Im Frühjahr 1989 beschloss die
ungarische Regierung, nach jahrelanger
Zusammenarbeit mit dem SED-Regime, den Grenzzaun zu Österreich abzubauen: "Das so entstandene Loch im Eisernen Vorhang entfaltete einen Sog, als hätte man in einer vollen Badewanne den Stöpsel gezogen",
erinnert Hubertus Knabe in seinem Blog. Wie kam es zu dieser Entscheidung vom Politbüro der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei? Knabe ergründet die "eigentümliche Passivität", die die SED-Führung angesichts dieser Entwicklungen an den Tag legte anhand der Aufzeichnungen der Geheimdienste Ungarns und der DDR aus dem Budapester Archiv der Staatssicherheit. Sie zeigen, dass es eine "Mischung aus
Agonie und Selbstgefälligkeit war", die den Untergang des SED-Regimes besiegelte. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Ungarischen Behörden und der Stasi geriet in den 1980er-Jahren an seine Grenze, hält Knabe fest, als die Zahl der Flüchtlinge immer weiter stieg, die DDR-Führung aber bis zuletzt passiv reagierte: "Am 31. August reiste der ungarische Außenminister Horn deshalb zu seinem ostdeutschen Amtskollegen Oskar Fischer. Sein Land sei nicht länger bereit hinzunehmen, dass in Ungarn rund
10.000 DDR-Bürger auf eine Ausreisemöglichkeit warteten. Die DDR-Regierung solle erklären, dass sie deren Anträge auf Ausreise wohlwollend bearbeiten werde, wenn die Antragsteller nach Hause zurückkehrten - ansonsten werde man die Grenzen am 4. September öffnen. Weil die SED-Führung sich nicht darauf einließ, kündigte Horn schließlich an, dass Ungarn die Ostdeutschen
ausreisen lasse (...)"
Vor 75 Jahren wurde
Theodor Heuss erster Bundespräsidenten der BRD. Der Historiker
Norbert Frei fächert in der
Zeit die Widersprüche in Heuss' Haltung, was die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen anging, auf. Vehement stellte er sich gegen die
Verdrängung der Vergangenheit ("Wir dürfen nicht vergessen die Nürnberger Gesetze, den Judenstern, den Synagogenbrand, den Abtransport von jüdischen Menschen in die Fremde, ins Unglück, in den Tod.") Gleichzeitig setzte er sich für
NS-Kriegsverbrecher ein: "So entschieden, wie Heuss sich gegen das Vergessen der NS-Verbrechen positionierte, arbeitete er - wohlwissend, dass sein präsidiales Begnadigungsrecht in solchen Fällen nicht griff - vor und hinter den Kulissen an der 'Lösung der Kriegsverbrecherfrage' mit, die sowohl bei der Regierung als auch bei der SPD weit oben auf der Tagesordnung stand. Dabei ging es um Deutsche, die seit 1945 vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg und in den zwölf sogenannten Nachfolgeprozessen, aber auch in zahlreichen Militärgerichtsverfahren wegen Kriegs- und NS-Verbrechen verurteilt worden waren." Unter anderem für den ehemaligen Staatssekretär im Auswärtigen Amt
Ernst von Weizsäcker, der "nicht zuletzt wegen eines von ihm abgezeichneten Vermerks zur Deportation von Juden aus Frankreich zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war. ... Im Oktober 1950 kam Weizsäcker frei."