Magazinrundschau - Archiv

La regle du jeu

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Magazinrundschau vom 04.10.2016 - La regle du jeu

Europa und die USA können natürlich mit Blick auf Aleppo weiterhin nichts tun, schreibt Bernard-Henri Lévy, aber "dann willigen wir - nach den Worten des französischen UN-Botschafters François Delattre - in ein neues Sarajewo ein, uns droht ein arabisches Guernica mit den russischen Schwadronen - trotz aller Unterschiede - in der Rolle der deutschen Legion Condor... Wir werden nicht nur Schande, sondern auch die extreme Verschärfung aller aktuellen Gefahren ernten - zunächst natürlich die einer noch dramatischeren Steigerung des Flüchtlingsstroms, der zum großen Teil aus Syrien kommt und direkte Folge der Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft in einem totalen Krieg ist."

Magazinrundschau vom 06.09.2016 - La regle du jeu

Als Wende im weltweiten Krieg gegen den Dschihadismus feiert Bernard-Henri Lévy die Einlassungen des marokkanischen König Mohammed VI. zum radikalen Islamismus, den dieser für gesetzlos erklärt hat. "Man kann nun wie quasi die Gesamtheit der islamischen und nicht-islamischen Staatschefs bis zum Überdruss wiederholen, dass zwischen dem Islam und dem Islamismus 'keinerlei Verbindung' bestehe. Mohammed VI. tut das Gegenteil. Er erkennt die Verbindung an und zerschneidet sie. Er nimmt den Hebel zur Kenntnis, der es diesen Banditen erlaubt, angeblich im Namen Gottes zu sprechen, und er spricht ihnen dieses Recht ab, um diesen Hebel zu zerbrechen."

Magazinrundschau vom 23.08.2016 - La regle du jeu

Sommerstarre, Denkfaulheit oder Vorurteile oder gleich alles zusammen attestiert Bernard-Henri Lévy den westlichen Medien. Anders kann er sich nicht erklären, dass sich niemand für den Angriff libyischer Verbände auf den Islamischen Staat in Syrte interessiert: „"Der Westen hat in Wahrheit in Libyen nur einen Fehler gemacht: dieses Land nicht einige Schritte weiter auf seinem Weg zur Demokratie zu begleiten, nach der es sich, wie es scheint, doch noch immer sehnt. Machen wir den gleichen Fehler nicht noch einmal. Zu diesem Zeitpunkt, wo es so wichtig ist, mit aller Deutlichkeit zu sagen, wer Feind und wer Verbündeter ist, muss man in diesen Libyern unsere Kampfgefährten gegen dieses absolute Böse namens Daech erkennen, wenn sie mit der Waffe in der Hand und um den Preis zahlreicher Toter lauthals verkünden: 'Keine Dschihadisten hier! In Libyen hat das Kalifat nichts zu suchen!'"

Magazinrundschau vom 07.06.2016 - La regle du jeu

David Isaac Haziza sieht in La Règle du Jeu einige israelische Tendenzen zu einer Blut-und-Boden-Ideologie, die er gerade bei einigen Rabbis aufblühen sieht und die zu einer Fetischisierung des Heiligen Landes zu führen drohe, und er fragt glatt, ob ein jüdischer Faschismus drohe. Dagegen setzt er die Idee der Diaspora als Ergänzung Israels: "Die Diaspora hat eine Rolle zu spielen, damit Israel seine Seele behält - sofern sie überhaupt gefährdet ist. Nur die Diaspora kann dem jüdischen Staat in Erinnerung bringen, dass man sich selbst nicht genug ist. Nur sie kann dies kleine Land mit dem befruchten, was es so groß gemacht hat: seinen Bezug zum Anderen und seinen Bezug zur eigenen Andersheit."
Stichwörter: Israel, Faschismus, Diaspora

Magazinrundschau vom 26.04.2016 - La regle du jeu

Die marokkanische Autorin Fatima Zohra Rghioui schreibt über eine Reise nach Paris und eine Diskussion, die sie in Lyon mit Schülern über die Lage der Frauen im Islam führte. "Es zeigte sich unverkennbar, dass diese Jugendlichen eine ziemlich traditionelle Auffassung vom Islam und keine Kenntnis von den großen Debatten haben, die man im 'Bled' führt. Es gibt einen bedauerlichen Bruch mit den Herkunftsländern. Ich nehme diesen traditionalistischen Diskurs übrigens häufig bei Marokkanern wahr, die im Ausland leben, ein Festhalten an Traditionen und Werten, die die marokkanische Gesellschaft gerade hinter sich zu lassen versucht." Was ihr selbst der "französische Traum vom freien und modernen Menschen" bedeutet, illustriert für sie ein Lied der legendären Sängerin Fairuz: "Paris, fleur de liberté".

Magazinrundschau vom 23.02.2016 - La regle du jeu

Sehr erbost äußert sich der Filmemacher François Margolin im Gespräch mit Félicité Wintenberger über Kritik an seinem Dokumentarfilm "Les Salafistes", der unter 18 Jahren verboten wurde - was die Auswertung des Films in Kino und TV fast unmöglich macht. Vorgeworfen wurde ihm, dass er die islamischen Fundamentalisten kommentarlos reden lasse. Margolin insistiert, dass sich der Standpunkt des Films aus den Fragen ergebe, die er ihnen stelle: "Mit der Idee, dass ein Film Kommentare brauche, fallen wir fünfzig Jahre zurück. Die größten Dokumentarfilmer (Depardon, Lanzman, Frederick Wiseman, Jean Rouch) fügen ihrer Arbeit keinen Kommentar hinzu. Es ist, als hätte das Fernsehen die Köpfe derartig deformiert, dass man es nicht mehr erträgt, wenn der Journalist nicht sagt, was man denken soll. Das ist eine intellektuelle Regression, die mich empört."

Bernard-Henri Lévy setzt sich in La Règle du Jeu außerdem mit Jean Birnbaums Buch "Un silence religieux" auseinander, dessen Kritik an der linken Idee von Religion er teilt - während er Birnbaums Vergleich zwischen den Spanien-Kämpfern von einst und den Jung-Dschihadisten heutiger Tage vehement ablehnt.

Magazinrundschau vom 09.02.2016 - La regle du jeu

In einem Gespräch über sein jüngstes Buch "L'Esprit du judaïsme" erläutert Bernard-Henri Lévy seine These, wonach der Antisemitismus zu einer Art globaler Religion zu werden droht. Der neue Hass ist eigentlich ein alter, allerdings in neuen Gewändern. Der heutige Antisemitismus stützt sich, wie er erklärt, auf drei Säulen: Antizionismus, Leugnung des Holocaust und - etwa in Bezug auf die Palästinenser - "idiotisch, aber schrecklich effizient" auf den Opferwettstreit. "Dies sind die drei Komponenten einer veritablen moralischen Atombombe. Wenn man zulässt, dass sie zusammenkommen, sich miteinander verschlingen und in Brand gesetzt werden, wird die Explosion fürchterlich. Weil es für große Massen von Männern und Frauen aufs Neue möglich wird, in vollem Bewusstsein antijüdisch zu sein."

Magazinrundschau vom 08.09.2015 - La regle du jeu

Bernard-Henri Lévy war vorletzte Woche, begleitet von einem Filmteam, mit kurdischen Peshmerga unterwegs, die den IS bekämpfen. In seinem Bericht erklärt er mit einer Serie von Argumenten, warum der IS diesen Krieg nicht gewinnen kann. Eines davon lautet, dass man niemals gewinnen könne, wenn man Zivilisten zu menschlichen Schutzschilden mache. Und ein weiteres: "Sie werden besiegt werden, weil der IS Verräter in den eigenen Reihen hat, die die Peshmerga über dessen Bewegungen informieren und ihnen so ermöglichen, vorsorgliche Maßnahmen zu ergreifen. Sie werden besiegt werden, weil man im Gebiet um Gwer (zufällig?) auf ihre Radiofrequenz stößt und ins Träumen gerät, dass sie enden werden wie die Roten Khmer, indem sie sich in allergrößter Konfusion gegenseitig umbringen."

Außerdem findet Bernard Schalscha bei den Äußerungen einiger französischer Intellektueller und Politiker, darunter Michel Onfray, Tariq Ramadan und Marine Le Pen, zur Flüchtlingskatstrophe und der angeblichen europäischen Verantwortung erstaunliche Ähnlichkeiten.

Magazinrundschau vom 01.09.2015 - La regle du jeu

Auch Europa schlägt das letzte Stündchen, wenn es nicht kapiert, dass die allermeisten Flüchtlinge aus politischen, und nicht aus wirtschaftlichen Gründen kommen und darum ein Recht haben, als Personen behandelt zu werden, schreibt Bernard-Henri Lévy in seiner wöchentlichen Kolume. Er weist auch darauf hin, das nur eine Minderheit nach Europa kommt - der Libanon und Jordanien haben eine viel größere Last zu tragen. "Was die Minderheit angeht, die doch nach Deutschland, Frankreich, Skandinavien, Großbritannien, Ungarn aufbricht, scheint sich niemand bewusst zu werden, dass sie keine Feinde sind, die uns zerstören oder auf unsere Kosten leben wollen, sondern Kandidaten für die Freiheit, die uns als gelobtes Land sehen, die auf unser Gesellschaftsmodell setzen und "Europa Europa" rufen, so wie Millionen Europäer einst auf Ellis Island "Amerika Amerika" riefen."

Magazinrundschau vom 11.08.2015 - La regle du jeu

Unter der Überschrift "Die Diktatur der Diplome" beschäftigt sich Pierre Loo mit dem südkoreanischen Bildungssystem und dessen Geschichte. Das Land, in dem das Erlangen von Abschlüssen mit hohem Prestigewert von größter Bedeutung ist, sei ein "Friedhof aufgegebener Berufungen" - Leidenschaften für Philosophie, Literatur, Kunst oder Küche würden unter dem Druck der Eltern einer Karriere bei Samsung, Hyundai oder doch zumindest als Chirurg oder Anwalt geopfert. "Jeglicher sozialer Kontakt konfrontiert Koreaner mit der unerbittlichen Frage: Von welcher Universität ist dein Diplom? Ein gutes Diplom macht einen hochrespektablen Menschen aus einem, ungeachtet des Orts und der Umstände. Es schlägt sich ebenso auf die Ehrerbietung nieder, mit der einem begegnet wird, wie auf den naturgemäßen Einfluss, den man auf sein Gegenüber hat, sofern dieser keinen vergleichbar prestigeträchtigen Abschluss vorweisen kann... Das Schlimmste ist demnach selbstverständlich, gar keinen Studienabschluss zu haben: mangelnde Bildung wird gleichgesetzt mit Mittelmäßigkeit, um nicht zu sagen mit Vulgarität, für die es heutzutage praktisch keine Entschuldigung mehr gibt und die die betreffenden Unglücklichen in die Kategorie Loser verweist."