Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.12.2020 - Design

Klobig-militärisch anmutende Schuhe im Traktor-Stil sind schon eine ganze Weile der absolute Hit, schreibt Antonia Baum in der Zeit. Sie haben ja auch einen ganz besonderen Reiz, denn sie sehen "sowohl militärisch als auch futuristisch", aber eben "ein bisschen bescheuert, aber irgendwie toll aus" - und passend zur Gegenwart wirken sie auch ein wenig wie das Schuhwerk, in denen sich in apokalyptischen Zeiten die Welt retten lässt: "Zukunft und Kampf, darum geht es, und selbstverständlich spielen Frauen in dieser Bekleidungserzählung eine zentrale Rolle, sicher nicht zuletzt, weil sie noch immer die Hauptadressatinnen von Fashion sind. So oder so gibt es aber ja gerade tatsächlich eine Menge Gründe, einen Traktor für die passende Antwort zu halten. Eine breite, hohe, das heißt Raum einnehmende Antwort, bei der es nicht um jene Schönheit geht, die typischerweise von Frauen gewünscht ist (zart, filigran, leicht). Der Schuh zu #MeToo, gewissermaßen, der Schuh gegen Klimazerstörung, Rassismus, Polizeigewalt, entfesselte Autokraten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.12.2020 - Design

Coco Chanels "Mariniere" aus Jersey und mit Matrosenkragen, 1916 in Deauville 
Das wurde aber auch Zeit, schreibt Marina Razumovskaya in der taz: Im Pariser Museum Palais Galliera sind erstmals Coco Chanels Kleider gesammelt und an einem Ort integral ausgestellt - ja, wenn denn nur Corona nicht wäre. Im Mittelpunkt steht natürlich das Strandkleid La Marinière, Chanels großes Statement in Jersey von 1916: "Das ganze Outfit hängt an den Schultern. Ach, was musste die arme, weiche, verletzliche Taille schon alles aushalten in der Geschichte der europäischen Mode! Korsette, Korsagen, Krinolinen und später noch die X-Silhouette des New Look, der Zeit von Chanels Comeback in den 1950ern: Sie alle deklinieren Sexiness von der Taille aus - mit der naheliegenden Folge, den Busen zu betonen. Dagegen steht Chanels Formel: Befreiung der Taille. Die Schnitte, die daraus entstehen, sind simpel, elegant, auch ein wenig maskulin, la femme dandy." Schöne Bilder gibt es auf Instagram unter dem Hashtag #expochanel.

Außerdem: Brigitte Werneburg singt in der taz ein Loblied auf die Wolle und gibt Tipps, was es beim Kauf zu beachten gibt. In seiner Kolumne fürs ZeitMagazin beobachtet Tillmann Prüfer ein Comeback des Harnischs.
Stichwörter: Chanel, Coco, Corona, Instagram

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2020 - Design

Sieht immer gut aus: Harry Styles auf dem Cover der Vogue  (Tyler Mitchell)

Völlig hingerissen ist in der SZ Tanja Rest davon, dass die Dezember-Ausgabe der US-Vogue der Popstar Harry Styles in Frauenkleidern ziert: "Styles, der in dem fluffigen Volantgebilde an eine Mischung aus Saloon-Sandy und Scarlett O'Hara erinnert", ist "in dieser Garderobe für alle Ewigkeit in Marmor gemeißelt". Wobei "Styles natürlich in jedem Outfit gut aussieht, weil er einen festen, proportionierten, mit maritimen Tattoos aufs Erbaulichste ausgestatteten Körper hat. Dann bringt der Look der Southern Belle seine femininen Attribute zum Strahlen, als da wären die Türkisaugen, das Schmollmündchen, die in die Stirn springende Haarlocke. Zuletzt ist ein Gucci-Kleid, seit sein Designer-Freund Alessandro Michele dafür verantwortlich zeichnet, ein Bekenntnis zu allem, was der Zeitgeist gerade anbetungswürdig findet: Flamboyanz, Fluidität, ausgelassenes Nerdtum. Mit Kategorien wie 'männlich'/'weiblich' hat dieser Look nichts mehr zu tun."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.11.2020 - Design

Carmela Thiele erinnert in der taz an die Modefotografin Louise Dahl-Wolfe, die vor 125 Jahren geboren wurde. Von den 30ern bis zu den 50ern arbeitete sie für Harper's Bazaar: "Die Kleidung wurde damals lässiger, auch für Frauen. Das entsprach Dahl-Wolfes Lebensgefühl, sie brachte Natürlichkeit und Witz in die festgefahrenen Konventionen der Modefotografie. Sie beschäftigte sich zudem intensiv mit den Möglichkeiten der Farbfotografie, die damals aufkam. Sie erkundigte sich vorab nach den Farben der Kleider und stimmte die Kulisse darauf ab. Es heißt sogar, dass sie den Art Director um die geplanten Seiten-Layouts bat."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.11.2020 - Design

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Anne Lena Mösken porträtiert in der Berliner Zeitung den Modedesigner Amesh Wijesekera aus Sri Lanka, der seit einiger Zeit in Berlin lebt, wo er ein Modelabel gegründet hat. Seine Entwürfe verbinden Traditionen seiner Heimat mit Konzepten der Gegenwart, erfahren wir: Er "kombiniert die alten Techniken mit modernen Silhouetten und zeitgenössischem Design und dekonstruiert die traditionelle Schönheit Südasiens immer genau dann, wenn sie droht, zu Ethnokitsch zu werden: hier Fell-Applikationen an einem Kimono, dort lose Fäden, die aus einem Strickstück hängen. Oder eine Kombination von Handgewebtem mit Acid Wash. Seine Stücke sind mehrdeutig, sind weder feminin noch maskulin: Hosen mit glockenförmigen Beinen, klassische Hemden mit opulenten Raffungen, grober Strick, der sich eng an den Körper schmiegt. Wijesekera bricht lustvoll die Gendernormen, in die er selbst nie passen wollte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.11.2020 - Design

Christiane Meixner blättert für den Tagesspiegel durch einen Band der Fotografin Susanne Katzenberg zum Ende der Weimarer Porzellanmanufaktur, und fühlt ganz zum Schluss einen kleinen Hoffnungsschimmer aufsteigen: "Als Katzenberg erfuhr, dass der gesamte Formenfundus der Vase 'Tini' aus den Sechzigern, ein Entwurf des Formgestalters Peter Smalun, verkauft oder alternativ zerstört werden sollte, sprang sie selbst ein. 'Schockverliebt', wie die Fotografin gesteht, suchte sie nach einer Möglichkeit, die Produktion fortzusetzen - und fand Martin Pössel, der nach einem Studium des Produktdesigns an der Bauhaus-Universität nun eine kleine Manufaktur in Weimar führt. Aus dem Buch ist so noch das Projekt 'Unverloren' hervorgegangen, es kulminiert in Weimar und zeigt, wie lebendig das Erbe des Bauhauses am Ende ist: als Vase 'Tini' wie auch als Idee von der perfekten Form, die wieder aufersteht."

Außerdem: Alex Winiger schreibt in der NZZ einen Nachruf auf den Zürcher Lichtgestalter Willi Walter.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.11.2020 - Design

Jürgen Müller unterhält sich für die FAZ mit der DDR-Designerin Christa Petroff-Bohne, deren schlicht funktionale Edelstahl-Entwürfe immer noch zeitlos wirken und erst allmählich wieder wertgeschätzt werden. DDR-Design lehrt auch heute noch, "aus wenigem möglichst viel Sinnvolles, Haltbares und Langlebiges zu machen", sagt sie. "Es gehörte in der DDR auch eine große Bereitschaft dazu, sich mit Widrigkeiten auseinanderzusetzen. Da in der DDR, anders als in vielen westlichen Unternehmen, nicht der Profit die Industrieproduktion antrieb, waren die Widerstände gegen etwas Neues oft erheblich. Design bedeutet in jedem Falle eine Änderung von eingefahrenen Routinen. Da war oft viel Behäbigkeit im Raum." Im Design der Gegenwart beobachtet sie "große Verschwendung und viel Überflüssiges. Defekte Produkte, zu deren Wiederherstellung Baugruppen oder nur Kleinteile ausgewechselt werden müssten, werden entsorgt."

In der SZ schreibt David Pfeier über den nostalgischen Appeal im Produktdesign, der den bloßen Trend- und Modestatus längst überschritten hat und als Konstante anzusehen ist. Studien belegen überdies, dass Nostalgie "ein gutes Mittel gegen Einsamkeit sei" und generell dem Wohlbefinden diene: "So gesehen ist die Nostalgie das positivste Gefühl der Jetztzeit, ein freundlicher Narzissmus. Und die Produkte, die sie mit sich bringt, stellen den Wunsch nach Verbindung dar."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.11.2020 - Design

Mit 76 Jahren ist Suzy Menkes, die Grande Dame der Modekritik, auch heute noch interessiert, was die digitale Welt an Möglichkeiten hergibt: Podcast und Instagram gehören für sie dazu, verrät sie der NZZ. Allerdings hat die Verlagerung ins Digitale für ihren Berufsstand nicht nur Vorzüge: "Wenn ich in einer Show sitze, kann ich eben auch beschreiben, wie etwas von hinten aussieht, auch wenn die Designer uns lieber die Vorderseite präsentieren." Früher war es übrigens "nicht nur hart, sondern auch lustig. Im Internetzeitalter kann man sich das ja nicht mehr vorstellen, aber der Fotograf Chris Moore und ich mussten jedes Bild erst mal entwickeln lassen. Im einzigen schnellen Labor in Paris arbeitete ein Alkoholiker. Morgens war er okay, aber nach dem Mittagessen hatte er weder sich noch unsere Bilder mehr im Griff. Einer von uns musste dann immer bei ihm bleiben und insistieren, dass er ins Labor ging, statt zu trinken."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.11.2020 - Design

Auch die Mode - oder zumindest ihr glamouröses Drumherum - befindet sich derzeit eher im coronabedingten Dämmerschlaf. Vielleicht wird ja der momentane Trend zu "Chunky Boots", also Schuhe mit reifendicken Sohlen, als "Corona-Style" in die Modegeschichte eingehen, mutmaßt Tania Martini in der taz. Kommt nach Corona "dann die neue Eleganz - eben nur zeitverzögert und womöglich gepaart mit viel Glamour? Virgil Abloh, der als der vielleicht wichtigste Designer der Zeit gilt, hat in einem Gespräch im Rahmen der 'Vogue Global Conversations' etwas ganz anderes prophezeit. Die immer neuen Produkt-Hypes und Warenspektakel der Streetwear passten nicht mehr zu dem neuen Zeitgeist. ... Die Vogue sah kürzlich bereits die Ära des 'sozialverträglichen Kleidens' angebrochen und meinte eben gerade nicht nur nachhaltiges Produzieren. Sozialverträglichkeit in einer Branche, die sich aus der permanenten Behauptung von Individualität konstituiert? Ob das wirklich zusammengehen wird?"

Außerdem bespricht Brigitte Werneburg in der taz die (allerdings derzeit geschlossene) Ausstellung "Fashion?! Was Mode zu Mode macht" in Stuttgart.
Stichwörter: Mode, Corona, Vogue, Modegeschichte

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.10.2020 - Design

Nicola Kuhn schreibt im Tagesspiegel zum Tod des Designers Enzo Mari (mehr dazu bereits hier).