Schon heute ist Schriftstellerei eine Form der Kuration, bei der Einflüsse und Vorbilder enggeführt und verdichtet werden - so lautet ein beliebter Einwand gegen die Kritik am KI-EinsatzbeimschriftstellerischenProzess. Sicher, kann dem der SchriftstellerBenedictWells in einem epischen Longread auf Zeit Online auf halber Länge beipflichten, doch das entscheidende ist für ihn, dass es immer noch ein Mensch und dessen Subjektivität sind, die diesen Einfluss verwalten - und eben nicht bloße Stochastik. "Man stelle sich einen gefeierten neuen Roman vor, der in weiten Teilen mit künstlicher Intelligenz geschrieben und kuratiert wurde. Und wie die Autorin ... gefragt wird, was diese eigentümliche Metapher mit der schwarzen Sonne denn bedeute, warum sie ein gewisses Thema gewählt habe oder was sie mit jener Szene eigentlich aussagen wolle. Und plötzlich wird es still auf der Bühne, sehr still. Weil die Autorin es selbst nicht weiß. Literatur ist etwas zutiefst Persönliches: unser Blick auf die Welt, unser erlittener Schmerz, unsere Ängste, unsere trotzige Hoffnung. Unsere Empathie. Eine KI, die nicht selbstständig fühlt, kann uns berechnen, gewitzte Statements geben und geniale Texte schreiben, aber sie wird nie aus sich selbst heraus wissen, warum." Bestellen Sie bei eichendorff21!Hannes Stein spricht für die Welt mit dem US-Journalisten GeorgePacker, der sich dazu entschlossen hat, das harte Faktengeschäft in den Redaktionsstuben für einmal hinter sich zu lassen und einen Roman zu schreiben: "The Emergency" handelt von einer USA, die nach allen Regeln der Kunst zusammengebrochen ist. Ein Vorbild war dabei Stefan Zweigs "Die Welt von gestern", verrät er - wie auch seine Motivation für diese berufliche Neuorientierung: "Ich hatte ein bisschen den Glauben an den Journalismus - an die Macht der Tatsachen - verloren. Sie wissen, dass es in Amerika keinen Sinn mehr dafür gibt, dass wir alle in derselben Realität leben. Jeder hat seine eigenen Nachrichten, seine eigenen Verschwörungsmythen. Ich war müde geworden, dauernd zu sagen: Das ist es, was gerade passiert. ... Das Verschwinden der Wahrheit als Instanz, die uns verbindet, ist für mich verstörender als Gewalt, Korruption, den kriechenden Autoritarismus, den wir derzeit in Amerika erleben. Es fühlt sich so an, als habe sich der Boden unter unseren Füßen aufgetan."
Der Typus des älteren bis alten, weißen Schriftstellers genießt auf den Bühnen der deutschen Literaturhäuser nicht mehr ganz so selbstverständlich wie noch vor wenigen Jahren das Privileg einer besonderen Berücksichtigung, stellt Melanie Mühl in der FAZ fest, nachdem sie sich bei den entsprechenden Institutionen umgehört hat. "Der erratisch auftretende Autor, der zum Publikum und nicht mit ihm spricht, trifft nicht mehr den Ton der Zeit. Dessen Klang hat auch mit der medialen Vernetzung jüngerer Leser zu tun, die auf Instagram aktiv sind, Booktokern folgen und mit ihren literarischen Idolen in einen Austausch über deren Bücher treten möchten. Nahbarkeit ist eine wichtige Währung. Grantler gehen auf der Bühne höchstens noch als Kuriosität durch. ... Zu beklagen ist das nicht."
Rainer Maria Rilke, dessen Geburtstag sich am 4. Dezember zum 150. Mal jährt, ist in der anglophonen Popkultur viel präsenter als bei uns, staunt Johanna Adorján in der SZ und fragt sich: "Liest sich Rilke auf Englisch eventuell besser, griffiger, zitierfähiger als im Original?" Allerdings stellt sie auch bald fest, dass der Autor auf Englisch im Grunde nicht viel mehr als ein Lebensratgeber ist, an dem man sich gut wärmen kann. "Auf Deutsch ist Rilke mehr mit Sprachlichem beschäftigt, scheint Inhalt Form und Klang unterzuordnen und ist daher nicht immer so leicht zu verstehen. Das heißt nicht, dass wir Rilke auf Englisch lesen sollten, erklärt aber vielleicht, warum er hierzulande nicht populärer ist. Und doch dürfen wir, die wir des Deutschen mächtig sind, uns sehr glücklich schätzen, Rilke im Original lesen zu können. Denn die Schönheit seiner Sprache ist unübersetzbar groß."
Außerdem: Die Zeit hat Maja Goertz' Porträt der SchriftstellerinAnnaPrizkau online nachgereicht. Martin Conrads resümiert in der taz eine Tagung an der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig zur GeschichtederRaubdrucke in Deutschland. Das Krimiteam der FAZ gibt zahlreiche Krimitipps. Besprochen werden unter anderem Verena Kesslers "Gym" (NZZ am Sonntag), Ursula Krechels "Sehr geehrte Frau Ministerin" (NZZ), Victor Schefés "Zwei, drei blaue Augen" (FR) und Grit Straßenbergers Biografie über Hannah Arendt (Welt).
Die antiisraelische Bestsellerautorin Sally Rooney fürchtet, dass ihre Bücher aus britischen Buchläden verschwinden. Rooney hatte sich auch nach dem Verbot der Gruppe "Palestine Action" als terroristische Vereinigung weiterhin zu ihr bekannt. Haroon Siddique zitiert im Guardian eine Äußerung von ihr: "Wenn 'Palestine Action' zum Zeitpunkt der Veröffentlichung meines nächsten Buches immer noch verboten ist, dann wird dieses Buch für Leser auf der ganzen Welt und in Dutzenden von Sprachen erhältlich sein, aber nicht für Leser im Vereinigten Königreich, einfach weil niemand es veröffentlichen darf (es sei denn, ich bin bereit, es kostenlos zu verschenken)." Ein Kommando der Gruppe soll in eine Waffenfabrik eingedrungen sein und Polizisten mit Vorschlaghämmern attackiert haben. Siddique schreibt weiter: "Seit dem Verbot hat Rooney erklärt, sie beabsichtige, die Erlöse aus ihren Werken zur Unterstützung von Palestine Action zu verwenden, was sie dazu veranlasste, eine Reise nach Großbritannien zur Entgegennahme einer Auszeichnung aus Angst vor einer Verhaftung abzusagen."
Rainer Maria Rilkes 150. Geburtstag hält die Feuilletons weiter auf Trab. in der FRgratuliert Björn Hayer dem Dichter zum Jubläum, in der NZZrekonstruiert Roman Bucheli die letzten Lebensjahre Rilkes im Wallisischen Siders. Ebenfalls in der NZZ findet sich ein besonderes Schmankerl: ein bisher unveröffentlichtes Rilke-Gedicht. Entstanden ist der Vierzeiler im Jahr 1919 als Widmung für die Dichterin Mara Corradini, in deren Nachlass Andreas Müller-Weiss ihn ausfindig gemacht hat. Wir zitieren im Volltext:
"Gesichter: Zifferblätter welches Zeigers? Leid, Zorn und Jubel: Stunden welcher Zeit? - Der Zeigefinger wandert Gott des Schweigers über den Scheibenkreis der Einsamkeit."
Kai Sina bespricht in der der FAZ zwei Romane bekannter Comedians, gegen die beide im Zuge der #MeToo-Bewegung Missbrauchsvorwürfe erhoben wurden: Louis C.K. und Woody Allen. Bislang liegen sowohl C.K.s "Ingram" als auch Allens "What's with Baum" nur auf Englisch vor. Sina stört sich in beiden Fällen an einer Tendenz zur nostalgischen Selbststilisierung. Schon die Begleitfotos in den Publikationen evozieren "ein auratisches Bild von Autorschaft, das seinen Ort tief im zwanzigsten Jahrhundert hat: raschelndes Papier und mechanischer Lärm statt Bildschirm, Textverarbeitung und Künstliche Intelligenz." Sina hält nicht viel von "Autoren, die wenig mehr zu bieten haben als Gesten des Rückzugs, des Rückblicks, der leisen Klage. Während man dies Woody Allen weniger zum Vorwurf machen kann - schließlich entstammt er der Welt, die er mit seinem Buch noch einmal zum Leben erweckt -, muss sich Louis C.K. diese Kritik schon gefallen lassen: Wenn nicht nur er 'Ingram' für einen großen Roman hält, sondern auch die Leser, dann hat er der Literatur einen Bärendienst erwiesen."
Außerdem: Julia Encke spricht in der FAS mit Florian Illies über Thomas Mann. Mit T.C. Boyle unterhält sich FR-ler Steven Geyer. Marc Zitzmann erläutert in der FAZ die spezielle Beziehung des Schriftstellers Roger Caillois zu Steinen. Die Lyrikerin Daniela Seel denkt in der FAZ über eine gefällte Robinie und über Kleist nach. Ebenfalls in der FAZ erinnert Tilman Spreckelsen an die vor 200 Jahren im Alter von gerade einmal 17 Jahren verstorbene Dichterin Elisabeth Kulmann. Adam Soboczynski unterhält sich in der Zeit mit dem Schweizer Star-Autor Nelio Biedermann. Andreas Platthaus gratuliert in der FAZ dem Unionsverlag zum 50.
Besprochen werden u.a. Ishbel Szatrawskas Debütroman "Die Tiefe" (FAZ), Bernd Schuchters "Kleiner Atlas der nie geschriebenen Bücher (FAZ), Michal Ajvaz' "Die andere Stadt" (FAZ), Salman Rushdies "Die elfte Stunde (FAZ), Hans Wollschlägers "Der Fall Adam" (FAZ), Helga Schuberts "Luft zum Leben" (FAZ), Hisham Matars "Meine Freunde" (FAZ), Frank Trentmanns "Die bedrohte Republik" (FAZ), Natascha Wodins "Die späten Tage" (Zeit Online), Barbara Yelins "Die Giehse" (taz) und Hu Anyans "Ich fahr Pakete aus in Peking" (taz). Rico Bandle und Lucien Scherrer interviewen für die NZZ Bestsellerautor Ken Follett.
Im Rahmen der Frankfurter Anthologie stellt Ute Jung-Kaiser Albert von Chamissos Übersetzung eines Gedichts von Hans Christian Andersen vor: "Es geht bei gedämpfter Trommeln Klang. / Wie weit noch die Stätte, der Weg wie lang!"
Akademie der Künste, Berlin / Foto: Roman März. Günter Grass. Entwurf für den Buchumschlag seines Romans "Die Blechtrommel, 1959. Akademie der Künste. Lothar Müller leuchten in der SZ die Augen: Die Akademie der Künste öffnet für die Ausstellung "Out of the Box" ihr Archiv und zeigt Objekte aus den vergangenen 75 Jahren. So kommen allerhand Schätze verschiedener Künste zum Vorschein: "In der Nähe der komplexen Partituren von Bernd Alois Zimmermann der rotierende 'Nullstrahler' von Hermann Scherchen, die hoch aufragende Lautsprecherkugel und Franz Fühmanns hinreißende großformatige Collage mit Bergwerks-, und Unterweltmotiven, um 1981 für das Romanprojekt 'Im Berg' entstanden, hält nicht nur seine Einfahrten in die Gruben des Mansfelder Landes fest, sondern auch die Collagetraditionen der Zwanzigerjahre. Neben der Blechtrommel, die in Volker Schlöndorffs Verfilmung des Grass-Romans David Bennent als Oskar Matzerath gerührt hat, und den Privataufnahmen, die Mario Adorf während der Dreharbeiten gemacht hat, liegt eine in Paris entstandene Manuskriptseite des Romans."
Ebenfalls in der SZ trifft Johanna Adorjan die amerikanische SchriftstellerinJamaica Kincaid, die sich derzeit in der Berliner American Academy am Wannsee aufhält. Bald kommen die beiden auf den Holocaust zu sprechen, und Kincaid wundert sich "wie prominent Berlin sich die einst hier begangenen Gräueltaten ins Schaufenster stellt. Als Tourist bekomme man alles gezeigt. … Aber natürlich, entgegnet sie sich selbst, sei das besser, als die Verbrechen totzuschweigen, so wie das in den USA betrieben würde. Es ist eine ihrer Thesen, dass das, was im Holocaust gipfelte, 1492 in Spanien seinen Ursprung nahm. Damals trat Christoph Kolumbus von Spanien aus seine erste Entdeckungsreise an, infolge derer Europa weite Teile der übrigen Welt mitsamt ihren Bewohnern unterwarf, ausbeutete, versklavte. Und Europäer alles, was bis dahin in diesen Ländern, Kontinenten stattgefunden hatte, überschrieben, neu benannten, ihr gewaltsames Erscheinen zur Stunde null in deren Geschichte erklärten. 'Es ist sehr viel Leid und Gewalt von Europa aus über die Welt gebracht worden', sagt Jamaica Kincaid." Vom Rest der Welt zu schweigen.
Außerdem: In Leipzig droht die Schließung des Literaturhauses - FAZ-Literaturchef Andreas Platthaus ist alarmiert. Dabei bräuchte das Literaturhaus, das nach jetziger Lage im Jahr 2027 schließen müsste, nur 205.000 Euro von der Stadt, so Platthaus.
Besprochen werden Verena Luekens Buch "Alte Frauen" (taz), zwei Hannah-Arendt-Biografien (NZZ), Marko Dinics Roman "Buch der Geister" (SZ), Walter Moers' "Qwert" (FR) und Britta Langes "Passfotos unter Zwang" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Kerstin Holm hat sich für die FAZ durch den neuen Roman "Lemner" des stalinistisch-imperialistischen russischen Schriftstellers Alexander Prochanow gearbeitet, ein "Opus von barocker Sinnlichkeit", dessen Hauptfigur an den ehemaligen Anführer der Gruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, angelehnt ist. Der Roman ist ein Lobgesang auf Krieg, Repression und Staatswillkür, so Holm, wurde aber dennoch bereits aus dem Verkehr gezogen, weil "der Autor den Präsidenten in seinem Roman nur in Gestalt von Doppelgängern auftreten" lässt, "da das Original selbst, das regelmäßig sein Blut durch das chinesischer Jungfrauen austauschen und sich so verjüngen ließ, nach einem Zwischenfall bei der Prozedur komatös darniederliegt."
Bestellen Sie bei eichendorff21!David Hugendick rauft sich im Aufmacher des Zeit-Feuilletons die Haare: Auf Plakaten an 13 deutschen Bahnhöfen zeigt die Deutsche Bahn nun von KI auf "Snackgröße" zusammengeschrumpfte Klassiker der Weltliteratur. Und doch passt das irgendwie, meint er, denn: "Dass die deutsche Lesewilligkeit inzwischen eine ähnliche Abstiegsgeschichte genommen hat wie der Bahnhof, hörte man zuletzt auch immer wieder, zum Beispiel in Christoph Engemanns 'Die Zukunft des Lesens', woraus man erfuhr, dass die Zahl der Buchkäufer im vergangenen Jahrzehnt um zehn Millionen Menschen gesunken sei.
Weitere Artikel: In der FAZ gratuliert Andreas Platthaus dem ehemaligen Penguin-Verleger Wolfgang Ferchl zum Siebzigsten. Besprochen werden David Szalays Roman "Was nicht gesagt werden kann" (taz, FR), Monika Kims Roman "Das Beste sind die Augen" (Zeit) und Daniela Danz' Gedichte "Portolan" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Die Welt bringt die deutsche Übersetzung eines Interviews, das Yves Thréard und Vincent Trémolet de Villers für Le Figaro mit Boualem Sansal geführt haben. Sansal berichtet darin über seine Verhaftung in Algier, die Haftbedingungen, die Unterstützung und über seine Pläne nach der Entlassung. Gleich zu Beginn sei ihm klar gewesen, dass er nicht wie jeder andere Gefangene behandelt werden würde. In der Nacht seiner Verhaftung wurde er zunächst in Räumen im Keller des Flughafens festgehalten. "Gegen ein Uhr morgens kam dann eine Gruppe von Männern, zwielichtige Typen, die halb wie Islamisten, halb wie normale Straßenräuber gekleidet waren. Sie kamen auf mich zu und zogen Handschellen aus der Tasche. In diesem Moment machten mir die Handschellen nicht viel aus, doch als ich später darüber nachdachte, fühlte ich mich zutiefst gedemütigt. Wir verließen den Flughafen so gegen zwei Uhr morgens. Auf einem düsteren Parkplatz stieg ich in ein Auto, mit einem Chauffeur, sie zogen mir eine Kapuze über den Kopf und der Wagen fuhr los."
Ebenfalls in der Welt berichtet Adrian Lobe von Versuchen der Buchbranche, sich gegen die Flut minderwertiger KI-Publikationen zu wehren. Und zwar mithilfe eines Zertifikats namens "organic literature", das nur ChatGPT-freie Bücher erhalten sollen. Vorbild sind Bio-Zertifikate im Lebensmittelbereich. Doch möglicherweise hinkt der Vergleich: "Ein Buch ist kein Knusperriegel oder Gemüseaufstrich, wo man Inhaltsstoffe ausweisen kann." Und überhaupt: "In der geistigen Wertschöpfungskette von Büchern gibt es immer mehr Bereiche, die (teil-)automatisiert erfolgen: Autoren recherchieren mit ChatGPT, Verlage lassen mithilfe von KI Cover gestalten und neuerdings sogar Absatzprognosen für einzelne Titel erstellen. Ist ein Buch, dessen Verkaufserfolg mit einer Software vorhergesagt wurde, noch organisch? Oder schon generisch?"
Besprochen werden Louise Erdrichs Roman "So war die Welt" (FR), "Das Versagen" von Katja Gloger und Georg Mascolo (FR), Lili Körbers "Abschied von gestern" (Zeit Online), Karl-Ove Knausgards Essaysammlung "Im Augenblick" (Welt), "Z Ypsilon X" von Peter Waterhouse (NZZ), Barbara Walders "Unter der Haut ein Berg" (NZZ), Gabriel Zuchtriegels "Pompejis letzter Sommer" (NZZ) und Girit Straßenbergers "Die Denkerin. Hannah Arendt und ihr Jahrhundert" (Welt).
Weitere Artikel: Uwe Wittstock spricht im Interview mit der FR über sein letztes Jahr erschienenes Buch "Marseille 1940", das mit dem Literaturpreis des Comité d'action de la Résistance ausgezeichnet wurde. Jan Wiele gratuliert der Schriftstellerin Connie Palmen in der FAZ zum Siebzigsten.
Besprochen werden Gabriel Zuchtriegels "Pompejis letzter Sommer" (NZZ), Dagmar Leupolds Roman "Muttermale" (Zeit), John Irvings Roman "Königin Esther" (Zeit online), Hermann Hesses Briefe von 1958 bis 1962 (FAZ), PeterLichts Band "Wir werden alle ganz schön viel ausgehalten haben müssen" (FAZ) und Aldous Huxleys Essay "Zeit der Oligarchen" (SZ).
"Im Gefängnis ist man gezwungen, sein Leid für sich zu behalten, darüber spricht man nicht mit den anderen. Abends weint man allein in seiner Zelle." Boualem Sansal hat nun - mit ungewohnt kurzen Haaren - in mehreren Medien Interviews gegeben. Hier ein Auszug aus dem Gespräch mit France Inter.
En prison, "on est obligé de garder sa souffrance pour soi."
Boualem Sansal, invité exceptionnel de France Inter ce lundi 24 novembre : première interview depuis sa libération et son retour en France, au micro de Florence Paracuellos et @Ben_Duhamel à 8h20 dans #LaGrandeMatinalepic.twitter.com/1ZWRLuEGl9
Für Le Pointspricht Géraldine Woessner mit Arnaud Benedetti, der in Frankreich das Unterstützungskomitee für Sansal organisiert hat. Nach einer Periode der Rücksicht habe man eher eine Politik der Lautstärke gewählt, so Benedetti: "Unsere algerischen Gesprächspartner haben uns alle bestätigt: Dieses Regime ist 'durchtränkt' von einer Kultur des Machtkampfs. Die algerische Regierung hoffte, dass man den Fall Sansal vergessen würde und dass diese Inhaftierung eine Botschaft an alle regimekritischen Intellektuellen und Oppositionsaktivisten sein würde, insbesondere an diejenigen, die in Europa Asyl gefunden haben. Daher entschied sich das Unterstützungskomitee für eine Politik der Mobilisierung und des Lärms - was das Ziel jedes Unterstützungskomitees ist, das mit einer solchen Situation konfrontiert ist. Ein Unterstützungskomitee, das seinen Kampf nicht öffentlich macht, ist ein Komitee, das nichts nützt."
Weiteres: In der FAZ gratuliert Tobias Döring dem somalischen SchriftstellerNuruddin Farah zum Achtzigsten. Besprochen werden u.a. Cornelia Funkes Kinderbuch "Gespensterjäger und der Weihnachtsspuk" (FAZ), Michael Stavaričs und Michèle Gansers Jugendsachbuch "Faszination Wale" (FAZ), Ali Sadrzadehs Biografie über Ali Chamenei (SZ) und András Viskys Roman "Die Aussiedlung" (FR). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der FAZ schreibt Tilman Spreckelsen zum Tod des Kinderbuchkünstlers Helme Heine, in der SZ schreiben Christine Knödler und Peter Maffay. "Bilder und Zeiten" (FAZ) druckt Katja Lange-Müllers Dankesrede für den Thomas-Mann-Preis der Stadt München, in der sie Thomas Manns Erzählung "Die Betrogene" würdigt. Martin Kämpchen schreibt ebendort über den Literaturkontinent Indien. Dokumentiert wird außerdem ein Briefwechsel zwischen Judith Hermann und der in Herat lebenden afghanischen Schriftstellerin Zaheda.
Besprochen werden Marie-Janine Calics Erinnerungen an die "Balkan-Odyssee 1933 bis 1941" (NZZ), Anna Seghers' Liebesbriefe an Rodi 1921 - 1925 (taz), Steffen Martus' "Literaturgeschichte der Gegenwart, 1989 bis heute" (taz), Sven Beckerts Geschichte des "Kapitalismus" (FAZ), Dorothy Thompsons Reportagen aus Deutschland 1931-1932 (FAZ), Florence Gaubs "Szenario" (FAS), Sen Lin Yus Roman "Alchemised" (SZ), Nava Ebrahimis Roman "Und Federn überall" (SZ) und Eli Sharabis Erinnerungen an "491 Tage. In den Tunneln der Hamas" (Welt).
Lilly Schröder stellt in der taz die Dichterin und TikTokerin Clara Lösel vor. Michael Hesse besucht für die FR zwei Ausstellungen in Weimar, die sich Goethes "Faust" widmen. Einmal "Faust - Eine Ausstellung" im Schiller-Museum Weimar und "Experiment Faust" im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar. Besprochen werden der Sammelband ""Hidden Heroes". Anthology of North Korean Fiction" (FAZ), Assaf Gavrons "Everybody be cool" (FAZ), Steffen Martus' "Erzählte Welt. Eine Literaturgeschichte der Gegenwart, 1989 bis heute" (tsp) und Siân Hughes' Roman "Perlen" (FR). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Die Zeit druckt in abgeänderter Version eine Rede des Schriftstellers Karl Ove Knausgård zur Eröffnung einer Tagung der Rilke-Gesellschaft in Prag. Durch Rilke-Lektüre und Sprach-Experimente sei es ihm gelungen, zu seiner eigenen Sprache zu finden, erklärte Knausgard, dabei spielten auch die Eigenheiten der norwegischen Schriftsprache Bokmål eine Rolle: "Als Rilkes Roman 1965 ins Norwegische übersetzt wurde, geschah dies in einem sehr konservativen Bokmål. Gleiches gilt für Marcel Prousts Werke. Es wäre undenkbar, ja lächerlich gewesen, die beiden in radikales Bokmål zu übersetzen, da es mit Alltäglichkeit, Arbeiterklasse, Volkstümlichkeit, Mündlichkeit assoziiert wurde, während konservatives Bokmål steifer, feierlicher, bornierter war. Als junger, radikaler Mann mit dem Ehrgeiz, Schriftsteller zu werden, schrieb ich natürlich radikales Bokmål. Nachdem ich Rilke und Proust gelesen hatte, experimentierte ich damit, konservativ zu schreiben. Dabei geschah etwas. (...) Zwischen mir und der Sprache war ein Raum entstanden, und in diesem Raum entstanden Gedanken und Bilder, die ich nie zuvor gedacht oder gesehen hatte. Ich hatte sie geschrieben, besaß sie aber nicht, und erst da, als Schreiben das Gleiche geworden war wie Lesen, war ich ein Schriftsteller."
Die Zeit veröffentlicht heute ihre Weihnachtsliteraturbeilage. Besprochen werden ansonsten Ivan Segrés "Der Westen, die Indigenen und wir" (FAZ), Robert Macfarlanes "Sind Flüsse Lebewesen?" (FAZ), Louise Pennys Krimi "Der schwarze Wolf" und John Irvings "Königin Esther" (NZZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
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