Magazinrundschau - Archiv

La regle du jeu

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Magazinrundschau vom 10.02.2015 - La regle du jeu

Eine Gefahr für Europa nennt Bernard-Henri Levy Putin und erklärt auch, weshalb. Er, und zwar alleine er, sei das historische Risiko einer Konfrontation mit seinen Nachbarn eingegangen, entsende Soldaten und lasse Fugzeuge sich fremden Lufträumen nähern. "Indem Russland sich so verhalte, reagiere es lediglich auf die taube und schweigende Demütigung durch Europa, der es seit zwanzig Jahren ausgesetzt sei? Es versuche, was nur natürlich sei, die ihm aufgezwungene Einkreisung zu durchbrechen? Auch dieses Argument ergibt keinerlei Sinn. Es ist fast grotesk, wenn man an die Beharrlichkeit denkt, mit der Russland im Gegenteil immer wieder eingeladen wurde, der Partnerschaft für den Frieden (1994), dem Europarat (1996) oder der Europäische Sicherheitscharta der OSZE (1999) beizutreten."

Magazinrundschau vom 25.11.2014 - La regle du jeu

Bernard-Henri Levy, ein Verfechter der Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten - nennt drei Gründe, warum er eine einseitige Anerkennung Palästinas, sei es auch nur eine symbolische, durch das französische Parlament für keine gute Idee hält: wegen der Hamas - in der die Hälfte der Minister von der Vernichtung Israels träume; wegen des Zeitpunkts - aufgrund des weltweiten Aufschwungs der Dschihadisten; und weil das Problem an Ort und Stelle gelöst werden müsse. "Kein rechtschaffener Beobachter verkennt, dass beide Seite sich bewegen müssen. Kein Befürworter des Friedens bestreitet, dass auf beiden Seiten Fehler gemacht wurden: von den Regierungen in Tel Aviv, von Rabin bis Netanjahu, die die Siedlungspolitik nie aufgegeben haben, und von der palästinensischen Führung, die zwischen der Akzeptanz des Faktums Israel und der vollkommenen Ablehnung jüdischer Präsenz auf arabischem Boden oszilliert. Und genau das leugnen die Befürworter dieser einseitigen Anerkennung."

Auf Telerama ist zum gleichen Thema ein langes Gespräch mit dem Reporter Charles Enderlin zu lesen, der seit vierzig Jahren in Jerusalem lebt und seinerseits meint, ein palästinensischer Staat sei nicht mehr möglich: "Die Idee einer Zwei-Staaten-Lösung ist gestorben ... Der religiöse Zionismus wird auf israelisches Land, Jerusalem und den Tempelberg nicht verzichten. Die europäischen Diplomaten sind sich sich dessen bewusst; die, die ich treffe, erklären, dass Europa, indem es die Finanzierung der palästinensischen Autoritäten fortsetzt, lediglich die Besetzung aufrechterhält."

Magazinrundschau vom 18.11.2014 - La regle du jeu

Laurent-David Samama unterhält sich mit dem Sportjournalisten Nicolas Vilas über dessen Buch "Dieu Football Club". Darin untersucht Vilas die Beziehungen zwischen Religion und Fußball und widmet sich unter anderem der Gretchenfrage, wie es in den Spielerkabinen mit der Laizität steht. "Weil Fußball mehr ist als einfach nur ein Sport, sondern eine gesellschaftliche Dimension und Rolle hat, stand er der Religion nie unbeteiligt gegenüber, denn er ist mit einer Gesellschaft verknüpft, die davon durchdrungen ist. Sogar seine Existenz rührt von religiösen Gebräuchen. Die Zeichen des Kreuzes (...) sind heute Debatten über eine neue Wirklichkeit gewichen: der Multikulturalität. Es ist eine Tatsache, an welche die Franzosen Mühe haben, sich zu gewöhnen: dass der Islam die Religion einer Großzahl ihrer Mitbürger ist. Doch der Fußball ist weniger schizophren als die Gesellschaft, weil er seine Geschichte in gewisser Weise besser akzeptiert, weil er das Zusammenspiel unterschiedlicher Religionen in seinem Innersten zulässt."

Magazinrundschau vom 14.10.2014 - La regle du jeu

Bernard-Henri Levy nennt in seiner Kolumne die drei Argumente des heutigen Antisemitismus. Demnach lehne er sich an folgende drei Grundaussagen an: "1. Die Juden sind verabscheuungswürdig, weil sie solidarisch mit einem Staat sind, der seinerseits verabscheuungswürdig ist: Das ist die antizionistische Aussage. 2. Die Juden sind umso verabscheuungswürdiger, als der Kitt dieses Staates die Religion eines Leidens ist, von dem nicht ausgeschlossen ist, dass es eingebildet oder doch auf jeden Fall übertrieben ist: Das ist die den Holocaust leugnende Aussage. 3. Indem die Juden so vorgehen und handeln, vergreifen sich quasi am Weltkapital des verfügbaren Mitgefühls, und fügen dieser zweifachen Infamie noch die hinzu, die Menschheit taub gegenüber anderen Leiden anderer Völker zu machen, angefangen natürlich mit dem palästinensischen Volk: Und dies ist das Thema der Opferkonkurrenz."

Magazinrundschau vom 08.07.2014 - La regle du jeu

Aus aktuellem Anlass erhält der spanisch-französische Schriftsteller Fernando Arrabal Gelegenheit, seine - nicht ganz überraschend - anarchistische Fußballauffassung darzulegen. Arrabal, der der Überzeugung ist, dass Spieler ohne Trainer viel besser spielen würden, begründet dies so: "Im Fußball ist der Vermittler, der "Mister", der Korporal, die Schöpfung eines genialen Mannes: Stalin. Ein Monster sozusagen. Er wollte Klubs ohne Eigentümer: Kapitalisten! Aber für ihn waren die Spieler ein Kreis von Individualisten, ihm fehlte ein Parteimann. Ein Apparatschik. Und so hat er den Regisseur geschaffen, einen Polypen. Einer von denen, ein Holländer, hat sich an die Spitze der Mannschaft Südkoreas gesetzt. Die hat er dreimal im Jahr gesehen und kein einziges Wort Koreanisch gesprochen. Die Folge: die südkoreanische Mannschaft hat eine sensationelle Weltmeisterschaft gespielt."

Magazinrundschau vom 02.05.2014 - La regle du jeu

Philippe de Lara erklärt, inwiefern Putins Regime an das Stalins erinnert und sich Putins gegenwärtige Politik gegenüber der Ukraine durchaus mit der Deutschlandpolitik der UdSSR in der Nachkriegszeit vergleichen lässt. Zwar sei die aktuelle Situation natürlich anders, insofern das wirtschaftlich und demografisch geschwächte Russland keine siegreiche Macht mehr sei und in der Ukraine auf eine echte demokratische Revolution stoße: "Die Deutschlandpolitik der UdSSR nach 1945 legt zwei Lektionen nahe. Die erste ist die permanente Schwankung der Mittel der sowjetischen, später russischen Außenpolitik trotz der Konstanz ihrer Ziele: das Reich zu vergrößern. Sie pendelt immer zwischen Kontrolle und Beeinflussung, brutaler Eroberung und geschickter Hegemonie." Die zweite Lektion sei die entscheidende Rolle der deutsch-russischen Beziehungen. Seit dem Hitler-Stalin-Pakt sei die wirtschaftliche und militärische Kooperation beider Länder eine "unheilvolle Konstante in der Geschichte des Kontinents … Begreift Deutschland, dass eine russische Intervention in die Ukraine heute das gesamte europäische System bedroht?"

Magazinrundschau vom 07.01.2014 - La regle du jeu

La regle du jeu dokumentiert zum gleichen Thema ein Gespräch, das die Boulevardzeitung Le Parisien mit Bernard-Henri Levy führte. Der springt Valls im Gegensatz zu Bruckner bei und findet ein Auftrittsverbot für Dieudonné "selbstverständlich" richtig. "Ich verstehe die Debatte überhaupt nicht. Was Sie die Auftritte von Dieudonné nennen, sind keine Vorstellungen, sondern Versammlungen. Und auf diesen Versammlungen werden die Leugnung des Holocausts, Judenhass und die Verherrlichung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit gepredigt - alles Dinge, die das republikanische Recht bestraft. Es gibt einen Moment ... in dem es die Pflicht des Staats ist, Halt zu sagen. Valls hat das getan. Und das ist gut so."

Magazinrundschau vom 02.07.2013 - La regle du jeu

Während deutsche Journalistinnen (hier in der SZ, hier in der FAZ, hier in der Welt) eher geschmäcklerisch auf Femen und ihre angeblich pubertären Provokationen reagieren, verfasst André Glucksmann zusammen mit Jacques Bérès und Bernard Schalscha eine leidenschaftliche Verteidigung der drei (inzwischen zm Glück freigelassenen) Femen-Aktivistinnen, die in Tunesien protestiert haben, um die jungen Tunesin Amina zu unterstützen, die man wegen eines "Femen"-Graffiti ins Gefängnis gesteckt hat: "Sie sind zu Recht entschlossen, den Sexismus, das Patriarchat und die Archaismen zu bekämpfen, denen die Tunesierinnen, nachdem sie unter Bourguiba schon besser gestellt waren, aufs neue brutal ausgesetzt sind - wie viele Frauen auf der ganzen Welt. Die eigentliche Provokation liegt darin, den Niqab zu tragen und ihn sogar in der Universität nicht ablegen zu wollen und in der angeblich 'komplementären' Rolle der Frauen im Verhältnis zu den Männern, die die Islamisten in die Verfasssung hatten schreiben wollen."

Magazinrundschau vom 25.06.2013 - La regle du jeu

Pascal Bruckner kann nicht schlafen: "Jeder Schlaflose schwankt zwischen dem Stolz, einer Elite anzugehören, und der Melancholie, einer bloßen Symptomatik zuzufallen, den Schlafproblemen. Mit seinesgleichen bildet er eine Zunft der Gespenster, eine Loge der lebendigen Toten mit bleichen Wangen und fiebrigem Blick. Müdigkeit ist ihre Droge."
Stichwörter: Bruckner, Pascal

Magazinrundschau vom 16.04.2013 - La regle du jeu

Alexandra Profizi unterhält sich sich mit dem französisch-afghanischen Schriftsteller und Dokumentarfilmer Atiq Rahimi, der gerade seinen Roman "Stein der Geduld" verfilmt hat. Über das Projekt und sein Geburtsland sagt er: "Ich mache das nicht aus Nostalgie, sondern weil ich das Land kenne und es ein Land ist, das der Geschichte viel gegeben hat und nun Opfer geopolitischer Spiele und Fragen geworden ist. Es ist also eine Form, Aufmerksamkeit auf dieses Land im Herzen Asiens zu lenken. Abrahams Volk kam bis dorthin, die jüdisch-christlich-islamische Zivilisation. Danach haben Sie eine andere Kultur. Wenn alle westlichen Eroberer seit Alexander dem Großen in Afghanistan Halt machten, dann, weil es dort eine andere Art gibt, die Welt zu sehen. Das Land umfasst die Vorzüge und Kehrseiten beider Kulturen. Sobald es zu einer globalen Krise kommt, kristallisiert sie sich deshalb in Afghanistan. Es ist ein sehr rätselhaftes Land."