Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
01.07.2002. In dieser Woche lesen Sie: Welchen Verlagen es trotz allem gut geht. Warum die Schweiz eine zweite Buchmesse bekommt. Was ein SMS-Roman ist. Was die Tonträgerindustrie von Schwarzkopien hält. Und wo Lehrerinnen und Lehrer Arbeitsblätter abonnieren können. Von Hubertus Volmer

Börsenblatt

Endlich mal eine gute Nachricht: Den Fachverlagen geht es gut, hat das Börsenblatt bei einer Umfrage herausgefunden. Freundlicherweise haben die Herren Fachverleger ein paar Tipps für ihre Kollegen parat: "Jammern nutzt nichts" (Georg Siebeck), "Jammern nutzt nichts" (Wulf D. v. Lucius), "Klagen bringt nichts" (Matthias Pflieger, C.H. Beck), "Klagen ersetzt nicht das Handeln" (Bertram Gallus, Carl Heymanns Verlag). Roland Ulmer weist darauf hin, dass die Umsatzzuwächse in seinem Verlag "von den Spezialisten, den Versendern und Internet-Buchhandlungen, den Fachgeschäften oder dem eigenen Versandbuchhandel" kommen.

Interview mit Alexander Fest, der seit fünf Monaten Chef des Rowohlt Verlages ist. Mit seinem Wechsel von Berlin nach Hamburg stellte er den Alexander Fest Verlag ein. Jonathan Franzens Roman "Die Korrekturen" erscheint daher nicht im Fest Verlag, sondern bei Rowohlt. Nils Kahlefendt fragte den Verleger, ob nicht doch ein Fünkchen Wehmut mitschwinge, wenn auf dem Cover "nicht mehr der eigene Name steht". Fest: "Vielleicht in sehr egoistischen Momenten. Im Übrigen finde ich, dass Rowohlt gerade für diesen Roman der denkbar beste Name ist - vor allem deshalb, weil das Buch so ganz und gar in die Tradition der Rowohlt-Literatur hineingehört." Den Alexander Fest Verlag aufzugeben "war eine sehr schwierige Entscheidung, und ich denke, dass ich dieses Opfer für keinen anderen Verlag gebracht hätte".

Weitere Meldungen: "Pisa E" schlägt Wellen. Seit dem 24. Juni ist Joachim Unseld alleiniger Eigentümer seiner Frankfurter Verlagsanstalt. Bisher hatte Unseld lediglich 74 Prozent der Anteile gehalten. Ein Artikel über den Richard Boorberg Verlag, der in diesem Jahr 75 Jahre alt wird. Die VG Wort zahlt bei ihrer Hauptausschüttung ca. 46 Millionen Euro an 100.000 Autoren und Verlage aus. Die LG Buch schreibt rote Zahlen. Die Buchhandlung Lux in Mainz-Gonsenheim wird 50 Jahre alt. Teil drei einer Artikelserie von Christian Sprang über das neue Urhebervertragsrecht erscheint in diesem Börsenblatt. Und der Buchhandel verzeichnet erste positive Ergebnisse mit dem Verkauf von Prepaid-Karten.

In der Beilage "Aus dem Antiquariat" schreibt Irmgard Wagner über die Jugendschriftstellerin Tony Schumacher (1848-1931), Roland Stark über "'Knecht Ruprecht' im Schaffstein Verlag - zeitgerecht geordnet" und Lotte Roth-Wölfle über Begegnungen mit Sammlerinnen und Sammlern.
Archiv: Börsenblatt

buchreport.express

In der Kooperation der Vereinigten Verlagsauslieferung VVA mit Libri sieht der buchreport den Versuch, "den Rücktstand zum Stuttgarter Familienunternehmen Koch, Neff & Oetiner (KNO) nebst dessen Tochter Koehler & Volckmar (KV) so schnell wie möglich aufzuholen". Die Konkurrenzsituation zwischen VVA und KNO nennt das Blatt das "Duell der Giganten". Ein Hintergrundartikel befasst sich mit Veränderungen in der Auslieferungsbranche.

Basel bekommt eine eigene, die Schweiz ihre zweite Buchmesse. Matthyas Jenny, "Vater der Schriftstellerin Zoë Jenny und zuletzt Vertriebsleiter bei Ammann in Zürich, will mit einer Basler Buchmesse auch den deutschsprachigen Verlagen en Forum in der Schweiz schaffen: Bei der bisher einzigen internationalen Schweizer Buchmesse, dem traditionsreichen Genfer Salon du Livre, ließ die Präsenz dieser Verlage in den vergangenen Jahren immer mehr nach".

Der Medientheoretiker Nils Röller hat einen SMS-Roman geschrieben. "Der 'Roman' über ein Paar, das sich am Flughafen trennt und in verschiedene Richtungen davonfliegt, besteht aus vier Kapiteln, die wiederum in mehrere SMS-Nachrichten aufgeteilt sind." Nachzulesen ist der Text hier.

Von dem populärwissenschaftlichen Sachbuch "A New Kind of Science" hat der Autor Stephen Wolfram in den USA bislang 50.000 Exemplare verkauft. Obwohl das Buch 44,95 Dollar kostet, steht es in der Amazon.com-Bestsellerliste auf Platz 22. Das Besondere an diesem Buch: Wolfram hat es im Eigenverlag veröffentlicht. "Eigentlich wollte Wolfram das Buch auf dem konventionellen Weg herausbringen, einen Vertrag mit Addison Wesley hatte er schon in der Tasche. Doch dann konnten sich die Pearson-Tochter und der Autor nicht auf einen Erscheinungstermin einigen und lösten den Vertrag. Jetzt ist der Wissenschaftler auf den Geschmack gekommen und will auch das Taschenbuch - trotz lukrativer Angebote - selbst verlegen."

Weitere Meldungen: Die Gruner + Jahr-Tochter National Geographic Deutschland will weiter wachsen, Gondrom hat eine in Pforzheim eine weitere Erlebnisraum-Buchhandlung eröffnet, der Schwabenverlag meldet einen Umsatzrückgang von minus 1,8 Prozent, und der HörVerlag hat seinen Umsatz im ersten Quartal 2002 gegenüber dem Vorjahresquartal um 40 Prozent gesteigert.

Schließlich: die Bestseller.

Börsenblatt

Zusammen mit der Münchner Pinakothek der Moderne hat der DuMont Literatur und Kunst Verlag ein neues Label gegründet: Pinakothek-DuMont. "Die Kooperation sei 'wegweisend'", sagt Maria Platte, Programmleiterin Kunst bei DuMont, "der Verlag sei - anders als bislang im Geschäft mit Ausstellungskatalogen üblich - bereits an der Konzeption der Publikation beteiligt." Zum Start erscheinen vier Titel: "ein Prachtband über das Museum, ein Publikumsband, ein Kurzführer und ein Kalender".

Im Online-Buchhandel ist die Berechnung von Versandkosten mittlerweile fast die Regel: "Nach Amazon und Bol haben nun auch buch.de und die Plattform libri.de Versandkosten eingeführt."

Der Tonträgerindustrie gehen durch Raubkopien "etliche Milliarden" verloren, sagt Peter Hanser-Strecker, Präsident des Deutschen Musikverleger-Verbands und Vorsitzender der Geschäftsführung des Musikverlages Schott. "Im vergangenen Jahr musste die Tonträgerabteilung unseres Hauses einen Umsatzrückgang von 20 Prozent hinnehmen. Werke von Carl Orff etwa, an denen wir die Rechte halten, werden oft am Rechner heruntergeladen. Außerdem kursieren im Internet Techno-Versionen von Orffs Carmina Burana - illegale Bearbeitungen, die Urheber und Rechteinhaber in vielerlei Hinsicht schädigen." Hanser-Strecker fordert eine Erhöhung der Urheberabgabe auf CDs und eine Geräteabgabe auf Brenner. "Sorgen machen uns ebenfalls die rückläufigen Gema-Einnahmen und die Ignoranz der Radiosender, die der englischsprachigen Musik immer größeren Raum geben. Im Prinzip pflegen wir mit unseren Rundfunkgebühren die Musikindustrie im Ausland. Erfreuliche Ausnahmen sind nur die boomende Volksmusik und deutsche Hiphop- und Technoerfolge." Hier das ganze Interview.

Birgit Leonhardt stellt die Lernplattform Bildung online vor, ein Gemeinschaftsprojekt diverser Schulbuchverlage. "Renner bei 'Bildung online' sind aktuelle Informationen, die die Verlage entsprechend ihrer Provenienz ins Netz stellen und zum Teil im Abonnement anbieten. So kann sich ein Lehrer für 45 Euro pro Jahr 'Schroedel aktuell' bestellen. Für diesen Betrag erhält er zweimal wöchentlich per E-Mail Arbeitsblätter zu aktuellen Themen."

Weitere Meldungen: Der Schweizer Verlag Nagel & Kimche, eine Tochter des Carl Hanser Verlags, übergibt einzelne Bereiche an das Münchner Mutterhaus. Anderthalb von vier Stellen seien von der Umstrukturierung "betroffen". Die Bildungsmesse 2003 beginnt am 31. März. Und Stefan Hauck hat die Landessieger des Vorlesewettbewerbs gefragt, nach welchen Kriterien sie ihre Bücher kaufen oder ausleihen.
Archiv: Börsenblatt