
In welchen Wahnsinn
Identitätspolitik führen kann, sieht man sehr gut an dieser
Reportage von Brooke Jarvis über die Versuche in den USA, Indianer bzw.
Native Americans zu identifizieren. Daran hängt einiges: Identitätsfragen natürlich, aber auch Kasinoeinnahmen, spezielle Land- und Wohnrechte, politische Macht. Gerade hat der Stamm der
Nooksack in Washington State
306 Stammesmitglieder, die seit Jahrzehnten als Natives anerkannt waren,
ausgestoßen mit der Begründung, ihre Nachweise seien doch nicht überzeugend. Bei der Frage, wie dies denn überhaupt nachgewiesen wird, landet man direkt im Handbuch des Rassisten für "Rassereinheit": Da werden
Gentests veranstaltet und
Bluttests gefordert, die beweisen sollen, dass der Betreffende zu mindestens
ein viertel "
Indianerblut" hat (nur dann gilt er als
native). "Viele sagen, sie sehen den Blutanteil als hilfreiche Richtschnur und Hürde gegen Betrug oder gegen Menschen, die sich ohne jedes kulturelle Verständnis als Indianer identifizieren. Andere finden die Tests seltsam, sogar beleidigend. Ein Mitglieder der Ojibwe scherzte, er sei '
halb weiß, habe aber nicht die Papiere, dies zu beweisen'. Eine Cree-und Anishinabe-Frau antwortete: 'Es gefällt mir nicht, dass man für mich ein Vokabular verwendet, das eigentlich
für Hunde und Pferde reserviert ist."
Außerdem: Für die aktuelle
Ausgabe des
New York Times Magazines besucht Jeanne Marie Laskas den
Mailroom im Weißen Haus und berichtet über Variationen in Sachen bürgernaher Politik: "George Washington öffnete und beantwortete seine
fünf täglichen Briefe, die per Pferd transportiert wurden, noch selbst. Mit der modernen Post explodierte das Briefaufkommen, doch schwierig wurde es erst mit der Weltwirtschaftskrise. Roosevelt pflegte den persönlichen Ton, lud die Leute ein, ihm ihre Sorgen zu schreiben. In der ersten Woche kamen eine halbe Million Briefe … Nixon las keine Kritik. Reagan nahm sich Zeit, er
liebte Kinderpost. Clinton sah sich regelmäßig einen Querschnitt an. Doch wissenschaftlich belegt oder bewertet ist all das nicht … Obamas Praxis,
zehn Briefe täglich zu lesen und ggf. zu beantworten, führte zu einer Einteilung der Post in Kategorien. Ab 2011 wurden aus den täglich eingegangenen E-Mails
Cloud-Images kreiert und im Weißen Haus verteilt. Jeder konnte sehen, was der normale US-Bürger zu sagen hatte."
Weiteres: Jonathan Alter
dokumentiert den Rück- und Ausblick des scheidenden US-Vizepräsidenten
Joe Biden. Und George Georgiou
fotografiert US-Bürger dabei, wie sie sich
Festzüge anschauen: Ein Panorama der amerikanischen Gesellschaft.