Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 21.03.2017 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazines berichtet Joshua Hammer von der Verfolgung und Bedrohung ägyptischer Aktivisten sechs Jahre nach dem Arabischen Frühling. Der Druck ist unter Sisi eher größer geworden. Dafür sorgen auch die Gerichte: "Einer der berüchtigsten, Mohammed Nagy Shehata, auch bekannt als der 'Scharfrichter', ein Überbleibsel aus der Mubarak-Ära, hat hunderte von langen Gefängnisstrafen und Todesstrafen gegen prodemokratische Aktivisten ausgesprochen. Anfang 2016 verurteilte Shehata drei junge Mitglieder der Demokratiebewegung 6. April, die an einem Gedenkgottesdienst für ermordete Kameraden teilgenommen hatten, zu lebenslangen Haftstrafen, weil sie ohne Genehmigung demonstriert, Feuerwerk besessen und falsche Informationen verbreitet hätten. (Die Strafen wurden später auf zehn Jahre reduziert.) Im Juni 2014 verurteilte ein anderer Kairoer Richter 25 friedliche Demonstranten, einige von ihnen noch Teenager, zu 15 Jahren Haft wegen Verletzung des Demonstrationsgesetzes, Straßenblockade und Angriffe auf öffentliche Institutionen."

John Herrman macht uns darauf aufmerksam, dass heute alles "zur Waffe gemacht" wird, Tweets, fake news, ein Lächeln. Das geschieht nicht ohne Absicht: "Der Vorwurf, etwas werde zur Waffe gemacht, wird sowohl dazu verwendet, um eine Rhetorik zu beschreiben, die zur Gewalt anstiften kann, als auch dazu, eine gewaltsame Rhetorik zu kritisieren. Er wird gegen das Gewaltmonopol des Staates erhoben, aber auch gegen die, die den Staat herausfordern. Er führt zu falschen Gleichsetzungen und bietet eine Entschuldigung für denjenigen, der selbst Gewaltsames im Schilde führt. Als Metapher führt er zu Paranoia und hinterlässt den Eindruck, dass nichts vom kriegerischen Element verschont ist. Plötzlich lauern die Mittel der Gewalt überall und warten nur darauf, von unseren Feinden benutzt zu werden."

Magazinrundschau vom 14.03.2017 - New York Times

Die aktuelle Ausgabe des New York Times Magazines kommt als kuratierte Playlist daher, die versucht, den Sound der Zukunft zu fassen. Wie hört sich richtungsweisende Musik heute an? Es gibt Samples von Adele bis Leonard Cohen und Texte über die Entwicklung des R. & B. (hier) oder zeitgemäße Protestmusik. Letztere entdeckt Greg Tate bei den guten alten "A Tribe Called Quest" mit ihrem Protestsong "We the People" und ihren rechtmäßigen Erben: "In dem Maß, wie Amerikas aktuelle Protestbewegung Pop-Lobgesänge hervorgebracht hat, die eines Bob Dylan oder Curtis Mayfield würdig sind, sind diese Bands in kürzester Zeit aus Black Lives Matter hervorgegangen. Der Aufruhr in Ferguson und Baltimore hat eine Generation junger, ernsthafter Hiphop- und R. & B.-Bannerträger inspiriert. Ob die linken Altrocker den Staffelstab ebenso frisch und frei ergreifen, bleibt abzuwarten. Inzwischen bietet 'We the People' genug Widerstandspotenzial. Der Text benennt und vereint all die attackierten gesellschaftlichen Gruppierungen - Mexikaner, Muslime, Schwule, Frauen, Schwarze - in einem gemeinsamen Kraftfeld und in einem alles übergreifenden Guerrilla-Masterplan."

Außerdem gibt es einen Podcast, in dem die Autoren der Ausgabe über ihre ganz persönlichen musikalischen Favoriten sprechen und darüber, was deren Songs über die Zukunft aussagen.

Magazinrundschau vom 07.03.2017 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazine erklärt Emily Bazelon, warum der neue amerikanische Justizminister Jeff Sessions so mächtig ist: "Über das Justizministerium wird die Regierung ihre nationalistischen Pläne umsetzen - den Gesetzesvollzug, das Errichten von Wahlbeschränkungen und die Einwanderungskontrolle und damit die Wiederbelebung eines vermeintlich christlich-europäischen Erbes. Es ist kein Zufall, dass Sessions das Amt des Justizminister wollte. Das Justizministerium ist am besten geeignet, das Land in der Weise zu verändern, wie er und Bannon (Trumps Chefstratege Steve Bannon, d. Red.) es wünschen. Angesichts um sich greifender Ängste vor drohender Unordnung, könnte das Justizministerium die treibende Kraft werden bei der Neuausrichtung der Frage, wer US-Bürger sein darf und zu welchen rechtlichen Bedingungen … Der große Einfluss des Ministeriums auf die großen politischen Konflikte der Gegenwart und jene, die die kommenden vier Jahre bestimmen werden, konzentriert sich auf das Zivilrecht."

Außerdem: Rollo Romig berichtet über den Bauboom in Indien, der den Städten das Wasser abgräbt. Sasha Weiss porträtiert den Broadway-Regisseur Sam Gold und seinen radikalen, neuen Stil. Und Wyatt Mason schwärmt von der das Persönliche mit Philosophie und Theologie vermischenden bezwingenden Erzählweise des französischen Schriftstellers und Drehbuchautors Emmanuel Carrère.

Magazinrundschau vom 28.02.2017 - New York Times

Die aktuelle Ausgabe des NY Times Magazines befasst sich mit der Zukunft der Arbeit. Kim Tingley hat herausgefunden, wie die Kollaboration von Mensch und Maschine besser funktonieren kann: "Gemeinschaftlich arbeitende Roboter, flexibel, klein und leicht genug, um sich in das Umfeld von Arbeitern und anderen Maschinen zu integrieren, könnten eine differenziertere Betrachtung des sozioökonomischen Effekts ihres Einsatzes nötig machen … Eine neue McKinsey-Studie legt nahe, anstelle von ganzen Berufen individuelle Arbeitsgänge in den Blick zu nehmen: Ein Servierer muss servieren und abräumen (was ein Roboter übernehmen kann), aber er muss auch die Bedürfnisse des Gastes berücksichtigen (was der Mensch besser kann als der Roboter) … Als Verstärkung menschlicher Fähigkeiten verstanden, können Roboter die Produktivität des einzelnen erhöhen anstatt sie zu zerstören. Können wir uns darauf vorbereiten, die Maschine so zu programmieren, dass sie unsere Arbeit besser macht? Oder ist es naiv zu glauben, wenn wir mit ihnen kooperieren, werden sie uns nicht eines Tages ersetzen?"

Außerdem: Binyamin Appelbaum hat neun working class heroes nach ihrer Arbeit befragt. Annie Lowrey findet das bedingungslose Grundeinkommen ausgerechnet in einem kenianischen Dorf. Und Barbara Ehrenreich sucht nach neuen Formen der Organisation für neue Formen der Arbeit.

Magazinrundschau vom 21.02.2017 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazine spürt Rachel Cusk den eisigen Wind unfreundlicher Zeiten, nicht nur in ihrer Heimat Großbritannien. Was bedeutet Höflichkeit, wenn die Grobheit um sich greift? "Sind Menschen unhöflich, weil sie unglücklich sind? Ist Unhöflichkeit wie Nacktheit, ein Zustand, der den Takt und das Erbarmen der Bekleideten nötig hat? Wenn wir höflich zu Unhöflichen sind, geben wir ihnen vielleicht ihre Würde wieder, auch wenn die Art des Unhöflichen eine Herausforderung an das zivilisierte Benehmen darstellt. Es handelt sich um einen Akt der Enthemmung. Wie ein Narkoticum bietet er die Befreiung von Kerkermeistern, die niemand sonst sehen kann. Unhöflichkeit spielt häufig eine Rolle im moralischen Aufbau eines Dramas: Sie ist das äußere Zeichen einer inneren oder unsichtbaren Katastrophe. Unhöflichkeit selbst ist nicht die Katastrophe. Sie ist der Bote, nicht die Erscheinungsform des Bösen."

Außerdem: Robert Draper überlegt, was mit Obamacare passieren wird. Jonah Weiner lauscht dem neuen Sound der nunmehr als Soloprojekt firmierenden Dirty Projectors. Und Elizabeth Royte stellt uns den Kompost-König von New York vor, der aus Abfall viel Geld macht.

Magazinrundschau vom 14.02.2017 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazines   verfolgt Amanda Hess die jüngste Geschichte des Feminismus, vor, während und nach Hillary Clintons Kandidatur. Es war wohl auch eine Bewegung, die sich der Frivolität eines von Hess so genannten "Pop-Feminismus" bewusst wurde und zu den Ursprüngen feministischer Bewegungen zurückging. Der statistische Hintergrund ist interessant: "Als Clinton verlor, geriet der Pop-Feminismus in die Krise. Als sich die Bürger über die Wahlergebnisse beugten, traten einige lange schlummernde Brüche zwischen verschiedenen Gruppen von Frauen im Land zutage: 94 Prozent der schwarzen Frauen stimmten für Clinton, aber 53 Prozent der weißen Frauen stimmten  für Trump, die sich also eher in seiner Vision der Welt zuhause fühlten als im Popfeminismus, der Clintons Wahlkampf prägte."

Außerdem: John Herrman beleuchtet das Verhältnis der Medien und der Trump-Administration zu Enthüllungen. Mark O' Connell trifft einen Mann, der mit einem fahrbaren Sarg durchs Land tourte, um mit der Agenda der menschlichen Unsterblichkeit das Amt des US-Präsidenten erringen wollte. Nathaniel Rich dokumentiert den rätselhaften Tod eines jungen Schwarzen auf der Rückbank eines Polizeiautos in Louisiana. Und

Magazinrundschau vom 07.02.2017 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazine untersucht Beverly Gage die Optionen der Anti-Trump-Bewegung: "'Widerstand', das Wort der Stunde, signalisiert Dringlichkeit, den Willen, nein zu sagen, bevor es zu spät ist, und zugleich Rückzug: Da alle drei Bereiche der Regierung mit Republikanern besetzt sind, ist das Nein alles, was den Demokraten bleibt. Widerstand bedeutet, mit dem Rücken gegen die Wand gegen eine andere Agenda anzutreten, ein verzweifeltes Wort in verzweifelten Zeiten. … Anders als im Kontext des Totalitarismus bedeutet Widerstand in diesem demokratischen System nicht, einer bestimmten Ideologie zu folgen, sondern einfach, gegen Trump zu sein und dafür etwas tun zu wollen. Insofern macht dieser Modus des Widerstands Sinn. Doch trotz seines Schwungs impliziert er auch, was nicht möglich ist. Er macht deutlich, dass Trump unsere besten Institutionen und Prinzipien mit dem Vorschlaghammer traktiert, und alles, was wir tun können, ist Nein zu schreien, so laut wir können."

Außerdem: Sam Anderson erkundet das Genie des Basketballspielers Russell Westbrook. Brook Larmer verrät, was chinesische Eltern alles tun, damit ihre Kinder auf US-Unis studieren können. Und Saul Elbein berichtet vom Widerstand indianischer Aktivisten gegen den Bau einer Ölpipeline in South Dakota.

Magazinrundschau vom 31.01.2017 - New York Times

Für die aktuelle Ausgabe des New York Times Magazines begibt sich James Angelos in die Industrieregionen Frankreichs. Denkt er an die bevorstehenden Wahlen, hört er selbst dort, in den Arbeiterhochburgen, die Totenglocken für die Sozialdemokratie läuten: "Indem sich die Mitte-Links-Parteien von ihren Mitte-Rechts-Gegnern immer weniger unterscheiden, verschwimmt auch die klassische liberale Vision einer gut informierten Politik, die demokratische Entscheidungen auf Grundlage eines Links-Rechts-Kontinuums trifft. Die Links-Rechts-Dichotomie hat ihre Wurzeln in der Französischen Revolution, als Mitglieder der Nationalversammlung tatsächlich räumlich voneinander getrennt waren in Mitglieder, die mehr königliche Autorität wollten, auf der rechten Seite und diejenigen, die sich dagegen aussprachen, auf der linken Seite der Kammer. Obwohl sich die Bedeutung der Links-Rechts-Aufteilung seither weiterentwickelt hat und das Konzept oft nicht in der Lage war, komplexe politische Bewegungen zu verinnerlichen, hat es seither die demokratische Politik geprägt. Mehr und mehr aber orientieren sich Wähler auf einer anderen Achse, nicht von links nach rechts, sondern von einem Lückenfüller von einer gemäßigten Partei bis zu einer populistischen, radikalen. Eine Wahl zwischen zwei Parteien, deren eine die vorherrschenden Verhältnisse neu justieren möchte, während die andere sie einzureißen gedenkt."

Außerdem: Jenna Wortham erklärt, inwiefern der private elektronische Assistent Alexa (bei uns bekannt als Echo, d. Red.) Amazons Firmenphilosophie voll erfüllt. Carina Chocano denkt über den Bedeutungswandel des Begriffs der Demütigung nach. Und Dale Russakoff schreibt über die Ängste illegaler Studenten in der Ära Trump.

Magazinrundschau vom 24.01.2017 - New York Times

In welchen Wahnsinn Identitätspolitik führen kann, sieht man sehr gut an dieser Reportage von Brooke Jarvis über die Versuche in den USA, Indianer bzw. Native Americans zu identifizieren. Daran hängt einiges: Identitätsfragen natürlich, aber auch Kasinoeinnahmen, spezielle Land- und Wohnrechte, politische Macht. Gerade hat der Stamm der Nooksack in Washington State 306 Stammesmitglieder, die seit Jahrzehnten als Natives anerkannt waren, ausgestoßen mit der Begründung, ihre Nachweise seien doch nicht überzeugend. Bei der Frage, wie dies denn überhaupt nachgewiesen wird, landet man direkt im Handbuch des Rassisten für "Rassereinheit": Da werden Gentests veranstaltet und Bluttests gefordert, die beweisen sollen, dass der Betreffende zu mindestens ein viertel "Indianerblut" hat (nur dann gilt er als native). "Viele sagen, sie sehen den Blutanteil als hilfreiche Richtschnur und Hürde gegen Betrug oder gegen Menschen, die sich ohne jedes kulturelle Verständnis als Indianer identifizieren. Andere finden die Tests seltsam, sogar beleidigend. Ein Mitglieder der Ojibwe scherzte, er sei 'halb weiß, habe aber nicht die Papiere, dies zu beweisen'. Eine Cree-und Anishinabe-Frau antwortete: 'Es gefällt mir nicht, dass man für mich ein Vokabular verwendet, das eigentlich für Hunde und Pferde reserviert ist."

Außerdem: Für die aktuelle Ausgabe des New York Times Magazines besucht Jeanne Marie Laskas den Mailroom im Weißen Haus und berichtet über Variationen in Sachen bürgernaher Politik: "George Washington öffnete und beantwortete seine fünf täglichen Briefe, die per Pferd transportiert wurden, noch selbst. Mit der modernen Post explodierte das Briefaufkommen, doch schwierig wurde es erst mit der Weltwirtschaftskrise. Roosevelt pflegte den persönlichen Ton, lud die Leute ein, ihm ihre Sorgen zu schreiben. In der ersten Woche kamen eine halbe Million Briefe … Nixon las keine Kritik. Reagan nahm sich Zeit, er liebte Kinderpost. Clinton sah sich regelmäßig einen Querschnitt an. Doch wissenschaftlich belegt oder bewertet ist all das nicht … Obamas Praxis, zehn Briefe täglich zu lesen und ggf. zu beantworten, führte zu einer Einteilung der Post in Kategorien. Ab 2011 wurden aus den täglich eingegangenen E-Mails Cloud-Images kreiert und im Weißen Haus verteilt. Jeder konnte sehen, was der normale US-Bürger zu sagen hatte."

Weiteres: Jonathan Alter dokumentiert den Rück- und Ausblick des scheidenden US-Vizepräsidenten Joe Biden. Und George Georgiou fotografiert US-Bürger dabei, wie sie sich Festzüge anschauen: Ein Panorama der amerikanischen Gesellschaft.

Magazinrundschau vom 17.01.2017 - New York Times

In der aktuellen Ausgabe des New York Times Magazines macht uns Jon Mooallem mit einem nahen Verwandten bekannt: dem Neanderthaler. "Neanderthaler begruben ihre Toten wie der Homo sapiens auch, sie stellten Schmuck, Werkzeuge und Pigmente her, um sich zu bemalen, Hinweis auf eine symbolische Weltsicht. Ihre Anatomie ermöglichte Sprache … In Gibraltar gibt es Hinweise darauf, dass sie schwarze Vogelfedern für Zeremonien verwendeten. Einst als Aasfresser verschrien, erscheinen sie neuesten Erkenntnissen zufolge als Jäger und Sammler, die Seehunde und Meeresfrüchte und Kamille aßen und Zahnstocher benutzten … Solch flexibles und komplexes Verhalten galt bisher als Ausweis unserer Besonderheit. Die Forschung übersah einfach, was sie heute mit neuen Technologien und offenen Augen erkennt. Die wahre Überraschung ist auch nicht das Können der Neanderthaler, sondern die Tatsache, dass ein Teil der Forschung unser anderes Selbst vehement ausblendete, und die Vorurteile dahinter. Eine Art 'moderner menschlicher Suprematismus'".

Außerdem: Patrick Symmes beschreibt den Krieg des philippinischen Präsidenten Duterte gegen die Drogen in seinem Land als staatlich unterstützte Mordserie. Taffy Brodesser-Akner lässt sich von Dampf-Talker Andy Cohen die Welt des Reality-TV erklären. Und Greg Howard denkt über die Nominierung des farbigen Neurochirurgen Ben Carson zum Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung nach.