Hauspflanzen sind unsere Freunde und Verbündete, nimmtNZZ-Kritikerin Sabine von Fischer aus der Ausstellung "Plant Fever. Design aus der Pflanzenperspektive" im Zürcher Museum für Gestaltung als Erkenntnis mit. Wie sich dieses Verhältnis gestalten lässt, dazu zeigen die ausgestellten "Industrieobjekte und Prototypen aus Produktdesign, Textil, Mode und digitaler Kommunikation die Vielfalt" möglicher Strategien. "Manche der gezeigten Projekte sind spekulativ und untersuchen beispielsweise, wie Pflanzen- und Computersprache verknüpft werden können." Es "reihen sich Töpfe mit schwenkbaren Armen, Kübel mit Spinnenbeinen und gestapelte Tongefässe. Sie imitieren die Pflanzenformen und steuern auch, wie die Pflanze wächst. Aus dem Material wachsen auch alle möglichen Alltagsgegenstände, so ein Wurzelkleid und ein ganzer Stuhl, der auf einem Hof im englischen Chesterfield aus einem Holzspalier in seine Form gezüchtet wurde."
"Wahre Eleganz ist nun mal leise", schreibt Julia Werner in der SZ zum Tod des Modedesigners NinoCerruti, der einst (und insbesondere in Hollywood) der letzte Schrei war, sich in den letzten Jahren aber spürbar zurückzog. "Armani, der bis heute als Erfinder des dekonstruierten Herrenanzugs gilt, sagt, er habe in Sachen Softness alles von Nino Cerruti gelernt. Und in der Tat, alles, was die Bewegung einschränkte, physisch und gedanklich, war diesem Stofffabrikanten aus Biella ein Graus." Fotos zeigen Cerruti häufig in seiner Fabrik, erinnert Grit Thönissen im Tagesspiegel, "seine exklusiven Stoffe um sich herum zu schweren Rollen übereinandergestapelt. Mit einem meist nur angedeuteten Lächeln, das früh ergraute, volle Haar zu einem Seitenscheitel frisiert, war er sich seiner Rolle als Industrieller, der die italienische Mode in die ganze Welt gebracht hatte, sehr bewusst. Fast immer trug er Anzug und Krawatte. ... Cerruti strahlte diese italienische Grandezza aus - immer gepaart mit genug Pragmatismus, dass nie der Verdacht aufkam, man habe es hier mit etwas anderem als einem geschmackssicheren Geschäftsmann zu tun."
Mali lebt in Armut. Dennoch ist in dem Land edlerDamast so beliebt wie kaum ein zweiter Stoff, stellt Jonathan Fischer von der SZ zu seinem Erstaunen vor Ort fest. Kurios wird es aber, als er dem Geld folgt: ein Großteil der in Mali nicht nur an Feiertagen getragenen, bunten Stoffe stammt aus Deutschland und Österreich. Die Firma Getzner aus Vorarlberg erschloss den Markt als Reaktionen auf einen wirtschaftlichen Engpass in den 70ern: "Nigerianische Kaufleute hatten als erste Kontakte in die ehemalige DDR zu Damastwebereien in Sachsen und Thüringen geknüpft. Andere Hersteller bekamen Wind von der Afrika-Connection. Besonders für Getzner erwies sie sich als Glücksgriff. Heute gehen 98 Prozent der Damast-Produktion in den Export." Doch stellen sich Fischer damit auch Fragen: "Bereichert sich der Westen womöglich ein weiteres mal am wirtschaftlichen Gefälle zu Afrika? Schaden europäische Stoffe - analog zu den aus der EU exportierten überschüssigen Tomaten oder Gefrier-Hähnchen - dem heimischen Markt? Steckt dahinter gar so etwas wie Kulturimperialismus?"
Klar wird Stricken lächerlich gefunden, denkt sich Waltraud Schwab in der taz, ist ja auch eine Kulturtechnik, die seit Jahrhunderten von Frauen ausgeübt wird. Aber, meint sie, auch das Stricken hat seine Geschichte: "In der Geschichtsschreibung der Neuzeit betreten Strickerinnen - nach den Madonnen - wieder öffentlich die Bühne in der Französischen Revolution als sogenannte Tricoteusen. Es waren Jakobinerinnen, die strickend auf der Tribüne im Nationalkonvent saßen oder strickend den Hinrichtungen folgten. Bis heute gilt das Wort 'tricoteuse' im Französischen als Synonym für eine politische Radikale."
In seine Stilkolumne fürs ZeitMagazinwirft Tillmann Prüfer einen Blick auf den Kragen in der Damenmode.
Eine S 51 B2-4 von 1980. Foto unter cc-Lizenz: Max Schwalbe / Wikipedia Peter Richter schreibt in der SZ zum Tod des DDR-Designers Karl Clauss Dietel, der so gut wie alles gestaltet hat, darunter auch die Mokick-Legende Simson S 51, an die sich Richter, den wir uns als jungen Mann wohl als Rebell der Liebe auf den Landstraßen vorstellen müssen, mit Tränen in den Augen erinnert. Ein Klassiker wurde das Gefährt auch, weil sie das Basteln ermöglichte: "Die gestalterische Trennung der einzelnen Baugruppen dient nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern viel wesentlicher: praktischen und nicht zuletzt ökologischen. Man soll reparieren, anbauen, umbauen können, weitermachen - nicht wegschmeißen müssen. Das war unter den Bedingungen einer Mangelwirtschaft damals ganz einfach das Vernünftigste."
Der Tagesspiegelmeldet den Tod des Gestalters Karl Clauss Dietel, der unter anderem den Wartburg 353 oder Erika-Schreibmaschinen entwarf. Besprochen wird die Pariser Ausstellung "Aerodream" über aufblasbareKunststoffe in Möbeldesign und Architektur (NZZ).
Der Druck auf Edelmarken wie Gucci, sich den Klima-Herausforderungen der Gegenwart zu stellen, ist hoch, stellt Gabriele Detterer in der NZZ fest. Zaghafte Versuche in diese Richtung sind bereits zu beobachten, doch bei jüngsten Schauen umweht auch weiterhin "das hedonistische Fluidum einer Dauerparty den jüngsten opulenten Gucci-Look. Stärker denn je zuvor gerät diese Scheinwelt in Widerspruch zu einer Lebensrealität, die zum Kampfplatz für eine bessere Zukunft geworden ist." So sieht man sich auch bei der Schau "Archtetypes" im Florentiner Gucci-Palazzo "Wänden gegenüber, die mit Parolen der Rebellion voll getextet sind, von Aufbegehren und Sehnsucht ist die Rede, nichts wird mit Abbildern verführerischer Models geschönt. ... Das Panoptikum spiegelt die Leitmotive der Kreationen, die Alessandro Michele seit 2015 entwirft. Deutlich wird der Anspruch, im Vielerlei der Kollektionen klassische Gucci-Elemente in neuem Design fortleben zu lassen. Rauten- und Blumenmuster, Schluppenblusen, Plissee, Handtaschen-Ikonen, Schuhe. Losgelöst von "Symmetrie und Farbenharmonie", dem tradierten Ideal der Schneiderkunst, erscheint kleidsame Schönheit als atonaler Vielklang aus Vintage-Stil und frischeren Geschmacksnoten."
Legt Euren Liebsten zum Fest der Liebe doch bitte Krawatten unter den Baum, ruft in der SZ Peter Richter den Eheleuten des aktuellen politischen Spitzenpersonals zu. Für seinen Geschmack kleidet sich die Ampel nämlich viel zu leger und zu betont aufgeknöpft. "Die Verweigerungshaltung gegenüber einer professionellen Berufskleidung wirkt bei Spitzenpolitikern besonders unprofessionell, und zwar gerade da, wo sie so penetrant programmatisch daherkommt. ... Nie hat man Lauterbach früher ohne Fliege gesehen. Und ausgerechnet jetzt, wo er Minister ist, hat ihm, wie er bekannt gab, sein eigener Nachwuchs das ausgeredet, damit er irgendwie jugendlicher wirke. Lieber Herr Lauterbach: Das ist leider Unsinn."
Die russische Parfümeurin OxanaTschernyschewa hat mit "Checkmate" ein Parfüm zu Ehren eines neuen russischen Kampffliegers kreiert. Düfte zu Waffen und Fluggeräten haben in Russland Tradition, erinnert Sonja Zekri in der SZ. Der Werbespot zu "Checkmate" scheint ihr "bedrohlich", "mehr wie eine Putin-Rede zur Ukraine-Krise". Vom Duft ist Zekri dann aber offenbar ganz hingerissen: "Die Eröffnung ist grell, zitrisch, ein Feuerwerk aus Grapefruit und Vetiver. Nach einer Weile folgen Wacholder und eine Spur Koriander, alles sehr hell, sehr grün. Dieses Parfüm ist ein Wachmacher, duftgewordenes Adrenalin. Zwei Stunden später, die Unruhe hält an. Die Basisnote ist krautig-vital, was irgendwann anstrengend wird." Auch bleibe der versprochene "technogene Aspekt" aus. "'Glas allein hat natürlich keinen Geruch', gibt Tschernyschewa zu: 'Die Mischung der Komponenten lässt eine Vorstellung von Kälte, Transparenz, Zerbrechlichkeit entstehen, also von Glas.' Also doch noch mal hinriechen? Nein, immer noch kein Cockpit. Nicht mal ein kleines Seitenfenster."
Isamu Noguchi im Juli 1947 (Arnold Newman Collection/Barbican Arts Centre) Das Barbican Arts Center in London widmet dem Möbel- und Raumdesigner IsamuNoguchi eine Ausstellung. Dass Noguchi weit mehr zu bieten hat als seinen zum Marker von Geschmacksbewusstsein reduzierten Kaffeetisch, wirdNZZ-Kritikerin Marion Löhndorf dabei rasch klar: "Den Raum betrachtete er als eine Masse, die skulptural zu behandeln sei. Die Ausstellung zeigt, dass die Ästhetik der von ihm hergestellten Objekte keineswegs so homogen ist, wie oft behauptet wird. Von polierten Porträtköpfen bis zu fundstückartigen Objekten, die an Fetische der Stammeskunst erinnern, von kompakten Skulpturen bis zu extrem reduzierten Bühnenbildern, die weite Räume bespielen, ist alles zu finden. Manchmal ist schwer zu glauben, dass all dies aus der Werkstatt desselben Künstlers stammt."
In der tazbestaunt Adrian Lobe den selbstfahrenden chinesischen Servierroboter Bella, der in der Gastronomie, Krankenhäusern, Büros und Kantinen eingesetzt werden soll. Fragt dann aber streng: "Warum hat der Bot, der als 'miauende Robo-Kellnerin' tituliert wurde, einen weiblichen Namen? Und warum ist er nach einer Katze modelliert? Warum werden über das Design Stereotype produziert und Männerfantasien bedient - die weibliche Bedienung als schnurrendes Kätzlein, das per Knopfdruck Bier auf den Tisch stellt?" Das sind total eurozentrische Fragen, lernt er im Gespräch mit dem Maschinenethiker Oliver Bendel: "In asiatischen Ländern gebe man Robotern gerne eine Tiergestalt, so Bendel", das mache sie sympathischer. Kaffee, bitte!