Magazinrundschau - Archiv

La regle du jeu

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Magazinrundschau vom 29.01.2013 - La regle du jeu

Das Zeitschrift Mithly wendet sich an eine "Gemeinschaft im Leid" schreibt Fouzia Liget in La Règle du jeu. Mithly ist das erste Schwulenmagazin Marokkos, wird von der EU unterstützt und wurde 2010 zum ersten Mal herausgebracht, in 200 Exemplaren, die heimlich weitergegeben wurden: "Der Editorialist von Mithly erzählt: 'Es war einfach unmöglich, eine offizielle Lizenz zur Veröffentlichung zu bekommen:' Der Artikel 489 des marokkanischen Strafgesetzbuchs sieht zwischen sechs Monaten und drei Jahren Haft sowie Geldstrafen 'für unsittliche Akte mit einem Individuum des gleichen Geschlechtes' vor. Die in Madrid basierte Schwulenorganisation Kif-Kif schätzt, dass über 5.000 Homosexuelle seit der Unabhängigkeit von 1956 Gefängnisstrafen verbüßt haben. Mithly setzt auf seine Internetadresse, um eine größere Leserschaft zu gewinnen."

Die europäische Idee liegt im Sterben, ächzt ein hoch entflammter Bernard-Henri Lévy, der sich gleich ein paar Trauergäste von Antunes bis Rushdie zum Unterzeichnen seines Aufrufs eingeladen hat. Für David Cameron dürfte sich dieser Text als das reine Grauen lesen: "Ohne Aufgabe von nationalen Kompetenzen und ohne klare Niederlage der 'Souveränisten', die ihre Völker in Niederlage und Debakel führen wird, sich der Euro auflösen, so wie sich der Dollar aufgelöst hätte, wenn vor 150 Jahren die Sezessionisten gesiegt hätten. Einst sagte man: Sozialismus oder Barbarei, heute muss man sagen: politische Union oder Barbarei."

Magazinrundschau vom 22.01.2013 - La regle du jeu

"Schreckliche Neuigkeiten" meldet Laurent David Samama über die Mitglieder der russischen Punk-Band Pussy Riot. Die in Lagerhaft sitzende Maria Aljochina etwa sei aufgrund der Haftbedingungen und des auf sie ausgeübten psychologischen Drucks inzwischen an einer Depression erkrankt. Nadeschda Tolokonnikowa ihrerseits befindet sich in einem Lager, über das die russische Wochenzeitung New Times berichtete, dass die Frauen dort die Heizungsventile öffnen, um an warmes Wasser zu kommen. Samama zitiert sie aus einem über AFP verbreiteten Brief, in dem sie das "Grau" ihres derzeitigen "Anti-Lebens" schildert: "Das Hauptdruckmittel ist die vorzeitige Entlassung". Er verweist außerdem auf ein Interview im Magazin Les Inrockuptibles, das am Rande einer von der Vereinigung Russie-Libertés Konferenz zur Situation der künstlerischen Freiheit in Russland mit Jekaterina Samuzewitsch, dem nicht inhaftierten Mitglied der Gruppe, geführt wurde. Diese sieht derzeit die vorrangige Aufgabe darin, die beiden anderen Gruppenmitglieder zu befreien, glaubt aber, dass der feministische Kampf unbedingt weitergehen müsse. "Im Fernsehen wurde ein dreiteiliger Film über uns gezeigt, in dem behauptet wurde, wir von Pussy Riot seien nichts weiter als drei kleine dumme Ziegen, die von Boris Beresowski [russischer Milliardär, gegenwärtig im Londoner Exil, Anm.d.Red.] gesteuert würden. Es ist interessant festzustellen, dass man in Russland ziemliche Mühe damit hat zu akzeptieren, dass Frauen sich der Kunst als Ausdrucksmittel bedienen."

Magazinrundschau vom 25.09.2012 - La regle du jeu

Bernard-Henri Lévy erinnert in seiner Kolumne für Le Point (zuerst in seinem Blog La règle du jeu) an einen flüchtigen Moment in der Auseinandersetzung um das Mohammed-Video, der danach kaum mehr reflektiert wurde: das kurzzeitig kursierende Gerücht, ein amerikanisch-israelischer Autor hätte den Film gemacht. AP und das Wall Street Journal hatten gemeldet, dass sich ein gewisser Sam Bacile als Autor des Films gemeldet und als ein jüdisch-amerikanischer Geschäftsmann ausgegeben hätte: "Daraufhin ist 48 Stunden lang nur noch die Frage, wer die fünfzig Juden sind, die diesen Film angeblich finanziert haben, dessen einziger Zweck es ist, die Muslime zu beleidigen und die Welt in Brand zu setzen. Hier sagt man uns, Sam Bacile sei entsetzt über das, was er da angerichtet hat. Dort ergänzt man, es seien nicht fünfzig, sondern hundert Mitverschwörer am Werk gewesen. Woanders wiederum weiß man schon, um wen es sich handelt, oder zumindest fast, jedenfalls waren es dieselben Leute, die vor acht Jahren gegen den Jesus-Film von Mel Gibson prostestiereten... Bis zu dem Tag, an dem sich herausstellt, dass ein Sam Bacile gar nicht existiert..."

Magazinrundschau vom 18.09.2012 - La regle du jeu

Bernard-Herni Lévy hat in seinem Blog La Règle du jeu richtig recherchiert und erzählt die Geschichte einiger Währungsunionen. Allein in Europa kennt er sechs Fälle, die teilweise - wie eine skandinavische Währungsunion - gescheitert sind, zuweilen aber auch glückten. "Zwei zum Beispiel haben eine echte gemeinsame Währung geschaffen, nach Jahren der Krisen, der Rückschläge, der vorläufigen Rücknahmen und dank mutiger Führer, die verstanden hatten, dass eine Währung nur auf einem Budget, einem Steuersystem, einem Arbeitsrecht, gemeinsamen sozialstaatlichen Regeln, kurz einer wirklich abgestimmten Politik beruhen kann: Dies ist die Geschichte der neuen Mark, die fast vierzig Jahre nach dem Zollverein von 1834 Gestalt annahm und die Gulden, Thaler, Kronenthaler und Mark der hanseatischen Städte ersetzen. Und es ist die Geschichte des Dollars, von dem man kaum mehr in Erinnerung hat, dass er 120 Jahre brauchte um sich durchzusetzen - und dass die Voraussetzung dafür eine Vergemeinsamung der Schulden war. Die Lehre daraus ist unerbittlich: Ohne Zusammenschluss keine gemeinsame Währung."
Stichwörter: Währungsunion

Magazinrundschau vom 03.07.2012 - La regle du jeu

Ein Text von Michel Onfray macht großen Wind in Bernard-Henri Levis Blog "La regle du jeu". Onfray hat Anfang Juni in Le Point den Historiker und Philosophen Jean Soler gepriesen, der in seinem neuen Büchlein "Qui est Dieu?" die Juden für die Erfindung des Monotheismus geißelt, der dann in Form des Juden-, Christen- und Muslimtums über die Welt hergefallen sei. Eine der falschen Annahmen über den lieben Gott der Juden, die Soler richtig stelle, sei, dass er erstmals eine universelle Moral darstelle: "Das ist falsch", so Onfray: "Seine Vorschriften betreffen nicht das Allgemeine und die Menschheit, sondern die Sippe, das Lokale, deren Existenz, Bestand und Zusammenhalt es zu sichern gilt. Die Nächstenliebe bezieht sich nur auf das Gleichartige, das Hebräische, für alle anderen wird sogar das Töten empfohlen." Darauf antwortet der Rabbiner Yeshaya Dalsace in La regle du jeu: "Laut Onfray kennt die Bibel das Universelle nicht und stiftet die Juden dazu an, die anderen zu vernichten ... Ein bisschen kurzgegriffen als Behauptung! (Ganz zu schweigen vom Mief der Verschwörungstheorie). Im Gegenteil, das Erstaunlichste an der Bibel besteht darin, dass ein kleines isolatiertes Bergvolk eine universelle Vision geschaffen hat, die immer wieder betont wird. Man begegnet ihr in der Vorstellung des einzigen Stammvaters der gesamten Menschheit, die als eine große, egalitäre Familie antritt; in der Vorstellung der Möglichkeit, einen universellen brüderlichen Frieden zu schaffen, die viele Propheten, insbesondere Jesaia, formulierten; in der Anweisung, Fremde zu respektieren, 'weil du selbst Fremder gewesen bist, sollst du den Fremden lieben wie dich selbst', die an zahlreichen Stellen wiederholt wird."

Weiteres dazu: Michel de Saint Cheron stellt das Buch von Soler vor, und Pascal Baque steuert noch eine Polemik gegen Michel Onfray bei, worin er ihn als "ein Symptom - bloß wovon?" bezeichnet.

Zu lesen ist außerdem die Besprechung des Buchs "Le Passage a l'Europe. Histoire d'un commencement" des niederländischen Historikers und Philosophen Luuk van Middelaar.

Magazinrundschau vom 29.05.2012 - La regle du jeu

Klarsicht und einen desillusionierten Blick bescheinigt Alex Lacroix Jonathan Littells "Notizen aus Homs". Das Buch sei zweifellos eine der "literarischen Erschütterungen" des Frühjahrs. Littell, Autor von "Die Wohlgesinnten", versammelt darin seine Beobachtungen und Erlebnisse in der umkämpften syrischen Stadt, in die er sich Anfang des Jahres zusammen mit einem Fotografen von Angehörigen der Syrischen Befreiungsarmee hatte einschleusen lassen. "Ein Buch, das mit nüchterner und wirkungsvoller Kraft gegen die Litanei des Defätismus protestiert: natürlich indem es die Rebellion feiert und deren anonymen Märtyrern ein Gesicht gibt; vor allem aber, indem es uns durch seine Zeugenberichte das Schicksal der Einwohner näher bringt, oft moderat konservative Muslime, die eine geschickt inszenierte Propaganda gern als fremdgeleitete Radikalislamisten darstellt. Ethische Macht der Literatur: Dank Littell betreten wir jenes geheime Krankenhaus, in dem Zwölfjährige, von staatlichen Heckenschützen angeschossene Jungen sterben, während die medizinische Hilfe systematisch vereitelt wird. Gebrauchsanweisung für einen Urbizid."

Magazinrundschau vom 06.03.2012 - La regle du jeu

Bernard-Henri Levys Blog La regle du jeu und der bekannte Historiker Pierre Nora verfolgen in der Frage, ob die Leugnung von Genoziden unter Strafe stehen sollte, diametral entgegengesetzte Positionen. Ara Toranian greift Nora in La regle du jeu scharf an: "Die Gruppe um Pierre Nora übernimmt selbst die leugnende Rhetorik des türkischen Staats, indem sie eine historische Kommission befürwortet. Genau wie Ahmadinedschad, der eine solche für die Shoah verlangt. Diese Forderung ist die gefährlichste Kriegslist des propagandistischen Arsenals Ankaras hinsichtlich der Ereignisse von 1915. Sie legt es darauf an, Zweifel zu säen, indem sie weismacht, die Vernichtungsaktion sei noch nicht völlig aufgeklärt. Außerdem tritt sie die Arbeit Hunderter Historiker aller Nationalitäten mit Füßen, die seit dutzenden von Jahren über das Thema schreiben."

Magazinrundschau vom 17.10.2011 - La regle du jeu

Und weiter geht?s mit dem Projekt der auf fünf Wochen angelegten täglichen Fleischverherrlichung in Bernard-Henri Levys Webmagazin. Unter anderem huldigt der Schriftsteller und Kritiker Marc Lambron dem Tartar, und findet ebenso überraschende wie starke Worte dafür: "Tartar ist beim Fleisch, was der Hardrock in der Musik ist. Eine rohe Gewalt, anregend, fast wild - jedoch gesteuert. Ich würde nicht sagen, dass ich jedes Mal innerlich Led Zeppelin oder AC/DC höre, wenn ich meine Gabel in Tartar stoße, aber dieses Fleisch hat eine musikalische Färbung, die den Riffs von Jimmy Page ähnelt."Zu lesen ist außerdem die Liebeserklärung des Metzgers Claude Bocqet an seinen Beruf, und der Filmemacher Gilles Hertzog steuert ein "Requiem für ein Steak" bei.

Außerdem: Die marokkanisch-stämmige Psychologin Fouzia Liget begründet in einem Beitrag, der im Kontext der Bemühungen um die Freilassung von Rafah, der ersten Psychoanalytikern, die in Syrien praktizierte, steht, weshalb Psychoanalyse und Islam keineswegs unvereinbar seien.

Magazinrundschau vom 11.10.2011 - La regle du jeu

Und weiter geht es mit dem Projekt der insgesamt fünf Wochen dauernden Fleischverherrlichung, in deren Rahmen auf der Seite täglich ein erklärter Fleischliebhaber zu Wort kommt. Zuletzt schilderte unter anderem Jean-Louis Olivier unter der Überschrift "Die drei Tage des Schweins" eine ländliche Sauschlachtung, wie sie früher stattfand. Der bretonische Geflügelzüchter Paul Renault singt dagegen eine Hymne auf die Hühnerrasse Coucou de Rennes, die er auf Anregung von drei französischen Spitzenköchen - "das ist das Huhn meiner Großmutter, ich aß es in meiner Kindheit" - zu züchten begann. "Mit den Leuten vom Eco Musee Rennes haben wir in den Archiven recherchiert, wie man das Coucou de Rennes aufzieht, die Entartung der Rasse durch unpassende Kreuzungen vermeidet, wie man sein schönes graues Gefieder mit einer wie beim Kuckuck gesprenkelten Brust, von dem es auch seinen Namen hat, bewahrt." (Sollte ein Huhn mit dem Namen Coucou de Rennes nicht eher auf der Bühne als in der Pfanne landen?)
Stichwörter: Schwein, Rasse, Schweine

Magazinrundschau vom 04.10.2011 - La regle du jeu

Wie eine Antwort auf Jonathan Safran Foers "Tiere essen" nimmt sich ein Projekt der Seite aus, das fünf Wochen lang täglich einen erklärten Fleischliebhaber zu Wort kommen lässt. Zugrunde liegt ihm eine Ausgabe der Zeitschrift Louchebem; das Wort bezeichnet einen Slang von Pariser und Lyoneser Metzgern. Unter den Autoren sind Schriftsteller, Intellektuelle und Menschen des öffentlichen Lebens. Der Sprachwissenschaftler und Erfinder des Dictionnaires "Petit Robert" Alain Rey etwa untersucht in seinem Beitrag Herkunft und Gebrauch des französischen Vokabulars rund ums Fleisch und dessen Verarbeitung. Der Unternehmer und ehemalige ehrenamtliche Präsident der Pariser Opera Bastille Pierre Berge schwärmt von der punktgenauen Zubereitung von Entrecote und Chateaubriand. Und der Schriftsteller Richard Millet erzählt, wie er nach zwanzig Jahren Ablehnung zum Fleischesser wurde: "Das tierische Fleisch stieß mich genauso ab wie der menschliche Körper, sein Aussehen und seine Funktionen, zu denen ich immer paradoxe Beziehungen hatte. Das Fleisch der Frau fasziniert mich dagegen bis zum Schwindligwerden, wohingegen das des Mannes mir widerlich erscheint und mich zu der Frage treibt, durch welche Schwäche die Frauen den halb tierischen Körper der Männer ertragen können, seine Behaarung, Masse, Gestank, Atem, Schädel, den fleischernen Spieß, mit dem sie sie öffnen, manchmal gewaltsam. Für Fleisch habe ich heute eine außerordentliche Vorliebe, die zur gleichen Zeit über mich kam, als ich den weiblichen Körper entdeckte."