Viele
Opernhäuser müssen demnächst
renoviert werden, das wird teuer,
ahnt Reinhard J. Brembeck in der
SZ: 600 Millionen in Köln, eine Milliarde in Stuttgart. Auch die Häuser in Frankfurt, Düsseldorf, Nürnberg und Augsburg an, Berlins Komischer Oper und das Münchner Nationaltheater stehen an. "Allerdings ist der Rechtfertigungsdruck für öffentlich gezahlte Kulturausgaben und speziell für Opernhaussanierungen besonders hoch: Braucht man das überhaupt? Ist das nicht bloß
Luxus für Reiche? Das sind durchaus berechtigte Fragen", so Brembeck. "In Stuttgart wurde jetzt eine
kleine Bürgerbefragung gemacht, die ein Okay zur Sanierung signalisierte. Dort weiß man, dass die 500 000 Opern- und Ballettkarten von
350 000 Menschen gekauft werden. Das ist alles andere als eine kleine Reichenelite, Stuttgart hat nicht einmal doppelt so viele Einwohner. Und es zieht nicht nur Stuttgarter in ihre legendäre Oper."
Düsseldorf wird gleich ein neues Opernhaus bekommen, weil die Sanierung des alten unwirtschaftlich wäre, hat die schwarz-grüne Regierungskoalition mit Stimmen der FDP und SPD beschlossen,
berichtet außerdem Alexander Menden, und für Olaf Przybilla
sind die Renovierungsarbeiten in
Nürnberg ein Testfall, ob das Publikum den Bühnen in die Ausweichquartiere folgt.
Thomas Oberender soll nach Recherchen eines
RBB-Teams im Juni seinen Posten als Intendant der Berliner Festspiele nach Vorwürfen des Machtmissbrauchs aufgeben haben,
meldet die
nachtkritik. Ob das so stimmt,
kann Rüdiger Schaper im
Tagesspiegel auch nicht sagen, weil Monika Grütters und Oberender schweigen. Grundsätzlich ist Schaper jedoch einverstanden damit, dass Theaterleiter immer öfter auch wegen
Mobbingvorwürfen gehen müssen: "Sexistische Übergriffigkeit, rassistisches Verhalten, Drohgebärden,
Gebrüll und anderes offenbar klassisches Führungsverhalten werden inzwischen sanktioniert. Nicht immer, aber immer häufiger. Ein
Kulturwechsel findet statt. Dass es dabei auch zu zweifelhaften, unklaren oder
ungerechten Bewertungen kommen kann, lässt sich bei einem Umschwung dieser Größenordnung kaum vermeiden. Denn es geht nicht nur um eine veränderte Kultur der Arbeit zumal in künstlerischen Berufen. Es geht auch um einen Generationenwechsel, um
Karrieren. ... Der Intendant, meist Gutverdiener, trägt viel mehr als die künstlerische Verantwortung."
Besprochen werden
Brigitte Venators und
Karin Beiers Projekt "Aus dem Leben", das Gespräche über den
Freitod montiert (in der
FAZ fragt Irene Bazinger leicht ratlos: "Was bringt ein Projekt wie 'Aus dem Leben', während sich draußen im Land Tausende radikalisieren, die den Tod von anderen billigend in Kauf nehmen, weil sie sich nicht impfen lassen wollen?",
nachtkritik), die konzertante Uraufführung von
Adrian Gaspars Kammeroper "Romano Kidipe" im Frankfurter Gallus-Theater (
FR) und Choreografien von
Jérôme Bel und
Boris Charmatz beim Festival d'automne in Paris (
FAZ).