
Unter der Überschrift "Die Diktatur der Diplome"
beschäftigt sich Pierre Loo mit dem
südkoreanischen Bildungssystem und dessen Geschichte. Das Land, in dem das Erlangen von Abschlüssen mit hohem Prestigewert von größter Bedeutung ist, sei ein "
Friedhof aufgegebener Berufungen" - Leidenschaften für Philosophie, Literatur, Kunst oder Küche würden unter dem Druck der Eltern einer Karriere bei Samsung, Hyundai oder doch zumindest als Chirurg oder Anwalt geopfert. "Jeglicher sozialer Kontakt konfrontiert Koreaner mit der unerbittlichen Frage:
Von welcher Universität ist dein Diplom?
Ein gutes Diplom macht einen
hochrespektablen Menschen aus einem, ungeachtet des Orts und der Umstände. Es schlägt sich ebenso auf die Ehrerbietung
nieder, mit der einem begegnet wird, wie auf den naturgemäßen Einfluss, den man auf sein Gegenüber hat, sofern dieser keinen vergleichbar
prestigeträchtigen Abschluss vorweisen kann... Das Schlimmste ist demnach selbstverständlich, gar keinen Studienabschluss zu haben: mangelnde Bildung wird gleichgesetzt mit Mittelmäßigkeit, um nicht zu sagen mit Vulgarität, für die es heutzutage praktisch keine Entschuldigung mehr gibt und die die betreffenden Unglücklichen in die
Kategorie Loser verweist."