Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

854 Presseschau-Absätze - Seite 26 von 86

Magazinrundschau vom 29.01.2019 - New Yorker

Für die aktuelle Ausgabe des New Yorker trifft Carolyn Kormann den jungen niederländischen Unternehmer Boyan Slat, der die Ozeane vom Plastikmüll befreien will: "Sommer 2016 brachte Slat den Prototyp Boomy McBoomface (ein Vorschlag von Social-Media-Fans) in die Nordsee. Innerhalb von zwei Monaten hatte der Ozean ihn zerrissen. Obwohl die Ingenieure davon überzeugt waren, dass die Verankerung am Meeresboden nicht funktionieren würde, zögerte Slat, sich von seiner Idee zu verabschieden … Der endgültige Entwurf hat keine Anker. Er besteht aus einem frei schwebenden Ausleger in Form eines Hufeisens, an dessen Unterseite eine Schürze befestigt ist. Die neue Idee ist, dass das Gerät, angetrieben von den Kräften des Windes und der Wellen wie ein Kehrmaschine wirken würde, die sich neu ausrichtet, wenn der Wind die Richtung ändert. Tests zeigen, dass die Kehrmaschine etwa fünfzehn Zentimeter pro Sekunde schneller sein würde als der Kunststoff und 2,2 Tonnen Müll pro Woche sammeln könnte. G.P.S. Tracker, Kameras und Sensoren, die alle hundert Meter entlang des Booms positioniert sind, teilen dem Team an Land den Fortschritt des Systems mit, erkennen vorbeifahrende Schiffe und die Tierwelt. Langjährige Kritiker der Ozeanreinigung wie Miriam Goldstein vom liberalen Thinktank am Center for American Progress haben wiederholt auf die Gefahr hingewiesen, das Ökosystem an der Meeresoberfläche zu schädigen, Quallen und Kleinlebewesen. Slat möchte die Kritik aufnehmen, da sie dazu beiträgt, das System zu optimieren, wie er sagt."

Hier mehr darüber, wie das System funktioniert:



Außerdem: Sheelah Kolhatkar berichtet, wie amerikanische Ärzte sich zu Informanten des Staates in Sachen Medicare-Betrug machen. Louis Menand erinnert an den Fall vor dem Supreme Court, der die Rassendiskriminierung zum Gesetz machte. James Wood liest Valeria Luisellis Roman "Lost Children Archive". Und Anthony Lane sah im Kino Steven Knights "Serenity".

Magazinrundschau vom 22.01.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker schaut Jill Lepore mit Jill Abramsons Buch "Merchants of Truth" in die Zukunft des Journalismus, und die sieht nicht rosig aus. Unschuldig sind die Zeitungen daran nicht: "Je stärker Trump die Presse angreift, desto stärker wird die Presse? Leider nicht ganz. Redaktionelle Entscheidungen werden immer häufiger Facebooks News Feed, Chartbeat oder anderen Formen redaktioneller Automatisierung überlassen. Die Hände der Redakteure sind an Algorithmen gebunden. Nicht zuletzt wegen des rasanten Tempos des Journalismus im 21. Jahrhundert tauchen heute routinemäßig Geschichten auf, die vielleicht vor einer Generation nie veröffentlicht worden wären … Das größte Problem ist, dass die Drohgebärden, die Verderbtheit, Verlogenheit und Vulgarität der Trump-Administration viele Reporter und Redakteure aus dem Konzept gebracht haben. Die gegenwärtige Krise, die nichts Geringeres als die totale Verwirrung des öffentlichen amerikanischen Lebens ist, hat viele Leute im Journalismus dazu veranlasst, Entscheidungen zu treffen, die sie bedauern oder noch bedauern werden. Im Zeitalter von Facebook, Chartbeat und Trump haben ältere Nachrichtenorganisationen, kaum weniger als Start-ups, ihre redaktionellen Standards in einer Weise herabgesetzt oder verändert, die das politische Chaos befördert. Drehen Redakteure am Montagmorgen den Globus und entscheiden, welche Geschichten wichtig sind? Oder lassen sie Trumps Twitter-Feed entscheiden? Oft scheint letzteres der Fall. Manchmal macht das, was nicht umbringt, nicht stärker, sondern alle krank. Je streitlustiger die Presse, desto treuer die Anhänger von Trump, desto kaputter das öffentliche Leben. Je verzweifelter die Presse um Leser ringt, desto ähnlicher wird sie der Politik. Die Probleme sind verstanden, die Lösungen schwer zu erkennen. Gute Berichterstattung ist teuer, aber der Leser will nicht dafür zahlen."

Außerdem: Yascha Mounk rekapituliert den Mordfall Susanna Feldmann und wie die politische Rechte in Deutschland ihn instrumentalisiert hat. Jia Tolentino befragt den Schriftsteller Marlon James zum Verhältnis von Realität und Fantasie. Anthony Lane sah im Kino M. Night Shyamalans "Glass". Adam Gopnik erklärt, wie man "heilige Bücher" liest. Und Alex Ross hört neue Opern, darunter Philip Venabless' "4.48 Psychosis" nach dem gleichnamigen Stück von Sarah Kane.

Magazinrundschau vom 15.01.2019 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker erzählt Jiayang Fan von der offen lesbischen Hong-Kong-Cantopop-Sängerin Denise Ho, die sich mit ihren pro-demokratischen Aussagen während des Regenschirm-Aufstands wenig Freunde bei Behörden und potenziellen Sponsoren gemacht hat. Wie ihr Vorbild, die Sängerin und Schauspielerin Anita Mui, hält auch sie das Gedenken an die Opfer des Massakers auf dem Tiananmen-Platz hoch: "Die Mahnwache dauerte etwa zwei Stunden. Als sie sich dem Ende zuneigte, kam ein Lied über die Lautsprecher: 'Vielleicht werden sich meine Augen nie wieder öffnen. / Wirst du meine stillen Gefühle verstehen? ... / Wenn es so sein soll, dann trauere nicht, / Der Boden unserer Republik enthält die Liebe, die wir gegeben haben!' Es war 'Bloodstained Glory', aber nicht die Version, die ich als Kind geliebt hatte. Vielmehr handelte es sich um eine Aufnahme, die Anita Mui kurz nach dem Tiananmen gemacht hatte, um des Todes der Demonstranten zu gedenken, Studenten, die ihr Land geliebt und sich dafür eingesetzt hatten, es etwas besser zu machen, als es war. Die Melodie wiederholte sich in meinem Hirn als wir aus dem Park gingen, und ich erinnerte mich daran, was Denise Ho darüber gesagt hatte, wie ein veränderter Kontext einem Lied neue Bedeutung geben kann. 'Bloodstained Glory' war eine Hymne der Regierungspropaganda, die sich in eine Hymne des Widerstands verwandelte, eine Hommage an tote Soldaten der Volksbefreiungsarmee, die heute an Menschen erinnert, die von Soldaten der Volksbefreiungsarmee getötet worden waren. Es schien irgendwie angemessen, dass eine Cantopop-Sängerin diese Verwandlung herbeigeführt hatte, und es kam mir in den Sinn, dass es in seiner Wurzel ein Liebeslied war."

Außerdem: D. T. Max bewundert die Graphic Novels des Chicagoer Zeichners Nick Drnaso. Dana Goodyear erzählt, wie Florian Henckel von Donnersmarck versuchte, Gerhard Richter für seinen neuen Film zu interviewen. Und Joshua Rothman führt ein in die Kunst der Entscheidungsfindung. Vorsicht, dieser Artikel könnte Ihr Leben verändern!

Magazinrundschau vom 08.01.2019 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des New Yorker untersucht Elisabeth Zerofsky Viktor Orbans Pläne für Europa, die sich seit 2014 immer weiter ausdifferenzieren. Und sie lässt sich erklären, wie Orban immer wieder erst das ungarische Rechtssystem und die EU austrickst: "Im Jahr 2010 führte Orbán Fidesz wieder an die Macht. In den nächsten Jahren verabschiedete er mehrere tausend Seiten Gesetze. Er erhob Steuern auf ausländische Unternehmen und beendete das hybride öffentlich-private Rentensystem Ungarns und verstaatlichte damit rund zwölf Milliarden Dollar an Vermögen. Er hat die Anzahl der M.P.s. fast halbiert, ein Zug, der von den meisten Ungarn unterstützt wurde - und dann ging er weiter", indem er die Verfassung änderte und so auch das Verfassungsgerichts nach gusto neu besetzen konnte. 'Sie tun alles nach dem Gesetz - es wird nie eine illegale Handlung geben, sagte mir [Princeton-Juristin] Kim Lane Scheppele. "Jedes einzelne Gesetz sieht für sich genommen nicht so schlimm aus, aber wenn man sie zusammenlegt, entsteht dieses Netz. Deshalb ist die EU nicht in der Lage, damit umzugehen. Sie schauen sich eine Sache nach der anderen an, aber Orbán ist ein systemischer Denker.' Orbán schuf eine Antiterroreinheit, die zunächst scheinbare verfassungsmäßige Einschränkungen ihrer Überwachungsbefugnisse hatte. Anschließend hat er diese Beschränkungen in mehreren Abschnitten, die in ein Gesetz über Speicher und Wasserwerke eingefügt wurden, aufgehoben. Scheppele hat gezeigt, wie Fidesz die Bezirke manipulierte und Wahlgesetze einführte, die das Verhältniswahlrecht verzerrten. Im Jahr 2014 erhielt die Partei weniger Stimmen als in den Jahren 2002 und 2006, als sie die Wahlen verloren hatte, aber am Ende hatte sie eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Scheppele benutzte den Begriff 'Verfassungscoup', um das Regime von Orbán zu beschreiben. 'Es ist absolut genial', sagte sie.""

Außerdem geht Jake Halpern der Kunst des Meisterdiebes Vjeran Tomic nach, der 2010 das Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris um einige seiner besten Stücke erleichterte: "Tomic versteckte sich hinter einem Tuch, das er wie einen Vorhang außen vor das Fenster hängte. Dann begann er mit seiner Arbeit. Zuerst legte er die Schrauben des Fensterrahmens mit Säure frei. Dann beseitigte er den Rost, entfernte die Schrauben und füllte die Löcher mit Knete. Es dauerte sechs Nächte. Kurz vor Sonnenaufgang kehrte er mit zwei Saugnäpfen zurück und zog das Fenster heraus. Mit Bolzenschneidern brach er das Schloss auf. Er betrat das Museum, navigierte um die Bewegungsmelder herum und zog sich zurück. Er wartete, um sicherzugehen, keinen stillen Alarm ausgelöst zu haben. Als er wieder hineinging, sah er das Léger-Gemälde, nahm es von der Wand und aus dem Rahmen. Im schwachen Licht und der Stille des Museums entdeckte er Matisses 'Pastoral'. 'Ich starrte auf eine tiefe, lebendige Landschaft', erinnert er sich. 'Und der kleine Teufel spielt seine Flöte wie ein Magier, als wäre er der Hüter der Umgebung.' Er nahm es von der Wand."

Weiteres: Jerome Groopman empfiehlt Rose Georges Buch "Nine Pints" vor, eine Medizin- und Kulturgeschichte des Bluts. James Wood liest Guy Gunaratnes Debütroman "In Our Mad and Furious City", der "ungefähr pro Seite ein neues Wort enthält", das britischen, indischen, pakistanischen und irischen Slang mixt. Und Anthony Lane sah im Kino Julian Landis' Verfilmung der "Aspern Papers" von Henry James.

Magazinrundschau vom 02.01.2019 - New Yorker

In der ersten Ausgabe des New Yorker im neuen Jahr macht uns Nathan Heller mit den Überlegungen der amerikanischen Philosophin Elizabeth Anderson zum Thema Egalität bekannt. Nicht um materielle Gleichheit geht es Anderson, sondern um demokratische: "Nach Andersons Ansicht geht es um den Übergang von der distributiven Gleichheit zu dem, was sie relationale oder demokratische Gleichheit nennt: eine Begegnung unter Gleichen, unabhängig davon, woher man kommt oder wohin man geht. Dies ist im Grunde die Ausübung von Freiheit... Um wirklich frei zu sein, müssen die Mitglieder einer Gesellschaft nach Andersons Einschätzung in der Lage sein, als Menschen zu funktionieren (Nahrung, Unterkunft, medizinische Versorgung), an der Produktion teilzunehmen (Bildung, angemessene Bezahlung, unternehmerische Möglichkeiten), ihre Rolle als Bürger wahrzunehmen (Rede- und Wahlfreiheit) und sich durch die Zivilgesellschaft zu bewegen (Parks, Restaurants, Arbeitsplätze, Märkte etc.). Verfechter des Egalitarismus sollten die politische Aufmerksamkeit auf Bereiche richten, in denen diese Ordnung zerstört ist. Obdachlosigkeit ist in jeder Hinsicht eine unfreie Situation; daher ist es Aufgabe einer freien Gesellschaft, dieses Problem zu lösen. Ein Gelähmter wird von der Zivilgesellschaft behindert, wenn Gebäude nicht mit Rampen ausgestattet sind. Andersons demokratisches Modell verlagert den Aufgabenbereich des Egalitarismus von der Idee des Wohlstandsausgleichs auf die Idee, dass Menschen unabhängig von ihren Unterschieden gleich frei sein sollen. Eine Gesellschaft, in der alle die gleichen materiellen Vorteile haben, kann in diesem entscheidenden Sinn immer noch ungleich sein; demokratische Gleichheit, die auf gleichem Respekt beruht, ist nichts, was man einfach beschließen kann. 'Der Mensch, nicht die Natur, ist dafür verantwortlich, die natürliche Vielfalt der Menschen in repressive Hierarchien verwandelt zu haben', schreibt Anderson."

Außerdem: Lauren Collins stellt die irische Schriftstellerin Sally Rooney und ihre um Liebe im Spätkapitalismus kreisenden Geschichten vor. David Sedaris denkt darüber nach, was nach der Lebensmitte kommt. Und Anthony Lane sieht im Kino Jon S. Bairds Biopic über Stan und Ollie.

Magazinrundschau vom 18.12.2018 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker erklärt Susan B. Glasser, wie Donald Trump die europäischen Regierungen gegen sich aufbringt, allen voran Angela Merkel: "Trump bezeichnet die EU inzwischen öffentlich als Feind und das fördert einen Nationalismus, den Macron und Merkel als direkte Bedrohung sehen. Außenminister Mike Pompeo griff vor kurzem die Vereinten Nationen, die EU, die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds an und verspottete die, wie er es nannte, mangelhafte Vision Europas vom Multilateralismus als Selbstzweck … Eine Herausforderung besonders für die Deutschen, deren Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg durch die engen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten entscheidend geprägt wurden. Merkel ist in der kommunistischen DDR aufgewachsen und betrachtet die Vereinigten Staaten als wesentlich für die Befreiung des Ostens und die deutsche Wiedervereinigung. Als Kanzlerin der größten und reichsten Nation Europas hat sie versucht, den Kontinent durch die Auseinandersetzung mit Trump zu führen, hadernd, da die Worte des Präsidenten eine schmerzhafte Wahrheit ansprechen: Die Europäer sind von den USA in Sachen Sicherheit abhängig und zunehmend gespalten, da Putins Russland die Nationen im Osten bedroht … Zu Trumps Kritik an Merkel erklärte mir ein Sprecher des Weißen Hauses: 'Er ist oft besonders hart gegen seine Freunde, und er hält Merkel für eine gute Freundin. Er betrachtet Deutschland als ein mächtiges, wohlhabendes Land, das mehr für die Verteidigungsausgaben tun sollte.' Die Risiken für Trump sind beträchtlich: Nenne deine Freunde lange genug Feinde, und irgendwann werden sie dir vielleicht glauben. Das wäre vielleicht das Ende der Pax Americana."

Außerdem: Jianying Zha berichtet über Chinas Methoden, mit politischen Aktivisten fertig zu werden. Und Ben Taub befürchtet, dass der brutale Umgang der irakischen Führung mit Dschihadisten und deren Familien zu einer Neubelebung der Terror-Organisation führt. Anthony Lane sah im Kino die neue "Mary Poppins". Alex Ross hörte György Kurtágs neue Oper "Fin de Partie" an der Scala. Und Adam Gopnik lernt aus Shachar Pinskers Buch "A Rich Brew: How Cafés Created Modern Jewish Culture", welche Rolle Cafés für den Liberalismus spielten.

Magazinrundschau vom 11.12.2018 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker befasst sich David Owen mit den Risiken und Chancen der computerisierten Gesichtserkennung: "Eine Generation, die mit Smartphones und Social Media aufgewachsen ist, mag das Konzept der Privatsphäre für überholt halten, doch es gibt gute Gründe, alarmiert zu sein. Gesichter können im Gegensatz zu Fingerabdrücken oder Irismustern ohne Wissen der betroffenen Person leicht erfasst werden, das heißt, die Gesichtserkennung kann zur Fernüberwachung eingesetzt werden … Computerisierte Gesichtserkennung ermöglicht es der Polizei oder auch dem Arbeitgeber, Verhaltensweisen und Aktivitäten zu verfolgen, die sie nichts angehen, zum Beispiel, wer wann wo am Feierabend abhängt, welche Fund-Raising-Kampagnen Sie besuchen und was das leichte Zittern Ihrer Hand (aufgezeichnet von der Kamera im Aufzug, mit dem Sie jeden Morgen ins Büro fahren) über Ihre zukünftigen medizinischen Ansprüche aussagt … China verfügt über fast zweihundert Millionen Kameras zur öffentlichen Überwachung, weit mehr als jedes andere Land. Im Jahr 2015 kündigte man den Aufbau eines integrierten Personenüberwachungssystems an, mit dem Ziel, die Kameras bis 2020 allgegenwärtig, vollständig vernetzt, immer funktionsfähig und vollständig steuerbar zu machen. Die zuverlässige Echtzeit-Identifikation von mehr als einer Milliarde Menschen allein an ihren Gesichtern ist noch nicht möglich, aber das chinesische System ist nicht nur von Gesichtern abhängig. Erik Learned-Miller vom Computer Vision Lab an der Universität von Massachusetts  erklärte mir: 'Nehmen wir an, du bist chinesischer Staatsbürger und deine Heimatadresse ist bei der Regierung registriert. Wenn sie also in Xi'an eine Person sehen, die wie du aussieht, und sie wissen, du wohnst in Xi'an, werden sie wahrscheinlich denken, dass du es bist. Und wenn sie auch dein Handy verfolgen und wissen, dass du vor zwanzig Minuten in einem Restaurant in der Nähe warst - bist du es fast sicher.' Handysignale und digitale Finanztransaktionen, die in China stark zentralisiert sind, sind zusätzliche Identifikatoren, die die Zuverlässigkeit von Gesichtsübereinstimmungen erhöhen. 'Die Chinesen kombinieren massiv', erklärte Learned-Miller weiter. 'Sie können sagen: Hey, wir haben diesen Kerl heute Morgen in einem Starbucks erkannt, und jetzt ist er in einem McDonald's, er wird zu amerikanisch, knöpfen wir ihn uns mal vor.'"

Außerdem: Anthony Lane sah im Kino Alfonso Cuaróns "Roma". Alex Ross begleitet den Cellisten Yo-Yo Ma auf einer Konzertour.

Magazinrundschau vom 04.12.2018 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker trifft ein bewundernder James Somers die beiden einflussreichen Google-Programmierer Jeff Dean und Sanjay Ghemawat, die das Unternehmen zu dem gemacht haben, was es heute ist. Und die zeigen, dass man sehr gut zu zweit programmieren kann: "Wir sagen, wir suchen 'im Web', aber das tun wir nicht wirklich; unsere Suchmaschinen durchqueren einen Index des Netzes, eine Karte. Als Google noch BackRub hieß, war seine Karte klein genug, um auf ein paar Computer zu passen, die im Wohnheim-Zimmer von Larry Page standen. Im März 2000 gab es keinen Supercomputer, der groß genug war, um die Karte zu verarbeiten. Google musste Rechner kaufen und sie in Reihen zusammenschalten. Da die Hälfte der Kosten für diese Computer für Floppy-Laufwerke und Metallgehäuse anfiel, kaufte man Motherboards und Festplatten und schaltete sie zusammen. Google stapelte 1500 solcher Geräte zu sechs Fuß hohen Türmen in einem Gebäude in Santa Clara, Kalifornien. Aufgrund von Hardwarefehlern arbeiteten allerdings nur 1200 von ihnen. Ausfälle, die scheinbar zufällig auftraten, brachten das System immer wieder zum Absturz. Google musste seine Computer zu einem nahtlosen, robusten Ganzen zusammenzufügen. Jeff und Sanjay übernahmen diese Aufgabe … In 90 Stunden entwickelten sie einen Code, der es ermöglichte, dass eine Festplatte ausfallen konnte, ohne das gesamte System zu killen. Sie fügten dem Crawling-Prozess Kontrollpunkte hinzu, damit er im laufenden Betrieb neu gestartet werden konnte. Durch die Entwicklung neuer Kodierungs- und Kompressionsverfahren wurde die Kapazität des Systems verdoppelt. Sie waren unerbittliche Optimierer. Wenn ein Auto um eine Kurve fährt, muss mehr Boden durch die äußeren Räder abgedeckt werden. Ebenso bewegt sich der äußere Rand einer sich drehenden Festplatte schneller als der innere. Google hatte die am häufigsten aufgerufenen Daten nach außen verschoben, sodass die Bits schneller vom Lesekopf erfasst werden konnten, aber das Innere der Platte leer gelassen. Jeff und Sanjay nutzten den Platz, um vorverarbeitete Daten für gängige Suchanfragen zu speichern. Während der Dauer von vier Tagen im Jahr 2001 bewiesen sie, dass Googles Index mit schnellem Direktzugriffsspeicher anstelle von relativ langsamen Festplatten gespeichert werden konnte; diese Entdeckung veränderte die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens von Grund auf."

Anand Gopal berichtet aus dem syrischen Saraqib, wo der 35-jährige Hussein Regime wie religiösen Fundamentalisten trotzt und demokratische Wahlen organisiert. Keine Kleinigkeit für einen Mann, der nur mit der Staatspresse aufwuchs und riesigen Propaganda-Billboards, von denen Assad auf die Straße hinabblickte, während der Text verkündete: "SYRIEN WIRD VON GOTT BESCHÜTZT": "Syrien zeige, wie töricht es ist, in einer von Religion und Ethnie geprägten Region an die Möglichkeit einer besseren Welt zu glauben, heißt es. Irgendwie hat Saraqib dieses Schicksal vermieden. Es bietet eine alternative Geschichte für den gesamten syrischen Konflikt - und, so Hossein, seine Bürger verkörpern die wahre Seele der Revolution. An diesem Abend stellt er sich vor, dass andere winzige Demokratien in ganz Syrien blühen und der Rest der Welt endlich begreift, dass sein Land mehr zu bieten hat als Blutvergießen und Tragödie."

Außerdem: Zoe Heller erkundet unseren Schlaf und die Frage, warum er manchmal partout nicht kommen will. Anthony Lane sah im Kino Brady Corbets "Vox Lux" mit Natalie Portman. Joan Acocella erinnert an den Schriftsteller Edward Gorey. Und Louis Menand denkt über geschwindelte Autorenbiografien nach.

Magazinrundschau vom 27.11.2018 - New Yorker

Die aktuelle Ausgabe des New Yorker ist ein kleines Best-of aus den Archiven des Verlags. Es gibt legendäre Cover-Illustrationen zu bestaunen und u.a. Hannah Arendts Text über W. H. Auden und seine anbetungswürdige Disziplin (siehe dazu auch unsere Tagtigall), entstanden 1975: "Auden, so viel weiser - wenn auch keineswegs schlauer - als Brecht, wusste schon früh, dass 'Poesie nichts bewirkt'. Ihm schien es unsinnig, dass der Dichter besondere Privilegien beanspruchen oder um Ablässe bitten sollte. Es gab nichts Bewundernswerteres an Auden als seine unbedingte Vernunft, seinen festen Glauben an sie. In seinen Augen fehlte es den Wahnsinnigen an Disziplin. 'Naughty, Naughty', wie er zu sagen pflegte. Die Hauptsache war, keine Illusionen zu haben und keine Gedanken zu akzeptieren, keine theoretischen Systeme, die einen für die Realität blind machten. Er wandte sich gegen seine frühen linken Überzeugungen, weil sich die Ereignisse (die Moskauer Prozesse, der Hitler-Stalin-Pakt und die Erfahrungen während des Spanischen Bürgerkriegs) als unehrlich und beschämend erwiesen hatten."

Außerdem im Heft: Ein Essay von James Baldwin aus dem Jahr 1962, in dem der Schriftsteller seine eigene Entwicklung als Schwarzer unter Weißen Revue passieren lässt.

Magazinrundschau vom 20.11.2018 - New Yorker

In der aktuellen Technik-Ausgabe des New Yorker trifft Patricia Marx die Service-Roboter von heute. Ein eigensinniges, sensitives Völkchen, wie Marx auf einer eigens für die künstlichen Intelligenzen geschmissenen Pyjamaparty feststellt: "Anders als Industrieroboter ist diese Spezie dazu da, uns zu amüsieren, zu trösten und als Therapeuten oder Haustiere zu agieren. Da erschien es sinnvoll, auch ein paar von meinesgleichen einzuladen. Mehrere Freunde nahmen das Angebot an, darunter auch ein paar Kinder. Keiner von ihnen blieb über Nacht, weil sie, im Gegensatz zu den Robotern, anderntags Arbeit und Schule hatten. Gastgeber des Treffens war Kuri, ein Videoaufnahmegerät von Mayfield Robotics ($899), das einem zwei Fuß hohen Salzstreuer mit Warnblinkern ähnelte. Kuris Betreuerin Jen Capasso, leitende Kommunikationsmanagerin von Mayfield, stellte mir ihren Schatz vor. 'Liebling, hast du dich verlaufen?', sagte sie zärtlich zu Kuri, der durch die Suite streifen sollte, um sich die Raumaufteilung einzuprägen. Der Roboter stieß gegen den Couchtisch, stoppte und weigerte sich trotz Capassos Anfeuerungsversuchen per Ansprache und App, sich weiterzubewegen. Kuri verwendet Spracherkennung und kann auf Fragen und Befehle antworten, indem er mit den Augen blinzelt, verschiedene Körperteile aufleuchten lässt oder Laute wie Piepsen, Kichern, Gähnen oder auch 'Happy Birthday to You' abspielt. Doch Kuri schien nicht in der Stimmung zu sein. 'Je mehr Menschen in einem Raum sind, desto besser versteht er', meinte Capasso entschuldigend und erklärte, dass die Räumlichkeiten nicht optimal seien. Kuri rollte zum Fenster hinüber und starrte auf die Skyline. 'Er ist verwirrt von der Sonne', sagte Capasso und ließ die Jalousien herunter. Kuri nieste, eine Funktion, die den Roboter laut Firmen-Website menschlicher macht … 'Was so unangenehm an diesen Wesen ist', sagte ein Gast, 'ist der Umstand, dass sie ohne spezifische Funktion existieren, außer zu lieben oder geliebt zu werden. Wenn sie wenigstens Pasta kochen könnten.'"

Außerdem: Raffi Khatchadourian berichtet, wie vom Gehirn gesteuerte Prothesen gelähmten Menschen helfen. Sam Knight stellt die Proteomik vor, die mit Hilfe von Molekül-Analysen Geschichtsforschung betreibt. Und Bill McKibben erklärt, wie Extremwetter unseren Planeten schrumpfen lässt. Julian Lucas liest Mathias Énards Roman "Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten". Alex Ross hörte ein Konzert der Los Angeles Philharmoniker mit Beethoven, Salonen und Andrew Normans neuem Stück "Sustain", das, wie Ross meint, ein moderner amerikanischer Klassiker werden könnte. Alexandra Schwartz sah John Doyles Inszenierung von Brechts "Arturo Ui" in New York. Und Anthony Lane sah im Kino Yorgos Lanthimos' "Die Favoritin".