Max Rodenbeck
zieht nach hundert Tagen eine negative Bilanz der
amerikanischen Besatzung im Irak. So hätten die USA immer noch nicht offengelegt, was ihre Ziele im Irak sind, wie lange sie dort bleiben und was sie mit den gesuchten Baathisten machen wollen. Rodenbeck erzählt folgende Geschichte: Während er bei einem nicht näher genannten irakischen Gouverneur zu Besuch war, wurde dort
Ezzat Ibrahim gesehen, als Saddams loyalster Stellvertreter der
"Kreuz König" im Most-Wanted-Kartenspiel des Pentagons. "Der Gouverneur, der diesen Mann versteckte, hat auf der Flucht vor Saddams Häschern viele Jahre im Exil verbracht. Seine
Freude über den
Sturz der Baath-Partei war offensichtlich. Er beteuerte seine
Dankbarkeit, die seiner Meinung nach alle Iraker gegenüber Amerika fühlen sollten. Er bezeugt großen
Respekt für den amerikanischen Kommandeur seiner Region. Aber
traut er den Amerikaner?
Nein."
Was würde
Scharon,
Arafat und
Abu Mazen durch den Kopf gehen, wenn sie an einem heißen Sommertag aus ihren Fenster sähen? Hussein Agha und Robert Malley (mehr
hier und
hier)
vollführen dieses kleine Gedankenexperiment und kommen zu dem Schluss, dass die drei eigentlich keinen Anlass haben, mit ihrer derzeitigen Situation unzufrieden zu sein. Sharon zum Beispiel sei kurz davor, sein Lebensziel zu erreichen: die
Vernichtung einer geeinten
palästinensischen Nationalbewegung. "Nur
zwei Hindernisse stehen diesem Ziel im Weg. Das erste ist
Jassir Arafat. Für Sharon personifiert Arafat all das, was er zu unterdrücken versucht: militanten Nationalismus, Feindschaft gegen Israel,
Gewalt,
Terror und - bis vor kurzem zumindest -
Legitimität in den Augen der Welt. Das zweite Hindernis ist
Abu Mazen. Neben Arafat sieht Sharon ihn als den
Letzten Palästinenser, den finalen Führer einer geeinten Nationalbewegung, als einen Mann, der in der Lage sein könnte, die Bewegung zusammenzuhalten. Noch wird Abu Mazen gebraucht. Abu Mazen soll erfolgreich sein, wenn es darum geht, Arafat zu marginaliseren, die Intifada zu beenden und Israel ein gewisses Maß an Sicherheit zu geben. Doch nur bis dahin - und
keinen Schritt weiter."
Weitere Artikel: Allen Orr, nach eigenem Bekunden schon weidlich gelangweilt über die Debatte
"nature versus nurture",
freut sich über
Matt Ridleys Buch über "Genes, Experience, and What Makes Us Human", das einen geradezu
wittgensteinhaften Weg aus dem akademischen Dilemma ebnet: "Allem Gerede über den Unterschied zwischen Genen und Umwelt zum Trotz macht Ridley klar, dass bei Lernen, Intelligenz, Verhalten und Kultur - all den Ingedienzien der Erziehung also -
Gene eine Rolle spielen." David Hajdu
bricht eine Lanze für
Erwachsenen-Comics. Garry Wills
beteuert, wirklich bereit gewesen zu sein
Hillary Clintons "Living History" als politisches Buch ernst zu nehmen - allein, sie hat ihm keine Chance gegeben. Ingrid D. Rowland
vergleicht die beiden
Tizian-Ausstellungen in
London und
Madrid.