Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 33

Die Buchmacher vom 21.04.2008 - Börsenblatt

Der Autor Wolfgang Brenner hat eine abenteuerliche Erklärung dafür, warum Buchhändler trotz des Stresses und des stets ausbleibenden finanziellen Erfolgs weiterhin Schriftsteller zu Lesungen einladen: "Die Buchhändler wollen sich mit Lesungen an den Autoren rächen. Für die Bücher, die schwer wie Blei in den Regalen stehen. Oder für die Bestseller, die die Buchhändler ihren Kunden verkaufen müssen, obwohl sie sie für einfallslos, eitel, banal und debil halten." Als Beleg greift der Autor in die Mottenkiste der Erinnerung und berichtet von einem Berliner Buchhändler, der sich gastronomisch auf weit mehr Interessenten eingestellt habe als dann gekommen seien. "Derart frustriert, begann er schon vor der Lesung seine beeindruckende Bastion Weinflaschen selbst zu trinken - bis ihm die Lesung irgendwann zu lang erschien und er einfach das Licht löschte."

Anlässlich der Meldung, dass der US-Verlag HarperCollins das Remissionsrecht für Buchhändler einschränken will und Buchhändler künftig übriggebliebene Bücher einer neuen Buchreihe nicht wieder an den Verlag zurückgeben können, startet das Börsenblatt einen Rundruf unter Sortimentern und Verlegern. Fazit: Keiner kann sich vorstellen, dass dies ein Modell für Deutschland wäre. Rutger Booß (Grafit Verlag) regt jedoch an, zumindest bei Taschenbüchern das Remi-Recht einzuschränken und künftig Gutschriften auszuteilen.

Vor drei Jahren übernahm das Stuttgarter Barsortiment Koch, Neff und Volckmar (KNV) den insolventen PBS-Großhändler Schreyer; jetzt wird der Schreyer-Vertrieb zum 1. Mai von der PBS Holding Gruppe übernommen. Im Interview mit Eckart Baier erklärt KNV-Chef Oliver Voerster, dass die Umsatzentwicklung, die er sich mit Schreyer vorgenommen habe, nicht erreicht werden konnte. Ob er sich vor drei Jahren verkalkuliert habe? "Ja, das haben wir. Wir mussten erkennen, dass die Großhandelsstrukturen in der PBS-Branche überraschend stark zementiert und sehr traditionell sind. Einige Verhaltensweisen und Strukturen der PBS-Branche sind uns bis heute unverständlich, weil damit auf allen Seiten sehr viel Geld vernichtet wird."

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, befürwortet im Interview den Vorschlag von Rainer Groothuis, ein konzertiertes Marketing der Branche zu entwickeln. Dies müsse nicht zig Millionen Euro kosten - warum nicht dafür sorgen, dass in der Lindenstraße regelmäßig eine Buchhandlung vorkommt, regt Skipis an.

Sehr lesenswert ist der Kommentar von Verleger Matthias Ulmer zum Interview mit Elisabeth Ruge und Uli Hörnemann zur Preisbindung aus dem vorletzten Heft (hier). Die Diskussion sei peinlich. "Wir haben ein Gesetz. Und es gibt weit und breit keinen Politiker, der das Thema so bedeutend findet, dass er derzeit eine Abschaffung des Gesetzes vorschlägt. Es gib meines Wissens auch keine Demonstrationen auf der Straße, keine Bürgerbewegung ,freie Preise', keine Attacken von Verbraucherschützern und keine Greenpeace-Aktivisten, die sich an KNV-Bücherwagen ketten. Selten in den letzten Jahrzehnten war die Preisbindung so sicher wie heute." Außerdem regt sich der Stuttgarter darüber auf, dass immer wieder behauptet werde, dass durch die "Thaliaisierung" oder Filialisierung der Branche die Qualität so viel schlechter werde. "Kein Deut ist daran richtig. Da wird meist gut ausgebildetes Personal übernommen und durch eine neue Ladeneinrichtung oder ein neues Logo ändert sich doch nichts an deren Qualifikationen. Es ist ungerecht gegenüber diesen Mitarbeitern, wenn ihre Arbeit abqualifiziert wird, bloß weil sie bei einem Filialisten arbeiten."

Weitere Themen: Sabrina Gab stellt die "Zukunftskonzepte" von Bahnhofsbuchhändlern vor. Holger Ehling schickt einen Bericht von der London Book Fair. Stefan Hauck und Holger Heimann interviewen den Chef des angeschlagenen Eichborn-Verlags, Stephan Gallenkamp, der "harte Schritte" als notwendig erachtet und die Fokussierung des Programms auf bestimmte Zielgruppen ankündigt. Holger Heimann porträtiert den ehemaligen Shell-Manager und jetzigen Verleger Wolf-Rüdiger Osburg (Osburg Verlag). Hier das Inhaltsverzeichnis.
Stichwörter: Greenpeace, Logo, 1. Mai

Die Buchmacher vom 14.04.2008 - Börsenblatt

Der Literaturkritiker Wolfgang Schneider kommentiert den Trend zum Wälzer: Nach Köhlmeier (800 Seiten), Littell (1400 Seiten) stehe für den Herbst ein Tausendseiter von Uwe Tellkamp in Aussicht ("Der Turm"), der neue Pynchon ("Gegen den Tag") komme sogar auf 1600 Seiten. "Der Wucht-Wälzer steht wie ein Monolith aus einer anderen, entschleunigten Welt im Sperrgebiet der alltäglichen Anforderungen - unangepasst, uneffizient. Faszinierend anders", freut sich Schneider. Offenbar gebe es eine Szene von unverdrossenen Lesern, die aus der medialen "Blödel- und Quasselkultur" ausgestiegen seien. Leidtragende bei der Renaissance der Lese-Dinos seien indes die freien Kritiker. "Angesichts des Lektüreaufwands nähert sich ihr Stundenlohn dem eines bolivianischen Lastenschleppers", argumentiert Schneider (wohl pro domo).

Im Interview mit Börsenblatt-Chef Torsten Casimir warnen Berlin-Verlag-Chefin Elisabeth Ruge und ihr Vertriebsleiter Uli Hörnemann vor einem Fall der Buchpreisbindung, die zu einer "Buchhandelskatastrophe" führte. In England könne man beobachten, wie nach dem Verschwinden des unabhängigen Buchhandels Supermarktketten wie Tesco den großen Buch-Filialisten das Leben schwer machten. Hugendubel oder Thalia blühte dann dasselbe Schicksal wie Waterstone?s ("eine erschreckende, öde, tote Angelegenheit"). In den Leserkommentaren wird u.a. darüber diskutiert, wer in Deutschland den Feldzug gegen die Preisbindungsfeinde anführen soll.

Der neue Eichborn-Chef Stephan Gallenkamp hat eine Radikalkur gestartet. Laut Börsenblatt sollen in diesem Jahr deutlich weniger Titel produziert werden (hier die Meldung): 120 statt der zuletzt 180 Novitäten. Die Zahl der Mitarbeiter sei von 63 im vergangenen Jahr auf jetzt 47 reduziert worden; die unterhalb der Vorstandsebene angesiedelt zweite Führungsebene, zu der unter anderem Matthias Bischoff, Wolfgang Hörner und Bettermann gehörten, habe Gallenkamp aufgelöst - Bischoff verantworte künftig den Programmbereich Unterhaltung (Humor und Geschenkbuch), Hörner die Literatur.

Björn Biester kommentiert die gescheiterten Verhandlungen um den Erwerb des Karl May-Nachlasses - der Bamberger Karl May-Verleger Lothar Schmid habe das sächsische Angebot in Höhe von 3,5 Millionen Euro "brüskiert zurückgewiesen". Jetzt stünden der Verkauf oder die Versteigerung des Nachlasses als Optionen im Raum. "Eine öffentliche Auktion, die ja mit einer genauen Katalogisierung des Nachlasses einherginge, böte die Möglichkeit, erstmals in dem seit Jahren schwelenden und jetzt eskalierten Konflikt eine echte Marktsituation herbeizuführen", schreibt der Autor. "Dann könnte sich zeigen, welchen Wert Karl May tatsächlich hat" - der von Verleger Schmid mehrfach geäußerte Vergleich Karl Mays mit Franz Kafka und James Joyce, der die Forderung von 15 Millionen Euro rechtfertigen solle, werde schließlich als "kuriose Randnote" in Erinnerung bleiben.

Weitere Themen: Für die TV-Dokureihe "Hagen hilft" auf Kabel eins sucht die UFA kleine und mittelständische Familienbetriebe, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken. "Wir suchen nach einer Buchhandlung, die nicht schon mit beiden Beinen im Grab steht", zitiert das Börsenblatt Daniel Böhm, Casting-Redakteur bei der UFA. Stefan Hauck berichtet von der Jugendbuchmesse in Bologna, wo die deutschen Verleger gut gelaunt gewesen seien. Peter Reelfs gibt einen Überblick über den Non-Books-Markt. Nils Kahlefendt porträtiert den "Züricher Zampano", Buchhändler und Verleger Ricco Bilger. Hier das Inhaltsverzeichnis.

Die Buchmacher vom 07.04.2008 - Börsenblatt

Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs, demzufolge Aufbau-Verleger Bernd F. Lunkewitz den Verlag wegen Urheberrechtsverletzungen belangen kann, interviewt das Börsenblatt Gernot Schulze, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht in München, zum Dilemma von Lunkewitz - der ist zwar Eigentümer sämtlicher Rechte, aber als Privatmann und nicht im Verbund mit den Investoren, die den Verlag 1991 von der Treuhandanstalt kaufte: "Deshalb könnte er alle Lizenzverträge, die in der Zwischenzeit rechtsunwirksam geschlossen wurden, nachträglich genehmigen, den Vorstoß damit ,heilen', wie es juristisch heißt. Aber es ist natürlich auch sein gutes Recht, dass er das nicht privatissime et gratis macht, sondern die Aufwendungen der Investoren in den ,falschen' Verlag von der Treuhand wiederhaben will. Denn die hat den Investoren schließlich etwas verkauft, was ihr nicht gehörte und was sie daher nicht übertragen konnte. Und er kann Schadenersatz für die unzulässigen Verwertungen und Lizenzierungen geltend machen, den sich der Verlag dann bei der Treuhand zurückholen könnte." In einem weiteren Interview kündigt Lunkewitz an, von der Treuhand -Nachfolgebehörde Schadenersatz zu verlangen.

Soll gegen Ehrenamtliche, denen Missmanagement vorgeworfen wird, Anspruch auf Schadenersatz erhoben werden, wie jetzt im Fall der Buchhändler Abrechnungs Gesellschaft (BAG) - zu dieser Frage, die am 20. Juni bei der Hauptversammlung des Börsenvereins in Berlin geklärt werden soll, hat das Börsenblatt zwei Positionen eingesammelt (hier der Artikel). Altverleger Heinz Gollhardt zweifelt an der Begründung des Vorstehers Gottfried Honnefelder für die Milde gegenüber den ehrenamtlich Tätigen - hätten Ehrenamtliche damit zu rechnen, für krasse Fehlentscheidungen in Anspruch genommen zu werden, würde sich keiner mehr zur Verfügung stellen, so der Vorsteher. "Das kann nicht die Basis für Führungsaufgaben bei uns sein. Hohe Ansprüche an die Kompetenz, Professionalität und das Verantwortungsbewusstsein sind an die Ehrenamtlichen ebenso zu stellen wie an die Festangestellten. Mit allen Konsequenzen für beide." Stefan Könemann, Vorsitzender des Landesverbands NRW, hät dagegen: "Wir sind ein Verband, der vom Engagement seiner honorigen Mitglieder lebt. Deren Tätigkeit darf nicht unter dem Damoklesschwert einer Haftung stehen. Niemand würde sich noch engagieren."

Nachdem das Börsenblatt in der vergangenen Woche bei der positiven Entscheidung des Bundeskartellamts hinsichtlich der Übernahme von Karstadt-Buchhandelsflächen durch DBH weit hinter dem buchreport hinkte, zeigen sich die Frankfurter in dieser Woche vorbildlich und haben zu diesem Thema ein ganzes Dossier online gestellt. Autorin csch kommentiert: Dass es nicht mehr Städte geworden sind, bei denen das Kartellamt die rote Karte gezückt hat, ist - wenngleich das Gefühl ein anderes sein mag - dem trotz aller Konzentration noch funktionierenden Wettbewerb zu verdanken." Zwischen gefühlter und tatsächlicher Marktmacht scheine es mancherorts nicht unerhebliche Abweichungen zu geben. "Klar ist nach dieser Entscheidung, dass die muntere Expansion der Großen nicht mehr uneingeschränkt nach deren Willen funktioniert."

Weitere Themen: Die Autorin Jenny Erpenbeck schreibt über ihre Lieblingsbuchhandlung von Solway Herschel in Berlin - zwar erfährt der Leser nicht, warum diese so toll sein soll, immerhin aber lässt Erpenbeck durchblicken, dass die Buchhändlerin ziemlich viel arbeitet (60-Stunden-Woche). BIFAB hat den für den 15. April geplanten Start des neuen Portals Brockhaus Online verschoben - neuer Starttermin unklar, angeblich seien keine technischen Probleme, sondern Verhandlungen mit Kooperationspartnern ausschlaggebend. Nils Kahlefendt gibt einen Überblick über literarische Onlineplattformen wie den FAZ-"Reading Room". Stefan Hauck porträtiert die Illustratorin Claudia Carls, Nicola Bardola das Arbeits- und Ehepaar Amelie Fried und Peter Probst (sie schreibt Romane, er Drehbücher). Den Fragebogen hat der Moderator (u.a. der "Leseköpfe"-Gala zum Welttag des Buches) und Biobauer Dieter Moor ausgefüllt (Mit wem er gerne mal tauschen möchte? Josef Ackermann, um zu sehen, wie sich ein Alien auf der Erde fühlt). Hier das Inhaltsverzeichnis.
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Stichwörter: Tausch, Bundeskartellamt

Die Buchmacher vom 31.03.2008 - Börsenblatt

Im Interview fordert der Ex-Wagenbach-Designer und heutige Gestalter und Kommunikationsberater Rainer Groothuis eine konzertierte Marketingaktion der Branche (hier). "Es muss eine übergreifende Kampagne werden fürs Buch." Groothuis plädiert für einen Fonds, dessen transparente Bewirtschaftung und Kontrolle in die Regie des Börsenvereins zu geben sei. "Dieser Topf, aus dem dann eine gesellschaftlich breit wirksame Imagepolitur für das Buch und das Lesen finanziert werden soll, würde sich nach den Vorstellungen des Hamburgers aus einem Rabatt-Verzicht auf Zeit von beispielsweise einem halben Prozent speisen, auf den sich möglichst viele Unternehmen der Branche verständigen müssten. Das Geld könne von den Barsortimenten eingesammelt werden", fasst das Börsenblatt die Idee zusammen. Die Kampagne solle im Fernsehen, Radio und den großen Zeitungen stattfinden.

Eine schön Diskussion hat sich an der Meldung (hier) entzündet, dass die Wikipedia einen Eintrag zur Edition Rugerup gelöscht hat - laut Börsenblatt-Autor Nils Kahlefendt scheint für einen Kleinverlag, der mit "großem Wagemut spannende internationale Lyrik in deutscher Übersetzung präsentiert", in der freien Enzyklopädie kein Platz zu sein. Das harsche Vorgehen von Wikipedia gegen den Verlag sei kein Einzelfall: Rund ein Fünftel aller Artikel-Überarbeitungen in der englischsprachigen Wikipedia seien nach jüngsten Schätzungen Rücknahmen von Löschungen oder Radikal-Änderungen. "Wenn das Kriterium die Rezeption (= Verbreitung?) ist: dann bitte nur noch Artikel über Hape Kerkeling und Ken Follett auf Wikipedia!", schreibt ein Leser der Meldung.

Im Gastkommentar gibt Katharina Raabe, Lektorin bei Suhrkamp, einen Einblick in die Vertreterkonferenzen, bei denen die Lektoren für "ihre" Bücher werben. "Diszipliniert, aber mit Feuer, strikt zur Sache, aber lebendig und niemals über ihre Köpfe hinweg. Vor allem aber: Lassen wir sie keine Sekunde im Unklaren darüber, was wir mit dem einzelnen Buch wollen, warum wir es machen. Dann wird der Satz, der zur Formel taugt, sich schon bilden", meint die Frankfurterin.

Matthias Politycki singt ein Loblied auf seine Lieblingsbuchhandlung Samtleben in Hamburg: "Bloß kein künstlich auratisierter Ort, bloß kein Buchhändler, der ungebeten Geheimtipps gibt, keine Stammkunden, die ihre Bestellungen mit einem wissenden Raunen unterlegen und einander wie die Letzten ihrer Art hofieren, nein! Sondern ein solch perfekt organisierter Ort, dass er an seiner Oberfläche nachgerade beiläufig daherkommt - und ein Buchhändler, der so unbeflissen sein Metier verkörpert, dass man sogar mit ihm in ein entspanntes Kaffeegeplauder geraten, ja, dass man sich dabei sogar dem einen oder anderen literarischen Thema zuwenden kann."

Weitere Themen: Im Interview beklagt sich Jan Henne de Dijn, Ex-Chef des unter Insolvenzverwaltung stehenden Pay-TV-Literatursenders Lettra, dass Investitionsbanken den Sender im Stich gelassen hätten; von den Berliner Förderinstitutionen habe es keinen einzigen Euro gegeben. Jennifer Minke stellt neue Marketing-Modelle der Verlage vor, darunter Lesungen im Flugzeug, "Lerninseln" in Bahnhöfen und Leseproben im Magazin der Deutschen Bahn. Nicola Bardola porträtiert die Tessloff-Programmleiterin Margret Sterneck, Emmanuel van Stein den Ex-Lübbe-Chef und heutigen Literaturagenten Peter Molden. Den Fragebogen hat ziemlich lustlos der Autor Ulrich Woelk ausgefüllt (Hauptcharakterzug? "Da fragen Sie am besten meine Frau"). Hier das Inhaltsverzeichnis.

Die Buchmacher vom 17.03.2008 - Börsenblatt

Leipziger Buchmesse hat das Börsenblatt eine facettenreiche Ausgabe vorgelegt. Chefredakteur Torsten Casimir und Christina Schulte interviewen den Präsidenten des Bundeskartellamtes, Bernhard Heitzner. Dabei geht es unter anderem um die Fusionsvorhaben von Thalia (will Buch Kaiser schlucken) und DBH (52 Karstadt-Buchabteilungen). Bei beiden Projekten habe das Kartellamt eine vertiefende Prüfung eingeleitet, um die Wettbewerbssituation zu analysieren - der Buchhandel sei wegen der vielen regionalen Märkte sehr komplex. Angesprochen auf die Preisbindung, erklärt Heitzner, er sei vom Branchengesetz wenig begeistert. "Die freie Preisbildung ist der wesentliche Kern für freies unternehmerisches Handeln."

Im Gastkommentar erklärt der Verleger Jochen Jung, warum es auch auf der Publikumsmesse in Leipzig letztlich ums Geldverdienen geht. "Und wenn die phänomenale Lese- oder richtiger: Zuhörlust der Leipziger auch dieses Jahr wieder zu fast 1000 Veranstaltungen führen wird, dann nicht nur, um der Eitelkeit der Autoren und dem Wissensdurst der Leipziger Genüge zu tun, sondern um sie zum Kaufen zu animieren - auf dass die Signale in die ganze Republik funken."


KNV und Libri starten einen Pilotversuch und legen ihre Bücherwagendienste in Berlin zusammen. Im Interview schildert KNV-Chef Frank Thurmann die Folgen der Zusammenlegung für das Sortiment. "Unser Ziel ist es, zu rationalisieren und zu optimieren. Einschränkungen für den Buchhändler soll es nicht geben, es kommt allenfalls zu geringfügigen Verschiebungen bei den Anlieferzeiten.". Die Kooperation sei eine Reaktion auf die ständig steigenden Kosten im Transportbereich und dem Wunsch der Branche nach Rationalisierung im Verkehr. "Darüber hinaus ist keine Zusammenarbeit geplant."

Anlässlich der Musikmesse Frankfurt äußert sich Bärenreiter-Verlegerin Barbara Scheuch-Vötterle zur viel kritisierten Gymnasialreform und zur Gefahr, dass das Fach Musik im Schulbetrieb in den Hintergrund rückt. "Wir als Bärenreiter-Verlag, aber auch andere Musikverlage und -verleger, haben schon viele Gespräche mit Politikern geführt. Umgesetzt wurde bisher aber leider nur wenig", erklärt die Verlegerin. Und erinnert an ein Bonmot von Innenminister Otto Schily: "Wer Musikschulen schließt, gefährdet die innere Sicherheit."


Weitere Themen: Holger Heimann führt zum 100-jährigen Bestehen von Rowohlt ein Interview mit dem Verleger Alexander Fest, der sich dazu positionieren muss, warum er für Daniel Kehlmann "Deutschlands bester Verleger", für eine Autorin allerdings ein "arroganter kleiner Misthaufen" ist. "Verlegersein heißt auch", antwortet der großgewachsene Reinbeker, "dauernd Autoren (oder Leute, die es werden wollen) zu enttäuschen, also, wenn Sie wollen, dauernd für irgendwen ein ,Misthaufen' zu sein." Das Hamburger Medienunternehmen Edel Entertainment hat den Rockbuch Verlag übernommen und setzt damit seinen angekündigten Wachstumkurs im Buchbereich fort (hier die Meldung). Nils Kahlefendt hat den Dresdner Autor Marcel Beyer besucht, der in seinem neuen Roman "Kaltenburg" (Suhrkamp) die geschichte von Dresden literarisch vermisst. Die vom Börsenverein initiierte Volltextsuche libreka! hat den technischen Dienstleister gewechselt: Das Bureau van Dijk Electronic Publishing (BvDEP) hat zur Leipziger Buchmesse die technische Umsetzung von der hgv publishing services, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, übernommen. Hintergrund unklar - die Konzepte zur Weiterentwicklung der Plattformen seien unterschiedlich gewesen, heißt es (hier).

Die Buchmacher vom 10.03.2008 - Börsenblatt

Joachim Bartholomae, Leiter des Männerschwarm Verlags in Hamburg, schreibt im Gastkommentar, dass der Filialbuchhandel ganz eigene Anforderungen an den Nachwuchs stelle. Dabei blickt der Verleger zu den 16 Thalia-Geschäften in Hamburg, in denen gerade einmal 16 Personen über den Einkauf von Novitäten und damit das Profil des Sortiments entschieden - der Rest packe Geschenke ein und hoffe, irgendwann selbst eine oder einer dieser 16 zu werden. "Wenn der neue Bundesvorstand des Börsenvereins Bildungsarbeit als strategisches Ziel seiner Arbeit formuliert, muss man fragen: Wer soll hier weitergebildet werden, und wozu? Wenn die Absolventen eines Ausbildungsberufs als Erfüllungsgehilfen im engen Korsett einer Firmenstrategie missbraucht werden, könnte man sich auf die Klugheit der Jesuiten besinnen, die gesellschaftliche Veränderungen durch Fürstenerziehung bewirken wollten", schreibt Bartholomae. "Ich habe allerdings meine Zweifel, ob diese ,Filial-Fürsten' nicht lieber mit Betriebsberatern reden als mit Kulturaposteln."

Autor Csch kommentiert, dass immer mehr mittelständische oder zumindest inhabergeführte Buchhandlungen auf Expansionskurs sind: Osiander, Rupprecht oder die Mayersche. "Dass einige Standorte schon von den Großen besetzt sind, schreckt sie nicht ab. Wissen sie doch, dass ihre Buchhandlungen eine andere, persönliche Note haben - und sich gegen die Big Player behaupten können", schwärmt der Autor. Dabei sei es klug, das Tempo nicht zu sehr zu forcieren.

Eckart Baier und Christina Schulte vergleichen die Strategien der Einkaufsgemeinschaften LG Buch, eBuch, AUM und AGM. Anders als in Branchen wie Lebensmittel seien nur rund 20 Prozent der 4500 unabhängigen Buchhändler in solchen Zusammenschlüssen organisiert; ein Zusammenschluss der Verbünde sei jedoch in weiter Ferne.

Das Kinder- und Jugendbuchprogramm bei Random House wird neu geordnet. Im Herbst bekommt das Jugendtaschenbuchprogramm cbt einen eigenen Hardcover-Bereich; die Marke Omnibus fällt weg. Im Gespräch mit dem Börsenblatt erklärt der Verleger Jürgen Weidenbach die Hintergründe: "Auslöser ist unser starkes Wachstum im Jugendbuch, das nicht nur auf Christopher Paolinis ,Eragon', wie vielleicht vermutet, zurückzuführen ist. Wir konnten im Jugendbuchsegment - und hier auch im cbt-Jugendtaschenbuch - seit Jahren ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen."

Weitere Themen: Der US-Hörbuch-Anbieter Audible hat seinen Umsatz 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent auf 110 Millionen Dollar (72,3 Millionen Euro) gesteigert und dabei erstmals einen Nettogewinn (2,4 Millionen Dollar) ausgewiesen - gutes Omen für den Onlinehändler Amazon, der Audible übernehmen will (hier die Meldung). Der norddeutsche Anbieter von Print-on-Demand-Büchern, Books on Demand (BoD), expandiert auf dem französischen Markt und weitet die Vertriebszone (bisher Schweiz, Österreich, Dänemark und Finnland) aus. Im vergangenen Jahr sei der Titelbestand von 17.000 auf mehr als 65.000 vervierfacht worden, das Umsatzwachstum liege im deutlich zweistelligen Bereich, zitiert das Börsenblatt aus einer Pressemitteilung (hier). Max Florian Kühlem berichtet begeistert von einem Lesesonntag mit Charlotte Roach bei der Lit.Cologne. Tamara Weise gibt Tipps, wie Buchhändler DVDs verkaufen können. Michael Roesler-Graichen porträtiert den zum Understatement neigenden C.H. Beck-Cheflektor Detlef Felken und Nils Kahlefendt die Wagenbach-Herstellungsleiterin Julie August (was für ein Name!). Andrea Maria Schenkel schwärmt von ihrer Lieblingsbuchhandlung Bernsteinbuch in Nittendorf. Den Fragebogen hat sterbenslangweilend der Leipziger Buchmesse-Chef Oliver Zille ausgefüllt (Lebensmotto? "Die Dinge, die man im Leben tut, möglichst richtig tun und sich selbst dabei nicht zu wichtig nehmen").

Erstmals im Börsenblatt: ein "Plus"-Heft zum Thema Comics - ähnlich wie buchreport seit Monaten Supplements zu Schwerpunktthemen auskoppelt. Dem Leser des Börsenblatts erschließt sich allerdings nicht so leicht, wie sich das "Plus"-Heft von den bisherigen Spezial-Heften zu bestimmten Themen unterscheiden soll. Hier das Inhaltsverzeichnis des "großen" Börsenblatts.

Die Buchmacher vom 03.03.2008 - Börsenblatt

Wolfgang Schneider war für das Börsenblatt beim Auftritt von Jonathan Littell ("Die Wohlgesinnten") im ausverkauften Berliner Ensemble dabei, wo das gesamte literarische Berlin und zwei Drittel der deutschen Literaturkritik anwesend gewesen seien, um den Autor im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit zu erleben. Schneider gibt (nur in der Online-Ausgabe, hier) ein paar nette Momentaufnahmen: Dass Cohn-Bendit bekannt habe, den Roman wegen seiner schwer erträglichen Grausamkeiten während der Lektüre dreimal gegen die Wand geworfen zu haben. Dass Littell leider von Cohn-Bendit kaum mit den massiven Vorwürfen, die von deutschen Kritikern gegen den Roman erhoben wurden, konfrontiert wurde. "Immerhin stellte er die Kitsch-Frage. Littell antwortete, dass der SS - ungeachtet ihres massenmörderischen Charakters - durchaus selbst Züge des Kitsches eigen gewesen seien: ,Bürger in schwarzer Lederkluft mit Totenköpfen'." Und dass, besonders hübsch, Cohn-Bendit sich zu oft in "umständlichen Ad-hoc-Interpretationen" verloren habe: "Ob jener Kopfdurchschuss, den Aue in Stalingrad erhält, womöglich das Loch der Erinnerung repräsentiere, an dem die Deutschen nach dem Krieg litten? Eine schöne Interpretation, entgegnete Littell ebenso knapp wie freundlich."

Im Kommentar erklärt Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis, warum Bildung und Wissen nach Beschluss des Vorstandes für die nächsten Jahre Schwerpunkt der Arbeit in der gesamten Börsenvereinsgruppe werden sollen. "Weil erstens unser buchhändlerischer Nachwuchs unsere Zukunft ist. Und weil wir zweitens in Sachen Bildung und Wissen eine Schlüsselbranche sind. Wir erschließen die Quellen, von denen unsere Gesellschaft lebt." Möglicherweise werde der Verband mit einem Bildungs- und Wissenspreis und/oder einem Symposion "ein Signal des Anspruchs unserer Branche auf Meinungsführerschaft" setzen. "Wir können damit weiteres Gewicht in Politik und Gesellschaft erlangen und eine Versachlichung in der Diskussion um das Buch, um Inhalte im digitalen Zeitalter erreichen. Nutzen wir diese Chance! Noch eine käme vielleicht nicht."

"Ignorieren und weiterarbeiten", schlägt Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir mit Blick auf die jüngste Erhebung des Instituts für Demoskopie in Allensbach vor, nach der der Beruf des Buchhändlers nach wie vor am Ende der Berufsprestige-Skala steht. Während Ärzte (78 Prozent der Bevölkerung haben Hochachtung), Pfarrers (39 Prozent) und Hochschulprofessoren (34 Prozent) das Ranking anführen, sind Buchhändler das Schlusslicht unter den 17 abgefragten Berufen (hier die Meldung).

Zum 1. Juli wollen Elisabeth Raabe und Regina Vitali die Arche Literatur Verlag AG an die Verlagsgruppe Oetinger verkaufen; Verlagsleiter wird der bisherige marebuch-Verleger Nikolaus Hansen, der auch Minderheitsgesellschafter der Verlage ist (hier die Meldung). Im Interview erklärt Hansen: "Der eine (Verlag), Atrium, hat seine Mitte noch nicht ganz gefunden, der andere, Arche, muss aufbauend auf der erfolgreichen Arbeit von Elisabeth Raabe und Regina Vitali weiterentwickelt werden." Vom marebuchverlag werde er möglicherweise Denis Scheck als Herausgeber mitbringen, außerdem folge der Lektor Tim Jung.

Weitere Themen: Die Buchhandlung Rupprecht mit Stammsitz im oberpfälzischen Vohenstrauß eröffnet im Sommer eine 1700 Quadratmeter große Buchhandlung in Erlangen. Volkhard Bode zeigt, welche Vorteile Vertriebsallianzen bei Verlagen (z.B. des Aufbau-Verlags mit den Vemag-Verlagen Fackelträger und Boje) haben. Stephan Eppinger erklärt, wie wichtig die Beleuchtung im Sortiment ist ("Bloß keine diffuse Lichtsuppe!"). Holger Heimann porträtiert den Kerr-Preisträger Burkhard Müller (Süddeutsche Zeitung). Den Fragebogen hat der eigentümliche Verleger Volker Oppmann ausgefüllt (der Verlag heißt Onkel & Onkel; der Verleger "kultiviert (...) Topfpflanzen und bunte Papierberge"). Hier das Inhaltsverzeichnis.

Die Buchmacher vom 25.02.2008 - Börsenblatt

Die interessantesten Artikel sind in dieser Woche nicht im gedruckten Börsenblatt zu lesen, sondern als Kommentare zur Meldung, dass Thalia mit einer Werbeoffensive den neuen Markenauftritt flankiert (hier). "Durch Beilagenkampagnen mit einer Auflage von bis zu 8,5 Millionen Exemplaren allein in Deutschland, Rundfunk- und Anzeigenwerbung sowie optimaler POS Präsentation und Dekoration wird Thalia noch intensiver als in der Vergangenheit über alle drei Länder hinweg werblich auftreten", zitiert das Blatt aus dem Pressemitteilung. "Nach Erschlagen durch Ladenverkaufsfläche, kommt nun erschlagen durch Papier", spöttelt der eine Leser, "Wann dreht die ,Parfüm-Mutti' den Geldhahn zu?" der andere. Außerdem geht es darum, wie gut oder schlecht bei den Filialisten bedient wird, wie freundlich diese sind - und mit welchen Mittel Thalia & Co. die angestammten Händler verdrängen. "Dazu gehört auch das Thalia gezielt unabhängige Buchhandlungen vernichtet indem mit viel Geld und möglichst hoher qm entweder neben der Buchhandlung oder über einer Stadt verteilt den unabhängigen Buchhandlungen die Luft abschnürt."

Über den chronischen Mitgliederschwund (besonders durch Konzentration auf der Handelsseite) jammern die Börsenvereinianer seit Jahren, doch selbst ein kleiner Reform-Schritt ist offenbar auch nicht mehrheitsfähig: Der Länderrat im Börsenverein ist zwar dafür, eine abgestufte Mitgliedschaft für Unternehmen anzubieten, die branchennahe Produkte oder Dienstleistungen anbieten. "Insbesondere auf Drängen der Verleger im Verband wurde präzisiert, dass die Offerte in der Regel nicht für literarische Agenturen, Autoren und Übersetzer gilt", erklärt das Börsenblatt - hier bestehe ein Konflikt "im Hinblick auf Kerninteressen der Vergütung".

Kurz bevor sich der BAG-Sanierer Manfred Antoni in Richtung Klett Verlag verabschiedet, hat er der Buchhändler-Abrechnungs-Gesellschaft eine ausgezeichnete Zukunft bescheinigt. Vor dem Länderrat, berichtet das Börsenblatt, habe Antoni angekündigt, die BAG werde ab 2009 "eine kleine Cash-Maschine sein, die eine Umsatzrendite nördlich von 15 Prozent erwirtschaften wird".

Oh je, das Volk wird dümmer und dümmer, und das alltägliche Leid der Buchhändler entsprechend größer und größer. Dies ist der Tenor eines Gastkommentars (eigentlich ein Auszug aus dem Buch "Feinde. Alle, die wir brauchen", Diederichs) des Soziologen Reinhard Kreissl. "Frei nach der Assoziationskette, die von Pfannkuchen über Omelette zu Hamlet führt, sieht der Händler sich oft mit Anfragen nach Spezialtiteln konfrontiert, die aber die Interessenten nur im Ungefähren zu beschreiben in der Lage sind. Schlimmstenfalls fragt einer nach einem dicken Buch mit einem grünen Umschlag, wo es um Indianer geht." Aber auch die Fachkräfte des Gewerbes seien nicht immer klüger - auf der Suche nach einem Titel von Michel Foucault in einer eingesessenen Buchhandlung mittlerer Größe habe die "beflissene junge Dame" "Fuckoh" in die Suchmaske eingetippt. Schön sind auch hier wieder die Leser-Kommentare von Buchhändlern, die aus ihrer Leidensgeschichte erzählen: "Das Buch war von einer Frau und vorne drauf waren so Buchstaben" (nach konsequenten Nachfragen: Cornelia Funke, Die Tintenherz-Trilogie). Oder: "Haben Sie das Buch "Nazis in Dortmund"? (Narziß und Goldmund, Hesse). Hier der Artikel.

Weitere Themen: Eckart Baier zeigt die Vorteile der RFID-Funktechnik, die bei der niederländischen Kette BGN eingesetzt werde. Holger Heimann porträtiert Jo Fürst und Marc Iven, die in Berlin die traditionsreiche Autorenbuchhandlung übernehmen. Jörg Magenau hat den Schriftsteller Michael Kumpfmüller getroffen, der einen neuen Roman ("Nachricht an alle", KiWi) über die Berliner Inszenierung von Macht geschrieben hat. Hier das Inhaltsverzeichnis.

Die Buchmacher vom 18.02.2008 - Börsenblatt

Torsten Hilt, Marketing- und Vertriebschef des Humboldt-Verlags, erklärt im Gastkommentar, dass für Ratgeber - anders als Reiseatlanten - mit dem Internet keine übermächtige Konkurrenz herangewachsen ist. Zwar schienen die zur Verfügung stehenden Informationen im Netz schier unendlich zu sein. Genau darin liege jedoch auch eine Schwachstelle des Internets. "Denn dem Buch als Ratgeber gehen wertvolle Arbeitsschritte voraus, die ich im Netz selbst leisten muss: Inhalte sichten, nach Qualität sortieren und das Gute und Richtige in eine möglichst logische oder verständliche Reihenfolge bringen. Vom Ausdrucken ganz zu schweigen." Verlagsmarken gäben Orientierung und schafften Vertrauen. "So sorgt die Konkurrenz Internet letztlich für eine Qualitätsverbesserung der Ratgeber im Buchformat"


Im Heft dreht das Börsenblatt den Tod der gedruckten Brockhaus-Enzyklopädie nach - den die Frankfurter vorbildlich und an vorderster Front im Internet durchleuchtet hatten: Hier das Interview mit Bifab-Vorstand Marion Winkenbach und Online-Redaktionsleiterin Sigrun Albert über die neue Online-Strategie von Brockhaus.

Nachdem Random House-Chef Joerg Pfuhl im letzten Heft für einen Kompromiss im Streit um eine angemessene-Übersetzervergütung geworben hat, sammelt das Börsenblatt Stimmen aus dem eigenen Online-Forum. So erkennt der Übersetzer Andreas Tretner in den Eckpunkten des neuen Verlegervorschlags (laufende Beteiligung beim Hardcover ab 5000 Exemplare 0,5 Prozent bis 1 Prozent ab 15.000 Exemplaren; Taschenbuch: 0,25 Prozent ab 10.000 bis 0,5 Prozent ab 30.000), dass "ein ernsthaftes Interesse an einvernehmlicher Lösung besteht". Nachteile hätten jedoch Übersetzer anspruchsvoller Hochliteratur sowie spezieller Sachbücher, für die die Schwelle von 5000 verkauften Exemplaren - hinter der eine Erfolgsbeteiligung als einziger Zugewinn in Aussicht stünde - deutlich zu hoch sei. Suhrkamp-Lektorin Katharina Raabe mahnt, dass "bereits erreichte und zäh erkämpfte Bedingungen für literarische Übersetzer" nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfen. Bevor ein BGH Präzedenzfälle schaffe, sollten Verlage und Übersetzer verhandeln, "mit Geduld und Phantasie Spielräume ausloten − unter Anerkennung ihrer kategorialen Ungleichheit." Kein Verlag könne einem Übersetzer Verdienstsicherheit verschaffen, Übersetzer arbeiteten umgekehrt unter Bedingungen, die sich "vermutlich kaum ein Lektor, geschweige denn ein Konzerngeschäftsführer freiweillig zumuten würde." Fazit: "Schluß mit den Untergangsszenarien, Nullsummenspielen, maßlosen Forderungen, Drohungen!"

Autor csch begrüßt die Kooperation der in der AG Marketing (AGM) organisierten Buchhandlungen mit dem Hugendubel-Zentrallager beim Einkauf gängiger Titel - die Zusammenarbeit soll Kosten senken. Die sei eine "clevere Option". "Denn gewinnen können alle: Dann, wenn am Ende des Tages tatsächlich mehr Bücher verkauft worden sind."

Weitere Themen: Nils Kahlefendt schickt einen Vorbericht zur Leipziger Buchmesse, die mit 1900 Veranstaltungen und 1500 Autoren aufwartet. Wolf D.v. Lucius gratuliert dem Verleger Michael Klett zum 70.. Thomas Glavinic stellt seine Lieblingsbuchhandlung Phil in Wien vor. Carolina Lehmkuhl (Chefin Aufbau Media) und Bettina Gries (Story House Productions) erläutern das Geschäft mit dem Verkauf von Filmrechten. Hier das Inhaltsverzeichnis.
 

Die Buchmacher vom 11.02.2008 - Börsenblatt

Im Editorial des Börsenblatts fordert Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir einen Verbund der Buchhandels-Verbünde: eine Allianz von Zusammenschlüssen wie eBuch und LG Buch sowie AUB. Hintergrund: Eine Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung und des Börsenvereins habe einmal mehr gezeigt, dass viele Sortimenter von BWL keine Ahnung haben. "Es gibt nur einen prinzipiellen Ausweg: Erträge steigern, Kosten dämpfen", weiß Casimir. Abhilfe könne nur ein "Verbundverbund, mindestens aber eine intelligente Moderation der gemeinsamen Interessen" schaffen. Passend zum Thema meldet das Verbandsblatt, dass sich der Arbeitskreis Kleinerer Sortimenter (wohl aus Minderwertigkeitskomplexen) in Arbeitskreis unabhängiger Sortimenter umbenannt hat - na, das ist doch schonmal ein Anfang.

Am 16. und 17. Februar will der Verband der Übersetzer auf seiner Mitgliederversammlung über den neuen Vorschlag mehrere Verlage zur Vergütung von Übersetzern abstimmen - dann soll sich klären, ob der Bundesgerichtshof zum Jahresende urteilen oder doch eine außergerichtliche Lösung gefunden wird. Im Gastkommentar fordert Random-House-Chef Jörg Pfuhl die Gegenseite zum Kompromiss auf. Hintergrund: In den vergangenen fünf Jahren gab es über 20 Klagen von Übersetzern gegen Verlage und den Börsenverein. Das vom Bundesgerichtshof (bei dem allein vier Klagen gegen Random House anhängig sind) zu erwartende Urteil, so Pfuhl, werde nur Verlierer bringen; für das Gros der Übersetzer werde es kaum Verbesserungen geben, allein die Bestseller-Übersetzer würden sich besser stehen - was die Quersubventionierung vieler Titel in den Verlagen unterminiere. "Die Uhr tickt", mahnt Pfuhl und verweist auf das jüngste Angebot der Verlegerseite, bei dem die Übersetzer bereits ab 5000 verkauften Exemplaren am Umsatz beteiligt würden. Im Internet hat sich auf Pfuhls Artikel inzwischen eine Diskussion entwickelt (hier), an der sich u.a. der Übersetzer Marcus Ingendaay (u.a. von William Gaddis) beteiligt. "Ich empfehle in allen diesen Fällen ein einjähriges Praktikum in dieser Wirklichkeit (also mindestens bis zum ersten Steuerbescheid), damit die Betreffenden wenigstens wissen, wovon sie reden. Ich kann schon jetzt garantieren: Ihre frühere Entrüstung über den Wunsch über den Wunsch nach einer angemessenen Beteiligung käme ihnen absurd vor."

Der "Altverleger" Heinz Gollhardt wertet das Ergebnis einer Umfrage aus, nach der sich die meisten Azubis im Buchhandel weder für BWL noch für elektronische Medien interessieren. "Ich habe den Verdacht, dass der Durchschnitt unserer Azubis nicht repräsentativ ist für den Durchschnitt junger Menschen - auch nicht derjenigen mit Abitur", schreibt Gollhardt. Und legt vorsichtig nach: "Zu vermuten ist, dass die potenziellen Azubis angelockt werden durch ein Image unserer Branche, in dem Betriebswirtschaft und moderne Technik eher eine Randrolle spielen; mit anderen Worten: Hier lockt das Image eines kulturellen Naturschutzparks, in dem man geschützt ist vor Neuerungen und so profanen Dingen wie kaufmännischen Anforderungen." Freilich erntet auch der Gollhardtsche (vorsichtigst formulierte) Vorbehalt Kritik, hier zum Beispiel.

Weitere Themen: Eckart Baier und Christina Schulte analysieren, wie Großbuchhändler und Verlage allmählich das Pricing entdecken. Jennifer Minke zieht eine Zwischenbilanz zu den Frühjahrsreisen der Vertreter. Holger Heimann interviewt den Suhrkamp-Verlag-der-Weltreligionen-Chef Hans-Joachim Simm. Wolfgang Schneider stellt die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse vor. Andreas Trojan porrätiert den Chef des Oekom Verlags, Jacob Radloff. Den Fragebogen hat der Agent und Historiker Ernst Piper ausgefüllt (Lieblingsbeschäftigung? "Arbeiten"). Hier das Inhaltsverzeichnis.