Magazinrundschau - Archiv

The Spectator

157 Presseschau-Absätze - Seite 14 von 16

Magazinrundschau vom 06.12.2005 - Spectator

Die angeblich geplante Bombardierung des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira beschäftigt den Spectator weiterhin. Richard Beeston hat nach einem Gespräch mit dem Direktor Wadah Khanfar das Gefühl, dass der Sender schon längst kein Störfaktor mehr ist, sondern immer mehr zu einem stabilisierenden Element der Region wird. "Al-Dschasira wird größer, reicher und immer mehr ein Teil des Establishments, dessen Autorität es einst mit Hingabe untergraben hat." Ergänzend erinnert Brendan O'Neill daran, dass die Bombardierung des serbischen Staatsfernsehens im Kosovo-Krieg fast niemanden hinter dem Ofen hervorgelockt hat.

Magazinrundschau vom 29.11.2005 - Spectator

"Jedesmal wenn wir neue Hoffnung schöpfen, wirft uns wieder eine schlechte Nachricht auf den Boden", beschreibt Boris Johnson seine Beziehung zum Irakkrieg, die ihn selbst an ein Missbrauchsverhältnis erinnert. Jetzt hat ihn die Meldung niedergestreckt, dass George Bush offenbar in einem vertraulichen Gespräch mit Tony Blair vorgeschlagen hat, al-Dschasira in die Luft zu jagen. "Wenn seine Bemerkung nur unschuldiger Kretinismus war, warum, zum Teufel, hat der britische Staat dann dekretiert, dass, jeder, der ebendiese Äußerungen druckt, ins Gefängnis gesteckt wird", fragt Johson und verkündet: "Wenn mir jemand in den nächsten Tagen die Dokumente zukommen lässt, werde ich sie mit Freuden im Spectator veröffentlichen und die Gefängisstrafe riskieren. Die Öffentlichkeit muss selbst urteilen können." Wir warten gespannt auf die nächste Ausgabe!

Magazinrundschau vom 22.11.2005 - Spectator

Peter Oborne kommt in seiner Reportage aus der irakischen Diyala-Provinz zu dem Schluss, dass vor dem amerikanischen Eingreifen nicht alles schlecht war. Zumindest plädiert er dafür, die alten Eliten wieder zu installieren. "Das oberste Ziel der USA und der irakische Regierung sollte sein, die historische Gegnerschaft von Baathisten und dem militanten Islam wiederherzustellen, indem man die Baathisten geradewegs in das politische Zentrum zurückbringt. Wenn das gelingt, werden die Islamisten den Rückhalt im Volk verlieren und nicht mehr länger fähig sein, innerhalb des Irak zu operieren."

Mit nicht nur einer Prise Wehmut beklagt Frank Furedi den Niedergang traditioneller Autoritäten, der ein "Zeitalter der Unvernunft" und eine bunte Riege sogenannter Lebensexperten gezeitigt hat. "Im Januar mahnte Cherie Blairs ehemaliger Lifestyle-Guru (und Künstlerin) Carole Chaplin die Öffentlichkeit, nicht für Labour zu stimmen, wenn sie nicht von ihren Plänen zum Verbot von Vitamin- und Nahrungszusätzen Abstand nähmen. Ein paar Monate später schaffte es Jamie Oliver (ein Koch), das traditionell unerfreuliche Schulessen in ein gewichtiges Wahlkampfthema zu verwandeln. Auf diese Intervention folgte das Spektakel in Gleneagles, auf dem die Führer der Welt für ihre Ungezogenheit gerügt wurden, als sie zu Füßen des früheren Popbalgs Bob Geldof (Homepage) saßen."
Stichwörter: Furedi, Frank, Irak, Labour, Wehmut

Magazinrundschau vom 15.11.2005 - Spectator

Frankreich brennt. Die Medien erklären das mit der fehlgeschlagenen Integration der Einwanderer, ihrer Armut, der Arbeitslosigkeit und dem Rassismus der Franzosen - nur das "M"-Wort benutzt niemand, wundert sich Rod Liddle. "Es kann sein, dass das Motiv für die Randale eine undefinierte Wut ist, begleitet von jugendlichem Überschwang und einem Hang zu schlechtem Benehmen. Aber es ist der Islam, der dem ganzen eine Identität gibt. Die politischen Bestrebungen vieler französischer muslimischer Organisationen und besonders der wichtigsten politischen islamischen Organisation auf dem Kontinent, der Arabisch-Europäischen Liga, gehen auf eine noch viel stärkere Segregation, auf Verwoerds Ideal einer getrennten Entwicklung - meiner Ansicht nach die Essenz von Rassismus. Tatsächlich verbindet die fürchterliche Arabisch-Europäische Liga Assimilation und Integration mit 'Vergewaltigung' und ruft die Muslime auf, sich diesem kulturellen Imperialismus zu widersetzen. Der Direktor der Großen Moschee in Paris, Dalil Boubakeur ... scheint die französische Regierung aufgefordert zu haben, den Muslimen mehr Autonomie im Staat zu geben; ihnen zu erlauben, ihren eigenen Regeln zu folgen. Es trifft also genau das Gegenteil von dem zu, was die französischen Fernsehkommentatoren behaupten: Die französischen Muslime wollen nicht mehr Integration. Sie wollen weniger Integration."

Magazinrundschau vom 08.11.2005 - Spectator

Kommunistische Ideen wie die Vorstellung der permanenten Revolution sind quicklebendig, allgegenwärtig und haben den Westen fest im Griff - sogar amerikanische Konservative, behauptet John Laughland in einem Essay. "Wie die Marxisten und wie viele seiner europäischen Freunde scheint George Bush zu glauben, dass Freiheit eine unvermeidliche 'historische Kraft' sei und dass es ständiger Anstrengung bedürfe, sie zu erreichen. Er argumentiert wie Hegel, der Vorläufer von Marx, dass es nur eine Menschheit gibt, und dass ein freier Staat wie die USA nicht wirklich frei ist, solange andere Staaten in der Tyrannei leben ... 'Die Freiheit in unserem Land wird zunehmend davon abhängen, ob auch andere Länder frei sind' sagte er im Januar. Ein wahrer Konservativer würde dagegen sagen, dass es viel Böses in der Welt da draußen gibt und es die Pflicht eines Staatsmannes sei, es draußen zu halten."

Theodore Dalrymple kommentiert gewohnt snobistisch die Unruhen in den französischen Vorstädten und erinnert daran, dass dort täglich zwanzig bis vierzig Autos in Brand gesetzt werden: "Wenn Großbritannien Weltmeister im Autodiebstahl ist, dann ist Frankreich der Champion im Auto-Abfackeln. Für Frankreichs soziale Unterentwicklung spricht, dass die Brandstiftungen viel weniger die französische Bourgeoisie treffen als die Auto-Diebstähle die britische. In Frankreich wird dein Auto nur dann abgebrannt, wenn du an der Grenze zur Armut stehst. Auch wenn die französische Presse immer wieder gegen unsere wilden Liberalismus anschreibt, ist Großbritannien eine viel egalitärere Gesellschaft als Frankreich, wo Kriminalität so gut eingezäunt ist."

Magazinrundschau vom 01.11.2005 - Spectator

Die Eliteuniversitäten Oxford und Cambridge sollten sich endlich vom Staat lossagen und kostendeckende Studiengebühren verlangen (bis zu 30.000 Euro pro Jahr), fordert Simon Jenkins. Derzeit bekommt allein Oxford mehr als 450 Millionen Euro aus London und ist damit zu zwei Dritteln vom Steuerzahler abhängig. "Auf den Einwand hin, dass Oxford mit der Unabhängigkeit sozial exklusiver wird, gibt es zwei Antworten. Eine lautet : Na und? Lassen wir doch die anderen Universitäten um die Gruppe der hellsten Schulabgänger kämpfen anstatt Oxfords Überlegenheit zu subventionieren. Aber wahrscheinlich kommt es gar nicht dazu. Studien haben gezeigt, dass die soziale Zusammensetzung der beitragsverwöhnten Universitäten von Harvard und Yale sich nicht wesentlich von der in Oxbridge unterscheidet. Es geht um Autonomie, nicht um die soziale Mischung."

Die Überreste des Generals Anton Denikin sowie des Philosophen Ivan Alexandrovich Ilyin, Führer und Vordenker der zarentreuen Weißen Garde, wurden kürzlich repatriiert und in Moskau mit großem Pomp beigesetzt. Auf den ersten Blick ist die staatliche Ehrbezeugung für eingeschworene Gegner der Sowjetunion verwunderlich, schreibt Paul Robinson. Dahinter stecke aber durchaus System, wie ihm ein russischer Kollege erklärt hat. "Die Nomenklatura benutzt das Gedenken an die Weißen um ihre eigene Herrschaft zu legitimieren. Mit dem Gerede von Einheit und Versöhnung wollen sie ein Gleichgewicht zwischen Roten und Weißen herstellen. Beide sind gleichermaßen schuldig und haben gleichermaßen recht. Die Ehrenbezeugung gegenüber den Weißen wäscht die Roten von ihren Sünden rein."

Magazinrundschau vom 25.10.2005 - Spectator

"In seinen Todeszuckungen könnte Russland die Welt mit einigen neuen muslimischen Staaten, einem nuklearen Mittleren Osten und einem stärkeren China beglücken." Mark Steyn sieht mit dem andauernden Niedergang der ehemaligen Sowjetunion ernste Schwierigkeiten auf den Westen zukommen. "Was würden Sie tun wenn Sie Putin wären? Was haben Sie in der Hand, um Ihre verrottende Leiche von einem Land irgendwie im Spiel zu halten? Sie haben nukleares Know-How - für das sich sehr viele Ayatollahs und Diktatoren interessieren. Sie haben ein entvölkertes aber ressourcenreiches östliches Hinterland - das sich die Chinesen auf die eine oder andere Weise aneignen werden. (...) Mit der Aussicht, dass sogar ein alkoholabhängiger Slawe mit einer Lebenserwartung von 56 Jahren es noch erleben wird, dass Wladiwostok wieder seinen alten Namen Haishenwei erhält, könnte Moskau es genausogut an Peking verscherbeln, anstatt zu warten, bis es ihnen unter den Fingern weggeschnappt wird."

Rod Liddle freut sich schon allein aus patriotischen Gründen über den Literaturnobelpreis für Harold Pinter, seiner Ansicht nach der wichtigste englische Literat der vergangenen fünfzig Jahre. Doch wird Pinter wirklich für sein Werk ausgezeichnet? "Pinter hat seit 1960 gute Sachen geschrieben, aber nie mehr ähnlich gute wie in den Jahren davor. Sein letztes wichtiges Stück war 'No Man's Land' von 1974 - vor dreißig Jahren - aber er hat den Preis jetzt bekommen. Lehnt man sich also zu weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, dass die Nobelleute eher von Pinters jüngsten, unerbittlichen und scharfen Attacken gegen die amerikanische Außenpolitik beeindruckt waren?" Wie etwa folgendem launigen Vierzeiler:

"There's no escape,
The big pricks are out,
They'll fuck everything in sight,
Watch your back."

Magazinrundschau vom 18.10.2005 - Spectator

Sie sehen aus wie Blair, hören sich an wie Blair und glauben, Blair sei "BRILLANT". Brendan O'Neill zeigt verächtlich auf die neue weichgespülte Generation von Britpoppern: "Von Coldplay zu Keane, von James Blunt zu Franz Ferdinand: die unabhängige Musikszene wird beherrscht von einigen der unerträglichsten, mittelklassigsten, nichtrauchendsten, drogenabstinentesten und Safer-Sex praktizierendsten Blair-Langweiler und Arschkriecher, die man je zu Gesicht bekommen hat." Die Musik spielt links, wie es scheint.

Tony Leon erklärt, warum Südafrika das einzige Land ist, das Mugabes Zimbabwe noch die Stange hält. "Mugabes wirkliche Unterstützer sind nicht die afrikanischen Massen, die er zu repräsentieren behauptet, sondern die verkrusteten postkolonialen Eliten Südafrikas. Mugabes antiwestliches Getrommel spricht ihre untergründige Unsicherheit, ihre Vorurteile und die Nostalgie nach Sowjetzeiten an." In der gleichen Manier teilt Leon auch an Mugabe aus. "Wenn es nicht genug Mais gibt, sagte er in einem Monty-Python-meets-Marie-Antoinette Moment, 'dann haben wir haufenweise Kartoffeln'. Berge von Schutt ebenso, hätte er ergänzen können, nachdem seine Bulldozer im vergangenen Winter mehrere Hunderttausend Hütten dem Erdboden gleichgemacht haben, im Rahmen der Operation Murambatsvina - 'Raus mit dem Müll'."

Magazinrundschau vom 11.10.2005 - Spectator

Die nächste Dschihad-Welle könnte von Somalia ausgehen, meint Aidan Hartley, der besorgt die explosive Stimmung in der Hauptstadt beschreibt. "In Mogadischu wird das Prestige nicht durch das Auto bestimmt, das man fährt, sondern durch den Wert, der einem als Attentatsziel zugemessen wird. Vor unserer Ankunft hatte ich bei unserem Gewährsmann drei Schützen mit schweren Maschinengewehren und sieben Begleiter mit AK-47-Gewehren angefordert. Durch die getönten Scheiben unseres Allradfahrzeugs konnte ich auf dem Weg in die Stadt beobachten, dass wir trotzdem nicht sehr gut abschnitten. Wir passierten regelmäßig Konvois, die vor Flugabwehrgeschützen und Raketenwerfern nur so strotzten."

Dominic Midgley macht darauf aufmerksam, dass London ein Mekka für russische Oligarchen geworden ist. "Diese Leute ziehen England den Vereinigten Staaten zum Teil vor, weil die Londoner Bankenszene weniger strikt reguliert ist als die amerikanische - aber auch weil wir weniger Vorurteile gegenüber Russen mit Geld haben. Ein mittelschwerer Oligarch, der seinen Urlaub in Aspen verbrachte, berichtet, dass ein Amerikaner vor Angst fast aus dem Skilift gesprungen wäre, als er ihm erzählte, wo er herkam. In Amerika bedeutet Russland Mafia. Hier nicht."

Magazinrundschau vom 04.10.2005 - Spectator

Andrew Gilmour, UN-Berater für Westafrika, antwortet auf Mark Steyns Polemik gegen die Vereinten Nationen, diese "Abwasserkanäle des Transnationalismus" (Steyn). Gilmour verteidigt die Errungenschaften der jüngsten Reformrunde. "In einer der radikalsten Aussagen des vergangenen Jahrhunderts zum internationalen Recht haben alle Mitglieder einer Erklärung zugestimmt, die ein Recht der Weltgemeinschaft festhält, militärisch gegen Staaten vorzugehen, die es versäumen, ihre Bevölkerung vor Genozid, Kriegsverbrechen und ethnischen Säuberungen zu schützen. Premierminister Tony Blair hatte recht, als er sagte 'Zum ersten Mal auf diesem Treffen sind wir übereingekommen, dass Staaten innerhalb ihrer Grenzen nicht tun und lassen können, was sie wollen.' (...) Das ist eine recht grundlegende Reform. Kein Wunder dass Steyn tobt und verlangt, dass die USA aus den Vereinten Nationen austreten."