Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 10.01.2017 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazines berichtet Mattathias Schwartz aus der Welt der Cyberkriege und der digitalen Überwachung - wo die Paranoia blüht: "Hersteller von Überwachungssoftware wie Hacking Team stoßen bei USA-Behörden auf wenig Widerstand. Die Gesetzgebung erleichtert es Polizeibeamten, sich in Computer einzuhacken … In seiner 'Verdunkelungs'-Rede von 2014, erklärte FBI-Direktor James Comey, dass die Verschlüsselung von Apple-Produkten die öffentliche Sicherheit bedrohe, indem sie Terror, Drogenhandel und Kindsmissbrauch befördere. Comey forderte Kooperation. 'Die Technologie ist dem Gesetz voraus, das führt zu einem Sicherheitsproblem. Wir nennen es Verdunkelung', sagte Comey. Als Folge boomt die Überwachungsindustrie und Produkte wie die Software 'Stingray' der Harris Corporation, die Funkmasten simuliert und Handy-Anrufe im Umkreis von 200 Metern abfangen kann. Sämtliche Verkäufe der Software an lokale Polizeibehörden wurden vom FBI autorisiert. Allein in Baltimore wurde Stingray mehr als 4000mal für Routineermittlungen im Drogenmilieu verwendet. Weniger bekannt ist 'Hailstorm', ebenfalls aus dem Hause Harris und im Verkauf an die Polizei. Die Software soll in der Lage sein, Malware zu implementieren, die das betroffene Telefon kontrolliert."

Außerdem: John Mooallem erkundet neue Wege der Palliativmedizin. Beverly Gage denkt über die Bedeutungsveränderung des Begriffs "Elite" nach. Und Helen McDonald sucht die Heimat im Post-Brexit-Britain.

Magazinrundschau vom 03.01.2017 - New York Times

In der ersten Ausgabe des New York Times Magazines im neuen Jahr untersucht Jonathan Mahler das Phänomen der Informationsbeschaffung auf eigene Faust in der postfaktischen Ära und seine Ursachen: "Das große demokratische Versprechen des Internet lautete, dass es mehr Menschen Zugang zu Informationen verschaffen würde, unabhängig von irgendeiner Autorität. Neugierige Bürger würden sich ein differenzierteres Verständnis aneignen von allem, was vor sich geht, Wähler wären besser informiert, die Wahrheit käme ans Licht, und mehr Freiheit wäre das Resultat … Doch aus der Demokratisierung des Informationsflusses ist die Demokratisierung einer Flut an Desinformation geworden. Der Unterschied zwischen Fakt und Fiktion wurde kassiert, ein Universum aus konkurrierenden Behauptungen trat an seine Stelle. Das Internet kann die Zensur nicht abschaffen, solange seine Nutzer in ihren eigenen geschlossenen Informationssystemen feststecken, eine Art selbstauferlegte Zensur. Das Universum konkurrierender Behauptungen ist die ideale Umgebung für den Aufstieg eines Politikers, dessen Karriere auf der Erschaffung eigener Wahrheiten und hausgemachter Realitäten basiert."

Außerdem: Jamie Lauren Keiles stellt uns die Firma Junkin Media vor, die das Netz nach lustigen Videos durchkämmt, die sie dann an YouTube und Co. verscherbelt. Und C. J. Chivers begleitet einen Ex-Afghanistan-Kämpfer, für den immer noch Krieg ist.

Und in der Book Review bekennt Woody Allen sich wundervoll amüsiert zu haben mit Edward Sorels Biografie der so vornehm aussehenden Schauspielerin Mary Astor, die sich zu seinem Vergnügen als "unflätige, trinkfeste, sexhungrige Zecherin" entpuppt. Hier kann man Astor im Pre-Code-Drama "Ladies Love Brutes" bewundern:



Magazinrundschau vom 20.12.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times läutet Gideon Lewis-Kraus die Ära der Künstlichen Intelligenz ein (schon wieder?). Diesmal in echt, meint der Autor, denn Google Brain mischt mit und schafft mit der unkonventionellen Verbindung dreier Erfolgsgeschichten den Vorsprung: "Im Zentrum dieser Story stehen keine Leute, die meinen, morgen wäre alles anders, ihre Ideen könnten die Welt retten oder dass Technologie notwendig neue, apokalyptische Technologien zur Folge hat. Es geht nicht um Brüche. Tatsächlich handelt es sich um drei einander überlappende Geschichten, die in der erfolgreichen Verwandlung von Google Translate hin zur Künstlichen Intelligenz zusammenfinden: Eine Technik-Geschichte, eine Firmen-Geschichte und eine Geschichte über die Evolution von Ideen. Die Technik-Geschichte dreht sich um ein Team, ein Produkt, eine Firma und den Prozess, der in unerwartetem Tempo ein altes Produkt zu einem nagelneuen verfeinerte. Die Firmen-Geschichte geht um eine kleine, aber einflussreiche A.I.-Gruppe innerhalb dieser Firma und wie ihr fester Glaube an einige alte, unbewiesene Vorstellungen über Datenverarbeitung ihnen einen Riesenvorsprung vor der Konkurrenz verschaffte. In der Ideengeschichte schließlich geht es um Kognitionswissenschaftler, Psychologen und Ingenieure, die lange im Verborgenen tüfftelten, und den Prozess, der ihre angeblich irrationalen Überzeugungen zum Anstoß eines Paradigmenwechsels in unserem Verständnis für Technik und das Bewusstsein werden ließ."

Außerdem: Roxanne Khamsi berichtet über Versuche, die heilige Erdnuss weniger allergieauslösend zu gestalten - für jeden Erdnussbutter-Aficionado ein delikates Unterfangen. Und Mark Leibovich erklärt, warum auf den demokratischen Senator und Komiker Alan Franken schwere Zeiten zukommen (Trump lacht nie!).

Magazinrundschau vom 13.12.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times stellt uns Chris Jones die Astrophysikerin Sara Seager vor, die nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems sucht: "Bis in die 90er waren Exoplaneten nur ein theoretisches Konstrukt. Der Logik zufolge mussten sie da draußen sein, doch es gab keinen Beweis. Erst 1995 wurde mit 51 Pegasi b mittels eines lichtanalysierenden Spektrographen der erste Exoplanet entdeckt, der um einen sonnenartigen Stern kreist. Der Planet wurde zwar nicht wirklich gesehen, aber mit Hilfe der mathematischen Methode der Radialgeschwindigkeit konnte der Effekt seiner Schwerkraft auf seinen Stern festgestellt werden, also musste er existieren. Seitdem explodierte das Wissen vor allem wegen der Möglichkeit, Licht zur Erkundung fremder Atmosphären einzusetzen. Wenn Sternenlicht die Atmosphäre eines Planeten kreuzt, blockieren bestimmte auf Leben hinweisende Gase die Wellenlängen des Lichts. So lässt sich etwas sehen, indem man nach etwas sucht, was nicht da ist. Licht oder seine Abwesenheit liegt auch der sogenannten 'transit technique' zugrunde, einer neueren, effizienteren Methode zur Entdeckung von Exoplaneten als Radialgeschwindigkeit. Sie behandelt Licht wie Musik, etwas, das besser gefühlt denn gesehen werden kann. Das Kepler Teleskop erkennt Exoplaneten, wenn sie zwischen ihren Sternen und den Spiegeln des Teleskops kreisen und winzige, aber messbare Verdunkelungen verursachen."

Außerdem feiert das Magazin Hollywood in wunderbaren Schauspieler-Porträts und einer ziemlich einzigartigen Virtual-Reality-Show, die den Zuschauer in einen L.A.-Noir-Film eintauchen lässt - gleich neben seinem Lieblingsstar. Im Dossier auch ein aufschlussreiches Gespräch der Filmkritiker Wesley Morris und A.O. Scott über zeitgenössische Arten des Spielens vor der Kamera. In einem weiteren Artikel berichtet Inara Verzemnieks von Menschen in den USA, die ohne Krankenversicherung leben.

Magazinrundschau vom 06.12.2016 - New York Times

In der Titelgeschichte des aktuellen Magazins der New York Times fragt sich Ian Buruma, was nach der anglo-amerikanischen Weltordnung kommt, wenn Trump und Farage übernehmen: "Trump spielt mit dem verletzten Stolz großer gesellschaftlicher Gruppen und entflammt die Leidenschaft von Leuten, die sich davor fürchten, ausgeschlossen zu sein. Das führte zur Wiederbelebung des Nativismus. In Brexit-Britain ist Nationalismus die entscheidende Kraft. Doch in beiden Fällen bedeutet der Slogan 'das Land wiedergewinnen' den Rückzug von einer Welt, wie sie die anglo-amerikanische Union nach '45 vorstellte." Und was kommt nun? Buruma beendet seinen Text mit einem Lob für Angela Merkel und für Deutschland, das man genauso gut als Warnung interpretieren könnte: "Auch Deutschland dachte einst von sich als von einer außerordentlichen Nation. Das endete in einer weltweite Katastrophe. Die Deutschen haben ihre Lektion gelernt. Sie wollen in keiner Weise mehr exzeptionell sein, weshalb sie so scharf darauf sind, in einem vereinten Europa eingebettet zu sein. Die Deutschen haben nicht die geringste Lust, andere Länder anzuführen, schon gar nicht militärisch. Die Pax Americana erschien allgemein als die bessere Alternative zu einem deutschen Exzeptionalismus. Ich denke, sie ist es noch immer. Doch wenn ich das Foto von Trump und Farage sehe, vor Freude die Zähne entblößend, die Daumen hoch, das Gold des Trump-Towers in ihren Haar leuchtend, frage ich mich, ob Deutschland nicht gezwungen sein könnte, die Lektion zu hinterfragen, die es ein bisschen zu gut gelernt hat."

Außerdem: Nicholas Confessore erzählt die Geschichte einer Scheidung, bei der das globale Offshore-Banking-System in seiner ganzen nebulösen Tiefe aufscheint. Und Rachel Kushner beschreibt das Leben und Sterben in einem palästinensischen Flüchtlingscamp in Ost-Jerusalem.

Magazinrundschau vom 29.11.2016 - New York Times

Im New York Times Magazine beschreibt Emily Bazelon das neue Verhältnis einiger stinkreicher Unternehmer zur Presse: Sie versuchen, sie einfach zu Tode zu klagen. Es begann schon 2005, als Tim O'Brien von der New York Times in einem Buch das Vermögen von Trump auf eher 150 bis 250 Millionen Dollar schätzte statt der von Trump angegebenen zwei bis fünf Milliarden. Trump verklagte ihn und den Verlag, Warner Books. Er wurde immer wieder beim Lügen erwischt und verschliss vier Richter, bis die Klage schließlich 2009 abgelehnt wurde. Sieben solcher Verfahren hat Trump gegen missliebige Äußerungen angestrengt  und dabei nur einen gewonnen, weil der Angeklagte nicht vor Gericht erschien. "Aber das Standardmaß - seine Reputation zu verteidigen und vor Gericht zu gewinnen - gilt nicht für Trump. 'Ich gebe ein paar Kröten für Anwaltskosten aus, aber sie bezahlen viel mehr', erklärte er der Washington Post im März über den saftigen Betrag, den er für den Prozess gegen O'Brien ausgegeben hatte. 'Ich tat es, um ihm das Leben zu vermiesen, das macht mich glücklich.' Das stimmte nicht. Warner Books gab weniger aus als er und O'Brien zahlte gar nichts. Aber das macht Trumps zentrale Behauptung nicht weniger erschütternd: das Prozesse ein Werkzeug der Rache sind. Es ist beunruhigend, dass ein superreicher (wenn auch nicht so reich, wie er selbst behauptet) Kläger die Justiz wie eine Waffe benutzt, die gegen einen Kritiker eingesetzt wird. Einmal im Weißen Haus installiert, wird Trump noch mehr Mittel zur Verfügung haben, und seine Geschichte legt nahe, dass er versuchen wird, die Presse zu benutzen - und sie zu kontrollieren und zu unterwerfen."

Scoot Shane porträtiert die böse schillernde Figur des Steve Bannon, der für Goldman Sachs gearbeitet hat, das große Geld mit Rechten an "Seinfeld" verdiente und selbst propagandistisch-pathetische Dokumentarfilme, etwa über Ronald Reagan, drehte und schließlich den Wahlkampf von Donald Trump bestimmte. Bannon wird als Rassist und Antisemit beschrieben, aber afroamerikanische und jüdische Freunde, Bekannte oder Kollegen Bannons bestreiten das. Tatsächlich kommt er hier wie der Karl Lueger Amerikas rüber: "Ms. Jones, eine Filmkollegin, erklärte, dass Bannon in den Jahre ihrer Zusammenarbeit gelegentlich von der genetischen Überlegenheit einiger Leute sprach und einmal überlegte, ob es wünschenswert sei, dass Wahlrecht auf Landbesitzer zu beschränken. 'Ich sagte, das würde viele Afroamerikaner ausschließen. Er antwortete, vielleicht wäre das gar nicht so schlecht. Ich fragte: Und Wendy? [Bannons langjährige afroamerikanische Assistentin]. Er meinte: Das ist was anderes. Sie ist Familie.'"

Außerdem: In Schach gehalten sollen die Extremisten wie Bannon in Trumps künftiger Regierung von dem Republikaner Reince Priebus, den Mark Leibovich im Magazine porträtiert. Ian Buruma sieht mit Nigel Farage und Donald Trump das Ende der anglo-amerikanischen Weltordnung gekommen. Paul Elie unterhält sich mit Martin Scorsese über dessen neuen Film "Silence" und die "Natur des Glaubens".

Magazinrundschau vom 22.11.2016 - New York Times

In der neuen Ausgabe des New York Times Magazine schreiben Autoren aus verschiedenen Bundesstaaten über ihre Eindrücke nach der Wahl von Donald Trump. Marcela Valdes etwa berichtet aus Florida, wo Trump haarscharf vor Clinton lag und einer von drei Latinos und 54 Prozent aller kubanischstämmigen Amerikaner Rot wählten: "Beim spanischsprachigen Radiotalk 'Contacto Directo' gingen viele hispanische Proteste ein, die Trumps harsche Worte gegen illegale Einwanderer aufgriffen: 'Ich habe lange warten müssen, um in die USA zu gelangen, wieso sollten andere es leichter haben? Endlich habe ich meine Arbeitserlaubnis, ich möchte nicht, dass jemand anderes meinen Job für weniger Geld macht' … Statistiken besagen, dass ein Viertel aller Hispanics Trumps Mauer befürworten. Nach Erkenntnissen der Soziologin Helen Marrow, die auf die Immigration von Latinos in den ländlichen Süden spezialisiert ist, sind es vor allem Menschen gleicher Ethnizität, die die Auswirkungen der illegalen Einwanderung zu spüren bekommen. Mexikaner und Menschen aus Mittelamerika, die ohne Papiere über die Grenze kommen, nehmen eher ihren Landsleuten die Jobs weg als nicht-hispanischen Weißen. Latinos und legale Einwanderer sind von rassistischem Nativismus betroffen und verbreiten ihn zugleich, als eine Strategie ethnischer Distanzierung."

Außerdem: James Verini und der Fotograf Paolo Pellegrini liefern einen verstörenden Bericht aus der Gegend um Mossul, wo die Peschmerga versuchen, den IS zurückzudrängen.

Magazinrundschau vom 15.11.2016 - New York Times

Die neue Ausgabe des New York Times Magazines widmet sich dem Design und dem Redesign. Rob Walker stellt gleich mal die Grundsatzfrage nach der Notwendigkeit, alles, wirklich alles in einen neuen Look zu tauchen: "Theoretisch beginnt jedes Redesign mit einem Problem, spezifisch, systembedingt oder subjektiv. Ein Logo lässt eine Firma alt aussehen, ein bekannter Gebrauchsgegenstand wird von der Technik überholt, eine Dienstleistung wirkt fremd auf junge Kunden etc. … Redesign befasst sich mit Problemen innerhalb unserer gestalteten Umwelt. Diese Probleme zu identifizieren, ist vielleicht die größte Herausforderung für einen Designer. Redesign funktioniert nicht, wenn es das falsche Problem behandelt oder dort ansetzt, wo gar keins war. Während Fortschritt Veränderung zur Folge hat, bedeutet Veränderung nicht notwendig Fortschritt. Doch ein Redesign, das sich dem richtigen Problem auf intelligente Weise nähert, macht die Welt ein Stückchen besser."

Außerdem: Nikil Saval schaut sich auf Amerikas öffentlichen Plätzen um und fragt, ob sie wirklich öffentlich sind. Rob Walker überlegt, ob die Crowd als Designer taugt. Paola Antonelli stellt sechs nicht ganz einfache Neuentwürfe vor, u. a. für die Toilette und für das gute alte Flügelhemd. Und Yiren Lu verrät, warum es so schwierig ist, für den öffentlichen Sektor zu designen.
Stichwörter: Redesign, Design, Logo, Toilette

Magazinrundschau vom 08.11.2016 - New York Times

Im aktuellen Magazin der New York Times wagt Steven Johnson einen Blick in die Zukunft der Virtual Reality und vergleicht ihr Potenzial mit dem anderer bahnbrechender Enwicklungen und ihren eher spielerischen Anfängen: "Ein erstaunlicher großer Teil unserer Moderne verdankt sich der Beschäftigung mit Zauberei und Spielzeug. Erfahrungen, die dazu da sind zu unterhalten oder zu erstaunen, verändern die Gesellschaft oft in stärkerer Weise als pragmatische Entwicklungen … Das Studium der Unterhaltung entpuppt sich als Fernrohr in die Zukunft. Die Idee globaler Wirtschaft wurde erstmals erkennbar in Gestalt des Gewürzhandels, die ersten programmierbaren Maschinen waren automatische Spielzeuge und Musikautomaten, die heute allen Bereichen vom Flugzeugdesign bis zu Pharmaversuchen zugrunde liegende Wahrscheinlichkeitsrechnung wurde entwickelt, um Würfelspiele zu analysieren. Als viktorianische Technikanhänger zum ersten Mal durch Stereoskope schauten, um sich in fremde Welten zu beamen, projizierten sie sich ohne es zu ahnen in eine ferne Zukunft, unsere Zeit … Heute, da Actionfilme uns mit immer mehr Schnitten und Videospiele uns mit dauerndem Gemetzel bombardieren, kommt die meditative Qualität einer virtuellen Realität, die wir durch eine VR-Brille betrachten, erst zum Tragen. Die fortschrittlichste Technik dazu zu verwenden, uns zu entschleunigen und wieder staunen zu lassen, könnte der magischste Trick von allen sein."

Außerdem: Jim Yardley kehrt nach zehn Jahren im Ausland zurück in seine Heimat USA und erklärt, was sich verändert hat. James Traub erläutert am Beispiel Polens, was eine Rechtsaußen-Regierung mit der Demokratie anstellt. Und Maureen Dowd erinnert an eine Zeit, als die Clintons zu Donald Trumps Hochzeit eingeladen waren und auch hingingen.

Magazinrundschau vom 01.11.2016 - New York Times

In der neuen Ausgabe des New York Times Magazine erklärt Wesley Morris, warum die so aufgeklärte Popkultur sich mit dunkelhäutigen Penissen schwertut, während Penisse andere Männer bei angesagten Fernsehserien inzwischen durchaus ins Bild kommen: "So selbstverständlich wie schwarze Männer heute in Film und Fernsehen zu sehen sind und generell männliche Sexualität, so schwierig ist es offenbar, beides zugleich zu zeigen. Allein die Idee von einem schwarzen Penis ist in verstörender Weise daran gebunden, wie Amerika sich sieht oder lieber nicht. Wenig überraschend existiert der schwarze Penis eher in der Vorstellung als in echter Betrachtung… Das Muster, so alt wie Amerika und der Film, zieht sich durch unsere gesamte Kultur: eine Neugier an schwarzer Sexualität, gemischt mit dem in ihrer Dämonisierung gründenden Schuldgefühl und dem Wunsch, sie herabgesetzt zu sehen… Der Quell dieser Angst ist nicht schwer zu finden. Die Geschichte des schwarzen Penis in den USA lässt sich als Enteignungsgeschichte lesen: Der Sklavenhalter war auch immer auch Besitzer eines Körpers, Sklaven waren lebendes Inventar, ihre Sexualität war Teil der Wertschöpfungskette. Sex als Vergnügen und in Form von Vergewaltigung als Machtausübung war dem weißen Besitzer vorbehalten. Die Kehrseite dieser Macht war die Paranoia: Würde die Rache der Schwarzen nicht die Vergewaltigung weißer Frauen einschließen?"

Außerdem: Taffy Brodesser-Akner schreibt über den Fall der US-Popsängerin Kesha, deren vielversprechende Karriere ein jähes Ende fand, als sie ihren Produzenten wegen sexueller Belästigung verklagte. Rivka Galchen stellt die Schriftstellerin Yoko Tawada vor, die uns hilft, uns selbst zu erkennen, indem sie über Eisbär Knut nachdenkt. Und Jonathan Lethem erklärt seine Faszination für den Dokumentarfilmer Adam Curtis.