Arno Widmann unterhält sich in der FR mit der Ägyptologin Dora Goldsmith über die Düfte und Parfüms des alten Ägyptens, die in den alten Texten zwar durchaus beschrieben, aber selten in Form eines Rezepts überliefert wurden. Dort, wo es Informationen gibt, versucht sie, möglichst authentische Rekonstruktionen: "Natürlich wissen wir nicht bei jedem Wort, welche Substanz damit gemeint ist", aber vergleicht man die überlieferten Texte, verdeutliche sich die Bedeutung im einzelnen: "Ich habe mit einem Gräzisten zusammengearbeitet. Wir wollten herausbekommen, ob sich im hellenistischen Ägypten der Duft verändert hatte. Wir betrachteten zuerst ein griechisches Rezept. Im Text ist von Balanos-Öl die Rede. Es kann Moringa-Öl sein. Dazu kamen Kiefernharz, Myrrhe und Zimt. Mendesian hieß es nach dem Ort Mendes im östlichen Nildelta, in dem es hergestellt wurde. Es war das in der hellenistischen Welt beliebteste Parfum. Es war, wenn Sie so wollen, das Parfum von Kleopatra." Mehr zu Düften finden Sie übrigens in unserer Kolumne "Essenzen".
Weiteres: In der NZZsagt Claudia Schwartz dem Flughafen Tegel leise Servus. Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Luigi Colani und der Jugendstil" im Bröhan-Museum in Berlin (Tagesspiegel) und eine Ausstellung der Designerin Margaret Calvert - u.a. verantwortlich für das Design der Straßenschilder in Britannien im Design Museum in London (Guardian).
Gabriele Detterer schreibt in der NZZ einen Nachruf auf den Möbeldesigner Enzo Mari (mehr dazu hier) und seine Witwe, die Kunsthistorikerin LeaVergine, die einen Tag nach ihrem Mann ebenfalls Covid-19 erlegen ist.
Enzo Maris Sedia Uno aus der Serie Autoprogettazione. Foto: Refugees Company for Crafts and Design In der SZschreibt Gehard Martzig zum Tod des italienischen Möbeldesigners Enzo Mari, dem Buster Keatons "ewiges Scheitern an der Dingwelt" zum Leitgedanken wurde, indem er es "in einen Akt der Selbstermächtigung" umdeutete. "Sein Projekt: Gegen die Portoerstattung konnte man von ihm eine Anleitung zum Eigenbau einfacher Möbel erhalten. Das sind Möbel, die nur mit Hilfe von Hammer und Nägeln aus rohen Holzbrettern zu fertigen sind. Auf diese Weise wollte der Gestalter das Bewusstsein für die Dinge schärfen. Einmal sagte er sinngemäß: Was nicht wenigstens einhundert Jahre hält, taugt nichts. Und was man im Zweifel nicht selbst machen kann, ist nichts. Dieses Denken, dingfreundlich, menschenfreundlich, surreal, passt nicht in eine Zeit, da immer schneller immer mehr Güter hergestellt werden, die immer modischer geraten, um immer schneller aus der Mode zu geraten - um immer schneller ersetzt zu werden."
Für die FASplaudert Friederike Haupt mit dem Möbeldesigner WulfSchneider, der in den Neunzigern das "Blaue Sofa" entworfen hat, auf dem zu jeder Buchmesse Journalisten und Autoren Platz nehmen.
"Auch der Garten kann ein Kunstwerk sein", versichert Stefan Rebenich in seiner kleinen Gartenschule in der FAZ, und ganz besonders im Herbst: Das wusste schon Rilke. "Um sich an dem großen Finale erfreuen zu können, bedarf es im Garten auch der vorausschauenden und geschickten Kombination von sich im Herbst färbenden Gehölzen mit Stauden und Gräsern. Ein wahres Farbenfeuerwerk entzünden das rosa Pfaffenhütchen, der orange Perückenstrauch, die rote Bergenie und die goldgelbe Funkie. Das strahlende Rot der Blätter des japanischen Feuerahorns (Acer japonicum Aconitifolium') bildet einen herrlichen Kontrast zu dem weiß gefiederten Silber-Pampasgras (Cortaderia selloana). Die vielgestaltigen, leuchtenden Dahlien sind in dem schon fahler werdenden Licht die Königinnen des Herbstes".
Donna Schons resümiert in der taz die Fashion Weeks der sich neigenden Corona-Saison. Die Stars und Player igelten sich auch ästhetisch ein, meint sie - Überraschungen weitgehend Fehlanzeige. "Weiche, fließend fallende Stoffe und Entwürfe wie Balenciagas Hotelpantoffel-Schuhe bedienten sich der Bildsprache einer anheimelnden Behaglichkeit ." Hinzu kommt noch die neue Lockdown-Streamingkultur, die auch in der Modewelt noch beschleunigt wurde: "Wozu noch Fotos auf Vogue Runway anschauen, wenn der HD-Livestream die besten Bilder liefert? Wozu von Werbegeldern weichgespülte Kritiken lesen, wenn Prada und Simons ihre Kollektion direkt im Anschluss an die Show selbst erläutern? Der Modejournalismus wird sich neu kalibrieren müssen, um seine Position als Konsekrationsinstanz beizubehalten."
Weitere Artikel: In der SZschreibt Tanja Rest einen Nachruf auf den Modedesigner KenzoTakada (weitere Nachrufe bereits hier). Außerdem bespricht Brigitte Werneburg in der tazReinerHolzemers (allerdings erst ab 15. Oktober startenden) Kino-Dokumentarfilm über den enigmatischen Modedesigner Martin Margiela.
Der japanische, in Paris wirkende Modedesigner Kenzo Takada ist mit 81 Jahren an Covid-19 gestorben. "Seine Mode war stets bunt und fröhlich", erinnert sich Jürg Zbinden in der NZZ. Vor allem aber war er ein Rebell: "In den fünfziger Jahren war der Begriff 'Kreativität' in Japan absolut verpönt, noch absurder schien die Vorstellung von einem Mann, der Mode machen wollte. ... . Typisch Kenzo waren verspielte Blusen mit Puffärmeln, plissierte Haremshosen und fließende, mit floralen Mustern bedruckte Kimonos. 'Jungle Jap' war in aller Munde. 'Ich wollte die zwei Dinge zusammenbringen, die ich liebte, den Dschungel und Japan.' Und weiter: 'Als ich anfing, hatte ich Henri Rousseaus Gemälde 'Le Rêve' von 1910 vor Augen. Und es funktionierte.'" Bei ihm "trafen klassische Karos auf Kirschblütenmuster, folkloristische Elemente aus dem Orient oder Südamerika wurden als Patchwork verarbeitet", schreibt Carmen Böker im ZeitMagazin, die sich auch daran erinnert, dass Kenzo "seine Shows gern in Zirkuszelten gezeigt hat, und einmal ist er auf einem Elefanten in die Manege geritten." Seine Entwürfe waren "auf fröhliche Weise chaotisch und übergroß", schreibt Vanessa Friedman in der New York Times, wo sich auch noch ein Interview mit Kenzo aus dem Jahr 1972 findet.
Zsazsa Gabor als Jane Avril in dem Film "Moulin Rouge" von 1952. Kleid: Elsa Schiaparelli
Als Elsa Schiaparelli 1937 Pink zu ihrem Erkennungszeichen machte, galt die Farbe nicht als besonders mädchenhaft oder gar süß. Aber dann fiel Schiaparellis Wahl ja auch nicht auf pastelliges rosa, sondern eben auf - shocking pink. Was nicht nur toll, sondern auch klug war: "Mit diesem kräftigen Farbton hoben sich ihre Entwürfe von den zurückhaltenden Farbpaletten ab, die im Zweiten Weltkrieg die Mode übernommen hatten", schreibt Alyssa Kelly in Carine Roitfelds CR Fashion Book. "In Paris führte Schiaparellis wachsende Popularität dazu, dass sie 1952 als Kostümbildnerin für den Film 'Moulin Rouge' engagiert wurde und speziell das Kleid von Zsa Zsa Gabor für ihre Figur Jane Avril entwarf. Das Gespür der Designerin für Farben und avantgardistische Details machte sie zur idealen Wahl für Gabors Rolle als Sängerin in einem Nachtclub. Gekleidet in ein rosa-rotes Schiaparelli-Kleid, war sie eine Vision von unverkennbarer weiblicher Energie."
Der neue BMW 4
Männliche Energie geht anders. SZ-Kritiker Gerhard Matzig bekommt das Gruseln, wenn er in die Monsterfresse des neuen BMW guckt: "Als Studie ist die Kühlergrillwucherung seit der IAA bekannt. Geleakt wurden paparazzohafte Bilder im Frühjahr, offiziell vorgestellt wurde das Design im Juni - und jetzt erobert die BMW-Niere unseren Lebensraum. Das ist, wie man weiß, die Straße und also der Stau, wo auch schon Audi und Mercedes so gewaltbereit wie ratlos herumstehen. Der neue 4er wird von BMW raubtierhaft, auf Beute lauernd inszeniert. Er sagt, was sonst Greta Thunberg sagt: 'I want you to panic.'"
Ikea hat seine historischen Kataloge online gestellt und auch wenn das Angebot zu Beginn der Firmengeschichte selbst schon für damalige Verhältnisse altbacken gewirkt haben mag, kommt in den Folgejahren doch ziemlich Tempo in die Sache, staunt Andrea Diener in der FAZ: "Klickt man sich durch die Jahrzehnte, findet man einen wahren Schatz an Formen, die es neu aufzulegen lohnte. Der herrlich geschwungene Stuhl Winni etwa auf seinem grazilen Teakgestell, die Drehsessel der sechziger Jahre auf ihren Stahlfüßen oder die an den Klassiker von Louis Poulsen gemahnenden Küchenlampen mit ihren sich aufblätternden Glasschichten könnte man sich ohne weiteres auch in modernen Wohnungen vorstellen. ... Erste Designexperimente werden gewagt, etwa mit dem Sessel 'Bohem', einer eierförmigen Sitzgelegenheit auf dünnen Stahlrohrbeinchen, die laut Text 'ytterst bekväm' sei, was sich aus der reinen Anschauung nicht unbedingt erschließt."
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