Magazinrundschau - Archiv

The Spectator

157 Presseschau-Absätze - Seite 15 von 16

Magazinrundschau vom 27.09.2005 - Spectator

Der Spectator beschäftigt sich in dieser Ausgabe mit der Beziehung von Rasse und Kultur und natürlich besonders damit, was im multikulturellen Großbritannien alles falsch läuft. Ein anonymer Autor klagt: "Die sogenannte 'kulturelle Aufmerksamkeit' hat auch zu einer rassischen Zersplitterung des Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsystems geführt. Der Staatsapparat quillt über von spezialisierten Angeboten wie dem Drogen-Aktions-Team für bangladeschische und somalische Gemeinden in den Tower Hamlets, oder das schwarzafrikanische und karibische Konsortium für psychische Störungen, das derzeit einen Büroleiter sucht. 'Alle Bewerber müssen schwarzafrikanischen oder karibischen Urprungs sein', heißt es in der Anzeige."

Weitere Artikel: Olenka Frenkiel berichtet von der mauretanischen Tradition, Mädchen ab sieben Jahren zwangsweise zu mästen, damit sie fett und attraktiv werden. David Goodhart erneuert seine schon im vergangenen Jahr vorgetragene These, dass zu viele ethnische Unterschiede den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft gefährden. Der Labour-Politiker John Denham macht gegenüber Peter Oborne den Erfolg der Terrorismusabwehr vom Kooperationswillen der britischen Muslime abhängig. Rod Liddle erfährt von Trevor Phillips, dem Vorsitzenden der Kommission für ethnische Gleichberechtigung, wie die Einführung einer Art britischen Leitkultur die Ghettos aufweichen soll. Boris Johnson wird auf einer philippinischen Schönheitskonkurrenz in Chelsea mit unerwartet viel britischem Patriotismus konfrontiert.

Außerdem fragt sich Alasdair Palmer, warum die Polizei Verdächtige erschießen, aber nicht foltern darf. Petronella Wyatt beobachtet, dass die amerikanischen Schwulen den Macho als Ideal entdeckt haben. Und George Osborne macht die Regierung für den schleppend anlaufenden Handel mit China verantwortlich.

Magazinrundschau vom 20.09.2005 - Spectator

Die UN ist so korrupt, dass eine Reform zwecklos ist, konstatiert Mark Steyn. "Mr Annans marode UN aus humanitären Geldwäschern, Peacekeeper-Vergewaltigern und einer Menschenrechtsorganisation, die anmutet wie eine Preisverleihungsstelle für das Lebenswerk der Folterer dieser Welt ist keine vorübergehende Fehlentwicklung. Sie kann auch nicht durch bürokratische Reformen korrigiert werden, die darauf abzielen, dass das gescheiterte Haushalts-Kontrollkomitee künftig von einem Haushalts-Kontrollkomitee-Kontrollkomitee überwacht wird."

Rod Liddle wettert gegen die Watte, in die islamistische Brandprediger seiner Meinung nach in Großbritannien gepackt werden. "Mein Punkt ist, dass diese Leute eigentlich unter der allgemeinen Rubrik 'Verrückte' laufen, manchmal auch unter 'Psychos', 'Irre', 'Bekloppte' etc. Aber in Großbritannien kann man an so ein paranoides, irrationales Gewäsch glauben und nicht nur toleriert und als 'jenseits von gut und böse' bezeichnet werden, sondern man wird auch noch höchstpersönlich zum Premierminister eingeladen, um seine Dummheit dort auszubreiten. Weil man Muslim ist und diese Art zersetzender Paranoia mehr oder weniger von einem erwartet wird."
Stichwörter: Folter, Geldwäsche, Paranoia

Magazinrundschau vom 13.09.2005 - Spectator

Die Katrina-Katastrophe führt für den Spectator sehr direkt zur Titelfrage: "What's Wrong with America?" Wie wenig erfreulich die Gesamtlage ist, fasst Walter Ellis zusammen: "Für fast die Hälfte der Einwohner der Vereinigten Staaten sind es keine guten Zeiten. Die Kluft zwischen Reichen und Armen hat sich in den letzten dreißig Jahren fast zu Drittwelt-Ausmaßen vertieft. Den Reichen und Erfolgreichen geht es immer besser, aber die Mittelklasse ist zutiefst verunsichert, steckt in Schulden (von kaum bezahlbaren Studiengebühren zu schweigen), während viele Hispano-Amerikaner nur gerade so über die Runden kommen. Eine Fabrik nach der anderen wird geschlossen, und vielfach gehen die Jobs nach China, dessen Aufstieg zur Weltmacht Amerika erst jetzt zu begreifen beginnt."

Weiteres: Patrick J. Buchanan resümiert: "Der 11. September hat uns geeint, nach Katrina sind wir wieder entzweit." Julia Reed zeigt sich davon überzeugt, dass New Orleans, eine bisher schon vielfach zerklüftete, ja lebensgefährliche Stadt, auch das Katrina-Desaster überleben wird.

Magazinrundschau vom 06.09.2005 - Spectator

Martin Vander Weyer erklärt unter dem Titel "The Price is Right", warum der hohe Ölpreis durchaus seinen Charme hat. Er sorgt nämlich dafür, dass auch die aufwendigere Erschließung von Quellen wieder rentabel wird: "Der höhere Ölpreis ermöglicht die Ausbeutung sehr tief gelegener, nicht zur Opec gehörender Vorkommen vor der Nordseeküste, im Kaspischen Meer und im Golf von Mexiko. Auch kleinere, schon weitgehend entleerte Ölbrunnen in Texas und anderswo können wieder geöffnet werden. Die abgelegenen Gebiete Sibiriens und Zentralasiens sehen in den Augen westlicher Öl- und Gasfirmen gleich viel freundlicher aus. (...) Und all diese Veränderungen werden die Zuneigung der industrialisierten Welt zu den saudischen Prinzen vermindern, deren Schlüsselrolle in der Welt längst in keinem Verhältnis mehr zu ihren - wie sollen wir sagen? - staatsmännischen Fähigkeiten steht."

Die Titelgeschichte ist dem desolaten Zustand der Torys gewidmet, die intern verkracht sind und zudem, wie ein anderer Artikel feststellt, jede Diskussion über Europa eingestellt zu haben scheinen. Mark Steyn gibt sich allen Katastrophen zum Trotz optimistisch in Sachen Zukunft des Irak - und zwar weil er den derzeit diskutierten Verfassungstext klug und vernünftig findet.
Stichwörter: Irak, Texas, Ausbeutung, Sibirien

Magazinrundschau vom 30.08.2005 - Spectator

Ronald Reagan und Margaret Thatcher mögen mit ihrer Intervention in Afghanistan die Saat für die al-Qaida gelegt haben, meint Brendan O?Neill in einem schön provokanten Beitrag, aber verantwortlich dafür, dass sich diese begrenzt agierende Guerilla zu einem transnationalen nihilistischen Terrornetzwerk ausgebreitet hat, sind andere. Und zwar weder Bush und Blair, noch die Neocons! "Kurz gesagt, in den neunziger Jahren wurde die al-Qaida der militärische Flügel des westlichen Liberalismus. Die Mudschaheddin mögen in den Achtzigern von den Rechten aufgebaut, unterstützt und bewaffnet worden sein, aber von Anfang bis Mitte der Neunziger haben sie auf der Seite der Linken gekämpft. Es war das zweite Outing der Mudschaheddin, als Hunderte von ihnen nach dem Abzug der Sowjets von Afghanistan nach Bosnien zogen, um mit den bosnischen Muslimen in einem Heiligen Krieg gegen die Serben zu kämpfen. Sie zogen unter den billigenden Augen der Clinton-Regierung dorthin, und wurden von Clintons Alliierten in der Region bewaffnet, von der Armee von Bosnien-Herzegowina (AbiH)."

Weiteres: In der Titelgeschichte prangert James Hughes-Onslow die empörende Behandlung an, die eine australische Schulfreundin seiner Gattin durch die britischen Einwanderungsbehörde erfahren hat. Und Thomas Fleming, der nach eigenem Bekunden sechzig Jahre in den USA gelebt hat, "davon 25 als Atheist und 35 als zunehmend reaktionärer Christ", gibt zu Protokoll, dass er in Amerika nie die Frömmigkeit erlebt hat, die dem Land allenthalben zugeschrieben wird.

Magazinrundschau vom 23.08.2005 - Spectator

Douglas Davis wundert sich über die neuen Allianzen, die sich "im Kampf gegen den Kampf gegen Terror" formieren: rote Bündnisse aus islamischen Fundamentalisten und westlichen Marxisten, wie zum Beispiel die International Campaign Against US and Zionist Occupations (mehr hier): "Mögliche Differenzen zwischen der äußeren Linken und dem radikalen Islam - unter anderem zu den Punkten Demokratie, Menschenrechte, Fremdenfeindlichkeit, freie Meinungsäußerung, Homosexualität, Abtreibung - sollten unüberwindliche Hürden für eine solche Union darstellen. Sind sie aber nicht. Die Hürden wurden einfach eingestampft im Interesse eines beidseitigen Hasses: auf Amerika, Israel, Globalisierung , Kapitalismus und Imperialismus. Und nicht weit unter der Oberfläche scheint auch der Antisemitismus durch."

Magazinrundschau vom 16.08.2005 - Spectator

Bruce Anderson wirft einen recht nüchternen Blick auf den Streit um das iranische Atomprogramm: Die europäische Diplomatie wird eh zu nichts führen, und die USA sind geopolitisch nicht so unzurechnungsfähig, den Iran anzugreifen. Was also tun? Andersons Vorschlag: "Lasst sie die Bombe bauen". Dafür spreche übrigens auch der Vergleich mit den anderen Atommächten: "Die Iraner wissen, dass sie in einer gefährlichen Nachbarschaft leben. Wenn die Chinesen, Inder und Pakistaner Atomwaffen haben dürfen, warum nicht sie? Sie sind demokratischer als Pakistan, und bei den Menschenrechten schneiden sie besser ab als die Chinesen."

Theo Hobson sieht in der Vorstellung, islamistische Selbstmordattentäter würden aus religiösen Motiven handeln, nichts als atheistische Propaganda. "Der erste Selbstmordattentäter, von dem wir wissen, war Samson, der auch nicht an ein Leben nach dem Tod glaubte. Seine Motiv war kein persönliches post-mortales Ziel, sondern der Wunsch, Gott und seinem Volk zu dienen. Auch die Kamikaze-Piloten des Zweiten Weltkriegs handelten nicht aus einem überidrischen Glauben heraus. Sie hatten einfach nur einen starken Sinn für Loyalität gegenüber der Geschichte. Dieser Sinn für historische Berufung ist für muslimische Selbstmordattentäter weitaus wichtiger als der Glaube ans Paradies. Sie sind überzeugt, dass sie zu einem unterdrückten Volk gehören, einer supranationalen religiösen Gemeinschaft, die die Welt beherrschen sollte."

Magazinrundschau vom 02.08.2005 - Spectator

Der Spectator zieht diese Woche in den Krieg - jedenfalls mit der Klappe. "Aufwachen, Leute, es ist Krieg!", ruft Mark Steyn seinen Landsleuten zu. Er fordert das Ende der subtilen Unterscheidungen und liefert seine eigene Variante der "Blut, Schweiß und Tränen"-Rede ab (hier Churchills Original). Patrick Sookhdeo behauptet im Titel, der Islam sei prinzipiell kriegerisch und weist auf eine theologische Regel hin, die besagt, dass bei widersprüchlichen Aussagen Mohammeds die später geäußerte Meinung bindend ist. Nun ist es aber so, dass der Prophet Mohammed im Laufe seines Lebens immer mehr zum Krieger wurde. "Das heißt, dass das Mantra 'Islam bedeutet Frieden' seit fast 1400 Jahren veraltet ist. Nur 13 Jahre lang stand der Islam für Frieden und nichts als Frieden. Ab 622 wurde er zunehmend aggressiv, wenn auch mit Perioden der friedlichen Koexistenz, besonders in der Kolonial-Periode, als die Kriegstheologie nicht vorherrschend war."

Natürlich sind die Attentate eine Folge des Irakkriegs, konstatiert Peter Oborne, der in diesem Fall den Verlautbarungen der Islamisten mehr vertraut als den Erklärungen Tony Blairs. Der Leitartikel sekundiert und fordert von der Regierung: "Lügt uns nicht an!" Prinz Hassan von Jordanien empfängt Douglas Davies in seinem eleganten Haus im Westen von London, um die Terrorakte kategorisch zu verdammen und ihren religiösen Ursprung zu betonen. "Wir müssen akzeptieren dass die Terroristen Produkte der Geschichte des Islam sind."

Und schließlich verteidigt Andrew Kenny den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima mit dem Hinweis auf die Unfähigkeit der japanischen Soldaten zum Pragmatismus. "Hart, mutig und stoisch, wurden sie in dem Moment nutzlos, als man ihren Kommandeur tötete. Sie konnten nicht selbständig denken und wurden, ohne Befehle und Führer, zu einem grimmigen und unerbittlichen Mob, ohne Chance auf den Sieg, aber furchtbar gefährlich in ihrer Ablehnung der Niederlage. Sie kapitulierten einfach nicht."

Magazinrundschau vom 26.07.2005 - Spectator

In der Titelgeschichte enthüllt Anthony Browne, warum ausgerechnet in England Selbstmordattentäter ihre Mitbürger in die Luft sprengen: Weil die Linken und Multikulturalisten den Briten eingeredet haben, sich selbst zu hassen. Damit muss endlich Schluss sein, verlangt Browne. "Großbritannien ist wirklich großartig. Diese kleinen verregneten Inseln fernab des westlichen Endes der riesigen eurasischen Landmasse haben mehr zum Wohl der restlichen Menschheit beigetragen als irgend ein anderes Land, ohne Ausnahme. Manchmal braucht es einen Ausländer, um einem die Augen zu öffnen. Ein norwegischer Diplomat erzählte mir vor langer Zeit, wie er in der Schule gelernt hat - britische Kinder lernen so etwas nicht -, dass Großbritannien der Welt die Industrialisierung, die Demokratie und den Fußball geschenkt hat - das ökonomische System, das politische System und den Spaß. Und das ist noch nicht alles."

Theo Hobson lässt sich vom christlichen Soziologen David Martin (hier einige seiner Bücher) erklären, dass der Islam zwar eine "ausgezeichnete Religion" ist, im Gegensatz zum friedfertigen Christentum aber sehr viel Wert auf den Sieg legt, was schnell in Gewalt münden kann: "Im Judentum und im Islam gibt es eine Bereitschaft, militärischen Ruhm zu feiern und Kriegshelden als Märtyrer darzustellen. Das Christentum kann das nicht akzeptieren." Und P. R. Whittle erregt sich pointiert über "das Geschmatze, die Rülpser und das Piepen", das von asozialen Zeitgenossen ausgeht und mittlerweile bis in die heilige Sphäre kultureller Veranstaltungen vorgedrungen ist.

Magazinrundschau vom 19.07.2005 - Spectator

Der albanische Schriftsteller, Lyriker und erste Träger des Internationalen Man-Booker-Preises Ismail Kadare war unter Enver Hodscha beileibe nicht der tapfere Oppositionelle, als den ihn die Presse überall feiert, weiß Stephen Schwartz. "Während des Kommunismus war er einer der emsigsten Totengräber des kulturellen und literarischen Erbes Albaniens, in besonderer Weise des Teils, der religiös inspiriert war. Herr Kadare posiert nun als 'Dissident', aber seine Karriere als Nonkonformist im Kommunismus ist gänzlich erfunden, und sorgt für erregte und wütende Debatten unter seinen Landsleuten. 1990, als der Kommunismus am Ende war, 'floh' Herr Kadare aus Albanien nach Frankreich. Aber zum Zeitpunkt seines Bruchs mit dem Regime hatte er den Posten des Vizevorsitzenden von Albaniens offizieller politischer Struktur inne, der sogenannten Demokratischen Front. Sein Abgang aus den Zimmern der Macht geschah aus Bequemlichkeit, nicht aus Prinzipientreue."

Die jämmerliche Wohnungssituation der Briten, ausgelöst durch die restriktive Baupolitik der Regierung, verdammt James O'Shaughnessy mit biblisch anmutendem Furor. "Unser sowjetmäßiges Planungssystem hat dafür gesorgt, dass auch der Standard des Architekturdesigns gelitten hat. Tag für Tag sind wir mit den verfaulten Früchten des sozialen Wohnungsbaus aus der Nachkriegszeit konfrontiert, aber ein System, das den Nachschub begrenzt, lässt auch Design und Innovation verkümmern. Die unbefriedigte Nachfrage hat einen derart hohen Stand erreicht, dass alles verkauft wird, was gebaut wird. Die rein körperliche Notwendigkeit, ein Dach über dem Kopf zu haben, verdrängt die Gestaltungsfrage auf einen abgeschlagenen zweiten Platz. Einige der Neubauten im Thames Gateway Entwicklungsgebiet - angekündigt als großes Projekt des Wohnungsbaus - sind wenig mehr als Fertig-Hasenställe mit Legoland-Elementen. Keine Häuser für Helden, sondern Hütten für Verlierer."

Was die Attentäter von London getrieben hat, weiß Boris Johnson nicht. Aber einen Fehler hat auch der Westen gemacht, findet er: Der Versuch, den Irakkrieg als Krieg gegen den Terror auszugeben. "Für den paranoiden muslimischen Verstand legt der propagandahafte Begriff 'Krieg gegen den Terror' - sofern er auf den Irak gemünzt ist - nahe, dass dieser Krieg in Wirklichkeit um etwas anderes ging: um Öl, um Erniedrigung und Beherrschung der islamischen Welt. Und weil sie keinen Unterschied machen zwischen Religion und Politik, scheint der Schwindel vom 'Krieg gegen den Terror' einen unerklärten Krieg gegen den Islam zu implizieren. Das war ein Eindruck, den weder Bush noch Blair je wirklich korrigiert haben. Wenn das Projekt der Neocons Demokratie für den Mittleren Osten, Starbucks und Führerscheine für Frauen bedeutet, dann bin ich ein begeisterter Neocon. Nur sprecht nicht von Krieg."