Rosa Budde
erinnert in der
taz an den
Historiker und Holocaustüberlebenden Joseph Wulf, der ein
Pionier der Holocaustforschung war - seine Bücher, etwa über Musik im Dritten Reich, erschienen, als die Täter noch in Amt und Würden waren und ihre Bücher in "
Giftschränken" aufbewahrt wurden. "In seinen Werken ließ der historiografische Autodidakt häufig Originalquellen von Tätern unkommentiert für sich sprechen. Er hatte bei seiner Arbeit stets auch zukünftige Generationen im Sinn und schrieb nicht nur für die Forschung, sondern auch
für die breite Gesellschaft. Diese interessierte sich allerdings nicht sonderlich für seine Werke. Im Gegenteil, da in Wulfs Veröffentlichungen auch Namen vieler noch nicht bestrafter Täter genannt wurden, stieß er immer wieder auf
Gegenwind. Trotz einer teils prekären finanziellen Lage schrieb Wulf unermüdlich gegen die stumpfsinnige, vom Unrecht nichts wissen wollende deutsche Normalität an. Er kämpfte gegen das - sich bis heute haltende - Narrativ von den angeblich passiven Juden, die sich 'wie Schafe zur Schlachtbank' führen ließen, und veröffentlichte Bücher zum jüdischen Widerstand." Wulf nahm sich 1974 das Leben.
Eine Osnabrücker Forschergruppe hat die Korrelation zwischen der Zahl der
Kriegstoten des Ersten Weltkriegs in deutschen Landkreisen und deren spätere Bereitschaft, die
Nazis zu wählen, untersucht und kam zu interessanten Ergebnissen, die der
Soziologe Alexander De Juan im Gespräch mit Petra Schellen von der
taz erläutert: "In der Weimarer Republik wurde in Landkreisen mit mehr Gefallenen des Ersten Weltkriegs im Durchschnitt häufiger NSDAP gewählt. Wir können also sagen: Die
Konfrontation mit Tod im Kontext zwischenstaatlicher Kriege beförderte in diesem Fall die Unterstützung für nationalistische Parteien. Wir haben uns außerdem Beitrittszeitpunkte zur NSDAP und zur HJ sowie die Darstellung des Kriegs in Briefen von NSDAP-Mitgliedern zu ihrer Motivation angeschaut. Alle Quellen deuten in die gleiche Richtung: dass es vor allem die Gruppe der Zivilisten ist, die den Krieg nicht direkt vor Ort erlebt haben. Und dass deren Konfrontation mit dem Verlust von Familie, Freunden, Bekannten die nationalistische Ausrichtung wesentlich befördert."
Bitter liest sich die Geschichte des
Doping in der DDR und der Bundesrepublik, die Anno Hecker und Michael Reinsch in der
FAZ erzählen. In beiden Deutschlands wurden Sportler unter Druck gesetzt und konnten der organisierten Manipulation schwer entkommen, aber natürlich war es für die
Sportler in der DDR noch viel fataler, weil sie überhaupt keine Ausweichoption hatten, resümieren die beiden: "Um dieses Erbe des Spitzensports macht das vereinte Deutschland
einen Bogen. Das Bundessozialgericht wies im Frühjahr den Antrag eines anerkannten Dopingopfers auf 'verwaltungsrechtliche Rehabilitierung', Voraussetzung für eine kleine Rente, ab. Der Gesetzgeber müsse zuerst eine Voraussetzung schaffen. Nach Jahrzehnten des Kampfes um eine kleine Anerkennung schwindet die Energie Geschundener und Erkrankter. Das
Sterben geht schneller."