Sam Biddle hat für
Intercept das Transkript der Kongressanhörung von
Facebook zum Cambridge- Analytica-Skandal gelesen und
kommt aus dem Staunen nicht heraus. Es ging vor allem um die Frage: "
Welche Informationen über uns speichert Facebook genau, und
wo befinden sie sich? Die Antwort der Ingenieure wird für diejenigen, die sich um die Verwaltung von Milliarden digitalisierter Leben durch das Unternehmen Sorgen machen, wenig erfreulich sein:
Sie wissen es nicht." Facebook "hat so viele Daten über so viele Milliarden Menschen angehäuft und sie so verwirrend organisiert, dass
vollständige Transparenz auf technischer Ebene unmöglich ist. In der Anhörung im März 2022 beschrieben die Software-Ingenieure Eugene Zarashaw und Steven Elia Facebook als einen Datenverarbeitungsapparat, der
so komplex ist, dass er sich
dem Verständnis von innen heraus entzieht. Die Anhörung lief darauf hinaus, dass zwei hochrangige Ingenieure eines der mächtigsten und ressourcenstärksten Ingenieurbüros der Geschichte ihr Produkt als
unverständliche Maschine beschrieben. ... Die Bemerkungen in der Anhörung spiegeln diejenigen wider, die in einem internen Dokument zu finden sind, das
Motherboard Anfang des Jahres zugespielt wurde... 'Wir haben kein angemessenes Maß an Kontrolle und Erklärbarkeit darüber, wie unsere Systeme Daten verwenden, und können daher keine kontrollierten Richtlinienänderungen oder externe Zusagen wie 'wir werden X Daten nicht für Y Zwecke verwenden' machen', heißt es in dem Dokument von 2021. Das grundlegende Problem, so die Ingenieure in der Anhörung, ist, dass Facebooks Ausdehnung es unmöglich gemacht hat, zu wissen, woraus es besteht; das Unternehmen hat sich nie die Mühe gemacht,
institutionelles Wissen darüber zu kultivieren, wie jedes dieser Komponentensysteme funktioniert, was sie tun oder wer sie benutzt."
"
Befreit das Internet",
ruft Sarah Leonard in
The New Republic nach Lektüre von "Internet for the People", einem Buch des Tech-Journalisten
Ben Tarnoff. "Es wird heute viel darüber diskutiert, auch im Kongress, warum Teile des Internets so giftig sind und was man dagegen tun kann - bessere Moderation von Inhalten? Aktualisierte Monopolgesetze? - aber es scheint, dass niemand das eigentliche Problem benennen will: Die
Kommerzialisierung des Web. ... Tarnoff sagt unverblümt, warum die Dinge so schlecht sind: 'Das Internet', so schlägt er vor, 'ist kaputt, weil das Internet ein Geschäft ist'. Was, wenn es das nicht wäre?"
Das Bundeskartellamt hat eine 232-seitige "Sektoruntersuchung" für den Bereich Online-Werbung vorgelegt. Das ist schön, nützt aber im Grunde wenig gegen die Übermacht der Internetgiganten, meint
Digital-Experte Martin Andree in der
Welt. Denn am Kernproblem kann nur der Gesetzgeber etwas ändern: "Vereinfacht gesagt, können die Behörden in Deutschland und in der EU nur gegen
zukünftige Zusammenschlüsse vorgehen. Dagegen können sie natürlich entstandene Vormachtstellungen wie etwa das Quasi-Monopol der Google Suchmaschine nicht angreifen. Erschwerend kommt hinzu, dass auch unser deutsches Medienrecht zwar antimonopolistisch ist, es hier aber nur
Konzentrationsbeschränkungen für redaktionelle Medien gibt, wie etwa für Presse oder Rundfunk. Angesichts der wuchernden digitalen Monopole ist es absurd: Bis heute existieren weder etablierte wissenschaftliche Methoden zur Messung von Marktmacht bei digitalen Medien, noch gibt es eine zuständige Behörde ähnlich der Bundesnetzagentur oder der KEK."