Über Freiheit

C.H. Beck Verlag, München 2024
ISBN
9783406821400
Gebunden, 410 Seiten, 29,90
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn. Der amerikanische Historiker Timothy Snyder erklärt in seinem neuen Buch, was Freiheit ist, wie sie oft missverstanden wird und warum sie unsere einzige Chance ist zu überleben. Freiheit ist die Abwesenheit von Verboten. Wir sind frei, wenn wir tun und lassen können, was wir wollen. So denken viele. Aber wahre Freiheit ist nie nur Freiheit von, sondern immer auch Freiheit zu - die Entfaltung von Möglichkeitsräumen, für die wir auf die Gemeinschaft mit anderen angewiesen sind. Erst so wird Freiheit zu dem Wert, der alle anderen Werte ermöglicht. In "Über Freiheit" nimmt uns Tim Snyder mit auf eine aufwühlende Reise. Schriften politischer Philosophen und Dissidenten, Gespräche mit zeitgenössischen Denkern, eigene Erfahrungen - all das fließt ein in eine Erkundung der wichtigsten und am meisten bedrohten Ressource unserer Zeit: die Entschlossenheit, mit der wir uns gegen die Welle der Unfreiheit behaupten, die über unsere Zeit hereingebrochen ist.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.10.2024
Hoffnung in schweren Zeiten spendet dieses tolle Buch, findet Rezensent Michael Hesse. Timothy Snyder beschäftigt sich darin, erfahren wir, mit der Freiheit, die nicht nur negativ bestimmt werden soll, als Abwesenheit zum Beispiel von Zwang, sondern der positive Inhalte zugeschrieben werden sollen, die das Leben der Menschen mit Sinn erfüllen. Snyder schließt laut Hesse an die Philosophin Edith Stein an und deren Gedanken zur Leiblichkeit als Grundlage menschlicher Existenz, ein Aspekt, der für Snyder auch aufgrund seiner eigenen Krankheitsgeschichte interessant ist. Überhaupt schreibt Snyder hier nicht nur über die großen Fragen unserer Tage, sondern immer auch über persönliche Erlebnisse etwa aus seiner Kindheit. Außerdem geht in diesem Buch, etwa in der klaren Parteinahme des Autors für die Ukraine in ihrem Krieg gegen Russland, wissenschaftliches und aktivistisches Schreiben oft ineinander über, meint Hesse. Zentral sei für Snyder die Kritik an sozialer Ungleichheit, ein Aspekt, der stark auf die Zustände in den USA abhebt. Hesse merkt an, dass viele der beschriebenen Übel trotz stärkerem Sozialstaat auch in Europa anzutreffen sind. Insgesamt freut sich der Rezensent jedoch sehr über dieses Buch, das eine Lanze bricht für sinnhafte Freiheit und uns dabei hilft, die Welt, in der wir leben, genauer zu verstehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2024
Der hier rezensierende Historiker Herfried Münkler muss dem Osteuropahistoriker Timothy Snyder nicht in jedem Punkt folgen, um Gewinn aus der Lektüre von Snyders Versuch zu ziehen, Freiheit als Verbindung aus individueller und gesellschaftlicher Freiheit zu definieren. Anhand von fünf Säulen, Souveränität, Unberechenbarkeit, Mobiliät, Faktizität, und Solidarität erläutert der Autor laut Münkler seine positive Idee von Freiheit und die Vorstellung, dass der Mensch erst zu ihr erzogen werden muss. Dabei lernt Münkler philosophische, sozio-politische, aber auch persönliche Aspekte und Erfahrungen des Autors kennen. Für Münkler ein bunter, ein "impressionistischer" Ansatz.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.09.2024
Rezensent Hubert Wetzel liest teils interessiert, teils skeptisch Timothy Snyders neuem Buch, das sich dem Thema Freiheit widmet. Und zwar plädiert Snyder laut Wetzel für einen positiven Freiheitsbegriff, der also nicht nur auf Abwesenheit von Zwang beruht, sondern auch Elemente wie Mobilität und Solidarität einschließt. Darauf aufbauend stellt Snyder diverse Forderungen auf, referiert Wetzel, die unter anderem besagen, dass eine Gesellschaft nur dann frei ist, wenn alle Menschen Zugang zu Bildung haben. Wetzel geht auf die Rolle des Ukrainekriegs für Snyders Denken ein, stellt aber klar, dass das neue Buch vor allem von Amerika handelt. Wetzel zufolge handelt es sich um eine Selbstbeschreibung eines linksliberalen Amerikas, das Angst vor dem Trumpismus und anderen Zeitphänomenen hat. Teilweise kann der Rezensent es nachvollziehen, gleichzeitig vermutet er jedoch, dass Snyder Amerika gern ein europäisches wohlfahrtsstaatliches Modell überstülpen will, was schlichtweg nicht gut funktioniert. Der Freiheitsbegriff der Amerikaner hat durchaus auch einen Wert, argumentiert Wetzel abschließend gegen Snyder.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 24.09.2024
Rezensent Tom Schimmeck staunt, wie geschickt der Yale-Historiker Timothy Snyder in seinem Buch über den Begriff der Freiheit eigenes Erleben, Lebenstipps und die Freiheit beim Baseball mit dem Krieg in der Ukraine, Frantz Fanon, Simone Weil und der Frage nach der Rolle von Institutionen bei der Durchsetzung von Freiheit zusammendenkt. Das Buch ist für Schimmeck ein faszinierendes Gedankenexperiment, das "konstruktiv nach vorn" blickt und immer anregend wirkt. Der Ton ist zuversichtlich, ja sogar mitunter amüsant, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 19.09.2024
Der Historiker Timothy Snyder entwirft in seinem Buch laut Rezensent Marko Martin einen Freiheitsbegriff, der sich von einem dominanten Strang der angelsächsischen Philosophie abhebt. Freiheit wird hier nicht, wie etwa bei Isaiah Berlin, ausschließlich negativ bestimmt, als Abwesenheit von Zwang, erfahren wir. Vielmehr muss sie Snyder zufolge um positive Attribute erweitert werden - eine Erkenntnis, die Snyder in der Ukraine kam, angesichts von Menschen, die um ihre Freiheit kämpfen. Er zählt laut Martin fünf Punkte auf, die für diese positive Freiheit relevant sind, darunter körperliche Souveränität und Faktizität, also Verfügung über Wissen. Aber auch solidarisch soll diese positive Freiheit sein, liest Martin, denn Freiheit sei nie nur die eines Einzelnen. Es geht dem Autor freilich nicht ums Moralisieren und Aufstellen von Regeln, stellt der Rezensent klar, sondern vielmehr um ein Programm der praktischen Realisierbarkeit von Freiheit. Ein Programm, mit dem der Rezensent zu sympathisieren scheint.