Unbedarft finden die Autoren Clemens Böckmann und Domenico Müllensiefen es in der taz, wie Mariam Lau für Zeit Online den Roman "Herrengedeck" des neurechten (und im Umfeld von Björn Höcke werktätigen) Autors VolkerZierke rezensiert hat. Sie gehe der Strategie der Rechten auf den Leim, die in den vorpolitischen Raum vorzudringen suchten, meinen die beiden. "Nicht verständlich bleibt, warum Lau Zierke vorstellt, als wäre er ein interessanter Kandidat für ein Porträt und nicht Posterboy einer Strömung innerhalb der neurechten Literatur." So "entsteht der Eindruck, 'Herrengedeck' sei ein Buch eines Rechtsextremen, das zufällig auch für Nichtrechte interessant ist. Lau schreibt, es sei 'erstaunlich' und 'verblüffend', dass aus diesem Milieu solche Stimmen zu hören sind. Dabei ist eben diese vermeintlich niedrigschwellige Anschlussfähigkeit Strategie. ... Egal, ob das Buch positiv oder negativ besprochen worden wäre, integriert die Zeit mit dieser Rezension die Neue Rechte ein Stück weiter in die gesellschaftliche Mitte."
Andreas Platthaus ärgert sich in der FAZ über den Umgang der Stadt Frankfurt am Main mit dem Andenken an MarcelReich-Ranicki: Zwar benennt die Stadt morgen nach ihm einen Platz, der auch so ungefähr in der Nähe der einstigen Wohnadresse des Literaturkritikers gelegen ist. Doch "wer Marcel Reich-Ranicki kannte, der weiß, dass er sich hier nie aufgehalten hat, er fuhr ja nicht einmal U-Bahn. ... Nachdem Frankfurt es versäumt hat, die Reich-Ranickis zu deren Lebzeiten zu Ehrenbürgern zu machen, werden sie nun wie nebenbei abgewürdigt."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weitere Artikel: Die Comicjury des Tagesspiegelverkündet die besten Comics des Quartals. Auf Platz Eins: "Wiedersehen mit Comanche" von RomainRenard. Anders als MaryWollstonecraft interessierte sich JaneAusten nur wenig für die "Schicksale aus der Unterschicht", schreibt Julia Hubernagel in der taz. Und Elke Schmitter blickt für die taz auf romantische Gefühle zu Austens Zeiten und heutzutage (alle Texte der taz-Reihe zu Austen finden sich hier). In den "Actionszenen der Weltliteratur" erinnert Michael Pilz daran, wie sich der SchriftstellerPéterEsterházy beim Fußballspielen einmal den Meniskus riss.
Besprochen werden unter anderem GaryVictors "An der Kreuzung der Parallelstraßen" (FR), eine Gesamtausgabe mit den Geschichten rund um den Kriegsreporter Frank Cappa des spanischen Comicautors ManfredSommer (Intellectures), Sarah Iles Johnstons "Von Göttern und Menschen", in dem die Autorin die griechischenMythen neu erzählt (NZZ), neue Bücher von AlexanderKluy und HannsZischler über Bleistifte (Tsp) sowie HelgaSchuberts "Luft zum Leben" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Aus GünterGrass' einstigem Wohnhaus in Behlendorf, eine kleine Autofahrt vor den Toren Lübecks gelegen, wird entgegen dem testamentarischen Wunsch des Schriftstellers nun doch keine kulturelle Einrichtung, meldet Hubert Spiegel in der FAZ. Stattdessen landet das Haus nun auf dem Immobilienmarkt." Im Grass-Haus in Lübeck trauert man der verpassten Chance nach, weiß aber auch, dass der Spagat zwischen zwei Grass-Häusern schwierig geworden wäre."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weiteres: In der Jane-Austen-Reihe der tazwidmet sich Renate Kraft heute "Überredung", dem letzten Roman der britischen Autorin. Der SchriftstellerThomasHürlimannspricht in der NZZ mit Rico Bandle über seine Nahtoderfahrungen im Zuge einer komplizierten Krebsbehandlung. Claudia Fromme schreibt in der SZ zum Tod der Bestsellerautorin SophieKinsella.
Besprochen werden unter anderem MariamNaiems, YuliaVus und IvanKypibidas Comic "Kurze Geschichte eines langen Krieges" über den russischen Angriff auf die Ukraine (FAZ.net), AlpaShahs Reportage "Nachtmarsch. Unterwegs mit Indiens vergessenen Guerillas" (NZZ), LászlóKrasznahorkais "Zsömle ist weg" (Zeit) und AbdulrazakGurnahs "Diebstahl" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Besprochen werden LászlóKrasznahorkais "Zsömle ist weg" (FR, NZZ), JoanDidions "Notizen für John" (Tsp), JohnIrvings "Königin Esther" (Standard) und LeaYpis Essay "Aufrecht" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Gregor Dotzauer resümiert im Tagesspiegel die Nobelpreisrede, die LászlóKrasznahorkai gestern in Stockholm gehalten hat. Es war ein Hochamt des apokalyptischen Denkens. Eigentlich wollte der ungarische Schriftsteller über die Hoffnung sprechen, hat "dann aber feststellen müssen, dass seine Hoffnungsvorräte ein für allemal aufgebraucht seien" und dass auch die großen Hoffnungsstifter der Kulturgeschichte "unbrauchbar geworden sind. ... Die Engel, die der ungarische Apokalyptiker vor sich sieht, sind nicht nur flügellahm, sondern flügelamputiert. ... In den unseligen Strukturen einer Welt, deren Zeit- und Raumverständnis, so Krasznahorkai, von neuen Herrschern wie Elon Musk organisiert wird, verkörpern sie nur noch eine Heilige Nacht der schwärzesten Art - die Nacht alles Heiligen. ... Wie er im Schweinsgalopp durch die Evolutionsgeschichte eilte, in deren Verlauf sich der Mensch aufrichtet und im Herzen wieder verkrümmt, einen Glauben gewinnt und wieder ablegt, und aus magischen Traditionen ein Kunstverständnis entwickelt, das in Leonardos 'Letztem Abendmahl' und der Musik von Johann Sebastian Bach gipfelt, das war der unheimliche Blick in den Abgrund einer ausgeplündertenErde, die keinezweiteChance bekommen wird."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weitere Artikel: Gerrit Bartels schreibt im Tagesspiegel über den bosnisch-kroatische SchriftstellerMiljenkoJergović, der für seinen Erzählband "Das verrückte Herz" im nächsten Jahr den Europäischen Verständigungspreis der Leipziger Buchmesse erhält. Daniel Zylbersztajn-Lewandowski erzählt in der taz von seiner Reise ins britische Chawton, wo JaneAusten einst wohnte. Hubert Spiegel gratuliert in der FAZ dem LiteraturwissenschaftlerWulfSegebrecht zum 90. Geburtstag. Ebenfalls 90 wird der LiteraturwissenschaftlerFriedrichPfäfflin, dem Wolfgang Matz in der FAZ gratuliert. Und das Tell-Team gibtKinderbuch-Tipps zu Weihnachten.
Besprochen werden unter anderem Woody Allens Romandebüt "What's with Baum?" (Standard), JohnBanvilles "Schatten der Gondeln" (NZZ), RomainGarys "Europäische Erziehung" (NZZ), DorisDörries "Wohnen" (online nachgereicht von der Zeit) und LászlóKrasznahorkais "Zsömle ist weg" (FAZ).
Angesichts dessen, dass die bei Jugendlichen äußerst beliebte, den Verlagen und Buchläden Traumumsätze bescherende New-Adult- und Romance-Literatur immer mehr mit reißerischen Pornoszenen durchsetzt ist, fragen sich manche Eltern schon, ob sie die Bücher ihren Kindern wegnehmen sollten. Marlen Hobrack gibt in der Welt zumindest vorsichtige Entwarnung: Bei genauerer Lektüre zeigt sich, "dass das Genre sich selbst nicht sonderlich ernst nimmt und es bei aller Deutlichkeit der Darstellung stets um Humor und Absurdität geht. Es ist zudem ein zutiefst weiblich geprägtes Genre, das von Autorinnen dominiert wird. Das hat Folgen für die Texte: Viele der Sexszenen in Smut-Romanen sind am Ende erheblich besser geschrieben als Vergleichbares in der 'hohen' Literatur. Gute Pornografie ist eben eine Kunst für sich. Obendrein fokussieren die Sexszenen fast immer auf das weibliche Erleben. ... Eine vorsichtige Kontrolle der gelesenen Inhalte kann nicht schaden. Vielleicht wollen wir als Eltern aber aus guten Gründen auch nicht zu viel wissen vom bizarren Lesevergnügen unserer Töchter."
Viele New-Adult- und Romance-Romane beziehen sich im übrigen auf JaneAusten als Inspiration, schreibt Nina Wolf in der taz, hat gegen diese Vereinnahmung aber auch einige Einwände. Etwa diesen: "Das Happy End gehört in beide Welten, meint aber Unterschiedliches. Wenn das Paar zueinanderfindet, ist es bei Austen ein ökonomischer und sozialer Grundpfeiler, der Frauen überhaupt erst Handlungsspielraum verschafft. In einer Zeit, in der unverheiratete Damen nach geltendem Recht nicht einmal eine eigene Wohnung haben oder alleine reisen durften. ... In der modernen Romance dagegen dient die Beziehung, die Heirat, eher der innerenHeilung, weniger der sozialen Sicherung. Dass der Love Interest meist beinahe zufällig Millionär, Erbe, Neurochirurg oder hochbezahlter Profisportler ist, erscheint als geduldeter Bonus, nicht als Existenzsicherung. Reichtum ist hier ein ästhetischer Effekt, Geld existiert als Versprechen von Sorglosigkeit, aber es wird fastschamhaftverleugnet."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Für den Standardporträtiert Stefan Kutzenberger den peruanischen AutorGustavoFaverónPatriau, dessen zweiter Roman "Unten leben" vor kurzem auch auf Deutsch erschienen ist und dem die Herzen der Literaturkritikern nur so zufliegen: "Bolaño und Knausgård haben das Tor in die Literatur des 21. Jahrhunderts weit aufgestoßen, doch es ist Faverón, der mutig hindurchschreitet und zeigt, wohin die Reise führt."
Weiteres: In der FAZ gratuliert Gina Thomas dem SchriftstellerJohnBanville zum 80. Geburtstag. Und das NZZ-Team blickt zurück auf die literarischenHighlights2025. Besprochen werden JoanDidions "Notizen für John" (online nachgereicht von der Zeit), EmmanuelCarrères "Kolkhoze" (Standard), PaulKarasiks, LorenzoMattottis und DavidMazzucchellis nunmehr abgeschlossene Comicadaption von PaulsAusters New-York-Trilogie (Standard) und NorbertFreis Biografie über KonradAdenauer (NZZ).
Martina Meister erzählt in der WamS von ihrer Begegnung mit BoualemSansal, der zum Glück endlich wieder frei ist. "Als Häftling, erklärt er, durchlaufe man zwei Etappen. Während der ersten fühle man sich noch wie man selbst. Die Identität ist intakt. Man sei ein Mensch, der etwas Monströsem gegenüberstehe und nicht verstehe, wie ihm geschieht. Er habe sich beschwert, aufbegehrt, er habe das Monster besiegen wollen. Und dann, irgendwann, in Wahrheit sehr schnell, beginne die zweite Phase, wenn das Gefängnis siegt. 'Man ist kein Mensch mehr, nicht mal ein Gefangener, man ist nur noch eine Nummer', sagt Sansal. ... '46.611', sagt er, wie aus der Pistole geschossen, wenn man ihn nach seiner Nummer fragt. Er war nicht mehr Boualem, er war nicht mehr Monsieur Sansal, sondern 46.611. Aber seine Mitgefangenen sprachen nur von der 'Legende', la légende."
Bestellen Sie bei eichendorff21!"Bilder und Zeiten" der FAZ dokumentiert die Laudatio des Verlegers und Börsenverein-Chefs Sebastian Guggolz auf die Übersetzerin Claudia Sinnig, die litauischeRomane ins Deutsche überträgt und für ihre Arbeit an RicardasGavelis' "Vilnius Poker" nun mit dem Straelener Übersetzerpreis ausgezeichnet wurde. In Litauen entsteht "durch die Verknüpfung von archaischen Motiven und archaischer Sprache mit der unmittelbaren Gegenwart und vor allem mit den Zumutungen und dem entfesselten Fortschrittseifer, mit der noch schlimmer entfesselten Gewalt und den Gräueln des zwanzigsten Jahrhunderts eine ganz besonders moderne, gleichermaßen traditionsbewusste wie unbedingt avantgardistische Literatur. ... Die Sprache, die Claudia Sinnig für ihre Übersetzungen von Klassikern findet, hallt mächtig wider, wirft Echos aus der Vergangenheit in sie zurück und drängt vital nach Nähe und Berührung zwischen dem vergangenen Früher und dem unmittelbaren Heute." Hier ein Überblick über Sinnigs Übersetzungen.
Weiteres: Magnus Klaue beklagt in der Literarischen Welt den Niedergang des Lektors, der nicht mehr so sehr im vertrauensvollen Verhältnis zum Autor als erster Leser und Kritiker, aber auch entscheidender Geburtshelfer des Textes fungiert, sondern im Zeitalter der voranschreitenden Verwaltung bloß noch dem Mittelmaß dienlich sei - "und das Ergebnis heißt dann 'Qualitätssicherung'". Arno Widmann gratuliert in der FR der SchriftstellerinSigridDamm zum 85. Geburtstag. Marta Kijowska erinnert im "Literarischen Leben" der FAZ an den polnischen Literaturnobelpreisträger WładysławStanisławReymont, der vor hundert Jahren gestorben ist. Die Literaturwissenschaftlerlin Annette Werberger erinnert in "Bilder und Zeiten" der FAZ daran, wie Rilke auf seinen Reisen und bei seinen Recherchen Kiew "hartnäckig als russisch" imaginierte. Wilhelm von Sternburg erinnert in der FR an den SchriftstellerHorstBienek, der vor 35 Jahren gestorben ist. In der FAS porträtiert Tobias Rüther den AutorMickHerron, aus dessen Spionageromanen gerne Fernsehserien werden. Jens Ulrich Eckhard porträtiert in der Literarischen Welt den Bookfluencer "Bücherschrank", der sich mit beherzter Rustikalität von anderen Bookfluencern abzugrenzen versucht.
Besprochen werden RonyaOthmanns "Rückkehr nach Syrien" (taz), AldousHuxleys Essay "Zeit der Oligarchen. Über Wissenschaft, Freiheit und Frieden" (NZZ), SyMontgomerys "Tête-à-Tête mit einer Schildkröte" (FR), HelmuthKiesels Studie "Schreiben in finsteren Zeiten" über die Geschichte der deutschsprachigen Literatur (LitWelt), MargaretAtwoods "Book of Lives" (SZ, LitWelt), und neue Kinderbücher, in denen es ums Graben in der Erde geht (FAS).
Bestellen Sie bei eichendorff21!Philip Cassier bewundert in der WeltThomasMann für dessen auf der BBC unter dem Titel "Deutsche Hörer!" ausgestrahlten Reden, in denen der Schriftsteller seine Landsleute über die Verbrechen der Nazis aufzuklären versuchte. Christine Knödler spricht für die SZ mit der JugendbuchautorinSarahJäger. Dirk Knipphals empfiehlt in der taz Nils Kahlefendts beim Dlf Kulturonline stehendes Radiofeature über Verlagsgründer, die sich von ihren Verlagen trennen. Tilman Krause (online nachgereicht von der Wams) und Gerhard Zeilinger (Standard) schreiben über RainerMariaRilke, der gestern vor 150 Jahren geboren wurde.
Besprochen werden unter anderem die von Kateryna Mishchenko und Katharina Raabe herausgegebene Anthologie "Geteilter Horizont. Die Zukunft der Ukraine" (NZZ), DavidSzalays "Was nicht gesagt werden kann" (Standard) und NataschaWodins "Die späten Tage" (FAZ).
Heute vor 150 Jahren wurde RainerMariaRilke geboren: In der SZ assoziert sich ClemensJ. Setz, der gerade auch ein Buch über Rilke veröffentlich hat, durch Fundstellen in Rilkes Werk und Andreas Platthaus berichtet in der FAZ von seinem Besuch in der großen Rilke-Ausstellung in Marbach, für die die Literaturinstitution "aus dem Vollen schöpfen kann", lagern hier doch seit drei Jahren die Materialien aus dem Rilke-Archiv Gernsbach. Cynthia Cornelius porträtiert in der taz die Hörspielautorin TiaMorgen, die für ihren Zweiteiler "Nixe" (ab morgen online beim WDR), in dem sie von Gewalt in queeren Beziehungen erzählt.
Besprochen werden neue Bücher von WilliWinkler und Matthias Bormuth über HannahArendt (FAZ) und Hans-PeterKunischs "Das Flimmern der Raubtierfelle" über Rilkes Verhältnis zum Faschismus (SZ).
Das Comicfestival Angoulême wird 2026 nicht stattfinden. In der SZ berichten Martina Knoben und Kathrin Wiesel-Lancé über die Hintergründe: "Framck Bondoux, der Leiter der Agentur 9emeArt+, der seit 2007 das Festival organisiert, hatte seinen Rücktritt angekündigt, nachdem ihm Missmanagement und Vetternwirtschaft vorgeworfen worden waren. Schwer wiegt zudem der Vorwurf, eine Angestellte entlassen zu haben, kurz nachdem sie wegen einer Vergewaltigung während des Festivals 2024 Klage eingereicht hatte." Das Festival hatte schon in früheren Jahren im Zuge von Missbrauchsvorwürfen für Schlagzeilen gesorgt.
Besprochen werden u.a. Jan Costin Wagners "Eden" (FAZ), Victor Schefés "Zwei, drei blaue Augen" (FAZ), Rie Qudans "Tokyo Sympathy Tower" (FAZ), Arno Schmidts "Tagebücher der Jahre 1957-62" (FAZ), John Updikes "Selected Letters" (SZ), Harper Lees "Das Land der süßen Ewigkeit" (Zeit Online), Clara Heinrichs "Puztagold" (Tagesspiegel), Thomas Illies' Thomas-Mann-Buch "Wenn die Sonne untergeht" (Presse) und Aldous Huxleys "Zeit der Oligarchen" (Welt). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Die Buchmessestadt LeipzigohneLiteraturhaus? Undenkbar, findet Dirk Knipphals in der taz. Und doch könnte dem dortigen Literaturhaus Ende 2027 das Aus drohen. "Finanziert wurde es bislang - neben den Einnahmen und den Drittmitteln - aus einem Vereinsvermögen, das noch aus Mitteln des Kulturministeriums der DDR stammt. Dieses Geld ist jetzt weitgehendaufgebraucht. Der Trägerverein riskiert eine Klage wegen Insolvenzverschleppung, wenn es die Räume des Literaturhauses im Leipziger Haus des Buches nicht kündigen würde, so Leiter Thorsten Ahrend. ... Irgendeine Lösung muss doch möglich sein. Es kann doch gar nicht sein, dass ausgerechnet Leipzig, das auf seine buchhändlerische und literarische Tradition so stolze Leipzig als erste deutsche Stadt ein Literaturhaus wieder schließt! Das kann doch nicht sein. Oder?"
Bestellen Sie bei eichendorff21!Johann Voigt porträtiert in der taz die dänische SchriftstellerinOlgaRavn, die in ihren Büchern experimentelle und Genre-Literatur miteinander verbindet und mit "Wachskind" gerade einen Roman über die Hexenverfolgung im Dänemark des 17. Jahrhunderts geschrieben hat. Ihre "Romane eint, dass sie fragmentarisch sind, eine literarische Zerfaserung in einzelne Textteile, Ausflüge in Lyrik, Essay und szenische Texte und ein Spiel mit Intertextualität. Die Kernelemente aller ihrer Texte sind die Fragen danach: Wie kann eine solidarische Gemeinschaft entstehen? Und inwiefern halten patriarchale Strukturen und ungleiche Arbeitsbedingungen uns davon ab? Dass die Handlungen dabei nicht nur in der Gegenwart verankert sind, sondern auch auf Raumschiffen der Zukunft und in Kerkern der Vergangenheit, ist eine große Stärke Ravns: Genreliteratur fließt in ihre Texte ganz natürlich mit hinein."
Außerdem kürt die Welt die besten Sachbücher des Monats. Auf dem ersten Platz: der Briefwechsel zwischen SigmundFreud und seiner späteren Ehefrau MarthaBernays.
Besprochen werden unter anderem JonasHassen Khemiris "Die Schwestern" (54books), ClemensMarschalls Biografie über die "Wilde Wanda", Wiens einzige Zuhälterin (NZZ), und eine Neuübersetzung von GeorgeSands "Nanon" (SZ).