Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

338 Presseschau-Absätze - Seite 26 von 34

Magazinrundschau vom 29.12.2003 - Outlook India

Outlook teilt seine letzte Augabe 2003 in Jahresrückblick ("The FeelgoodYear") und Zukunftsprognose ein. Denn Indien, heißt es im Appetitmacher auf einganzes Bündel von Artikeln, ist eine der jüngsten Nationen der Welt: 54 Prozent sind jünger als 25, informiert die Redaktion und ruft die Ära der "Zippies" aus. Definition: "Junger Stadt- oder Vorstadtbewohner zwischen 15 und 25 Jahren mit einem Reißverschluss (zip) im Schritt. Gehört der Generation Z an. Männlich oder weiblich, Student oder berufstätig. (...) Cool, selbstbewusst und kreativ. Sucht die Herausforderung, liebt das Risiko und scheut die Angst. Nachfolger der Generationen X und Y, doch ohne deren sozialen, politischen, ökonomischen, kulturellen und ideologischen Ballast." Die Zippies sind, mit anderen Worten, jene jungen Inder, von denen nicht nur erwartet wird, dass sie die Kleiderordnung, sondern das Erscheinungsbild eines ganzen Landes ändern. Was aber denken, fühlen, reden, wollen und sollen sie? Werden sie die enormen Erwartungen auf eine blühende gesellschaftliche und ökonomische Zukunft erfüllen können?

Suveen K. Sinha sortiert die Zahlen und sondiert die - durchaus guten - Chancen auf goldene Jahre, meint aber, dass eine Reform des Bildungssystems erste Voraussetzung sei. Ansonsten könnten mehr als 500 Millionen junge Menschen auch in eine Zukunft des politischen Extremismus führen. Zumal, wie Manu Joseph bei einem Friseurbesuch feststellen musste, junge Inder erschreckend wenig von dem wissen, was in ihrem Land so passiert. Sie haben, so sein Fazit, weder ein soziales Bewusstsein noch das Gefühl, eines zu brauchen.

Sadanand Menon sieht sogar noch schwärzer: Diese jungen Inder, schreibt er, sind doch so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie einen geradezu epidemischen kulturellen Gedächtnisverlust erlitten haben und sich allein an "mystischem Eskapismus und aggressivem Nihilismus" festhalten - eine Diagnose, der Ajith Pillai allerdings energisch widerspricht: Die Zippies haben Soul!

Magazinrundschau vom 22.12.2003 - Outlook India

Outlook bringt einen Werkstattbericht von einem deutschen (und dem überhaupt ersten ausländischen) Film mit einer rein indischen Geschichte und Besetzung - ein "Meilenstein" kulturellen Austauschs, schreibt Ashis K. Biswas. Regisseur von "Shadows of Time", einer tragischen Liebesgeschichte über mehrere Jahrzehnte, ist Florian Gallenberger (mehr), der 2001 einen Oskar für den besten Kurzfilm gewann, das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit Helmut Dietl. Gerade wurde in Kalkutta gedreht, und Gallenberger war begeistert von den Schauplätzen. Doch offensichtlich sind auch die Deutschen ihrem Ruf gerecht geworden, wie Sova Sen, eine der Hauptdarstellerinnen, zu berichten weiß: "Alles lief ab wie ein Uhrwerk."

Außerdem: Poornima Joshi berichtet von einer Initiative aus den Reihen der Regierungspartei BJP, den seit über einem Jahrzehnt schwelenden Konflikt zwischen Hindu-Nationalisten und Muslimen um die heilige Stätte in Ayodha zu lösen - die Wahlen im nächsten Jahr, meint Joshi, dürften einiges mit dem Vorstoß zu tun haben. Shobita Dhar hört überall in amerikanischer Popmusik - von Ricky Martin bis Timbaland - Bhangrasounds und fragt sich, wie lange das wohl noch so weitergehen kann. Und Sheela Reddy hat eine Biografie von Sonia Gandhi, Spitzenkandidatin der Kongresspartei und Witwe von Rajiv Gandhi gelesen, aber wirklich schlau wird sie aus der geborenen Italienerin noch immer nicht.

Und auf dem Titel: Indiens neuer Cricketgott Rahul Dravid (mehr), porträtiert von Sandipan Deb.

Magazinrundschau vom 15.12.2003 - Outlook India

Auf dem Titel: Die Verkörperung von Bollywoods globalem Siegeszug, der Erfolgreichste und Jüngste der Traumfabrik - der Autor, Regisseur und Produzent Karan Johar. Zwar hat er gerade mal zwei Filme geschrieben und gedreht, doch es waren die beiden mit den weltweit meisten Zuschauern: "Kabhi Khushi Kabhie Gham" (Sometimes Happy, Sometimes Sad) und "Kuch Kuch Hota Hai" (Something is Happening). Der dritte Coup, "Kal Ho Naa Ho" (mehr), folgt jetzt - "Hollywood mit der Seele von Bollywood", wie das Wunderkind selber sagt, und ein Film, ergänzt Namrata Joshi, der New York aussehen lasse wie eine indische Stadt. Auf jeden Fall ein weiterer großer Wurf - schließlich hatte Karan es "nie darauf abgesehen, der Gott der kleinen Dinge zu sein". (Ein Interview mit Karan Johar hören Sie hier.) Was ein anderer Gott der großen Leinwand, Johars Star Shahrukh Khan (Bilder), über ihn denkt, steht hier.

Weitere Artikel: Anita Pratap blickt in einem gewohnt energischen Kommentar auf das zu Ende gehende Jahr zurück, in dem in Indien eine Erfolgsnachricht die andere jagte - ein "Feelgood-Syndrom", wie sie meint, das die deprimierenden Realitäten der meisten Inder einfach ausblende. Anupreeta Das widmet sich der Frage, ob der zunehmende Erfolg von indischen Politikerinnen irgendetwas an der Situation der Frau in der Gesellschaft verändert, und beantwortet sie zu ihrem eigenen Bedauern negativ. Und schließlich: Ein neues Ayodhya? B. R. Srikanth sieht einen weiteren religiösen Konflikt am Horizont heraufziehen, seit Vertreter der hindunationalistischen Regierungspartei BJP in der vergangenen Woche Ansprüche auf eine heilige Stätte sowohl der Muslime als auch der Hindus in Südindien angemeldet haben - einem Ort, der bislang als "Symbol kommunaler Harmonie" galt.

Magazinrundschau vom 01.12.2003 - Outlook India

It?s all about branding! Regierung und Industrie suchen nach einer griffigen Formulierung, die Indien in der Welt positioniert, und Outlook sucht mit. "Indien ist alles unter der Sonne" wäre nicht schlecht, findet Manu Joseph, aber da war Spanien schneller. Und überhaupt: Wie vermarktet man ein Land wie Indien? Indem man die Wahrheit sagt? Welche denn? Fest steht, dass sich Indiens Image ohnehin schon gewandelt hat - es kommen nicht mehr so viele, die "in Indien Antworten suchen, anstatt Google zu benutzen", dafür gelten Inder neuerdings automatisch als schlau. "Was zum Teufel ist Indien?" fragt Joseph und antwortet salomonisch: "Indien ist dies und das, und noch ein bisschen mehr in den Fußnoten."

Dass überdurchschnittliche Intelligenz scheinbar das neue indische Stereotyp ist, fiel auch Seema Sirohi auf, als sie sich in den USA umgehört hat - besser als das alte, findet sie, und denkt mit Grauen an die "dummen Fragen über Elefanten" zurück. Und dann ist da natürlich noch Bollywood, ergänzt Sandipan Deb, der an den seltsamsten Orten der Welt auf Hindi-Filme angesprochen wird. Apropos Branding: "Können wir nicht damit aufhören, uns in Bezug auf einen Vorort von L.A. zu definieren? Können wir aufhören, unsere Filmindustrie Bollywood zu nennen? Es wäre ein Anfang."

Schließlich zwei Rezensionen: Nilanjana S. Roy ist maßlos enttäuscht von Radhika Jhas Kurzgeschichtenband "The Elefant and the Maruti", und Ajith Pillai macht kurzen Prozess mit David Beckhams Autobiografie: "Sans Spice"!

Magazinrundschau vom 24.11.2003 - Outlook India

Ein Skandal erschüttert Indien und offenbart, so Saba Naqvi Bhaumik, den Zustand der politischen Kultur des Landes: Der Umweltminister Dilip Singh Judeo wurde durch Videoaufnahmen einer Geldübergabe der Korruption überführt, musste zurücktreten und bescherte der Regierungspartei BJP kurz vor wichtigen Kommunalwahlen eine öffentliche Blamage allererster Güte. Doch auch, wenn sich der Anschein bestätigt, dass hinter der Verbreitung der Aufnahmen keineswegs lautere Absichten stehen, so lasse sich doch eines nicht wegwischen: "Bilder lügen nicht. (...) Die körnigen Aufnahmen waren in der Tat ein mehr als deutliche Erinnerung an die sinkenden moralischen Standards von Indiens wetterwendischer Demokratie. Und die BJP kann sich nicht länger als Partei der Differenz präsentieren."

Außerdem: Harsh Kabra resümiert die lange und sonderbare Entstehungsgeschichte eines monumentalen Sanskrit-Englisch-Wörterbuches, an dem Heerschaaren von Sprachkundigen seit 1948 arbeiten - mit der Fertigstellung ist in etwa fünfzig Jahren zu rechnen. Shashi Tharoors Nehru-Biografie dagegen liegt in den Buchläden und ist Shahid Amin zufolge nicht nur ein ausgesprochen gut recherchiertes und gekonnt verfasstes Buch, sondern auch eine willkommene Anleitung zum Verständnis der Gegenwart, nicht nur in Indien. Auf der Homepage des Autors gibt es ausführliche Leseproben.
Stichwörter: Bjp

Magazinrundschau vom 17.11.2003 - Outlook India

Outlook widmet der indischen Frau eine Ausgabe und fragt sich, wie befreit sie wirklich ist. Beispiel Sexualität: Soma Wadhwa erinnert sich, dass es vor einiger Zeit noch Usus war, weibliche Unterwäsche beim Trocknen mit Handtüchern zu bedecken; heute stimmen junge Mädchen die Farbe ihrer BH-Träger mit der ihrer Schuhe ab. Nun sei zwar sexuelle Befreiung mehr als Freizügigkeit, auch wenn sie von der Kleiderkammer in außereheliche Betten führe. Man bedenke aber die Ausgangsposition für indische Frauen: "Dem weiblichen Körper, der meist gerade mal als ein Fortpflanzungsapparat betrachtet wird, sind von je her komplizierte Ehrenkodizes eingeschrieben." Indiens Frauen seien sexuell noch nicht frei, sie müssten sich überhaupt erst mit ihrer Sexualität anfreunden.

Weitere Artikel zum Thema: Madhu Jain porträtiert einige kreative, berufstätige Moms, und Namrata Joshi hat eine Liste der besten "anderen" Frauenfiguren der indischen Filmgeschichte zusammengestellt.

Magazinrundschau vom 10.11.2003 - Outlook India

Mit Pauken und Trompeten verkündet Outlook India die Erfolgsgeschichte eines neuen Industriezweiges, der gut gebildete junge Leute mit Geld versorgt: Outsourcing. Große westliche Konzerne lassen computergestützte Arbeiten von der Kundenbetreuung über Verwaltungstätigkeiten bis hin zu Entscheidungsprozessen in Indien erledigen und die Outlook-Redaktion vermutet: "Die Sache könnte größer werden als die Software-Revolution." Allerdings steht in einem zweiten Artikel, warum der Boom in ein paar Jahren schon wieder vorüber sein könnte.

In Indiens Metropolen wird nicht mehr getanzt, berichtet Shobita Dhar - zumindest nicht dort, wo die Avantgarde des Nachtlebens verkehrt. Man geht nicht mehr aus sich raus, man geht in sich, redet und hört dem eklektischen Musikmix zu: "Die Generation, die den Club-und-Pub-Lifestyle in schwindelerregende Höhen trieb, hat ihre jugendlichen Ambitionen, hip zu sein, überwunden." Beziehungsweise: Lounge is the new hip, ob beim Ausgehen, in der Mode, in der Musik und sogar beim Tourismus: Guatemala ist so loungy!

Und gleich drei interessante Bücher werden vorgestellt. Mushirul Hasan hat eines gelesen, das dem mäßig kundigen Outlook-Leser zum Handbuch werden könnte: eine zweibändige Geschichte der Babri-Moschee in Ayodhya, dem Symbol und teilweise auch Austragungsort ewiger Kämpfe zwischen der muslimischen Minderheit und den Hinduisten. 1992 von radikalen Hindunationalisten zerstört, ist die Debatte um die Moschee am vermeintlichen Geburtsort der Hindu-Gottheit Rama bis heute wahlentscheidend. Gut, dass A. G. Noorani das Thema ausgewogen aufbereitet, wenn auch, findet der Rezensent, etwas zu detailreich.
Außerdem ist Madhu Jain voll des Lobes für Gayatri Sinhas Einführung in die indische Kunst. Und schließlich wird eine Textsammlung von Sham Lal, dem legendären Redakteur der Times of India, besprochen, in der Prem Shankar Jha nicht weniger als eine ideengeschichtliche Chronik der Entstehung und Entwicklung der modernen indischen Nation gefunden hat.

Magazinrundschau vom 20.10.2003 - Outlook India

Warum, fragt Outlook im Aufmacher, hassen wir unsere Politiker? Das die Frage nicht überspitzt formuliert ist, zeigt die Umfrage, die die Redaktion in Auftrag gegeben hat: Gerade mal 13 Prozent der Inder sind der Ansicht, dass es sich bei ihren Politikern um gute Staatsbürger handelt, und bei der Frage, wer der Gesellschaft am nützlichsten ist, belegen Politiker den 14. Rang - gefolgt von den Schwarzhändlern und Zuhältern. Bhavdeep Kang versucht sich an einer Antwort: "Die indische städtische Mittelklasse fühlt sich grausam hintergangen. Sie hat treuherzig ihre Steuern bezahlt, um sich dann in ein alptraumhaftes Netz aus Korruption und Betrug verwickelt zu sehen. Sie hat die Regeln befolgt, um dann zuschauen zu müssen, wie die Gesetzesbrecher vorankommen. Die Welt, so scheint es ihr, zieht unfairerweise den Gauner vor." Ist das alles? Möglicherweise, weiß Kang, spielt auch ein verhängnisvolles Misstrauen der Mittelklasse gegenüber dem System der Demokratie eine Rolle.

Seema Sirohi stellt eine junge indische Amerikanerin vor, die zum Verdruss ihrer Eltern weder Ärztin noch Computerspezialistin werden wollte, oder was sonst noch für Töchter aus gutem Immigrantenhause vorgesehen ist. Sondern Komödiantin. Heute ist Vijai Nathan (homepage) die erfolgreichste indisch-amerikanische Stand-up-Comedienne. Die erste war sie auch. Good Girls Don't, But Indian Girls Do, wie der Name ihrer Show schon sagt.

Außerdem: "Ein weiteres Kapitel der Ayodhya-Saga. Punkt Mittag am 17. Oktober, machte der VHP (Weltrat der Hindu) sein Versprechen wahr, dass ihn 'keine Macht dieser Welt' davon abhalten könne, nach Ayodhya zu gelangen." Wieder hatte er die Massen dorthin mobilisiert, wo 1992 die Babri-Moschee von fanatisierten Hindunationalisten zerstört wurde. Und wieder stehen Wahlen an, wie zuletzt im vergangenen Jahr, bei der letzten Mobilisierung des VHP, berichtet Saba Naqvi Bhaumik. Sanjay Suri erzählt in einem sehr amüsanten Artikel, was Kabaddi ist (eine sehr eigenartige Sportart, in der Schlagen erlaubt ist) und warum Adolf Hitler daran schuld ist, dass sie nicht längst olympisch ist. Jawid Laiq empfiehlt Paul R. Brass' exzellente Studie über die Ursachen der Gewalt zwischen Hindus und Muslimen in Indien.
Stichwörter: Hitler, Adolf, Mittelklasse

Magazinrundschau vom 13.10.2003 - Outlook India

Das Titelthema: Indiens verborgene Kriege. Überall im riesigen Land, erinnert Saba Naqvi Bhaumik, führen noch immer separatistische Bewegungen und marxistisch-maoistische Naxaliten ihre oft bereits Jahrzehnte andauernden Kämpfe. Wie habe es ein revolutionärer Liedermacher ausgedrückt: "So lange der Bauch hungrig ist, wird das Feuer brennen." Denn Ursache sei das Versagen des Staates, die sozialen und ökonomischen Probleme der rückständigsten ländlichen Gebiete zu lösen. Anstatt Probleme wie Armut und Ausbeutung anzugehen, streite sich die politische Klasse der Gegenwart vor allem über Religion. Und zusätzlich habe der 11. September einen solchen Hype über islamistischen Terrorismus erzeugt, dass alle anderen Probleme unter den Tisch fielen.

Seema Sirohi nimmt die Rekrutierungsbemühungen des US-Geheimdienstes CIA unter die Lupe, der scheinbar dringend Hilfe benötigt, um die nächste asiatische Krise präzise vorherzusagen. Also werden Anzeigen geschaltet, in denen Experten gesucht werden, die sich in Südasien, dem mittleren Osten und außerdem "in den Bereichen des Waffenhandels, der Wirtschaft und des internationalen Finanzwesens" auskennen. "Frei übersetzt: Suchen Whiz Kids, die die Temperatur der Seitengassen von Karachi erspüren können, die Blutfehden der Stammeshäuptlinge von Peshawar verstehen, das Manifest der BJP auf offene und versteckte Programme hin lesen und die komplexe Finanzhexerei spurenfreier Hawala-Transaktionen entwirren, die von Südasiaten zu einer wahren Kunst vervollkommnet wurde. Die Entlohnung: eine Chance, in Washington auf der Höhe moderner Politik mitzumischen."

Außerdem: Anita Pratap blickt auf eine gespaltene US-amerikanische Nation, fragt sich, wo ihr berühmter Teamgeist geblieben ist und gibt die Antwort: Die Republikaner unter Bush haben ihn zerrieben. Pramila N. Phatarphekar preist die reichen kulinarischen Traditionen eines bescheidenen - und bedrohten - muslimischen Viertel von Delhi, die jetzt in einem Kochbuch festgehalten wurden: "Recipes from an Urban Village". Und Amitava Kumar bespricht den ersten Roman der Pulitzer-Preisträgerin Jhumpa Lahiri.

Magazinrundschau vom 06.10.2003 - Outlook India

Hedonia! Indien ist nicht länger ein Land der spirituellen Glückssuche, sondern eine einzige große Shopping-Mall, so der Befund des Autorenteams, das in den Metropolen und Kleinstädten den mittelständischen Berufstätigen auf die Brieftaschen geschaut hat und aus dem Staunen nicht mehr raus kam: Das Geld fließt neuerdings schneller als die heiligen Flüsse. "... mit Leidenschaft gönnen sie sich die Extravaganz des guten Lebens. Sie sind die Vergnügungshungrigen, für die Geldausgeben mehr ist als ein Weg zum Glück. Es ist das Glück."

Zum Konflikt zwischen Indien und Pakistan und den rhetorischen Scharmützeln der Regierungschefs Vajpayee und Musharraf: Prem Shankar Jha widerspricht der indischen Presse und sieht Pakistan derzeit nach Punkten vorn im Ansehen der Weltöffentlichkeit. Pakistan hatte unterstellt, die ablehnende Haltung Indiens - Wir lassen uns nicht durch Terrorismus zu Gesprächen erpressen! - sei ein Ausdruck parteipolitischer Interessen der regierenden BJP, die ihren jüngsten Wahlsieg im Bundesstaat Gujarat dem "staatlich gesteuerten Massaker an 2.000 Muslimen" zu verdanken habe. Jha meint: Bei aller Empörung über die Anschuldigung - da ist was dran.

Außerdem: Führende wissenschaftliche Institute haben eine genetische Bestandsaufnahme der indischen Bevökerungen durchgeführt, die zugleich eine der umfassendsten Studien zu genetischer Diversität überhaupt darstellt - Outlook präsentiert die Ergebnisse, die einmal mehr biologistische Erklärungen für kulturelle Differenzen widerlegt. Es gibt sogar Beispiele für den umgekehrten Fall. Pankaj Mishra bespricht Judith Browns politische Biografie des großen Visionärs Jawaharlal Nehru und ist enttäuscht, dass die Autorin, bei aller kritischen Einsicht, seinen säkulären Nationalismus nicht in ein analytisches Verhältnis zum gegenwärtigen Indien des politischen Hinduismus setzt.