatsächlich ein Gegenmodell abzeichnet zur hochgezüchteten Aufmerksamkeitsökonomie, der wir uns zu lange unterworfen hatten. Wenn auf Mastodon die Timeline nicht lädt, wenn ein Bild nicht gesendet wird, wenn man ein Detail nicht versteht, dann sind das keine Gegenargumente, sondern Gründe, die für dieses Netzwerk sprechen. Der Umzug von Twitter zu Mastodon gleicht gewissermaßen der unter Großstädtern grassierenden Flucht aufs Land..."
Stichwörter: Mastodon

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.12.2022 - Internet

Jeremy W. Peters hat in der New York Times versucht, ein nuanciertes Bild von Elon Musk zu zeichnen und ihn politisch nicht in eine Ecke zu stellen. Aber das ist ein Irrtum, meint Charlie Warzel in Atlantic. Schon Musks jüngster Tweet "My pronouns are Prosecute/Fauci", wo er sich in fünf Wörtern über trans-Leute, das Gendern und die Corona-Politik Joe Bidens lustig macht, zeigt: "Musk unterstützt aktiv das politische Projekt der extremen Rechten. Er ist ein rechtsextremer Aktivist." Auch "Musks Argument - dass ein gemäßigter Liberaler, der sein Leben lang der Linken angehört hat, keine andere Wahl hat, als rechte Anliegen zu unterstützen - ist unter rechtsextremen Aktivisten eine gängige Phrase. Sie wurde von vielen im sogenannten 'intellektuellen Dark Web' und von Influencern wie Dave Rubin, Joe Rogan, Glenn Greenwald und anderen verwendet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.12.2022 - Internet

Harald Staun ist in der FAZ doch nur mäßig begeistert von der KI-Software ChatGPT. Beauftragt man sie etwa mit Romananfängen "im Stile von", höre man doch bald das Klappern der Mechanik. "Je ungenauer man die Parameter spezifiziert, desto hölzerner und klischeehafter setzt das Programm die Anfrage um. Schließlich ist es nicht mehr als eine gigantische und eloquente Autovervollständigungssoftware, die Wörter ergänzt, die nach seinem statistischen Modell der Sprache als Nächstes folgen. Es greift nicht auf Wissen zurück, sondern reproduziert Muster."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2022 - Internet

Vor einem Jahr verkündete Mark Zuckerberg groß, dass mit seinem "Metaverse" die Zukunft anbricht. Aber seine "virtuelle Realität" hat sich bisher nicht realisiert, im Gegenteil, berichtet Steve Rose im Guardian. Zuckerberg hat gerade 11.000 Mitarbeiter seines Konzerns entlassen: "Die Kassenschlager Facebook und Instagram verlieren Marktanteile und Nutzer der Generation Z an frischere Konkurrenten wie TikTok und Snapchat. Apples Änderungen am Datenschutz im letzten Jahr haben ebenfalls die Einnahmen dezimiert - die Einführung einer 'ask not to track'-Option auf iPhones hat Facebook effektiv um die lukrativen Daten gebracht, die es für gezielte Werbung nutzt. In der Zwischenzeit hat Meta bis heute unglaubliche 100 Milliarden Dollar in die Forschung und Entwicklung von Metaversen investiert, 15 Milliarden Dollar allein im letzten Jahr - und hat offenbar wenig vorzuweisen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.12.2022 - Internet

Twitter war so etwas wie das chaotische, aber doch höchst lebendige Hirn einer mit sich selbst diskutierenden Welt. Nun wird es zum Spielzeug eines durchgedrehten Milliardärs, schreibt Hendrik Wiedwulit für die FAZ. Aber ist Mastodon eine Alternative? "Die Welt von Mastodon wirkt etwas plüschig, aktivistisch und kommunenhaft. Sie fußt auf einer föderalen, anarchistischen und anti-datenkapitalistischen Idee: An die Stelle profitorientierter, zentral verwalteter Plattformen mit unstillbarem Aufmerksamkeitshunger und zahlungskräftigen Werbekunden tritt eine 'Föderation' (Federation) von Servern und bildet so das 'Fediverse'. 'Die Allgemeinheit' soll diese Plattformen steuern, so, wie sich Idealisten das schon lange vorstellen. Doch in der Realität regieren die Server-Administratoren - nach eigenen Regeln."
Stichwörter: Twitter, Mastodon, Soziale Medien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.12.2022 - Internet

Hate Speech ist auf Twitter seit der Übernahme durch Elon Musk drastisch angewachsen, berichten Sheera Frenkel und Kate Conger in der New York Times unter Bezug auf Studien verschiedener Organisationen: "Konten, die Twitter früher regelmäßig entfernt hat - wie etwa solche, die sich als Teil des Islamischen Staates zu erkennen gaben und die verboten wurden, nachdem die US-Regierung ISIS als Terrorgruppe eingestuft hatte - sind wieder aufgetaucht. Konten, die mit QAnon, einer weit verbreiteten rechtsextremen Verschwörungstheorie, in Verbindung gebracht werden, haben für den Verifizierungsstatus bei Twitter bezahlt und diesen erhalten, was ihnen einen Anschein von Legitimität verleiht. Diese Veränderungen sind alarmierend, sagen die Forscher und fügen hinzu, dass sie noch nie einen so starken Anstieg von Hassrede, problematischen Inhalten und ehemals gesperrten Konten in einem so kurzen Zeitraum auf einer Mainstream-Social-Media-Plattform gesehen hätten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.12.2022 - Internet

Es hat sich durch die Übernahme von Elon Musk herausgestellt, dass Twitter ein kapitalistisches Unternehmen ist. Nun bleiben nur noch die Alternativen des "Fediverse", des "Universums der föderierten Netzwerke", insistiert der Netzaktivist Ulf Schleth in der taz. Daran mäkeln aber prominente Linke mit Iphone herum. Die Twitter-Alternative Mastodon sei etwas für Nerds, hat Sascha Lobo etwa gesagt. Und "selbst Georg Diez von The New Institute, wo nichtkommerzielle Plattformen gefordert werden, schreibt, Mastodon funktioniere nur 'sehr holprig'. Beides Falschaussagen, aber woher kommen sie? Dezentrale, föderierte Netzwerke funktionieren anders als die bekannten Plattformen, Nachrichten können mal eine Weile brauchen, bis sie rund um die Welt sind, wenn sie nicht auf einem Server liegen." Mastodon, das Lastenfahrrad unter den sozialen Netzen.

Äh, und dann noch diese Meldung, gefunden (über Twitter natürlich) bei axios.com. Musk rudert zurück: "Ye, früher bekannt als Kanye West, wurde von Twitter suspendiert, nachdem er am Donnerstagabend ein Bild mit einem Hakenkreuz in einem Davidstern gepostet hatte, teilte Elon Musk mit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.11.2022 - Internet

Twitter mag nicht ideal gewesen sein, aber ein Zusammenbruch von Twitter wäre ein weiterer Schaden an jener neuen Öffentlichkeit, die erst durch das Internet entstanden ist, schreibt Goerg Diez in seiner taz-Kolumne: "Die alte Macht, Verlage, Fernsehsender, aber auch Parteien, Regierungen, Staaten bis zu autokratischen Regimen, standen einer neuen Macht gegenüber, die schwer zu definieren war und sich erst nach und nach fand: Da waren Menschen, die Revolutionen antrieben, da waren Stimmen, die eine Reichweite bekamen, die größer war als alle traditionellen Medien im jeweiligen Land zusammen. Es geriet etwas, buchstäblich, in Bewegung: Seit etwa 2010 war das Zeitalter der sozialen Medien auch das Zeitalter der sozialen Bewegungen, vom Arabischen Frühling 2011 über #MeToo 2017 bis zu #BlackLivesMatter 2013 und vor allem seit 2020 nach dem Tod von George Floyd."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2022 - Internet

In der SZ macht sich der Fernsehmoderator Micky Beisenherz (300.000 Follower bei Twitter) wenig Sorgen um die Twitterer: "Unser Narzissmus ist ein helles Licht - und es ist dieses Licht, das uns, komme, was wolle, immer wieder zusammenführen wird!" Zur Not eben bei Mastodon.

Elon Musk hat durch eine Twitter-Abstimmung, an der sich ein winzige Minderheit beteiligte, durchsetzen lassen, dass Donald Trump wieder twittern darf - der ziert sich noch. Nebenbei ist eine andere Regeländerung kaum aufgefallen, schreibt Markus Beckedahl in Netzpolitik. "Negative Tweets", also solche, die früher als Hate Speech bezeichnet wurden, sollen per Algorithmus degradiert werden. Beckedahl glaubt nicht dran: "Das ist natürlich ein Versprechen, das er zumindest für den Moment gerne geben kann, denn Werbetreibende gibt es ja kaum noch. Aber es stellen sich natürlich viele weitere Fragen: Wer ist denn vom Personal noch übrig, um diese Regeln durchzusetzen, wenn drei Viertel der Belegschaft schon gekündigt ist und gekündigt hat? Ist das neue Modell auch konform mit den kommenden Regeln des Digital Services Act (DSA), koharänte und nachvollziehbare Moderationsregeln anbieten zu müssen? Was ist mit den zahlreichen 'negativen Tweets' von Musk, werden die jetzt auch auf digitale Trampelpfade geschickt?"