Das Vergessen ist in der Jugend angekommen. Die 26-jährige Bahlsen-Erbin
Verena Bahlsen hat behauptet, dass es den Zwangsarbeitern in der Firma prima ging. Die Zahl der Zwangsarbeiter ging in Deutschland in Kriegszeiten
in die Millionen,
antwortet Andreas Rüttenauer in der
taz unter Bezug auf
Mark Spoerers Buch "Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz". "Was Spoerer auch schreibt: Zwangsarbeiter retteten unter
lebensgefährlichen Umständen Produktionsanlagen, die später den
westdeutschen Reichtum begründeten. Frau Bahlsen kann also auch deswegen so heiter plappern, weil Zwangsarbeiter ihre Haut riskiert haben. Die Verwüstung des europäischen Kontinents, der Genozid an den europäischen Juden, die Kriegsverbrechen der Wehrmacht basieren auf Zwangsarbeit. Und doch wird mit einem Mal über Zwangsarbeit wie über etwas gesprochen, von dem man noch nicht so genau weiß,
was es war und was es zu bedeuten hat."
Christoph Kapalschinski
versucht, die junge Erbin in einem
Handelsblatt-Artikel zu verteidigen. In einem Artikel von ihm stand eine andere Äußerung von ihr - über ihre Lust auf eine
Segeljacht -, deren Ironie absichtlich missverstanden worden sei. Ihre Äußerung zur
Zwangsarbeit aber kann er nicht verteidigen: "Verena Bahlsen wiederholt .. ein Argument, das widerlegt ist: die Legende vom guten Unternehmer in schweren Zeiten. Wer Verena Bahlsen kennt, kann annehmen: Das macht sie, weil sie es
nicht besser weiß - nicht, weil sie Geschichtsrevisionistin ist. Spätestens seit dem
Bild-Artikel ist sie jedoch auf Twitter und Facebook Freiwild." Nun ja, sie besitzt ein Viertel einer großen Firma, die Zwangsarbeiter beschäftigte, da hätte sie
im Geschichtsunterricht schon ein bisschen aufpassen sollen.