Filigranschauspieler mit brüchiger Melancholie: Michael Degen (Foto: Udo Grimberg, CC BY-SA 3.0 de) Der Schauspieler MichaelDegen ist tot. Er war das Gentleman-Gesicht der alten Bundesrepublik, bekannt aus Theater (Tabori! Zadek! Brecht!), Kino (Bergman! Chabrol!) und Fernsehen (Derrick! Diese Drombuschs!). Erst spät ging er mit der Tatsache an die Öffentlichkeit, dass er dem Holocaust nur knapp entkommen ist. "Als Schauspieler hatte er bei aller Intensität immer etwas kühlPräzises, Kontrolliertes, am besten passt vielleicht das Wort Contenance", schreibt Christine Dössel in der SZ mit Blick auf Degens Theaterkarriere. "Im Verbund mit seiner Geschmeidigkeit und fast schon natürlichenEleganz ergab das eine sehr besondere Mischung. Sein freundlich-markantes Gesicht, die dunklen Augen, sein weicher, tänzelnder Ton, die brüchige Melancholie, die ihn umflorte - all das machte Degen zu einem Filigranschauspieler", der, wie Dössel ebenfalls einräumen muss, im Fernsehen eher auf seichte Angebote ansprang: Er "hat diese Formate geadelt wie ein edler Tropfen ein Fast-Food-Menü." Weitere Nachrufe schreiben Sandra Kegel (FAZ), Harry Nutt (FR), Manuel Brug (Welt) und Rüdiger Schaper (Tsp).
Weitere Artikel: Patrick Heidmann spricht in der FR mit SophieMarceau über deren neuen Flm "Alles is gut gegangen". Dem Wiener Publikum empfiehltStandard-Kritikerin Valerie Dirk eine Truffaut-Filmschau im Filmarchiv Austria.
Besprochen werden SeanBakers "Red Rocket" (Welt), Mahamat-SalehHarouns "Lingui" (taz), der dritte Teil des Harry-Potter-SpinOffs "Phantastische Tierwesen" (FAZ) und die RTL-Serie "Ferdinand von Schirach - Strafe" (FAZ).
Carolin Weidner berichtet in der taz vom Filmfestival Diagonale in Graz, das sich dem österreichischenFilm widmet. In den teils ziemlich fordernden Dokumentar- und Essayfilmen von RainerFrimmel, GeraldIgorHauzenberger und FriederikePezold stößt sie dabei auf "filmische Zeugnisse innerer Verhärtungen, die sich häufig als Überzeugungen tarnen, wo der Kontakt zur Gegenwart und den Mitmenschen teilweise aufgegeben wurde und man sich stattdessen für das Senden aus dem eigenen Parterre entschieden hat." Pezolds "Revolution der Augen" etwa plädiert dafür, sich dem digitalen Überschuss der Gegenwart einfach nicht mehr auszusetzen. "Dass durch Petzolds eigentlich erfrischend befremdliche Arbeit die Verbitterung der Abgehängten geistert, stimmt ein wenig traurig. Denn mindestens in ihrem großartigen 'Canale Grande'" von 1983 "übersetzte sich ihr Unmut über die so bereitwillig konsumierte mediale Bilderpest noch in Witz und Opulenz." Dazu passend resümiert Esther Buss in der Jungle World die Diagonale-Retrospektive zu Ehren von TizzaCovi und RainerFrimmel.
Der Schauspieler UweBohm ist überraschend im Alter von 60 Jahren gestorben. Bekannt wurde er als kleiner Junge in der Hauptrolle von HarkBohms "Nordsee ist Mordsee", in den letzten Jahren war er vor allem im "Tatort" zu sehen. Er war "war ein Kraftschauspieler aus sich selbst heraus", schreibt Christine Dössel in der SZ, die vor allem von Bohm als Theaterschauspieler in der Zadek-Familie schwärmt. "Er hatte etwas Ungeschliffenes, Unverbildetes, ungebändigtEnergetisches. Mit seinen schwarzen Knopfaugen stierte er in Weiten und Abgründe, vor denen andere erschrecken. Er hatte diesen irren Blick, gerahmt von vollem schwarzem Haar, der ihn vor allem im Fernsehen zum Bösewicht prädestinierte, meist einem sehr charmanten, dem nicht nur Frauen verfallen." Auch Harry Nutt sinniert in der FR vor allem über Bohms Physiognomie: "Vor jeder Zuschreibung, die seine Erscheinung durch Drehbuch und Rolle erhielt, fiel er auf durch sein Gesicht. Sinnlich, sommersprossig, undurchdringlich. Letzteres war es wohl auch, was Uwe Bohm für die Rolle des Ganoven prädestinierte. Oft war er vor der Kamera einer, der zu kalter Gewalt fähig ist, ein norddeutscher Mafioso, dann aber auch wieder ein zärtlich-zerbrechlicher Typ. Bohms Kapital als Schauspieler war seine Wandlungsfähigkeit, die er weniger aus Rhetorik oder Bewegung erzielte, sondern aus den Augenwinkeln heraus zu steuern vermochte."
Dem österreichischenFilm droht ein Produktionsstop im Laufe des Jahres, berichtet Dominik Kamalzadeh von einer Diskussion während der Diagonale in Graz: "Der Grund für die plötzliche Dramatik: Die im Wirtschaftsministerium angesiedelte Förderschiene Filmstandort Austria (Fisa) hat ihre jährlichen Mittel von 7,5 Mio. Euro für 2022 bereits im ersten Quartal komplett ausgeschöpft. Ohne dieses Cash-Rebate-Modell, bei dem 25 Prozent der Ausgaben rückerstattet werden, könnten heuer bis zu 20 bereits durchfinanzierte Produktionen nicht realisiert werden."
Weitere Artikel: In der Weltpackt Elmar Krekeler das blanke Grausen, als er sich deutscheTV-SerienderAchtziger wieder zu Gemüte führt. Besprochen werden JacquesAudiards "Wo in Paris die Sonne aufgeht" (Tsp, unsere Kritik hier), der dritte Teil der "Fantastische Tierwesen"-Reihe (TA), die Sky-Serie "Somebody Somewhere" (taz) und die ARD-Serie "Euer Ehren" (FAZ).
Völlig hin und weg ist Rüdiger Suchsland von Artechock von der Eröffnungsrede des Direktorenduos der Wiener Diagonale, das sich von "Message-Kunst" klar distanzierte - diese "nannten wir die längste Zeit Propaganda" - und Boykottaufrufen eine Absage erteilte: "Künstler werden ausgeladen oder aus Akademien ausgeschlossen. Der unselige Zeitgeist trifft den Krieg", sagten Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger. "Es ist eine Tatsache, dass Krieg immer auch mit den Mitteln der Kulturindustrie geführt wird. Verwechseln wir dies jedoch nicht mit verkürzter Bekenntniskultur. Setzen wir Kunst und Kultur nicht mit Politik gleich. Zumindest nicht, wenn uns noch etwas an einer freien Gesellschaft gelegen ist." Das findet Suchsland "bombastisch! ... Es war toll und angemessen und tat ungemein gut, das so zu hören. Das alles negiert den ganzen Schmäh, den unsere deutsche Kunst- und Medienszene vor allem aus eigener Eitelkeit und Nachher-Besserwisserei auf uns alle ungefragt ausgekübelt hat. Besser kann man es nicht sagen. In Deutschland wäre dergleichen leider undenkbar."
Die Zeit der kernigenActionhelden ist endgültig vorbei, seufzt Andreas Scheiner in der NZZ: Nicht nur, weil Bruce Willis nun auch abgedankt hat, sondern auch, weil seit knapp 20 Jahren keiner mehr in die USA blickt, um sich von dort Lebensstil und Coolness abzuschauen. Wenn, dann sehnt man sich nach "postnationalenWeltenretter. Und da boten sich die Superhelden aus den Comicbüchern an. ... Die Männer in den Feinripphemden vermögen es kommerziell nicht aufzunehmen mit den nun angesagten Strumpfhosen- und Cape-Trägern. Vielleicht stellten diese auch einfach den logischen nächsten Evolutionsschritt dar: Zunächst schrumpften die machistischen Muskelberge der achtziger Jahre zu heroischen Normalbürgern, und als Nächstes nahm der Actionheld die Gestalt eines schmalbrüstigen Jugendlichen wie Spider-Man an".
Außerdem: In der tazerinnert sich der Filmemacher GerdConradt an seine Videoarbeiten im WestberlinderAchtziger. Claus Löser berichtet im Filmdienst vom FilmfestivalVilnius, das ganz im Zeichen des Kriegs in der Ukraine stand. Sedat Aslan berichtet auf Artechock von einer Münchner Tagung zum Thema "Diversität im Film". Als Folge des Ohrfeigeneklats wird WillSmith für zehn Jahre von den Oscargalas ausgeschlossen, melden die Agenturen.
Besprochen werden JacquesAudiards "Wo in Paris die Sonne aufgeht" (Artechock, FAZ, unsere Kritik), AlexanderKoberidzes "Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?" (Artechock, mehr dazu hier), MatthewBissonnettes "Death of a Ladies' Man" (Jungle World, unsere Kritik), Michael Showalters Biopic "The Eyes of Tammy Faye" für das JessicaChastain einen Oscar gewann (Tsp), RichardLinklaters auf Netflix gezeigter Film "Apollo 10 1/2" (Presse), HongSang-soos "Introduction" (Standard), die Apple-Serie "Slow Horses" mit GaryOldman (Freitag) und DavidYates' "Phantastische Tierwesen - Dumbledores Geheimnisse" (Artechock).
Es geht immer noch finsterer: MantasKvedaravičius ist offenbar nicht etwa beim Beschuss von Mariupol ums Leben gekommen (mehr dazu hier und dort), sondern dort ermordet worden. "RussischeSoldaten nahmen ihn fest; sie erschossen ihn vermutlich am 2. April", meldet Gerhard Gnauck in der FAZ. Die Nachricht geht auf ein Facebook-Posting einer Freundin des litauischen Filmemachers zurück, meldetThe Insider: Die russischen Soldaten "ließen den Körper einfach liegen", schreibt sie. "Seine heldenhafte Frau tat das Unvorstellbare. Es gelang ihr unter Beschuss, seinen Körper in Mariupol zu finden und nach Hause nach Litauen zu bringen. Diese Information musste sie geheim halten, um nicht selbst getötet zu werden und um zu verhindern, dass die Leiche vernichtet wird."
Außerdem: Arte droht wegen der Ausstrahlung von George A. Romeros in Deutschland staatsanwaltschaftlich beschlagnahmten Horrorfilm "Day of the Dead" ein juristisches Nachspiel, berichtet Denis Gießler in der taz - über die Hintergründe solcher staatlichen Filmverbote hatte Thomas Groh im Perlentaucherausführlich geschrieben. Hannes Stein berichtet in der Welt von Drohungen der US-Republikaner, den Disneykonzern zu enteignen, der ihnen zu "woke" geworden sei - Hintergrund ist, dass der Konzern plant, seine Spenden an die Partei in Zukunft einzustellen.
Besprochen werden eine Ausstellung in der Wiener Kunsthallte über das feministischeFilmkollektiv "die widerständigen Musen", das Delphine Seyrig in den Siebzigern gegründet hat (Standard), Jacques Audiards "Wo in Paris die Sonne aufgeht" (SZ, unsere Kritik), Alexander Koberidzes "Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?" (Tsp, Zeit, mehr dazu hier), Matt Bissonnettes "Death of a Ladies' Man" (Tsp, unsere Kritik), Volker Schlöndorffs Dokumentarfilm "Der Waldmacher" (SZ), der dritte Teil des Harry-Potter-Spinoffs "Phantastische Tierwesen" (SZ) und die zweite Staffel der auf Arte gezeigten Serie "In Therapie" (taz).
Feiert das friedliche Leben: "Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?" von Alexandre Koberidze (Grandfilm) Ganz hingerissen ist die Filmkritik von dem Liebesdrama "Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?" des georgischen Filmemachers AlexandreKoberidze: Eine Zufallsbegegnung wächst sich hier zum modernen Märchen aus, belebte Objekte inklusive. "Dieser Filmemacher will spielen", schwärmt Tobias Kniebe in der SZ. "Er will mit seinen Bildern und Geschichten und seinem Publikum spielen wie schon lang keiner mehr." Der Drolligkeitsverdacht steht zwar im Raum, aber Kniebe entscheidet sich anders, zumal sich durch den Film auch eine Ahnung des Kriegs in Georgien 2008 zieht: "So meint man, das Lauern einer mörderischen Macht von jenseits der Grenze gerade im Hintergrund jener Bilder zu spüren, die einfach eine Feier des friedlichen Lebens sind, in strahlendster Entschiedenheit: in den lachenden und vertrauten Gesichtern einer Freundesgruppe im Café am Fluss."
Barbara Schweizerhof von der taz muss eine Weile mit sich kämpfen, bis sie ihr schlechtes Gewissen darüber ablegen kann, angesichts der Weltereignisse einen Liebesfilm im Kino zu sehen. Doch vollzieht sich auf der Leinwand "ein kleines Mirakel. Der Blick auf die Welt verändert sich." Denn "gerade in dieser gewolltenZerstreuung liegt etwas, in der Bereitschaft, sich treiben zu lassen in einem Fluss der Bilder, über deren Zielrichtung man sich in ständiger Ungewissheit bewegt, weshalb sie aber auch immer wieder Überraschungen bereithalten. ... Auf der einen Seite könnte man Koberidzes Film abtun als kokette Verschränkung von launiger Märchenerzählung und raffinierter Bildmontage, als weltfremdes Getue und L'art pour l'art. Auf der anderen Seite hat eben dieses konsequente Ablenken Methode." Weitere Kritiken in FR, FAZ und Freitag.
Modefotografie oder Filmkunst? Jacques Audiards "Wo in Paris die Sonne aufgeht" In der WeltsprichtJacquesAudiard über seinen neuen Liebes- und Erotikfilm "Wo in Paris die Sonne aufgeht", der unserem Kritiker Jochen Werner zwar reichlich "schöne junge Brüste in Schwarzweiß" bot, auf ihn aber auch "wirkt wie ein Werbespot für ein mehr oder weniger hippes Modelabel. Insofern gilt einmal tatsächlich der nicht so recht totzukriegende Klischeesatz über visuell ausgefeiltes Kino: ja, hier könnte man wahrscheinlich wirklich jedes einzelne Bild aus dem Film herausnehmen und an die Wand hängen. Allerdings könnte man dann auch immer 'H&M' drunterschreiben. Überzeugter istTagesspiegel-Kritiker Ulrich Kriest: "Alles ist fluid", der Film entwerfe "tatsächlich ein Sittengemälde über Identitätin der modernen globalisierten Welt, in der es eine wesentliche Qualität ist, dass man sich permanent neu entwirft".
AsgharFarhadi wurde in Teheran wegen Verletzung des Urheberrechts verurteilt: Mit seinem aktuellen Film "A Hero" (unsere Kritik) soll er einen Dokumentarfilm von AzadehMasihzadeh, einer seiner früheren Studentinnen, plagiiert haben. Masihzadeh hatte zwar vorab auf Drängen Farhadis eine Verzichtserklärung unterzeichnet, sich angesichts des fertigen Films dann aber doch zur Klage entschlossen, berichtet Andreas Kilb in der FAZ. "Die wahre Geschichte, auf der 'A Hero' basiert, wurde von Azadeh Masihzadeh zuerst verfilmt. Aber erst Farhadi hat ihr ein Gewicht gegeben, das über den Einzelfall hinausreicht. Der juristische Streit um die Autorschaft geht weiter. Die künstlerische Konkurrenz hat der Film schon gewonnen." Hans Jürgen Zinsli schildert im Tagesanzeiger die Chronik der Ereignisse.
Weitere Artikel: In der SZ durchleuchtet Reinhard J. Brembeck die zahlreichen Anspielungen, die PedroAlmodóvar in seinem aktuellen Film "Parallele Mütter" versteckt hat. Matthias Lerf hat für den TagesanzeigerSophieMarceaugetroffen.
Besprochen werden Eva Vitijas Dokumentarfilm "Loving Highsmith" (taz), Matt Bissonnettes "Death of a Ladies' Man" (Perlentaucher), Judd Apatows auf Netflix gezeigte Komödie "The Bubble" (SZ), die auf AppleTV+ gezeigte Serie "Pachinko" aus Korea (Presse), ZaidaBergroths "Tove" über ToveJansson (Standard), UlrichSeidls "Rimini" (Standard), HongSang-soos "Introduction" (Presse), Frédéric Baillifs in der Schweiz gezeigtes Heimdrama "La Mif" (Zeit), AdamRehmeiers auf DVD veröffentlichter Film "Dinner in America" (taz), die zweite Staffel der auf Arte gezeigten Serie "In Therapie" (Freitag) und DavidYates' "Phantastische Tierwesen 3" (taz). Außerdem verrät uns die SZ, welche Filme sich lohnen und welche nicht.
Der "Film der Stunde" ist vier Jahre alt: Es lohnt sich, SergeiLoznitsas aktuell wieder in den Kinos gezeigten Spielfilm "Donbass" (unsere Kritik zum damaligen Kinostart) zu sehen, schreibt Andreas Platthaus in einer Notiz in der FAZ. Unter den gegenwärtigen Eindrücken beginnt der mit dokumentarischen Ästhetiken arbeitende Spielfilm neu zu sprechen: "Wenn die dort herrschenden Milizen in diesem Film immer nur das Wort 'Faschist' zur Charakterisierung ihrer Gegner haben, meint man von der Leinwand nunmehr die Stimme Wladimir Putins zu hören." Und "man schämt sich, weil man damals nicht begriffen hatte, wie tief seine fiktionale Handlung in der politischen Wirklichkeit wurzelte. Im Kino liegt eine Erkenntnismembran zwischen Leinwand und Zuschauern, und Loznitsa ist einer jener Regisseure, die sie zu zerreißen suchen. ... Alles, was uns nun als nachträglich durch den Krieg authentisiert schaudern lässt, war 2018 schon da und realitätsnah, doch es hatte keine Folgen für unseren Blick auf die Ukraine."
Weitere Artikel: Im Standardplaudert die österreichische Filmemacherin KurdwinAyub über ihren auf der Berlinale preisgekrönten Film "Sonne", der gestern Abend die Diagonale in Graz eröffnet hat und mit dem Regisseurin "eine migrantische Geschichte richtig erzählen" wollte. Im FilmdienstsprichtJacquesAudiard über seinen neuen Film "Wo in Paris die Sonne aufgeht" (mehr dazu bereits hier). Maria Wiesner gratuliert in der FAZ dem Filmemacher BarryLevinson zum 80. Geburtstag.
Besprochen werden die Filmebetriebssatire "Official Competition" mit Penélope Cruz und AntonioBanders (NZZ), die zweite Staffel der HBO-Erfolgsserie "Euphoria" (NZZ), der dritte Teil der im Harry-Potter-Universum angesiedelten Reihe "Phantastische Tierwesen" (Welt, Presse), das deutsche Remake der israelischen Serie "Your Honor" (taz) und VolkerSchlöndorffs Dokumentarfilm "Der Waldmacher" (critic.de).
Barbara Wurm erinnert in der Welt an den litauischen Dokumentarfilmemacher Mantas Kvedaravičius, der am Samstag beim Versuch, aus Mariupol zu fliehen, ums Leben gekommen ist (mehr dazu bereits hier). "Bis zuletzt galt der 45-Jährige als filmisch denkender Mensch, der selbst dann Mensch blieb, als es die Umstände radikal erschwerten. Menschen in widrigen, von Grausamkeit und Machtspielen geprägten Umständen waren auch sein Thema: die Alltäglichkeit der Gewalt, die Rituale versuchter Überwindung von Leid, Schmerz, Folter, Krieg; die schwindenden Kräfte des Widerstandes. ... Kvedaravičius entfaltete über ein Jahrzehnt mit nur drei Filmen ein ganzes Spektrum der visuellen Anthropologie. Es harrt nun der Auswertung und Erforschung. Die Zeit wird kommen. Die Filme selbst machen ein unendliches Eintauchen in die Materie der Welt möglich, zwischen Traum und Wirklichkeit, Horror und Alltag, Fakten und phänomenaler Imagologie."
In der Jungle Worldsprechen Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber über die diesjährige Ausgabe der Diagonale und das österreichischeKino, auf dessen Filmförderung sich aus Deutschland manch sehnsuchtsvoller Blick fällt: "Wir sind da keine Insel der Seligen. Dennoch sieht es strukturell so aus, dass österreichische Förderstellen ein gewisses Risiko eingehen und durchaus auch experimentelles oder mutiges Kino ermöglichen", sagt dazu Schernhuber.
Weitere Artikel: Carolin Weidner resümiert in der taz das Internationale Frauenfilmfestivalin Dortmund/Köln. In der FAZgratuliert Andreas Kilb PeterGreenaway zum 80. Geburtstag.
Besprochen werden AleksandrKoberidzes "Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?" (online nachgereicht von der FAS) und OliverRihs' Biopic "Bis wir tot sind oder frei" über den Schweizer Gefängnisausbrecher WalterStürm (SZ).
Der litauische Filmemacher MantasKvedaravičius ist beim Versuch, aus Mariupol zu fliehen, ums Leben gekommen, meldet unter anderem der Dlf: "Kvedaravicius sei in der Hafenstadt im Südosten der Ukraine gewesen, um russische Kriegsgräuel zu dokumentieren." Kvedaravicius hatte 2011 einen Film über den Tschetschenienkrieg vorgelegt - in diesem Jahr hatte Bert Rebhandl für die taz mit dem Regisseur über seine Arbeit gesprochen. Bereits 2016 hatte Kvedaravicius einen Dokumentarfilm über Mariupol veröffentlicht, den das Filmfestival Vilnius vor kurzem gezeigt hat. Dunja Bialas von Artechockwar sehr berührt davon: "Kvedaravicius arbeitet in seinem unaufgeregten, dabei sehr ergreifenden Dokumentarfilm mit beobachtender Teilnahme den zerrissenen Zustand dieser umkämpften Stadt heraus. Die Paramilitärs - die Putin den Vorwand der "Entnazifizierung" gegeben haben mögen - dominieren in Kampfmontur die großen Einfallsstraßen der Stadt, verschanzen sich in der Bibliothek hinter Kühlschränken, laden Munition nach, während von der Straße Kampfhandlungen zu hören sind. ... Mariupolis ist ein impressionistisch-poetischesPortrait, für das Dounia Sichov eine intuitive Montage geschaffen hat."
Ute Cohen spricht im Freitag mit JacquesAudiard über dessen Kino: "Eine der Funktionen des Kinos besteht ja darin, Formen für die heutige Welt zu finden und in diesem ganzen Magma das Herausragende zu entdecken", sagt er. "Meine Protagonisten haben eine spezielle Energie, die man als sexuell verstehen könnte. Ich würde sie aber eher erotisch nennen. Das Kino soll ja auch erotisieren. ... Was meine Hauptfiguren ausmacht, ist, dass sie sich ständig verführen, und zwar im Gespräch. Ihr Leben dreht sich ums Vögeln, wie man so schön sagt. Ich glaube fest an die erotische Kraft der Sprache, wie auch Éric Rohmer. Ich bin ein unverbesserlicher Romantiker. Wir leben aber in einer Gesellschaft, in der man am ersten Abend miteinander ins Bett geht. Wann werden wir wohl wieder zu einem erotischen Dialog finden?"
Weitere Artikel: In der FRspricht Volker Schlöndorff darüber, dass er eine Familie aus der Ukraine aufgenommen hat. Nach dem Ohrfeigen-Eklat legt Netflix eine Produktion mit WillSmith auf Eis, meldet David Steinitz in der SZ. Die chinesischenBehörden haben die Aufführung eines ukrainischen Films in der Schweizer Botschaft in Peking untersagt, meldet Tobias Gafafer in der NZZ.
Besprochen werden Steven Soderberghs "Kimi" (Tsp), Juho Kuosmanens "Abteil Nr. 6" (Standard, unsere Kritik) sowie neue Marvel-Filme und Serien (Welt).
Heike-Melba Fendel, selbst langjährige Schauspielagentin, zeigt sich in der "10 nach 8"-Reihe auf ZeitOnline rasend genervt vom Niedergang der Schauspielkunst: Immer weniger steht die Kunst an sich im Mittelpunkt, jeder zweite hat "Aktivist" im Instagram-Account stehen. Es gehe darum zur auch in eigener Sache werbeträchtigen Litfaßsäule für gesellschaftspolitische Anliegen aller Art zu werden "und das zu einer Zeit, in der auch Influencerinnen den etablierten Stars neben Werbekunden und Kooperationspartnern inzwischen sogar Rollen abspenstig machen. ... Vielleicht geht es jetzt darum, eine Mauer zu durchbrechen. Stein für Stein den Kitsch, die Missgunst, den Wirkungsfetischismus abzutragen, die den Berufsstand unter dem Druck der letzten Jahrzehnte so eng hat werden lassen. Den Schauspielerinnen möchte man zurufen: Lernt echte Solidarität mit alten und neuen Kolleginnen, findet Respekt für jene, die euch professionell Respekt zollen. Vor allem aber: Lernt aufs Neue, euren Beruf ins Zentrum und alles andere ins Beiwerk zu verschieben. Hört auf, auf 'Insta' Hannah-Arendt-Zitate und #standwithukraine-Getue zwischen eure immer neuen coolen oder wunderschönen Profilfotos zu quetschen. Es nervt."
Außerdem: Dem Berliner Publikum empfiehltTagesspiegel-Kritiker Andreas Busche die Werkschau MathieuAlmaricim Kino Arsenal. Andrey Arnold listet für die Presse die besten Filme mit BruceWillis, nachdem dieser seinen Abschied von der Leinwand bekannt gegeben hat (unser Resümee). WillSmith tritt nach dem Ohrfeigen-Eklat aus der Academy aus, melden die Agenturen.
Besprochen werden Judd Apatows Netflix-Komödie "The Bubble" (Presse), Audrey Diwans "Das Ereignis" nach dem gleichnamigen Roman von AnnieErnaux (Welt, mehr dazu bereits hier und dort), Juho Kuosmanens "Abteil Nr. 6" (SZ, Zeit, unsere Kritik hier), der neue Marvel-Vampir-Superheldenfilm "Morbius" mit JaredLeto (Standard, SZ) und die auf AppleTV+ gezeigte Serie "Slow Horses" (FAZ).
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